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Werkzeugbeschaffung in Zeiten globaler Krisen

Risikomanagement stababilisiert Lieferantennetzwerke
Werkzeugbeschaffung in Zeiten globaler Krisen

Produzierende Unternehmen müssen sich heute mehr denn je intensiv mit einer globalen Werkzeugbeschaffung beschäftigen. Bild: Sasun Bughdaryan/stock.adobe.com
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Die risikobewusste Auswahl von Werkzeuglieferanten ist in Zeiten internationaler Krisen wie der Corona-Epidemie das Gebot der Stunde. Hierbei unterstützt ein mehrstufiger Prozess der WBA wie auch deren Marktintelligenzdemonstrator.

Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Boos, Christoph Kelzenberg, Jens Helbig, Tim Graberg
WBA Aachener Werkzeugbau Akademie

Produzierende Unternehmen sehen sich bei der Beschaffung von Werkzeugen mit steigenden Herausforderungen konfrontiert. Der zunehmende Kostendruck bei gleichzeitig kürzeren Produktlebenszyklen erfordert beim Werkzeugeinkauf sinkende Preise und kürzere Beschaffungszeiten.

Diese Entwicklung zwingt dazu, sich intensiv mit einer globalen Werkzeugbeschaffung zu beschäftigen. Dadurch soll eine zuverlässige Versorgung sichergestellt und das Potenzial der Faktorkostenunterschiede ausgenutzt werden. Aktuelle Handelskonflikte und das neuartige Coronavirus zeigen jedoch, dass die Internationalisierung der Lieferketten auch ungewollte Risiken beinhaltet. Um den langfristigen Geschäftserfolg zu sichern, ist der starke Fokus auf die Kostenreduktion beim Ausgestalten der Lieferantennetzwerke zu hinterfragen.

Unternehmen stehen dadurch nicht nur vor der Herausforderung, internationale Werkzeuglieferanten zu identifizieren. Sie müssen auch vorhandene Lieferantennetzwerke zusätzlich im Kontext eines anforderungsgerechten Risikomanagements evaluieren. Die WBA Aachener Werkzeugbau Akademie hat einen Prozess zur risikobewussten Werkzeuglieferantenauswahl entwickelt und in vielen Beratungsprojekten angewendet.

Durchgängiger Prozess von der Auswahl der Lieferanten bis zur Klassifizierung

Den ersten Prozessschritt bildet die Bedarfsermittlung. Ziel ist es, die Leistungs- und Kapazitätsbedarfe für Werkzeuge, Komponenten und Dienstleistungen des eigenen Unternehmens festzulegen. Auf dieser Basis erfolgt die Lieferantenidentifizierung. Die Recherche relevanter Unternehmen sowie die Strukturierung bereits verfügbarer Informationen sind essenziell für den Erfolg der nachfolgenden Schritte. Hierfür wird ein ausgeprägtes Wissen über spezifische Märkte benötigt, dessen Aufbau und Pflege ressourcenintensiv ist. Es stellt viele Unternehmen vor eine große Herausforderung, relevante Unternehmen außerhalb ihres direkten Umfelds zu identifizieren. Hinzu kommt die initiale Festlegung der zu betrachtenden Märkte. Beide Punkte müssen vor dem Hintergrund eines erhöhten Risikobewusstseins der Unternehmen betrachtet werden, sodass etwa Währungs- und Gesundheitsrisiken oder politische Instabilität auch bei der Auswahl von Märkten und Unternehmen Teil der Entscheidungsfindung sind.

Demonstrator mit über 8000 Datensätzen von Werkzeugbauern aus 56 Ländern

Die WBA hat ein umfangreiches Marktintelligenzwissen aufgebaut, das die risikobewusste Identifizierung von Lieferanten unterstützt. Regelmäßig werden internationale Werkzeugbaubetriebe im Rahmen von Industrie- und Konsortialprojekten bewertet. Um die Lieferantenidentifizierung effektiver und effizienter zu gestalten, hat die WBA einen Demonstrator entwickelt, der das im Rahmen der Industrieprojekte und Marktbereisungen gewonnene Wissen zentralisiert und ortsunabhängig zugänglich macht. Der Demonstrator enthält über 8000 Datensätze von Werkzeugbaubetrieben aus 56 Ländern und ermöglicht, nach verschiedenen Werkzeugtypen, Unternehmensgrößen und Branchenspezialisierungen intuitiv zu filtern.

Sind die potenziellen Werkzeuglieferanten identifiziert, erfolgt anschließend deren Vorbewertung. Hierbei werden im Fragebogenformat eine Mindestanforderungsprüfung und eine Lieferanteneinstufung anhand einheitlicher Kriterien wie etwa dem Vorliegen einer Zertifizierung nach ISO 9001, vorhandenen Fertigungstechnologien oder herstellbaren Bauteildimensionen durchgeführt. Bei der Bewertung bestehender Lieferanten können zusätzlich Daten bisheriger Lieferungen berücksichtigt werden. Im Ergebnis wird über zukünftige Anfragen bei den Lieferanten sowie über die Durchführung einer Auditierung entschieden.

Bei der Lieferantenauswahl rückt auch das Risikomanagement in den Fokus

Ziel der Lieferantenauditierung ist es, reale Prozesse und Ressourcen vor Ort zu bewerten. Auf Basis spezifischer Auditbögen, die abhängig vom beschaffenden Wertschöpfungsumfang für die Werkzeugbaubetriebe individuell erstellt werden müssen, werden die Stärken und Schwächen der jeweiligen Fachbereiche dokumentiert. Fügt man der Bewertung der Leistungsfähigkeit die Breite des Leistungsspektrums hinzu, ergibt sich eine zweidimensionale Bewertungsmatrix, mit deren Hilfe eine Lieferantenklassifizierung vorgenommen werden kann. Lieferanten, die in beiden Dimensionen niedrige Werte aufweisen, werden für eine Partnerschaft als ungeeignet eingestuft. Ist ein breites Leistungsspektrum bei geringer Leistungsfähigkeit vorhanden, so ist die kostenoptimierte Zusammenarbeit mit diesen Lieferanten das Ziel. Besonders relevant sind leistungsfähige Lieferanten, die entweder bereits ein breites Leistungsspektrum anbieten oder bei denen dieses durch gezieltes Fördern entwickelt werden kann.

Potenzielle Einflussfaktoren auf die eigene Lieferkette aufdecken

Mit Blick auf aktuelle internationale Krisen rückt bei der Werkzeuglieferantenauswahl zusätzlich zum traditionellen Prozess vermehrt auch das Risikomanagement in den Fokus der Unternehmen. Die Gestaltung der eigenen Lieferkette wird als Kernrisiko bezeichnet, da sie den Unternehmenserfolg signifikant beeinflusst. Hier gilt es also, potenzielle Einflussfaktoren auf die eigene Lieferkette aufzudecken, die Entscheidungsfindung im Umgang mit diesen Einflussfaktoren zu unterstützen sowie Chancen und Risiken darzustellen, die sich durch diese ergeben.

Zu berücksichtigende Risiken sind neben Epidemien und Pandemien vor allem Naturkatastrophen, Währungsrisiken, Sanktionen und Embargos, Material- und Ressourcenengpässe oder Dispositionsrisiken. Diese Risiken sind dann für die verschiedenen Lieferanten und Beschaffungsgüter mit einer geschätzten Eintrittswahrscheinlichkeit zu bewerten. Anschließend muss die Time-To-Recovery (TTR) bestimmt werden. Diese gibt an, wie lange es dauern würde, bis ein Ausfall eines Lieferanten kompensiert werden könnte. Je länger dieser Zeitraum ist und je größer die dadurch verursachten finanziellen Auswirkungen sind, desto höher ist die potenzielle Störung durch ein Risiko.

Typische Strategien zum Umgang mit Kernrisiken sind die Risikovorsorge, -minderung, -vermeidung und -diversifikation. Eine Form der Risikovorsorge könnte etwa die Anfrage potenzieller Ersatzlieferanten für Werkzeugeinkäufe sein, die als sehr risikobehaftet bewertet werden. Eine Entscheidung zur Diversifikation eines Risikos kann dagegen dazu führen, dass strategisch wichtige Werkzeuge bei unterschiedlichen Lieferanten beschafft werden. Ein vollständiges, systematisches Risikomanagement führt auf diese Art und Weise zu einer risikobewussten Auslegung des eigenen Werkzeuglieferantennetzwerks und stärkt so langfristig die Wettbewerbsposition.

Die WBA hilft bei einer risikobewussten Werkzeuglieferantenauswahl, indem sie Unternehmen das über Jahre angeeignete Marktwissen durch Studien, Veröffentlichungen und in persönlicher Beratung vermittelt. Durch den Marktintelligenzdemonstrator erhalten produzierende Unternehmen umfangreiches Marktwissen, das sonst aufwendig erarbeitet werden müsste. Der Demonstrator und die WBA können nach vorheriger Anmeldung kostenlos besichtigt oder digital vorgeführt werden.

Kontakt:

WBA Aachener Werkzeugbau Akademie GmbH
Campus-Boulevard 30
52074 Aachen
Tel. +49 241 990163–14
www.werkzeugbau-akademie.de


Produzierenden Unternehmen stellt die WBA Aachener Werkzeugbau Akademie per Marktintelligenzdemonstrator umfangreiches Marktwissen zur Verfügung.
Bild: WBA

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