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Wie Alternativprodukte die Lieferkette stärken

Finanzierung: Besicherte forderungen verschaffen liquidität
Wie Alternativprodukte die Lieferkette stärken

43 % der deutschen Produktionsfirmen wollen ihre ausstehenden Forderungen zu Geld machen. Wichtige Ergebnisse der Studie zu „Supply Chain Finance“ von Demica, einem auf Betriebskapitallösungen spezialisierten Finanzhaus, zeigt die Tabelle auf dieser Seite Bild: EU
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Unternehmen am Ende der Lieferkette stehen unter großem Druck, Barmittel zu erwirtschaften. Hilfe versprechen jetzt alternative Finanzierungsprodukte. Unter dem Begriff Supply Chain Finance (SCF) besichern sie Rechnungsforderungen innerhalb der Lieferkette und verschaffen so die nötige Liquidität, damit die Kette nicht reißt.

Bei schwieriger Wirtschaftslage und Konjunkturtiefs kommt es vor allem auf eines an: den Cashflow. Für Deutschlands Produktionssektor steht das Cash-Management nach wie vor an erster Stelle. Trotz erster Anzeichen dafür, dass das Land die Rezession hinter sich lässt, dürfte eine rasche Erholung noch geraume Zeit auf sich warten lassen.

Den vorläufigen Zahlen des Markit-Einkaufsmanagerindex zufolge war der Aktivitätsrückgang im deutschen Produktionssektor im August der geringste der letzten zwölf Monate, und der deutsche Einkaufsmanagerindex für den Produktionssektor stieg auf 49,0. Dies ist ein erfreulicher Anstieg gegenüber dem im Juli verzeichneten Wert von 45,7. Alle Zahlen unter 50 bedeuten jedoch einen Konjunkturrückgang. Der Produktionssektor gilt nach wie vor als empfindliches Barometer für die allgemeine Wirtschaftslage. Für Fertigungsunternehmen, die gestärkt aus dieser schwierigen Situation hervorgehen möchten, ist es deshalb wichtig, ihre Barmittel vorsichtig zu verwalten.
Die Firmen sind jedoch nach wie vor optimistisch, da sich der Sektor unverändert durch umsichtiges Geschäftsmanagement auszeichnet. In den letzten zehn Jahren wurde fast jeder Bereich der Lieferkette auf strenge Effizienzkriterien ausgerichtet. Die Lieferketten reichen jetzt in weiter entfernte Länder, die künftige Nachfrage wird anhand anspruchsvoller Analysen und Planungsabläufe prognostiziert und erfüllt. Auch die internationale Logistik wurde genau abgestimmt. Tatsächlich sind die Lieferketten jetzt so passgenau zugeschnitten, dass kaum noch Spielraum für Verbesserungen bleibt.
Dennoch geraten diese Ketten durch die globale Krise unter Druck. Dies gilt ganz besonders für den Produktionssektor. Dieser muss jetzt den Gürtel enger schnallen, womit der Cashflow an Bedeutung gewinnt. Die Lieferkette steht unter so starkem Druck, dass sie keiner weiteren Belastung standhielte. Immer häufiger kommt es nun zwischen Käufern und Lieferanten zu unproduktiven Streitigkeiten über die Zahlungsbedingungen.
So ergab Demicas letzte Studie, für die 1000 Finanzvorstände befragt wurden, dass 48 % der hiesigen Firmen immer noch versuchen, sich von ihren Lieferanten längere Zahlungsziele einräumen zu lassen, während auf der anderen Seite die Lieferanten weiterhin auf pünktliche Zahlung bestehen. Die Situation erreicht nun offensichtlich einen kritischen Punkt: 55 % der Befragten meinten, einige ihrer Hauptlieferanten seien nicht in der Lage, längere Zahlungsziele zu gewähren. Die großen Unternehmen am Ende der Lieferkette stehen unter großem Druck, Barmittel zu erwirtschaften. Wenn dadurch jedoch wichtige Lieferanten in die Insolvenz gedrängt werden, kann es dazu führen, dass die gesamte Lieferkette für die Produktion bricht.
Während also die Lieferketten im Produktionssektor wegen des Abschwungs unter zunehmendem Druck stehen, zeigen Verbesserungen der physischen Lieferkette kaum noch Wirkung. Es gibt jedoch Hoffnung, denn die Banken haben dieser Entwicklung nicht untätig zugesehen und eine Palette alternativer Finanzprodukte unter dem Begriff Supply Chain Finance (SCF) entwickelt. In der Regel handelt es sich um Finanzierungen, die durch Rechnungsforderungen innerhalb der Lieferkette besichert sind. Banken wie auch deren Firmenkunden finden großen Gefallen an dieser Kategorie, die an die Stelle des geringeren Kreditangebots treten kann. Durch die Demica-Studie lässt sich das Wohlwollen der Firmen für diese Finanzierungsmodelle auch beziffern: 43 % der deutschen Unternehmen planen, ihre ausstehenden Forderungen zu Geld zu machen, um so ihrer Lieferkette Liquidität zu verschaffen.
SCF-Programme heben die Spannung zwischen den konträren Anforderungen der Käufer und Lieferanten auf: Die Käufer erhalten von den Lieferanten längere Zahlungsziele eingeräumt – etwa von 30 auf 90 Tage –, während die Lieferanten ihre Zahlung schon wenige Tage nach der Rechnungsgenehmigung erhalten. Der Finanzier, also die Bank, ermöglicht diesen Prozess, indem er den Lieferanten eine Finanzierung gewährt. Bei der Kreditprüfung stellt er darauf ab, wer der Käufer ist, der zur Zahlung der Rechnung verpflichtet ist. Derartige Programme basieren auf einer anspruchsvollen technischen Berichtsplattform, mit der es möglich ist, Rechnungen in Echtzeit nach Käufern, Darlehensgebern und Lieferanten zu analysieren. Dadurch kann die Transaktion ohne große Umstände durchgeführt werden.
Gerade jetzt, wo die Firmen dringend ihren Cashflow verbessern und die Beziehungen zu ihren wichtigsten Lieferanten stärken müssen, bietet sich ihnen die Gelegenheit, diese neuen Techniken zu nutzen. Demicas letzte Studie ergab, dass 55 % der deutschen Firmen und 83 % der britischen meinen, die Beziehungen der Banken zu ihren Firmenkunden hätten in den letzten 18 Monaten unwiderrufliche Veränderungen und Neustrukturierungen erfahren.
Supply Chain Finance und nichttraditionelle Finanzierungstechniken scheinen in den letzten beiden Jahren immer mehr zu den üblichen Geschäftstechniken zu zählen. Sie könnten aber von weitaus mehr Produktionsunternehmen genutzt werden. Denn wer auf diese Techniken setzt, schützt sich nicht nur vor der Gefahr schwerwiegender Beeinträchtigungen seiner Lieferkette, sondern wird auch zu denen zählen, die als Sieger aus diesem Abschwung hervorgehen.
Phillip Kerle CEO, Demica, London
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