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ZF und Grohe folgen dem Cradle to Cradle Prinzip

Kreislaufwirtschaft: So geht‘s
ZF und Grohe setzen Cradle to Cradle um

„Cradle to Cradle Certified“ gilt als sehr ambitionierte Form von Kreislaufwirtschaft. Doch ZF, Grohe und Bang & Olufson haben diesen Weg eingeschlagen und zeigen, wie er begehbar ist – selbst für Mittelständler. ZF etwa baut Kupplungen im ‚Cradle to Cradle‘-Design und sieht weitere Nutzungen der Komponenten vor.

» Martin Prösler, Geschäftsführer Proesler Kommunikation in Tübingen

Viele Unternehmen fragen sich heute, wie sie ihre Produkte nachhaltiger gestalten können. Sei es unter dem Blickwinkel des Klimaschutzes, der Kreislaufwirtschaft oder eines breiter gefassten Nachhaltigkeitsansatzes. Immer mehr Anklang in der Industrie finden die Prinzipien des ‚Cradle to Cradle‘-Designs, also eines konsequent kreislauforientierten Denkens in der Produktentwicklung. Der Automobilzulieferer ZF, der Sanitärhersteller Grohe und der Spezialist für Unterhaltungselektronik Bang & Olufson nutzen das Designprinzip. Aber auch viele mittelständische Hersteller arbeiten bereits damit.

Der ‚Cradle to Cradle‘-Ansatz ermöglicht einen ganzheitlichen Einstieg in die nachhaltige Produktentwicklung. Dazu kommt für viele der Vorteil, dass die Produkte auf unterschiedlichen Stufen zertifiziert werden können.

Den Rahmen dazu liefert das Cradle to Cradle Products Innovation Institute. Die gemeinnützige und unabhängige Organisation entwickelt den Produktstandard Cradle to Cradle Certified, der weltweit genutzt wird. Bei der Entwicklung der Kriterien legt das Institut großen Wert darauf, dass sie wissenschaftsbasiert sind und in einem offenen Stakeholder-Dialog entstehen (s. Infobox)

Der Automobilzulieferer ZF hat beispielsweise Kupplungsteile nach Cradle to Cradle Certified entwickelt. Ausgangspunkt war die einfache Frage: Wo stehen wir eigentlich in punkto Nachhaltigkeit? Und dahinter stand die strategische Perspektive, wie sich der Wettbewerb in der Branche in Zukunft gestalten wird. Erfahrungsgemäß fragen schon heute Kunden zunehmend nach einem kleineren CO2-Fußabdruck von Produkten.

Mit Cradle to Cradle setzt ZF einen Benchmark

ZF ging es also um einen holistischen Ansatz, der auch einen Benchmark in der Branche setzen sollte. Dabei bestand der Wunsch, mit einem international etablierten System wie dem ‚Cradle to Cradle Certified‘-Produktstandard zu arbeiten – entsprechend der Kundenstruktur.

Im Rahmen seiner weltweiten Remanufacturing-Aktivitäten nimmt ZF gebrauchte Teile zurück, bereitet sie auf und bringt sie wieder auf den Markt. Am Standort Bielefeld, einem der weltweit mehr als 20 ZF-Remanufacturing-Werke, kommen täglich rund 40 bis 50 t gebrauchte Kupplungsteile an („Cores“) – davon gehen zwischen 80 und 95 % aufbereitet zurück in den Markt.

Der Grundgedanke von Cradle to Cradle ist hier teilweise bereits im Geschäftsmodell angelegt. Im Fokus stehen nicht nur die Herstellung und der Verkaufspreis des Bauteils. Das Geld wird über mehrere Nutzungszyklen verdient. Entsprechend gehört es zu den Aufgaben der Produktentwickler, diese späteren Nutzungen präzise vorzubereiten und einzuplanen.

Cradle to Cradle kam ins Spiel, um die Kupplungsteile aus Sicht der Nachhaltigkeit weiter zu optimieren und auch, um Impulse für andere Produktentwicklungen zu bekommen. Den Einstieg für die Analyse und die anschließende Optimierung der Produkte bekamen die ZF-Mitarbeiter über das ‚Cradle to Cradle Certified‘-Rahmenwerk.

Der Einstieg: ZF analysierte Produktkomponenten

Auf Basis dieser Handlungsanleitung haben sie das Produkt zunächst in seine Komponenten zerlegt und eine Liste der verwendeten Materialien zusammengestellt. Dabei gaben ihnen der Produktstandard und die toxikologische Bewertung von Stoffen eine gute Orientierung: Welche Materialien sind aus der Perspektive von Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft bedenklich oder auszuschließen? Welche Alternativen sollen in Betracht gezogen werden? Wo liegen Innovationspotentiale?

Danach hat ZF das Thema im Rahmen seiner Lieferkette aufgegriffen und im Dialog mit den jeweiligen Herstellern nach passenden Lösungen gesucht. Mit einem guten Ergebnis. Die Materialzusammensetzung der Kupplungsteile ließ sich unter dem Blickwinkel einer Circular Economy weiter optimieren.

Parallel zum Produkt ging der Blick in die Produktion, mit den in der Industrie durchaus bekannten Fragen: Wie sehen die Energieerzeugung und der CO2-Fußabdruck aus? Wo liegen Effizienzpotenziale beim Ressourceneinsatz? Wie lassen sich das Abwasser- und das Bodenmanagement optimieren? Wie sehen die sozialen Herstellungsbedingungen aus? Gut aufgestellte Unternehmen wie ZF haben in der Regel bereits eine fundierte Datengrundlage, die bei der Analyse und Optimierung ihrer Produkte nach Cradle to Cradle helfen.

Kupplungsteile bleiben im Kreislauf

Schnell wurde bei ZF greifbar, wie viele Umweltvorteile das Remanufacturing aufweist. Allein die CO2-Bilanz geht aufgrund der vielen Lebenszyklen der Kupplungsteile deutlich nach unten. Auch enden diese Teile eben nicht als Abfall, sondern bleiben im Kreislauf.

Ein Grundgedanke, der für die Branche in kommenden Jahren voraussichtlich eine immer größere Bedeutung erlangt. So etwa hat unlängst BMW sein Konzeptfahrzeug BMW I Vision Circular vorgestellt. Es zeigt, wie ein Auto 2040 aussehen könnte, das konsequent nach den Prinzipien der Cicular Economy gestaltet ist.

Vor dem Hintergrund aktueller Branchenentwicklungen hat das Aufarbeitungswerk von ZF in Bielefeld sein Produktportfolio fast vollständig nach dem ‚Cradle to Cradle Certified‘-Produktstandard Silber und Gold zertifizieren lassen und sich in eine führende Position am Markt begeben.

Auch andere Industrieunternehmen stellen sich auf den Entwicklungspfad zu einer Kreislaufwirtschaft ein, etwa Sanitärhersteller Grohe. Der Marke ist es ein Anliegen, den Paradigmenwechsel in der Sanitär- und Baubranche mitzugestalten. Daher hat Grohe mehrere Armaturen und ein Brausestangen-Set nach dem ‚Cradle to Cradle Certified‘-Produktstandard optimiert. Dazu gehörte, jeden Inhaltsstoff der Produkte zu erfassen und zu bewerten. Wo nötig, nahm Grohe entsprechende Veränderungen vor.

Grohe gestaltet Brauseschläuche nach Cradle to Cradle

Ein Beispiel sind die „Cradle to Cradle Certified-Brauseschläuche“. Früher wurden diese Schläuche aus Mehrschicht-PVC mit Weichmachern hergestellt, jetzt aus hochreinem Silikon. Die Marke will sich mit Cradle to Cradle von allen derzeit gültigen Anforderungen deutlich abheben und den Markt mit noch nicht geforderten, aber ökologisch sinnvollen und innovativen Produkteigenschaften verändern.

Dazu gehört, auf Unternehmensnetzwerke innerhalb der Branche zu bauen, denn nur gemeinsam können die Hersteller bei den aktuell drängenden Umweltproblemen ein Teil der Lösung sein. Nur über Kooperationen lassen sich Ressourcenschonung und Abfallreduzierung maßgeblich vorantreiben.

Daher überrascht es nicht, dass der Hersteller sein ‚Cradle to Cradle‘-zertifiziertes Sortiment weiter ausbauen will. Darüber hinaus arbeitet Grohe an Rücknahmeprozessen für ‚Cradle to Cradle Certified‘-Produkte.

Aus Sicht von Grohe ist der Zertifizierungsprozess anspruchsvoll, da er sowohl vorgelagerte Fertigungsprozesse als auch die interne Produktion miteinbezieht. Doch diese Arbeit hat sich nach eigenen Angaben gelohnt, da die gewonnenen Erkenntnisse zeigen, was für kommende Produktentwicklungen von Anfang an bedacht werden kann und wie sich der Ressourcenverbrauch reduzieren lässt.

Bang & Olufson lässt sich inspirieren

Bang & Olufson hat in der Unterhaltungselektronik das erste nach Cradle to Cradle zertifizierte Produkt eingeführt. Bei der Entwicklung eines neuen Lautsprechers wendete das Unternehmen konsequent modulare Design-Prinzipien an. Außerdem wurde die Transparenz in der Lieferkette erhöht und die Materialzusammensetzung des Produkts gemeinsam mit den Lieferanten optimiert. Ziel ist es, die Nachhaltigkeit im Unternehmen voranzutreiben und die Materialkreisläufe zu schließen.

Die Beispiele zeigen, dass immer mehr Unternehmen eine zukunftsorientiertere Produktentwicklung angehen. Sie definieren Produktqualität und Innovation ganzheitlicher. Neben die traditionellen technischen Parameter treten standardmäßig Qualitätskriterien wie Kreislauffähigkeit und der CO2-Fußabdruck. Als wichtiger Erfolgsfaktor dafür erweist sich eine systemische Herangehensweise in der jeweiligen Wertschöpfungskette und Branche.

ZF Friedrichshafen AG
Löwentaler Straße 20
88046 Friedrichshafen
Tel.: +49 7541 77–0
www.zf.com

Grohe Deutschland Vertriebs GmbH
Zur Porta 9
32457 Porta Westfalica
Tel.: +49 571 3989–333
www.grohe.de

Cradle to Cradle Products Innovation Institute
Piet Heinkade 55
1019GM Amsterdam/ Niederlande
media@c2ccertified.org
www.c2ccertified.org


Ein Markenzeichen für Nachhaltigkeit: Die begehrte C2C-Zertifizierung.
Bild: Cradle to Cradle Products Innovation Institute

Das Ziel: Cradle to Cradle Certified

Das Cradle to Cradle Products Innovation Institute ist eine gemeinnützige, unabhängige Organisation, die den international anerkannten Produktstandard „Cradle to Cradle Certified“ formuliert, um Produkte sicher, kreislauffähig und nachhaltig zu entwickeln und herzustellen.

Im Fokus dieses Produktstandards stehen fünf Kategorien, die kritische und zukunftsrelevante Themenbereiche der Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft umfassend abdecken:

  • Materialgesundheit:
    Stellt sicher, dass Chemikalien und Materialien im Produkt die menschliche Gesundheit und die Umwelt schützen und sich positiv auf die Qualität der Materialien für weitere Nutzungen und Kreisläufe auswirken.
  • Produkt-Wiederverwendung:
    Produkte werden bewusst für ihre Kreislauffähigkeit entwickelt und aktiv in dem vorgesehenen technischen oder biologischen Kreislauf geführt.
  • Saubere Luft und Klimaschutz:
    Produktherstellung mit positiver Auswirkung auf die Luftqualität, den Haushalt erneuerbarer Energie und auf die Reduktion von Treibhausgasemissionen.
  • Wasser- und Bodenmanagement:
    Ressourcenschutz und Verfügbarkeit von sauberem Wasser und gesunden Böden
  • Soziale Verantwortung:
    Einhaltung von Menschenrechten; faire, gerechte Geschäftspraktiken im Unternehmen und in deren Lieferketten

Die entsprechende Zertifizierung ist in Bronze, Silber, Gold und Platin möglich.

www.c2ccertified.org

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