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Umfrage von Acatech und Dechema: Entscheidende Phase für erfolgreichen Wasserstoff-Markthochlauf

Ergebnisse einer Umfrage von Acatech und Dechema
Entscheidende Phase für erfolgreichen Wasserstoff-Markthochlauf

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Laut einer Metaanalyse wird der Wasserstoff-Bedarf im Jahr 2030 um ein Vielfaches höher sein als die inländischen Erzeugungskapazitäten.
Bild: PhotoGranary/
stock.adobe.com

Acatech und Dechema stellen erste Ergebnisse einer Stakeholder-Umfrage sowie Zwischenergebnisse ihrer Metaanalyse zum Markthochlauf von Wasserstoff in Deutschland vor.

Wie stellen sich Wissenschaft, Wirtschaft, NGOs und öffentliche Verwaltung die künftige Wasserstoff-Wirtschaft in Deutschland vor? Eine neue Umfrage von Acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und der Dechema Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e. V. gibt nun Antworten.

Die beiden Projektpartner präsentierten jetzt erste Ergebnisse der Öffentlichkeit – und gaben eine Prognose ab: Laut einer wissenschaftlichen Metaanalyse wird der Wasserstoff-Bedarf im Jahr 2030 um ein Vielfaches höher sein als die inländischen Erzeugungskapazitäten.

Umfrage „Wasserstoff-Wirtschaft 2030/2050: Ziele und Wege“

Herkunftsnachweise für klimaverträglichen Wasserstoff sind laut Aussage einer Mehrheit von Expertinnen und Experten ein zentraler fördernder Faktor für den Hochlauf der Wasserstoff-Wirtschaft in Deutschland. Das geht aus der Umfrage „Wasserstoff-Wirtschaft 2030/2050: Ziele und Wege“ von Acatech und Dechema unter knapp 600 Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft, NGOs und öffentlicher Verwaltung hervor.

Die Studie ist Teil des Kooperationsprojekts Wasserstoff-Kompass. Erste Ergebnisse stellten die Projektpartner schon in einer Online-Konferenz vor, bevor im März die Publikation aller Umfrageergebnisse erfolgt.

Wettbewerbsfähige Wasserstoff-Wirtschaft in Deutschland

Als Keynote zu Beginn der Konferenz sprachen Judith Pirscher, Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung, und Patrick Graichen, Staatsekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Sie machten deutlich: Die aktuelle Legislaturperiode ist entscheidend, um die Rahmenbedingungen für eine wettbewerbsfähige Wasserstoff-Wirtschaft in Deutschland zu schaffen.

Staatssekretärin Pirscher betonte: „Wir setzen beim Klimaschutz auf Technologien, nicht auf Verzicht. Grüner Wasserstoff ist deshalb ein Schlüsselelement für das Erreichen unserer ambitionierten Klimaziele. Gleichzeitig bieten Wasserstoff-Technologien enorme Chancen für neues Wachstum und Exportmärkte und für gute Jobs. Um diese Chancen zu nutzen, brauchen wir einen massiven Innovationsschub. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung steht mit seiner technologieoffenen Forschungsförderung für diesen Innovationsschub.“

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Staatssekretär Graichen unterstrich: „Forschung und Innovation für die Energiewende und den Klimaschutz sind ein strategisches Element unserer Klima- und Energiepolitik. Wir brauchen einen Hochlauf von Wasserstoff in den No-regret-Anwendungen. Dafür müssen wir wissen, wie eine klug ausgerichtete und anwendungsorientierte Energieforschung aussieht, die dazu beiträgt, Technologiekosten zu senken.“

Unzureichende Flächen für erneuerbare Energien als Hemmnis

Um den Markthochlauf anzustoßen, sind aus Sicht der Befragten neben Herkunftsnachweisen für klimaverträglichen Wasserstoff weitere Maßnahmen notwendig. Unter anderem solle der für die Wasserstoff-Erzeugung eingesetzte Strom von staatlichen Preisbestandteilen weitestgehend befreit werden. Überdies sind nach Meinung der Befragten staatliche Zuschüsse für Wasserstoff-Projekte vonnöten.

Die Umfrageergebnisse weisen außerdem auf zentrale Hemmnisse für eine großskalige Erzeugung von klimaneutralem Wasserstoff in Deutschland hin: 59 % der Befragten sehen die hohen Investitions- und Unterhaltskosten als hinderlich für die Wirtschaftlichkeit von Produktionsanlagen. Ebenfalls 59 % der Befragten betrachten die unzureichenden Flächen für Erneuerbare-Energien-Anlagen als zentralen Hemmschuh.

Um Wasserstoff als Energieträger zu etablieren, braucht es aus Sicht der Befragten auch akzeptanzfördernde Maßnahmen, insbesondere für den Ausbau erneuerbarer Energien, in Bezug auf das Thema Sicherheit bei der Wasserstoff-Erzeugung und -nutzung sowie für neue Wasserstoff-Transport-Infrastrukturen.

„Unsere Umfrageergebnisse verdeutlichen, dass Wissenschaft, Wirtschaft, NGOs und öffentliche Verwaltung einen sehr ähnlichen Blick auf Treiber und Hemmnisse für den Wasserstoff-Markthochlauf haben“, resümierte Prof. Dr.-Ing. Jan Wörner, Acatech-Präsident.

„Diese Ergebnisse sind ein wichtiger Anhaltspunkt bei der Erstellung einer Wasserstoff-Roadmap auf Basis der demnächst überarbeiteten Nationalen Wasserstoff-Strategie. Diese Wasserstoff-Roadmap kann nur erfolgreich sein, wenn sie auf einen ebenso koordinierten wie flexiblen Instrumenten-Mix abzielt. So können zeitgleich und schnell Erzeugung, Transport- und Speicherinfrastrukturen wie auch Anwendungsbereiche entstehen“, so Wörner weiter.

2030: große Differenz zwischen inländischer Erzeugung und Nachfrage

Acatech und Dechema erarbeiten derzeit eine Metaanalyse, in der sie fortlaufend Studien und Strategiepapiere zum Thema Wasserstoff auswerten. Jetzt präsentierten sie einen ersten Zwischenstand zu den Bereichen Mobilität, Stahlindustrie, chemische Industrie sowie zur Wasserstoff-Erzeugungskapazität in Deutschland.

Die Auswertung weist bislang Elektrolyseprojekte aus, die 2030 eine Gesamtkapazität von etwa 5 GW haben werden. Im Koalitionsvertrag hat sich die neue Bundesregierung auf ein Elektrolysekapazitätsziel von 10 GW bis 2030 verständigt.

Allerdings zeigt die Metaanalyse des Wasserstoff-Kompasses: Selbst bei optimistischen Annahmen der Laststunden und bei Erreichen der politischen Zielsetzung, werden die bis 2030 aufgebauten heimischen Kapazitäten nicht ausreichen, um den Minimalbedarf von etwa 50 TWh zu decken.

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„Nachhaltiger Wasserstoff wird in den nächsten Jahren eine knappe Ressource bleiben, die einem wachsenden Bedarf gegenübersteht“, folgerte Klaus Schäfer, Vorstandsvorsitzender der Dechema.

„Um zukünftig Nachfrage und Angebot in Einklang zu bringen, ist es unverzüglich notwendig, die richtigen politischen Weichen zu stellen. Dabei stehen der Politik verschiedene Handlungsoptionen zur Verfügung. Mit dem Projekt Wasserstoff-Kompass tragen wir dazu bei, die ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Aspekte der verschiedenen politischen Handlungsoptionen aufzuzeigen“, so Schäfer weiter.

Über das Projekt Wasserstoff-Kompass

Acatech und Dechema führen seit Juni 2021 das zweijährige Projekt Wasserstoff-Kompass durch. Gemeinsam erarbeiten sie mithilfe einer Metaanalyse einen Überblick über verschiedene Entwicklungspfade für den Markthochlauf sowie entsprechende Handlungsoptionen mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen.

Weiterhin organisiert der Wasserstoff-Kompass einen Dialog mit Stakeholdern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft, um deren Sichtweisen einzuholen und auf ein gemeinsames Zielbild einer deutschen Wasserstoff-Wirtschaft hinzuwirken.

Die Projektergebnisse kann die Politik für die Erarbeitung ihrer Wasserstoff-Roadmap nutzen. Das Projekt Wasserstoff-Kompass wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert.

Im März 2022 veröffentlichen Acatech und Dechema ihren vollständigen Bericht zu den Umfrageergebnissen. Ausgewählte Ergebnisse der Umfrage stellen Acatech und Dechema Ende Februar 2022 als Kurz-Dossier auf www.wasserstoff-kompass.de zum Download bereit. (bec)

Kontakt:
Acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften e. V.
Karolinenplatz 4
80333 München
Tel.: +49 89 520309–0
E-Mail: info@acatech.de

Dechema Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e. V.
Theodor-Heuss-Allee 25
60486 Frankfurt am Main
Tel.: +49 69 7564–0
E-Mail: info@dechema.de

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