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Das Spritzgießen boomt trotz Krisen

Maschinenbauer fast auf Vorkrisen-Niveau
Spritzgießen boomt weiter – aber wird nachhaltiger

Zwei Vorzeige-Unternehmen im Spritzgießmaschinenbau zeigen Flagge nach zwei Jahren Pandemie: Engel Austria im Blick auf die Leitmesse K 2022 und Arburg anlässlich seiner Technologietage im Juni 2022. Ihre Zahlen belegen, dass Kunststoffe und ihre Verarbeitung weiter boomen. Doch die Transformation hin zu Nachhaltigkeit und Digitalisierung ist voll im Gange.

» Olaf Stauß, Redakteur Konradin Industrie

„Der Auftragsstand ist sehr gut, wir sind bis in den Spätherbst ausgelastet“, sagte Dr. Stefan Engleder im Juni, CEO der Engel-Gruppe. Mit weltweit rund 7.000 Mitarbeitern erwirtschaftete der Spritzgießmaschinenbauer im Geschäftsjahr 2021/22 einen Umsatz von 1,5 Mrd. Euro und erreicht damit fast das Niveau des Rekords 2018/19 – ein Plus von 36 % gegenüber Vorjahr. Als aktuell größte Herausforderungen nannte Engleder neben den politischen Ereignissen die gestörten Lieferketten und massiv steigende Energie- und Materialpreise.

Dass Engel resilient durch diese Zeit kam und bei Lieferungen verlässlich bleiben konnte, führt der CEO auf das globale Produktions- und Zuliefernetzwerk des Familienunternehmens zurück, in das permanent investiert werde.

Ähnlich hört sich der Bericht des nächstgrößeren Familienunternehmens der Branche im Südwesten Deutschlands an – Arburg mit aktuell 3.500 Mitarbeitern weltweit. Jürgen Boll, Geschäftsführer Finanzen, bezifferte den konsolidierten Umsatz für 2021 auf 578 Mio. Euro – rund 27 % mehr als im Vorjahr und damit nahe am Vorkrisen-Niveau. Die Pandemie-bedingten Einbrüche gleichen bei beiden Unternehmen eher einer „Delle“. Doch Boll wollte für Arburg nicht einmal davon reden, er nannte die Delle eher ein „markantes V“.

Großes Interesse an moderner Spritzgießtechnik

Als einer der Gründe für die erfolgreich bewahrte Lieferfähigkeit von Arburg führte Boll die traditionell sehr hohe Fertigungstiefe am Produktionsstandort und Firmensitz Loßburg an. „Heute lächelt darüber keiner mehr, heute lächeln eher wir“, so der Finanz- und IT-Chef.

Als weiteren Triumpf für Arburg stellen sich die nach zwei Jahren Corona-Pause erstmals wieder durchgeführten Technologietage dar: Über 3.700 Gäste aus 39 Ländern kamen in die Firmenzentrale des Spritzgießmaschinenbauers. Diese Zahlen verdeutlichen den ungebrochen hohen Bedarf an Kunststoffen und auch an Informationen über ihre fortschrittliche Verarbeitung – gerade angesichts der Krisen.

Energieeffizienz bleibt ein Megatrend

Die beiden Maschinenhersteller haben die Zeit genutzt während der Pandemie. Im Juni präsentierten sie Highlights ihrer Aktivitäten und Entwicklungen. Teils geben sie einen Vorgeschmack auf das, was an Neuem auf der K 2022 zu sehen und erwarten sein wird. Als Megatrends nennt Engel – durchaus stellvertretend für die Branche – drei Zielrichtungen: Nachhaltigkeit durch eine möglichst effiziente Spritzgießproduktion, Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft.

Der wichtigste Hebel, um den CO2-Footprint anlagenseitig zu verbessern, ist für Engel nach wie vor die höhere Energieeffizienz. „Viele Verarbeiter denken, mit einer vollelektrischen Spritzgießmaschine haben sie das volle Energiesparpotenzial bereits ausgeschöpft“, sagte CTO Dr. Gerhard Dimmler am Stammsitz in Schwertberg bei Linz. „Mit einer exakt abgestimmten Temperierlösung geht aber noch viel mehr.“

Intelligente Temperierlösungen sparen Energie

Senke ein vollelektrischer Antrieb den Energieverbrauch um 51 %, so brächten Temperierregelungen und digitale Lösungen weitere 16 Prozentpunkte. Ähnliches gelte für Maschinen mit servohydraulischen Antrieben. Engel hat dafür Lösungen entwickelt.

Spätestens hier kommt die Digitalisierung ins Spiel. Das Unternehmen zitiert eine Bitkom-Studie, wonach sich die heutigen CO2-Emissionen um bis zu 58 % mithilfe der Digitalisierung reduzieren lassen – und der Fertigungsbereich habe mit 23 % einen besonders großen Anteil daran. Engel sieht die „selbst optimierende Spritzgießmaschine“ als ein „wesentliches Ziel“. Auf der K 2022 wird bereits einiges auf dem Weg dorthin zu sehen sein.

Kunststoffabfall zermahlen und spritzgießen

Schon jetzt stellte der Maschinenbauer einige seiner Messe-Highlights vor. Ein neuer, spezieller Zwei-Stufen-Prozess erleichtert zum Beispiel die künftige Kreislaufwirtschaft: Damit lassen sich Kunststoffabfälle nach dem Vermahlen direkt wieder im Spritzguss verarbeiten. Die Granulation als separater Prozessschritt entfällt und damit steigt die Energie- und Kosteneffizienz im Kunststoffrecycling deutlich.

Auch Arburg setzt Duftmarken für eine künftige Circular Economy. Auf den Technologietagen (TT) führten die Schwarzwälder eine Spritzgießzelle vor, die einen 5-Liter-Eimer aus Post-Consumer-Rezyklat (PCR) in nur 5 s Zykluszeit fertigt. Durch eine versteifende Rippenstrukur kommt der Eimer mit bis zu 18 % weniger Material aus. Dass er aus rezykliertem PP produziert werden kann, verdankt sich der HolyGrail-Technologie: Mit einer Art von digitalem Produktpass auf den Altteilen ermöglichte sie das sortenreine Sortieren und Recyceln zu PCR.

Digitalisiertes Spritzgießen als Enabler

Bei Neuheiten zur K-Messe hielt sich Arburg bewusst bedeckt. Der Maschinenhersteller lässt jedoch keinen Zweifel daran, dass ein zentrales Thema die digitalisierte Spritzgieß-Wertschöpfungskette sein wird. Eine anonyme Umfrage im Kundenportal „arburgXworld“ habe ergeben, dass für über 90 % der Befragten „die zahlreichen Apps die tägliche Arbeit deutlich erleichtern“, berichtete IT-Geschäftsführer Boll.

Statt der Leitmesse rückte Arburg im Juni die eigenen Technologietage (TT) und ihre Highlights ins Licht. Sie sprechen für sich. Drei Beispiele: Arburg präsentierte sein neues Training Center als rein digital und damit „papierlos“. Die Displays in den Schulungsräumen werden interaktiv direkt an die Maschinen gespiegelt und umgekehrt.

Spritzgießen mit 5G-Vernetzung

Als Pilotkunde der Telekom betreibt Arburg seit den TT sein Kundencenter mit vernetzten Maschinen im 5G-Campus-Netz. „Mit dem 5G-Netz werden wir innovative Anwendungen auch für unsere Produktion erproben“, kündigte IT-Chef Jürgen Boll an.

Drittens präsentierte das Startup Detagto auf den TT ebenfalls eine digitale Innovation: die Rückverfolgbarkeit von Teilen ohne Markierung. Dazu lassen die Stuttgarter eine integrierte Kamera die definierte Fläche eines jeden Spritzgussteils abfotografieren. Der Server detektiert daraus eine Art „Fingerabdruck“ mit vielleicht 1 is 2 kB Speichergröße. Damit soll sich das Bauteil jederzeit schnell wiedererkennen und identifizieren lassen.



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