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VDMA-Chefvolkswirt Dr. Ralph Wiechers: "Die Liste der negativen Einflussfaktoren auf die Versorgungssituation ist lang."

Materialengpässe und Fachkräftemangel
VDMA-Blitzumfrage: Produktion und Lieferfähigkeit werden mehr und mehr behindert

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Eine VDMA-Blitzumfrage im Juni 2022 unter 520 Mitgliedsunternehmen zeigt: Produktion und Lieferfähigkeit des Maschinen- und Anlagenbaus in Deutschland leiden unter Materialengpässen und Fachkräftemangeln. Bild: Travel mania/stock.adobe.com

Aus aktuellen Zahlen einer Blitzumfrage des VDMA, an der 520 Mitgliedsunternehmen vom 21. bis 23. Juni teilnahmen, geht hervor: Die Produktion und die Lieferfähigkeit des Maschinen- und Anlagenbaus in Deutschland werden immer stärker durch Materialengpässe und Fachkräftemangel behindert.

„87 % der Unternehmen im Maschinenbau sehen ihre Lieferketten derzeit merklich oder gravierend beeinträchtigt”, sagt VDMA-Chefvolkswirt Dr. Ralph Wiechers. „Der Maschinenbau ist nicht nur mit seinen eigenen Produkten global präsent. Er greift auch auf ein weltweites Netz von Zulieferern zurück. Krieg in der Ukraine, Lockdowns in China, Staus in zentralen Umschlagplätzen mit deutlich verlängerten Abfertigungszeiten von Containern und Personalmangel bei der Auslieferung sowie in der eigenen Produktion – die Liste der negativen Einflussfaktoren auf die Versorgungssituation ist lang.“

Vergleich zur vorangegangenen Erhebung zeigt: Lage verschärft sich

Im Vergleich zur vorangegangenen Erhebung hat sich die Lage nochmals verschärft, und die Hoffnung auf baldige Besserung schwindet. Im April meldeten bereits 79 %, also fast acht von zehn der Befragten aus dem Maschinen- und Anlagenbau, merkliche oder gravierende Knappheiten bei der Materialversorgung. Nun sind es sogar fast neun von zehn Firmen, die dies melden. Ähnlich verhält es sich mit den Aussichten. Mit einer Entschärfung der Lage innerhalb der nächsten 3 Monate rechnet kaum noch jemand.

„Bei Elektronikkomponenten zeigen sich die Engpässe besonders hartnäckig. 44 % sehen eine bessere Versorgungslage hier erst ab dem zweiten Halbjahr 2023“, erläutert Wiechers.

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VDMA-Chefvolkswirt Dr. Ralph Wiechers.
Bild: VDMA

„Insgesamt legen die Unternehmen einen stärkeren Fokus auf die Versorgungssicherheit.“
– Dr. Ralph Wiechers, VDMA

Angesichts der Hartnäckigkeit der Zulieferprobleme hat schon mehr als jedes zweite Unternehmen seine Beschaffungsstrategie kritischer Rohstoffe verändert oder plant dies in absehbarer Zeit zu tun.

„Insgesamt legen die Unternehmen einen stärkeren Fokus auf die Versorgungssicherheit. Dafür erweitern 83 % der Unternehmen, die Maßnahmen initiieren oder bereits umgesetzt haben, gezielt ihr Lieferantennetzwerk. 77 % erhöhen die Lagerhaltung und 58 % sehen sich nach alternativen Materialien um – wo immer dies möglich ist“, sagt VDMA-Chefvolkswirt Wiechers.

Auch auf die absehbare Verknappung der Gaslieferungen bereiten sich bereits 30 % der Unternehmen konkret vor.

„Etwa drei Viertel der sich auf den Ernstfall vorbereitenden Unternehmen prüfen zunächst einmal, welche Möglichkeiten sie im eigenen Unternehmen haben, beispielsweise die Installation elektrischer oder Öl-befeuerter Back-up-Systeme. Etwa die Hälfte der Unternehmen sieht eine engere Abstimmung mit dem hauseigenen Netzbetreiber als adäquate Vorbereitungsmaßnahme an. Und ein Drittel hat gestaffelte Notfallpläne je nach Reduktionsgrad der Gaslieferungen mit den Lieferanten vorbereitet“, ergänzt Wiechers.

Fachkräfteengpässe werden zum Risiko

Auch die Fachkräfteengpässe haben sich in den vergangenen Monaten zugespitzt. 78 % der Unternehmen haben einen merklichen oder gravierenden Mangel an Personal. Und lediglich 3 % der Unternehmen rechnen mit einer Entschärfung der Personalsituation in den nächsten 3 Monaten.

„60 % der Unternehmen sehen die Demografie und den Fachkräftemangel als großes Risiko an“, erläutert Wiechers. Damit wurde der Fachkräftemangel unter acht zentralen aktuellen Themen des Maschinenbaus als größtes Risiko eingestuft und sogar noch vor der Antwortkategorie „Inflation/restriktive Geldpolitik“ genannt.

„Um die vielen Facharbeiter, die in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen, adäquat zu ersetzen, müssen junge Nachwuchskräfte eine attraktive Ausbildung im Maschinenbau und eine gute Perspektive geboten bekommen. Dies wird aber allein nicht ausreichend sein, um den Bedarf zu decken. Auch gezielte Zuwanderung wird notwendig sein, um die Arbeitskräftelücke zu reduzieren“, fordert Wiechers.

Digitale Transformation bietet Chance

Als große Chance sehen dagegen viele Unternehmen die Digitalisierung und die Automatisierung sowie den Aufbau resilienter Lieferketten an. Hier kommt dem Maschinen- und Anlagenbau als weltweitem Ausrüster eine zentrale Rolle zu, der er sich proaktiv und optimistisch stellt. Wie überhaupt das laufende Jahr trotz all der Belastungen für die meisten Betriebe ein Wachstumsjahr werden soll. 79 % der Unternehmen erwarten ein Umsatzwachstum, das aber auch durch die Inflation getrieben wird. Und auch der mittelfristige Blick in die Zukunft ist positiv: 82 % wollen ihre Investitionen im Vergleich zum Vorjahr steigern. (eve)

 

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