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Hannover Messe: 1200 Aussteller auf der Motion, Drive & Automation

Hannover Messe: Antriebstechnik und Fluidtechnik
1200 Aussteller auf der Motion, Drive & Automation

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Wichtigstes Trendthema der Messe Motion, Drive & Automation mit ihren rund 1200 Ausstellern ist die vorausschauende Wartung. Die Branche liefert die Komponenten, die intelligente Produktionsprozesse ermöglichen.❧ Dietmar Kieser

Wer als Besucher das Messegelände vom Nordeingang her betritt und sogleich rechts abbiegt zur Halle 19, kann am Standareal A60 einen Blick in die Maschinenzukunft werfen: Ob und wann eine Anlage auszufallen droht und die Produktion daraufhin stillsteht, soll sich künftig zuverlässig vorhersagen lassen. Was mit diesem „Predictive Maintenance“ genannten Konzept heute bereits möglich ist, demonstriert die gleichnamige Sonderschau. Die Lösungen der hier vertretenen Aussteller sollen zeigen, wie die vorausschauende Wartung mithilfe intelligenter Datenanalyse funktioniert.
Der Antriebs- und Fluidtechnikbranche gilt das Thema als Paradebeispiel für den Nutzen von Industrie 4.0. Deren zentrales Merkmal ist die digitale Vernetzung von Maschinen, Produkten und Komponenten sowie weiteren am Produktionsprozess beteiligten Systemen. Im Zusammenspiel mit Sensoren lassen sich diese Verknüpfungen nutzen, um Zustandsdaten von Maschinenkomponenten wie etwa Antrieben zu erfassen, sie mit Informationen aus beispielsweise ERP- oder CRM-Systemen zu kombinieren und auszuwerten. Ziel ist es, auffällige, auf Störungen hindeutende Muster rechtzeitig zu erkennen und entsprechende Maßnahmen präventiv einzuleiten. Die Besucher der Sonderschau und des angrenzenden Forums erfahren, wie drohende Ausfälle frühzeitig erkannt, Prozesse beschleunigt und Produktionsstillstände vermieden werden können. Wartungskosten sollen dadurch um fast 30 % sinken und ungeplante Stillstände um 70 % zurückgehen, hat das Beratungsunternehmen Accenture ermittelt.
Mehr als bloße Zustandsüberwachung
Damit reicht das Thema weit über die klassische Zustandsüberwachung einer Maschine oder Anlage hinaus. Predictive Maintenance beginnt dort, wo die Prognosefähigkeit einsetzt und die Komponenten- und Systemanbieter ihren Kunden helfen, indem sie Abläufe und Entscheidungsprozesse unterstützen. Der Kundennutzen rückt also deutlich in den Vordergrund.
Angestoßen von der Digitalisierung, werden die antriebs- und fluidtechnischen Leistungsbausteine „mit Industrie 4.0 zur Datenquelle“, skizziert der stellvertretende VDMA-Hauptgeschäftsführer Hartmut Rauen die Entwicklung. Im Idealfall legen alle Komponenten eines Gesamtsystems in Form von Informationen Rechenschaft darüber ab, wie gut sie sind, indem sie stetig über ihre Zustände informieren. Dies verbessert zweifellos die Anlage, was wiederum die Qualität und den Kundennutzen erhöht. Zugleich werden die darauf erstellten Produkte „besser, verlässlicher und transparenter“, nennt Dr. Ralph Lässig den Vorteil der Digitalisierung. Für den Partner der Consulterfirma Roland Berger ist „die Total Asset Performance das Endziel des Predictive-Maintenance-Konzeptes“. Die damit neu generierte Service-Wertschöpfung finde extern beim Abnehmer ebenso statt wie intern in den Werkhallen des Komponentenlieferanten, der auf diese Weise seine Produkte verbessere und die Laufleistung wie auch Gesamtleistung seiner Anlagen optimiere.
Für den VDMA und die Deutsche Messe AG als Veranstalterin der Hannover Messe hat Roland Berger eine Studie zum Thema erstellt. Die Consulter haben dafür 151 Mitgliedsunternehmen des Verbands (Stand Januar 2017) befragt. Entstanden ist eine Positionsbestimmung in puncto vorausschauender Wartung wie auch ein erstes Stimmungsbild.
Wo steht der Maschinenbau derzeit hier? Laut den ersten Studienergebnissen besagt das Stimmungsbild, dass technisch vieles gelöst worden ist. Fragezeichen stehen noch hinter den Themen Daten, Datensicherheit, Eigentum der Daten. Die Schlüsselfrage lautet, wie es gelingen kann, den technischen Erfolg in einen kommerziellen umzumünzen, um ein ertragskräftiges Geschäft daraus zu generieren und damit verbunden modifizierte oder ganz neue Geschäftsmodelle aufzubauen und zu etablieren.
Demnach haben aktuell rund 20 % der Befragten, von Antriebs- und Komponentenzulieferern bis zu Maschinenbauern, mit der Entwicklung eines entsprechenden Produktes oder Wartungsangebots noch nicht begonnen. 40 % sind gestartet und bauen erste Piloten. 30 % verfügen bereits über ein marktfähiges Basisangebot. Weitere 10 % vermarkten bereits ein vollumfängliches Angebot. Gleichwohl stufen alle Befragten das Thema als hoch ein. Kein Wunder: Die Branche erwartet in Zukunft ein signifikantes Geschäft. Allerdings ist die Steuerung dessen vor allem ein unternehmerisches Problem, zumal die größere Herausforderung in der Vermarktung und der Monetarisierung gesehen wird.
Noch sind derartige Lösungen wenig verbreitet. Doch wie in der digitalen Welt wird beispielsweise zusätzliche Sensorik in der installierten Basis für ein rasches Fortschreiten sorgen. Erwartet wird ein Durchbruch dieses Angebots bis zum Jahr 2020.
Predictive Maintenance zeigt, dass gerade die Antriebstechnik ein Impulsgeber für die Digitalisierung ist. Die Branche ist ein Bausteinlieferant der digitalen Wirtschaft. Umso mehr ist die Hannover Messe samt der Branchenleitmesse Motion, Drive & Automation (MDA) eine wichtige Plattform für den Maschinenbau, „um Leitthemen wie Industrie 4.0 aufzusetzen, damit sie auch global Wirkung entfalten können“, wie der VDMA-Chefmanager Hartmut Rauen betont.
Die Sogwirkung der alle zwei Jahre in Hannover stattfindenden MDA ist ungebrochen. Die für die Antriebs- und Fluidtechnikangebote reservierten Flächen in den nordwestlichen Hallen 19 bis 25 sowie in den Automatisierungshallen 14 bis 17 sind mit 1200 Ausstellern nahezu ausgebucht. Die Veranstalter erwarten wieder mehr als 80 000 Besucher. Ausstellerseitig ist die MDA laut Messevorstand Dr. Jochen Köckler die internationalste Leitmesse, da zwei Drittel der Aussteller aus dem Ausland kommen.
Mit großem Abstand Exportweltmeister
Die deutschen Fluid- und Antriebstechniker gehen mit breiter Brust ins Messerennen. Immerhin ist die Branche mit Abstand Exportweltmeister. Zum globalen Export in Höhe von rund 25 Mrd. Euro steuern die hiesigen Hydraulik- und Pneumatikanbieter laut Verbandsangaben 6 Mrd. Euro bei. Mit einem Anteil von 23 % liegen sie weit vor den USA (16 %), China (8 %) und Japan (7 %). Insgesamt setzt die Branche 6,7 Mrd. Euro um, davon entfallen 4,3 Mrd. Euro auf die Hydraulik und 2,4 Mrd. Euro auf die Pneumatik. Die rund 200 Mitgliedfirmen im VDMA-Fachverband Fluidtechnik stehen für circa 85 % des deutschen Branchenmarktes.
Diesen Abdeckungsgrad erreichen auch die rund 200 im Fachverband Antriebstechnik versammelten Antriebstechnikunternehmen. Ihr Anteil am weltweiten, 68 Mrd. Euro schweren Exportmarkt beträgt 20 % oder 14 Mrd. Euro. Auf den Rängen folgen China (15 %), Japan und USA (je 10 %) sowie Italien (6 %). Insgesamt erlöst die Branche circa 16 Mrd. Euro. Zusammengenommen stellt die deutsche Antriebs- und Fluidtechnik mit einem Umsatz von fast 23 Mrd. Euro das größte Branchensegment im hiesigen Maschinenbau und beschäftigt etwa 130 000 Menschen.
Nach dem schwierigen Umfeld im vorigen Jahr weisen die Indikatoren für die Zulieferbranche aktuell in eine positive Richtung. Die Prognose für 2017 liegt für die Antriebstechnik bei +2 % Produktionszuwachs. Für die Hydraulik rechnet der Fachverband mit +1 %, für die Pneumatik sollen sogar 3 % möglich sein.


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