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Esta-Geschäftsführer Peter Kulitz und Philipp Raunitschke über die Welt der Absaugtechnik

Arbeitssicherheit
Esta-Geschäftsführer Peter Kulitz und Philipp Raunitschke über die Welt der Absaugtechnik

Esta-Geschäftsführer Peter Kulitz und Philipp Raunitschke über die Welt der Absaugtechnik
Seit fast 50 Jahren ist Esta Spezialist für Absaugtechnik und stellt ein breites Spektrum an Produkten her. Bild: Esta
Das Unternehmen Esta hat sich auf die industrielle Absaugtechnik spezialisiert. Im Interview erzählen die Geschäftsführer Peter Kulitz und Philipp Raunitschke über unvorhersehbare Anforderungen des Marktes, anfällige Lieferketten und einer Verdichtung von Krisen, die beide so noch nicht erlebt haben.

» Uwe Schoppen, Redaktion Industrieanzeiger

Herr Kulitz, ihr Unternehmen wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Ein guter Anlass für Anekdoten. Eine handelt davon, dass alles mit einem Irrtum begann. Was war da los?

Peter Kulitz: Ende der sechziger Jahre kümmerte sich mein Vater Günter Kulitz um die Liquidation der Maschinenbaufirma eines verstorbenen Freundes. Im Lager stieß er auf 300 Winkelbohrköpfe und ein Paket alter Prospekte. Um die Restbestände noch zu verkaufen, ließ er die Prospekte an Kunden schicken. Es gingen daraufhin Bestellungen über ein „Klein-Staubabsauggerät“ ein, von dem niemand etwas wusste. Der Rückruf bei Kunden ergab, dass ein kleines Bild neben der Beschreibung auf der Rückseite des Prospektes die Bestellungen ausgelöst hatte. Mein Vater erkannte den Bedarf am Markt und ließ kurzerhand das „Elektro-Staubabsauggerät“ – kurz Esta – produzieren. Als immer mehr Bestellungen eingehen, gründet er 1972 in einem rund 16 m² großen Büro in seiner Ulmer Privatwohnung eine eigenständige Firma mit dem Schwerpunkt „Absaugtechnik für Industrie- und Handwerk“.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie?

Peter Kulitz: Im Moment sind es 200.

Wie steht Ihr Unternehmen wirtschaftlich da?

Peter Kulitz: Die Firma ist im Kern gesund und wir sind unabhängig von den Banken. Mit anderen Worten: Wir geben kein Geld aus, das wir nicht haben.

Herr Raunitschke, geben Sie uns einen Einblick in die Welt der Absaugtechnik. Was sind derzeit die Anforderungen des Marktes und wie könnten die in fünf Jahren aussehen?

Philipp Raunitschke: Grundlegend ergeben sich die Anforderungen aus den geltenden Bestimmungen im Arbeits- und Gesundheitsschutz. Das betrifft die Einhaltung von Grenzabscheidewerten für Gefahrstoffe. In Zeiten des Fachkräftemangels sind reine Luft und Sauberkeit am Arbeitsplatz eine unabdingbare Grundvoraussetzung für unsere Kunden, neue Mitarbeiter zu bekommen und zu binden. Vor dem Hintergrund der Energiepreiskrise und wegen neuer Standards wie die EU-Taxonomie verlangt der Markt nach energieeffizienten und ressourcenschonenden Lösungen, die zudem hohe Verfügbarkeit und Ausfallsicherheit in der Produktion bieten. Dabei hilft uns die Digitalisierung immens. Sie wird in Zukunft, gerade was das Thema Effizienzsteigerung angeht, eine immer wichtigere Rolle einnehmen. Auch Produktionsprozesse unterliegen einer ständigen Veränderung, wie es uns zum Beispiel das 3D Druckverfahren für Schweißprozesse lehrt. All diese Trends sind natürlich auch maßgeblich für unsere Produktentwicklung.

Welche technischen Herausforderungen ergeben sich daraus?

Philipp Raunitschke: Der Innovationsdruck nimmt zu, egal ob es um Filtertechnik, Effizienzsteigerung, Digitalisierung oder den Themenkomplex Data Science geht. All diese Themen müssen letztlich ineinandergreifen und verfahrenstechnisch funktionieren. Zudem müssen sie ökonomisch rentabel und mit den Maßgaben der Energie- und Umweltpolitik vereinbar sein.

Welche Rolle spielen dabei Ihre Mitarbeiter?

Philipp Raunitschke: Keine Frage, ohne agile und innovative Mitarbeiter geht es nicht. Wir setzen daher alles daran, um unseren Beschäftigten ein attraktives und modernes Arbeitsumfeld zu bieten, in dem sie sich wohlfühlen und Raum zur Entfaltung haben. In unserem hauseigenen Technikum können wir in kurzer Zeit Versuche durchzuführen, deren Ergebnisse unmittelbar in die Produktentwicklung einfließen. Zudem sind wir Mitglied in vielen Netzwerken, denn das A und O ist der Austausch mit anderen Unternehmen, die vor gleichen oder ähnlichen Herausforderungen stehen.

Peter Kulitz, Geschäftsführer Esta
Dr. Peter Kulitz führt nicht nur mit Leidenschaft sein Familienunternehmen ESTA. Neben seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt, engagiert er sich unter anderem als Ehrenpräsident der Ulmer IHK sowie als Vorsitzender des Außenwirtschaftsausschusses des Deutschen Industrie- und Handelskammertags. Bild: Esta

Was ist die Kernkompetenz von Esta, sozusagen die DNA der Firma? Was können Sie, was andere nicht können?

Philipp Raunitschke: Die DNA sind unsere Mitarbeiter und damit einhergehend die Nachwuchsförderung. Wir haben eine überdurchschnittliche Ausbildungsquote von mehr als zwanzig Prozent. Darauf sind wir stolz und das macht sich auch in der Führungsriege unseres familiengeführten Unternehmens bemerkbar.

Welche Fertigungstiefe hat das Unternehmen? Was beziehen Sie von Zulieferern und was machen sie selbst?

Philipp Raunitschke: Wir sind schon immer ein Montagebetrieb. Fast alle Teile und Komponenten werden bezogen und bei uns im Haus komplett montiert – inklusive Elektrofertigung und Schaltschrankbau. Qualitätssicherung und Warenendprüfung finden bei uns im Hause statt. Unsere Kernkompetenz liegt in der Absaugtechnik, der dazugehörigen Verfahrenstechnik sowie der Anlagenregelung und –steuerung. Die Blechbearbeitung überlassen wir spezialisierten Zulieferpartnern.

Corona war und ist für die meisten Unternehmen eine Herausforderung, manche haben die Krise nicht überstanden. Ist Esta als Spezialist für Absaugtechnik ein Gewinner der Krise?

Philipp Raunitschke, Geschäftsführer bei Esta
Philipp Raunitschke führt das Unternehmen seit 2016 gemeinsam mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Dr. Peter Kulitz. Bild: Esta

Philipp Raunitschke: Unterm Strich ist das vielleicht tatsächlich so. Jedoch gab es natürlich auch bei uns negative Auswirkungen. Mit Ausbruch der Pandemie stieg der Druck, uns anzupassen und gute Lösungen zu finden. In jeder Krise stecken auch Chancen. Auf Produktebene stießen wir mit dem Luftreiniger Virbox auf einen großen Bedarf. Zudem haben wir die Zeit genutzt, um generell an unserem Produktportfolio zu arbeiten. Daraus ist eine neue Ära der Absaugtechnik entstanden, die wir auf der Messe Euroblech in Hannover das erste Mal präsentierten.

Corona ist derzeit nicht die einzige Herausforderung in der Welt. Hinzu kommen Klimawandel, Mikroplastik, Energiewende, Störung globaler Lieferketten, Chipkrise und ein fürchterlicher Krieg in Europa. Herr Kulitz, haben Sie eine solche Verdichtung negativer Faktoren schon einmal erlebt?

Peter Kulitz: Es gibt derzeit fast nur noch schlechte Nachrichten. Und die Kakophonie in der Politik trägt gehörig zu den Verwirrungen bei. Das habe ich in dieser massiven Form noch nicht erlebt, auch nicht in der Finanzkrise 2008.

Wie gehen Sie als Unternehmer mit diesen Problemen um?

Peter Kulitz: Wir müssen Innovationen noch energischer vorantreiben, unsere innerbetrieblichen Prozessketten straffen und so unsere Kosten massiv reduzieren. Diese interne Betriebsanalyse ist umso dringlicher, da wir in der gegenwärtigen Energiekrise von Kosten abhängig sind, die wir nicht beeinflussen können.

Kontakt:
ESTA Apparatebau GmbH & Co. KG
Gotenstraße 2–6
89250 Senden
Tel. +49 (0) 7307 8040
www.esta.com

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