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Automation: Bosch Rexroth erweitert ctrlX-Portfolio

Automatisierungsplattform ctrlX von Bosch Rexroth
Bosch Rexroth erweitert ctrlX-Portfolio

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2019 präsentierte Bosch Rexroth seine Automatisierungsplattform ctrlX Automation. Heute arbeiten damit bereits über 200 Kunden. Neue Funktionen und Module ergänzen das Ökosystem.

❧ Nora Nuissl

Auf der Messe SPS 2019 stellte Bosch Rexroth seine Automatisierungsneuheit in großem Stil vor: ctrlX Automation. Die Plattform überwindet laut des Lohrer Automatisierungsanbieters die klassischen Grenzen zwischen Maschinensteuerung, IT-Welt und dem Internet der Dinge (Internet of Things, IoT). Die auf dem Echtzeitbetriebssystem Linux Ubuntu basierende Lösung wurde damals als ‚Smartphone der Industrieproduktion‘ eingeführt. Rund ein Jahr später scheint sie in der Automatisierungswelt angekommen zu sein.

„Heute bieten wir eine komplette Automatisierungslösung an“, bilanzierte Philipp Guth, Leiter der Business Unit Automation & Electrification Solutions bei Bosch Rexroth im Rahmen einer Pressekonferenz. Zusätzlich zur Steuerung ctrlX Core mit einer 64-Bit-Multicore-CPU, weitete der Hersteller sein Portfolio rund um die Plattform um neue Sicherheitsfunktionen, einen App-Store sowie eine Online-Community zum Informationsaustausch oder Support etwa via How-to-Videos aus.

Erweiterung der ctrlX-Plattform um Hard- und Software

Mit dem Launch von ctrlX I/O erhält die Plattform, die sich durch App-Technologie auszeichnet, weitere Schnittstellen zur Feld- und Leitebene. Die I/O-Module basieren auf dem Standard Ethercat, auf dessen Basis die echtzeitfähige Datenverarbeitung stattfindet. Zudem werden 30 weitere Kommunikationsstandards, wie die Feldbussysteme Profinet oder IO-Link, unterstützt. TSN ist zwar architektonisch im System integriert, jedoch noch nicht standardmäßig verbaut. „TSN hat aus unserer Sicht zwar eine große Zukunft, aber derzeit noch keine Business-Relevanz im Markt. Sobald Kunden anfangen, das konkret nachzufragen, sind wir so relativ kurzfristig in der Lage, TSN zu nutzen“, erklärt Steffen Winkler, Vertriebsleiter der Business Unit Automation & Electrification Solutions bei Bosch Rexroth.

ctrlX-Automation-Community wächst

Des Weiteren stellt das I/O-Portfolio eine funktionale Erweiterung der Steuerungsplattform ctrlX Core dar. Damit stünden künftig auch Kommunikations- und Performance-Erweiterungen sowie I/O-Module mit Ausrichtung auf Zukunftstechnologien wie 5 G und KI zur Verfügung. Mithilfe der I/O-Module lassen sich in der Leitebene einfach übergeordnete Leitsysteme, Manufacturing Execution Systems (MES) und Cloudlösungen anbinden.

Besonders stolz ist Guth auf die schnell wachsende Community um ctrlX Automation. Bosch Rexroth hat die Automatisierungsplattform für Drittanbieter geöffnet – und kann derzeit bereits 12 Partner zählen. „So können Kunden beispielsweise KI-Apps für Produktions- und Prozessverbesserungen herunterladen oder intelligente Softwareerweiterungen für Mechaniken wie Getriebe, Greif- und Spannsysteme nutzen. Gleichzeitig eröffnen sich damit Lösungen für Netzwerk-IT-Sicherheit, Konnektivität zur Fertigungs-IT, Spracherkennung, HMI-Visualisierung und vieles mehr“, konkretisiert Winkler. Die Apps lassen sich über den neuen ctrlX-App-Store herunterladen und über ein Lizenzsystem der Steuerungsplattform zuordnen. Die Integration von Apps können Drittanbieter über das Rexroth-eigene Software Development Kit vornehmen. Bereits vorhandener Code kann einfach als App integriert werden, heißt es. Dabei werden Programmiersprachen wie C++, Python oder Java unterstützt. Über das ctrlX Data Layer können diese Apps Automatisierungsdaten enthalten und Informationen mit anderen Apps austauschen.

Wittenstein als Partner im ctrlX-Automation-Ökosystem

Ein Partner ist beispielsweise der Getriebehersteller Wittenstein. „Wir bieten jetzt serienmäßig smarte Getriebe an – Getriebe mit cynapse. Sie verfügen über ein integriertes Sensormodul, das Industrie-4.0-Konnektivität ermöglicht. ctrlX Automation unterstützt die Offenheit von cynapse und die einfache Integration übergreifender Applikationen“, sagt Patrick Hantschel, Director Digitalization Center bei Wittenstein. Knapp eineinhalb Wochen hätte die Einbindung beziehungsweise Umstellung auf Linux gedauert, meint Hantschel. Bei weiteren Projekten rechnet er nur noch mit etwa einem halben Tag Anbindungszeit.

Auch im Bereich der Hardware öffnet das Unternehmen seine Plattform für die Co-Creation von neuen Lösungen. „Es gibt darunter auch schon den ein oder anderen Automatisierungsanbieter, der Interesse hat, an der Plattform mitzuwirken“, prognostiziert Winkler.

Kontakt:

Bosch Rexroth AG
Zum Eisengießer 1
97816 Lohr am Main
www.boschrexroth.com


Steffen Winkler, Vertriebsleiter Automation & Electrification Solutions bei Bosch Rexroth. Bild: Bosch Rexroth

„Es ist an einigen Stellen einfacher als ein Smartphone“

Herr Winkler, Sie nennen derzeit zwölf Partner im Ökosystem um die Plattform ctrlX Automation. Wie entsteht eine solche Partnerschaft?

In der Mehrzahl sind die Partner oder Kunden auf uns zugekommen. Teilweise hat sich eine Zusammenarbeit aber auch zufällig im Rahmen von Gesprächen ergeben – zum Beispiel mit der Firma Xitaso, die wir über einen Kunden kennengelernt haben. Der Kunde, der ctrlX Automation gerade implementiert, hatte Xitaso beauftragt das Softwaredesign und die Automatisierungsarchitektur zu entwickeln. Xitaso hat dann eine Untersuchung mit vier Anbietern durchgeführt. Wir konnten mit der Zukunftsfähigkeit der Plattform überzeugen. Xitaso fand die Plattform so toll, dass sie entschieden haben, ctrlX Automation grundsätzlich als Plattform für Kunden bedienen zu wollen.

Xitaso hat die Zukunftsfähigkeit der Plattform überzeugt, bei Wittenstein war es die Einlern-Schnelligkeit. 2019 haben Sie die Modularität und die verschiedenen Programmiersprachen in den Fokus gerückt. Welche Funktionen schätzen Kunden heute am meisten?

Im Wesentlichen schätzen die Kunden die Offenheit des Systems bei der Softwarearchitektur: Wie einfach das umzusetzen ist, sehen Sie am Beispiel Wittensein, die angeben, künftig innerhalb von einem halben Tag eine Funktion auf- und als App umzusetzen. Es ist an einigen Stellen einfacher als ein echtes Smartphone, was eigentlich unser Vorbild war.

Gibt es auch Funktionen, die beim Kunden nicht so gut ankommen oder sich anders entwickelt haben?

Als wir das System 2019 gelauncht haben, dachten wir, wir müssten den gewohnten Weg in der Automatisierung gehen. Das heißt, erst wenn die Plattform mit allen möglichen Features ausgestattet ist, wird sie den Kunden gefallen und man kann sie verkaufen. Und wir sind völlig vom Gegenteil überrascht worden. Bei den heute über 200 Kunden haben wir die Erfahrung gemacht: Sie wollen gar nicht jedes einzelne Feature. Sie wollen die Plattform sofort nutzen und selbst damit arbeiten.

Wie erklären Sie sich den Wandel?

Gerade wechselt auch die Generation auf der Anwenderseite. Der Mitt- oder Endzwanziger-Softwareentwickler erwartet es, genauso zu arbeiten – er erstellt mal schnell eine Motion-Funktion. Automatisierungslösungen werden immer generischer. Es gibt einen gewissen Trend bei Anwendern, sich stärker in puncto Software zu differenzieren. Das ist der entscheidende Punkt.

Wie eng arbeiten Sie mit einem Kunden zusammen?

Das ist unterschiedlich. Mit unseren Entwicklungspartnern arbeiten wir sehr eng zusammen: Das ist auch für uns eine völlig neue und offene Art der Zusammenarbeit – und die wird von den Kunden sehr geschätzt.

Auf der anderen Seite gibt es zunehmend Kunden, die ohne unser Zutun plötzlich ctrlX Automation nutzen möchten. Und das passiert in der ganzen Welt, also auch in China oder den USA. Daher wollen wir mit der gesamten Tool- und Medienlandschaft – also dem Konfigurator, der Community, Online-Dokumentationen oder How-to-Videos – vor allem die junge Generation der Softwareentwickler ansprechen, die das auch so erwarten. Diese wollen keinen Vertriebler vor Ort, sondern umgehende Antworten auf ihre Fragen. Sie wollen sich austauschen und das Tool selbst nutzen.

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