3D-Druck: Die Bahn als Vorreiter

Deutsche Bahn druckt Ersatzteile

Anzeige
Additive Manufacturing | Die Deutsche Bahn macht Ernst mit dem Ersatzteil-Management via 3D-Druck. Bis Ende 2018 sollen 15 000 Stück additiv gefertigt sein. Dazu hat die DB ein Firmen-Netzwerk gegründet, das stark wächst. ❧

Olaf Stauß

Die Bahn bevorratet Ersatzteile im Wert von 600 Mio. Euro allein für ihre Fahrzeuge – eine immens hohe Summe, zu der noch die Lagerungskosten hinzukommen. Betriebswirtschaftlich gesehen am teuersten sind jene Ersatzteile, die selten oder fast nie benötigt werden. Und davon gibt es etliche. Züge und Lokomotiven können 50 Jahre und länger in Betrieb sein und müssen regelmäßig gewartet werden.

Über diesem Zeitraum kann es vorkommen, dass Zulieferer fusionieren, aufgeben oder sich neu aufstellen – und Teile nicht mehr ohne weiteres geliefert werden können. Immer besteht das Obsolenzrisiko, dass Komponenten plötzlich nicht mehr verfügbar sind. Die eigenen Werkstätten der DB sind daher voll ausgelastet. „Teilweise warten wir zwei Jahre auf Teile“, sagt Bahn-Managerin Stefanie Brickwede.

Der 3D-Druck könnte dieses Problem lösen: In der additiven Fertigung (AM) genügt es, digitale Datensätze zu lagern und bei Bedarf auszudrucken. Zugleich könnten nötige Anpassungen und Verbesserungen leicht berücksichtigt werden. Lagerkosten entfallen und die alten Werkzeuge braucht es auch nicht mehr. Die Bahn hat deswegen das Netzwerk „Mobility goes Additive“ gegründet mit Firmen, die 3D-Druck anbieten oder selbst betreiben. Ein Ziel der Plattform ist der „wechselseitige Kompetenzaufbau“ sowie „Know-how- und Informationstransfer“. Die Mitgliederzahl ist inzwischen auf über 70 angestiegen.

Stefanie Brickwede, Projektleiterin 3D-Druck bei der Bahn, ist Geschäftsführerin und Netzwerkmanagerin des Vereins. „Seit der Gründung im Oktober 2015 haben wir schon 4500 Teile additiv gefertigt“, sagt sie im Mai 2018. „Unser Ziel ist es, bis Jahresende auf insgesamt 15 000 Teile zu kommen.“

Das Projekt stellte sie im November unter anderem auf der Messe Formnext vor – und zwar auf einer Info-Veranstaltung der Kegelmann Technik GmbH, einem Pionier in der additiven Fertigung mit heute 120 Mitarbeitern. Stephan Kegelmann hat sich das Thema „Obsolenzmanagement und additive Fertigung“ auf die Fahnen geschrieben, neben anderen. „Warum wir?“, fragt er rhetorisch. „Weil es bei Ersatzteilen immer um kleine Stückzahlen geht. Dann ist nicht der Serienfertiger der optimale Partner, sondern der Dienstleister.“

Strategisches Vorgehen bringt den Erfolg

Auch für den 3D-Druck gibt es ernst zu nehmende Hindernisse, klärt Kegelmann auf. Falsche Annahmen („wir drucken einfach alles“), wirtschaftliche Zweifel und juristische Bedenken könnten zu enormen Verzögerungen oder zum Scheitern führen. Deswegen schlägt er ein Denkschema vor, wie Unternehmen im Obsolenzmanagement strukturiert zu Lösungen „mit riesigen wirtschaftlichen Hebeln“ kommen können.

Zunächst sollten sie die für die additive Fertigung in Frage kommenden Teile identifizieren, im zweiten Schritt mit den existierenden Spezifikationen abgleichen (Material, Normen, Gesetze) und drittens eine wirtschaftliche Gesamtkostenbetrachtung anstellen. In der Schnittmenge finden sich dann die Ersatzteile, für die eine additive Beschaffung attraktiv ist. Diesen „Sweet Spot“ zu finden, ist Ziel des additiven Obsoleszenz-Audits, das Kegelmann anbietet.

Die Bahn hat sich in großem Stil auf diesen Weg begeben. „Sechs bis acht Prozent der benötigten Teile könnten wir drucken“, schätzt Stefanie Brickwede. Bezogen auf die Werte, die augenblicklich in den DB-Lagern stecken, ein riesiges Potenzial. Die Bahn macht Dampf für ein großes Ziel.

Anzeige

Industrieanzeiger

Titelbild Industrieanzeiger 18
Ausgabe
18.2019
LESEN
ABO

E.ON: Energie für Unternehmen

E.ON für Unternehmen

Energielösungen für Unternehmen

Video aktuell

Greiferintegration leicht gemacht: Die Zimmer Group zeigt, wie es geht.

Newsletter

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

Tipps der Redaktion

Unsere Technik-Empfehlungen für Sie

Webinare & Webcasts

Technisches Wissen aus erster Hand

Whitepaper

Aktuelle Whitepaper aus der Industrie

Unsere Partner

Starke Zeitschrift – starke Partner

Anzeige
Anzeige

Industrie.de Infoservice

Vielen Dank für Ihre Bestellung!
Sie erhalten in Kürze eine Bestätigung per E-Mail.
Von Ihnen ausgesucht:
Weitere Informationen gewünscht?
Einfach neue Dokumente auswählen
und zuletzt Adresse eingeben.
Wie funktioniert der Industrie.de Infoservice?
Zur Hilfeseite »
Ihre Adresse:














Die Konradin Verlag Robert Kohlhammer GmbH erhebt, verarbeitet und nutzt die Daten, die der Nutzer bei der Registrierung zum Industrie.de Infoservice freiwillig zur Verfügung stellt, zum Zwecke der Erfüllung dieses Nutzungsverhältnisses. Der Nutzer erhält damit Zugang zu den Dokumenten des Industrie.de Infoservice.
AGB
datenschutz-online@konradin.de