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Instandhaltung wird vom Helferlein zum Partner für die Produktion

Instandhaltung
Die Digitalisierung macht die Instandhaltung sexy

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Beim Round Table diskutierten Experten aus Verbänden, der Praxis und der Forschung über die Zukunft der Instandhaltung. Bild: Messe Stuttgart
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Im Vorfeld der In.Stand, Fachmesse für Instandhaltung und Services, diskutierten Experten bei einem Round Table unter dem Motto „Digitalisierung der Instandhaltung – Hype für wenige oder bereits Realität für die breite Masse?“ über Trends und Herausforderungen in der Instandhaltung.

Kyra Kutter

Instandhalter – sind das nicht die schwitzenden, ölverschmierten Mechaniker, die mit einem Schraubenzieher bewaffnet unter Autos liegen oder an Maschinen stehen? Dieses Bild herrscht noch immer in den Köpfen der meisten jungen Menschen, wenn sie an diese Berufsgruppe denken. „Die Produktion und allen voran die Instandhaltung gelten nicht als sexy“, sagt Siegfried Stender, Senior Expert Instandhaltungsmanagement beim Fraunhofer IPA. Es ist kein Geheimnis, dass Unternehmen mit dem Fachkräftemangel kämpfen und das negative Image, das Instandhaltungsberufe haben, erschwert die Situation zusätzlich. Vor allem Nachwuchskräfte sind schwer zu finden. Hinzu kommt, dass es selbst heute, wo jeder von Digitalisierung spricht, noch immer Unternehmen gibt, in denen Wartungsprotokolle „auf Papier niedergeschrieben werden“, bemängelt Christoph Brüntrup, Geschäftsführer der GS Group, Anbieter von Software für die Instandhaltung. Auch das ist für junge Menschen nicht unbedingt ein Anreiz. Die Lösung liegt in der Digitalisierung, in IT-Systemen sowie der künstlichen Intelligenz. Denn die Möglichkeit mit Tablets und spannenden Technologien zu arbeiten, macht Jobs für junge Leute attraktiver.

Wissen aus der Vergangenheit in die Zukunft mitnehmen

„Der digitale Fortschritt muss Einzug in die Instandhaltung halten. Darin liegt die große Chance“, sagt Martin Frey, Vertriebsleiter Deutschland bei Pilz. Denn es drohe der Verlust von Wissen, das Fachkräfte mit in den Ruhestand nehmen. Mitarbeiter der geburtenstarken Jahrgänge, heute Ende 50, warten Maschinen aus dem Effeff. Denn sie kennen die Anlagen meist seit Beginn ihrer Karriere und damit fast auswendig. Wenn Fachkräfte der Babyboomer-Generation in den nächsten Jahren in Rente gehen, stellt sich die Frage, wie deren „Wissen gehalten und auch ausgebaut werden kann“, sagt Thomas Thurner, Vorstandsvorsitzender des VDE-Bezirksvereins Württemberg.

Brüntrup kennt all diese Herausforderung aus der Praxis. Kunden kommen mit der Frage auf ihn zu, wie Instandhaltungs-Aufgaben mithilfe einer Software und vorhandenem Personal erledigt werden können. Wie können Techniker im Außendienst die Aufgaben korrekt ausführen, obwohl sie die Anlagen nicht seit 20 Jahren kennen? Die Antwort liegt in der Aus- und Weiterbildung der vorhandenen Mitarbeiter. „Unternehmen müssen ihre Mitarbeiter auf dem Stand der Technik halten. Zudem muss Wissen aus der Vergangenheit in die Zukunft mitgenommen werden“, sagt Brüntrup.

Chancen liegen in Automatisierungslösungen

Der Vorteil der Digitalisierung liegt nicht nur darin, dass Berufe für Nachwuchskräfte aufgewertet werden. Sie bietet vor allem im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit von Unternehmen Chancen. Begriffe, die immer stärker in den Fokus rücken, sind Condition Monitoring und Predictive Maintenance. Durch die permanente Erfassung des Maschinenzustands können Kosten gesenkt sowie die Produktivität von Anlagen gesteigert werden. Vorteile liegen auch in der Schonung von Ressourcen, denn Verschleißteile werden nicht mehr nur auf Verdacht ausgetauscht.

Immer wichtiger wird auch die Sensorik, die den Maschinenzustand überwacht und Daten, wie Temperatur und Vibration, misst. Dies sorgt in der Produktion für Transparenz und Systematik. „Im Hinblick auf Digitalisierung und Industrie 4.0 sind dies die beiden Stichpunkte, die uns einen entscheidenden Schritt voranbringen“, sagt Stender. Wie weit die Instandhaltung in diesem Bereich ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Stender: „Unternehmen sind auf dem Weg. KMU sind aber tendenziell nicht so weit wie Große.“

Die Automobilindustrie geht mit gutem Beispiel voran. Moderne Fahrzeuge zeigen ihrem Besitzern sofort an, wenn etwas nicht in Ordnung oder ein Service notwendig ist. Dies muss in die Instandhaltung und auf vernetzte Systeme übertragen werden. „In Autowerkstätten herrscht die perfekte Instandhaltungs-Infrastruktur. Natürlich hat die Hardware dies erleichtert, doch es gilt, der Flut an Informationen Herr zu werden “, sagt Thurner. Das Stichwort laute Big Data. Doch zur Verarbeitung der Datenflut braucht es KI-Systeme, mit deren Hilfe sich voraussagen lässt, welche Maschinenkomponenten bald versagen werden. Die Instandhaltung entwickelt sich dadurch von einem Dienstleister der Produktion zu einem strategischen Partner. Denn sie wird in Zukunft Produktionsstillstände komplett verhindern können.


Fachmesse für Instandhaltung und Service

Am 23. und 24. Oktober findet zum ersten Mal die Instandhaltungs-Fachmesse In.Stand in Stuttgart statt. Sie beantwortet Fragen rund um Digitalisierung, Industrie 4.0 und die smarte Fabrik. Diese Schlagworte, die seit geraumer Zeit die Diskussionen im industriellen Umfeld bestimmen, betreffen auch die Instandhaltung und den Service. Ein Fachforum powered by Pilz, Guided Tours by FIR an der RWTH Aachen und die Demo Area „Virtuelle Techniken für den Service“ ermöglicht Experten, sich auszutauschen, weiterzubilden oder für zukünftige Anforderungen zu qualifizieren.

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