Künstliche Intelligenz

DIN entwickelt Normungsroadmap für KI

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Bei der KI-Regelsetzung gilt: Wer seine Standards international durchsetzt, hat einen Vorsprung. Bild: Alexander Limbach/Fotolia
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Wer „KI“ sagt, muss auch „Normung“ sagen. Wenn die deutsche Wirtschaft in diesem Bereich eigene Standards setzt, stärkt sie ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit, sagt DIN.

Filiz Elmas
Leiterin Geschäftsfeldentwicklung für Künstliche Intelligenz bei DIN

Künstliche Intelligenz (KI) verändert vieles. Nicht zwingend von jetzt auf gleich, nicht in allen Bereichen – aber so umfassend, dass der Begriff „Umbruch“ leicht von den Lippen geht. Denn die möglichen Anwendungsfälle und existierenden Praxisbeispiele für KI sind zahlreich und breit gestreut. Der große Vorteil künstlicher Intelligenz: Sie lernt, bessere Ergebnisse zu produzieren als Verfahren, die nach starren Mustern vorgehen. KI zieht selbstständig Rückschlüsse aus den Abläufen und verbessert sich kontinuierlich. Die Möglichkeiten sind fast grenzenlos: Ob Sprachassistenten und Chat-Bots, Programme zur Dokumentenrecherche oder Systeme zur Bilderkennung, die einen Tumor als gut- oder bösartig kennzeichnen. Als Industrieroboter in der Fabrik, die immer besser mit Menschen zusammenarbeiten oder in Form des gern zitierten autonom fahrenden Autos.

Was fehlt, ist ein Handlungsrahmen

Freilich wird über KI kontrovers diskutiert. Während etwa Tesla-CEO Elon Musk nicht müde wird, vor den Gefahren der künstlichen Intelligenz zu warnen, ist sie für Facebook-Gründer Mark Zuckerberg ein Werkzeug für Innovationen. Der schwedische Wissenschaftsphilosoph Max Tegmark urteilt im Interview mit der FAZ ähnlich positiv: Er ist „optimistisch, dass wir eine inspirierende Zukunft mittels künstlicher Intelligenz kreieren können“. Trotzdem geht er noch von viel Handlungsbedarf aus, vor allem im Hinblick auf Sicherheit und Verlässlichkeit der KI-Systeme. Was fehlt, ist vor allem ein klar definierter Handlungsrahmen, in dem KI für uns agiert.

Industrie sieht das Potenzial bei KI

In den Unternehmen werden die Chancen durch KI erkannt. Das hat das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO mit einer Ende Juni vorgestellten Studie gezeigt. Mehr als 300 Unternehmen mit Sitz in Deutschland wurden befragt. 75 %beschäftigen demnach sich aktuell mit dem Thema künstliche Intelligenz. Zwar verwenden nur 16 % der Befragten schon KI-Lösungen, doch diese beurteilen deren Nutzen durch die Bank positiv. Laut Fraunhofer IAO wird KI derzeit vor allem für ausführende und analytische Tätigkeiten eingesetzt, zur Prozessoptimierung, Produktivitätssteigerung und um bei Entscheidungen zu unterstützen. Ähnlich fällt das Ergebnis der KI-Studie 2019 von Deloitte aus, der Dienstleister hat unter anderem 100 Entscheider aus deutschen Unternehmen befragt: Hierzulande sind bisher besonders robotergesteuerte Prozessautomatisierung und regelbasierte Systeme verbreitet, die in mehr als zwei Drittel der befragten Unternehmen genutzt werden.

Doch was ist nötig, um KI effizient und sicher zu nutzen? Wer gibt uns den notwendigen Handlungsrahmen? Die Antworten lauten: Standards und Normen. Denn spätestens, wenn sich Einzellösungen im Massenmarkt behaupten sollen oder mit anderen Systemen oder Komponenten zusammenarbeiten müssen, geht es nicht mehr ohne einheitliches Verständnis, gemeinsame Sprache und offene Schnittstellen. Nur wenn Auto und Verkehrsleitsystem miteinander kommunizieren und die Informationen auf einer Plattform zusammenfließen, kann autonomes Fahren zuverlässig und sicher funktionieren. Erst wenn ein Objekt in einer Logistik-Lieferkette oder Industrie-4.0-Umgebung eindeutig zuordenbar ist, Stichwort „Sichere Digitale Identität“, lassen sich Produktionsprozesse mittels KI optimieren. Normen und Standards tragen zur Erklärbarkeit und Nachvollziehbarkeit bei, also zu zwei essentiellen Bausteinen, wenn es um die Akzeptanz von KI-Anwendungen geht.

Arbeitsausschuss KI des DIN vertritt Interessen gegenüber ISO

Wirtschaft, Wissenschaft und auch ein zunehmender Teil der Gesellschaft sind deshalb daran interessiert, die KI-Landschaft zu strukturieren. Hier kommt das Deutsche Institut für Normung, kurz DIN, ins Spiel, das alle interessierten Kreise für die Normungsarbeit an einen Tisch bringt. So haben Anfang 2018 beispielsweise Vertreter von KMU, Start-ups, Konzernen, Universitäten, Forschungseinrichtungen, Zertifizierungsstellen sowie Ethikexperten den Arbeitsausschuss „Künstliche Intelligenz“ bei DIN gegründet. Der Ausschuss ist unter anderem dafür zuständig, die Meinungen deutscher Experten zu KI zu konsolidieren und sie in internationalen Gremien, wie der ISO, zu vertreten.

Darüber hinaus erarbeitet DIN im Auftrag der Bundesregierung aktuell eine Normungsroadmap für Künstliche Intelligenz. Diese soll einen Handlungsrahmen für die Normung und Standardisierung im Bereich KI entwickeln, eine Art Bestandsaufnahme und Fahrplan zugleich. Grundsätzlich kann sich jeder Experte oder Interessierte zu KI einbringen – nicht nur in den DIN-Arbeitskreisen, sondern auch über www.din.one, einer Kollaborationsplattform, auf der sich Ideen diskutieren und zu konkreten Projekten entwickeln lassen. Die Normungsroadmap KI wird dort erarbeitet. Zudem sind dort aktuelle Informationen zu Normungs- und Standardisierungsaktivitäten im Bereich KI zu finden.

Wenn wir es nicht tun, tun es andere

Ein solches Engagement in Sachen KI-Regelsetzung ist auch aus nationaler und europäischer Sicht enorm wichtig: Wer seine Standards international durchsetzt, hat einen Vorsprung, weil so die eigenen Regeln gelten und auf bestehenden Lösungen aufbauen. Die Wettbewerber wissen das, allen voran China und die USA. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten sind das vor allem die Big Player wie Google, Amazon, Facebook, Apple und Microsoft. Diese verfolgen naturgemäß ihre ganz eigenen Interessen – und deren Vorstellungen können unseren europäischen Wertmaßstäben und ethischen Richtlinien widersprechen.

Da geht es um zentrale Fragen, etwa darum, welche Entscheidung eine Maschine in einem Notfall treffen darf. Zwar ist es Aufgabe von Gesellschaft und Politik zu definieren, was in solchen Fällen ethisch ist; aber DIN kann mit technischen Standards dazu beitragen, die einmal festgelegten ethischen Werte umzusetzen und so von technischer Seite den Schutz gegen Verzerrungen, Diskriminierungen und Manipulationen sicherstellen.

KI bietet Chance für den Mittelstand

Normung und Standardisierung von Künstlicher Intelligenz dienen dem übergeordneten Ziel, unsere Wirtschaft mit KI international noch wettbewerbsfähiger zu machen. Insbesondere der deutsche Mittelstand kann davon profitieren: Über offene Schnittstellen und dank einheitlicher Anforderungen erhält er besseren Zugang zum globalen Markt und die Chance, dort seine Ideen zu positionieren. Auch das ist ein weiterer wichtiger Grund, um sich als deutsches Unternehmen in der Normung von KI zu engagieren. Die Tür steht allen offen – vom Start-up über das Familienunternehmen bis hin zum Großkonzern. Andernfalls bliebe nur, nach den Regeln der anderen zu spielen.


Auftaktveranstaltung

Mit einer Auftaktveranstaltung am 16. Oktober 2019 im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie BMWE starten die Arbeiten an der „Normungsroadmap KI“.

Vertreter der Bundesregierung, Mitglieder der Steuerungsgruppe und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft geben im Rahmen einer Konferenz Einblicke in die aktuellen Entwicklungen von KI. Für interessierte Fachexperten starten im Anschluss in verschiedenen Workshops die Arbeiten an der künftigen Normungsroadmap. Neben den Grundlagen (KI-Elemente, Definitionen, Klassifikation) und horizontalen Themen (Ethik, Sicherheit, Qualität) wird es vor allem auch um branchenbezogene KI-Anwendungen, etwa in der industriellen Automation, der Mobilität/Logistik sowie in der Medizin, gehen. Weitere Informationen finden Sie unter www.din.de.

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