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Plattform für Wiederverwertung von Batterien aus Elektroautos

Kreislaufwirtschaft
Plattform für ein Zweitleben von Batterien aus Elektroautos

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Ein Zweitleben einer Batterie kann Herstellern 20 % zusätzlichen Umsatz einbringen _ und es sichert wertvolle Rohstoffe. Circunomics bietet eine entsprechende Plattform: Datenanalyse rund um die Batterie sowie Transaktionen über den Online-Marktplatz. Bild: Maksym Yemelyanov/stock.adobe.com
Circunomics hat sich zum Ziel gesetzt, ein Kreislaufsystem für Batterien aus Elektrofahrzeugen von der Erst- und Zweitverwendung bis zum Recycling der Rohstoffe zu etablieren. Die Plattform ermittelt dafür KI-basiert den am besten geeigneten künftigen Anwendungsfall für jede Batterie.

Lithium, Kobalt und Nickel sind die wertvollen Rohstoffe, die in jeder Autobatterie stecken. Experten schätzen den Anteil für Lithium und Kobalt auf jeweils 150 g pro Kilowattstunde. Durchschnittlich 3000 US-Dollar dürfte damit der Restwert einer 60-kWh-Batterie betragen.

Das Verwunderliche nun: Kaum ein Hersteller hat ein Konzept für die Verwertung seiner Batterien. Selbst Tesla hält sich bedeckt, was seine Recycling-Strategie betrifft. Und die europäischen OEMs versuchen aktuell zunächst nennenswerte Fertigungskapazitäten für die Fertigung von Autobatterien aufzubauen. Da das Recycling von solchen Batterien jedoch ein sehr aufwendiger und komplexer Prozess ist, schießen Batterie-Recycler derzeit wie Pilze aus dem Boden. Firstmover in den USA ist etwa Tesla-Mitgründer JB Straubel, der 2019 Tesla verließ, um Redwood Materials zu gründen – ein Recycling-Start-up für die Wiederaufbereitung von Akkus aus Elektroautos. Während viele auf das Einschmelzen der Batterien setzen, was wiederum sehr energieintensiv ist, gehen deutsche Recycler wie Duesenfeld den Weg des Zermahlens einer Batterie.

Bis zu 15 Jahre Zweitleben für Batterie

Doch eigentlich ist eine Autobatterie zu schade zum Schreddern. Laut Schätzungen des ADAC haben die Batteriepacks von Elektroautos nach zirka 1500 bis 2500 Ladezyklen immer noch einen Energieinhalt von 70 bis 80 % ihrer ursprünglichen Kapazität. Deshalb haben diese Batterien eine gute Aussicht auf ein zweites Leben – etwa als Großspeicher, um Lastspitzen in einem Stromnetz auszugleichen oder als Speicher für die PV-Anlage eines Hauses. Das zweite Leben einer Batterie ist weniger strapaziös und kann nochmals zehn bis fünfzehn Jahre andauern. Erst nach rund 20 Jahren hat eine Batterie komplett ausgedient.

Das 2019 gegründete Mainzer Start-up Circunomics ist kein Recycler und auch nur bedingt Zweitverwerter. Das junge Unternehmen, das Google aktuell zu den Top Five Start-ups im Bereich Kreislaufwirtschaft zählt, ist ein Plattform-Anbieter zur Verwertung von Lithium-Ionen-Batterien. Das Ökosystem von Circunomics besteht aus drei Teilen: Circular Twin, Circular Analytics und Circular Marketplace.

Circunomics als dreiteiliges Ökosystem für Wiederverwertung und Recycling einer Batterie

Der Circular Twin – Kern des Systems – ist die digitale Identität jeder Batterie. Der Twin vereint die bisher fragmentierten Batteriedaten des gesamten Lebenszyklus in einem manipulationssicheren Pass. Bei den im Sekundentakt erfassten Daten handelt es sich um Leistungsdaten, Materialdaten sowie Nachhaltigkeitsdaten. Dadurch werden Informationen über die First-Life-Performance, Restkapazität und Qualität der Batterien in einer sicheren Umgebung transparent. Das bietet die Grundlage für einen sicheren Batteriehandel.

Basierend auf den Circular-Twin-Daten werden die Circular Analytics durchgeführt. Mit diesen kann das Ende der Lebenszeit vorhergesagt, der Restwert durch Gesundheitszustands- und Rohstoffbewertung in Echtzeit ermittelt und CO2-Minderungen miteinbezogen werden. Die Algorithmen können entsprechend den besten zukünftigen Anwendungsfall für jede Batterie am Lebensende finden – ob Re-Use oder Recycling – und unterstützen so Second-Life-Lieferanten, wie etwa OEMs, bei der Entscheidungsfindung.

Marktplatz für gebrauchte Batterien

Auf dem Circular Marketplace können schließlich die gebrauchten Batterien entsprechend der zuvor durchgeführten Analytik für Second-Life oder Recycling angeboten werden. Durch eine neutrale Plattform mit standardisierten Daten wie diese, wird die Vereinfachung von Prozessen, Reduzierung der Kosten und Eliminierung von Risiko ermöglicht und damit bisherige Problematiken von Second-Life bekämpft. Circunomics ist also eine Cloud-Plattform, auf der alle Teilnehmer – wie Auto- oder Batteriehersteller, Energieversorger und andere Zweitverwerter sowie Logistiker – ihr Geschäftsmodell durch die Verwertung von Daten und entsprechender Handelsoptimierung maximal ausschöpfen können. Ähnlich wie bei anderen Internet-Plattformen sieht Gründer Patrick Peter ein enormes Geschäftspotenzial in der Plattform. (nu)

Kontakt:
Circunomics GmbH
Quintinsstr. 16
55116 Mainz
www.circunomics.com


Patrick Peter, Gründer und CEO der Circunomics GmbH.
Bild: Circunomics

„Ein Hersteller erzielt bis 20 % zusätzlichen Umsatz mit Recycling“

Herr Peter, Sie bieten mit Circunomics eine Plattform für Handel und Verwertung von Batterien. Wie hoch ist derzeit der Bedarf für das Recycling in der Industrie?

Der Bedarf ist enorm, und in naher Zukunft ist die Automobilbranche gesetzlich verpflichtet eine Recyclingrate von 100 % zu erfüllen. Davon ist sie momentan noch weit entfernt. In Deutschland beträgt der Bestand schon durch die in den letzten zwei Jahren verkauften E-Autos mindestens 87 Megatonnen an Batteriepaketen. Bereits jetzt müssen davon viele ins Recycling oder landen leider auf dem Müll, weil viele Hersteller ihre Fahrzeuge wegen unerwarteter Batterieprobleme zurückrufen. Spätestens in drei Jahren kommt ein Batterie-Tsunami auf uns zu.

Das Batterierecycling ist ein aufwendiges und teures Geschäft. Bisher trauen sich nur wenige im Markt daran. Warum brauchen Batteriehersteller eine Plattform wie Ihre?

Eine Batterie ist zu wertvoll, um sie nach ihrem Autoleben direkt zu schreddern. Zunächst sollte die Batterie ein zweites Leben bekommen, zum Beispiel als Speicher einer PV-Anlage. Erst zuletzt geht sie ins Recycling. Circunomics stellt eine Plattform zur Verfügung, die die Industrie vernetzt und dabei allen Beteiligten einen Gegenwert bietet, der größer ist, als wenn jeder selbst seine Batterien zu verwerten versucht. Dabei ermittelt Circunomics KI-basiert unter anderem den besten Anwendungsfall für jede Batterie – Recycling oder Second Life – schafft Klarheit über ihren Gesundheitszustand, findet automatisch geeignete Partner. Und das nicht nur für 100 oder 1000 Batterien, sondern skalierbar für Millionen von Batterien.

Wie sieht das Geschäftsmodell von Circunomics aus?

Circunomics schließt den Kreislauf für industrielle Lithium-Ionen Batterien. Für jede Batterie wird ein fälschungssicherer „Circular Twin“ geschaffen, welcher den gesamten Lebenszyklus der Batterie erfasst und auf der Plattform digital abbildet, sobald sie die Fabrik verlässt. Der Circular Twin „lebt“ so lange auf der Plattform wie der physikalische Zwilling vorhanden ist. Das ist eine Win-Win-Situation für alle Marktpartner. Ein OEM oder Batteriehersteller erzielt bis zu 20 % zusätzlichen Umsatz mit der Batterie. Zudem erhält er wertvolle Daten zur prognostizierten Lebensdauer und zur Erfüllung der gesetzlich vorgeschriebenen Umweltbilanz. Energieversorger erhalten zertifizierte Second-Life Batterien, sparen bis zu 40 % an Kosten und gewinnen Planungssicherheit. Recycler wissen lange im Voraus, wann welche und wie viele Batterien bei ihnen ankommen, und können ihre Prozesse optimieren. Das Modell ist zweifach: Circular Twins und Analytics auf der einen Seite sowie die Transaktionen über den Online-Marktplatz auf der anderen Seite.

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15.2021
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