Die Modernisierung der russischen Industrie verleiht deutschen Zulieferern kräftigen Schub Russlands Markt für Antriebstechnik wächst dynamisch

Die Modernisierung der russischen Industrie verleiht deutschen Zulieferern kräftigen Schub

Russlands Markt für Antriebstechnik wächst dynamisch

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Für deutsche Zulieferer ist Russland ein Wachstumsmarkt. Die Modernisierung der russischen Industrie begleiten westliche Lieferanten mit großem Erfolg. Vor allem die Antriebstechniker profitieren davon, dass die Qualität traditioneller russischer Hersteller in diesem Bereich als bescheiden gilt.

Die ABM Greiffenberger Antriebstechnik GmbH erhält regelmäßig Anfragen aus Russland: „Dabei geht es meistens um Antriebe für Kranbrücken, Krankatzen und Seilzüge“, sagte Vertriebschef Werner Bundscherer gegenüber Germany Trade & Invest (gtai). Mit diesen Firmen stehen die Franken direkt im Kontakt. Zudem hat das Unternehmen aus Marktredwitz seine Antriebstechnik in den vergangenen Jahren auf Messen in Russland präsentiert. Der nächste Schritt soll eine Repräsentanz in Russland sein. „Wir wollen mit unseren eigenen Leuten den Markt bearbeiten“, betont Bundscherer, denn die ABM-Produkte seien sehr Engineering-lastig. Deshalb komme der Vertrieb über Distributoren nicht in Frage.

Grundsätzlich entwickelt sich die Nachfrage nach Antriebstechnik in Russland sehr dynamisch. Das gilt für Frequenzumrichter und Motoren im Premiumsegment ebenso wie für Kupplungen. Gute Absatzchancen eröffnen sich in vielen Branchen: In der Öl- und Gasindustrie, im Bergbau, Automobil- und Flugzeugbau ebenso wie in der Chemieindustrie. In den kommenden Jahren wird die Nachfrage nach Antriebsprodukten im hochpreisigen Segment voraussichtlich um 6 bis 7 % wachsen.
Das russische Marktvolumen für Frequenzumrichter und Motoren im Premiumsegment liegt bei 100 Mio. Euro pro Jahr. Dasselbe gilt laut Dr. Jürgen Liss, Abteilungsdirektor Industrieautomatisierung und Antriebstechnik bei Siemens für Russland und Zentralasien, für Kupplungen. In den kommenden Jahren wird diesem zufolge die Nachfrage nach Antriebsprodukten im hochpreisigen Segment voraussichtlich um 6 bis 7 % wachsen.
Wichtige Abnehmerbranchen wie die Automobil- und die Chemieindustrie wachsen stetig. Spezialprojekte im Öl- und Gassektor, Pipeline-, Berg- und Kraftwerksbau haben in den vergangenen Jahren immer wieder zu Nachfrageschüben geführt. Hinzu kommen der Schienenfahrzeug-, Flugzeug- und Schiffsbau, die Metallurgie und die Papierindustrie. Außerdem errichten immer mehr internationale Lebensmittelverarbeiter Fabriken in Russland – da haben deutsche Hersteller von Antriebslösungen beste Chancen. Für den Technologiekonzern Siemens ist der Bereich Large Drives, Motion Control und Mechanical Drives (Kupplungen) die perspektivreichste Businesseinheit unter allen Industriesektoren in Russland. Im Massensegment dominieren russische und chinesische Hersteller.
Für Zulieferer läuft es zurzeit rund. Im Vorjahr sind in den GUS-Ländern, also in den Nachfolgerepubliken der Sowjetunion, Wälzlager für circa 650 Mio. Euro verkauft worden. Drei Viertel davon wurden in Russland abgesetzt, sagt Anatoli Usow, Geschäftsführer GUS und Russland des SKF-Konzerns. SKF liefert eigenen Angaben zufolge einen bedeutenden Anteil aller Wälzlager nach Russland. Seit 1995 habe sein Unternehmen die Umsätze jedes Jahr um durchschnittlich über 20 % gesteigert, so der Firmenleiter.
Dabei gab es noch zu Sowjetzeiten eine ganze Reihe großer Hersteller von Antriebstechnik. In 35 Werken wurden im gesamten Land jährlich über 1 Mrd. Lager hergestellt. Zu Krisenzeiten 2009 waren es nur noch 65 Mio. Stück. Mittlerweile hat sich die Situation zwar verbessert, doch mehr als 100 Mio. Wälzlager pro Jahr werden in Russland auch heute noch nicht produziert. Wie mehrere internationale Experten gegenüber Germany Trade & Invest (Gtai) bestätigen, gilt die Qualität traditioneller russischer Hersteller im gesamten Antriebstechnik-Bereich als bescheiden. Sie produzieren nach dem klassischen russischen GOST-Standard und stehen in direkter Konkurrenz zu chinesischen Billiganbietern.
Diesen Wettbewerb versucht das russische Industrie- und Handelsministerium, das für die Handelspolitik verantwortlich ist, so gut es geht zu begrenzen. Zu dem einheitlichen Zollsatz von 10 % auf den überwiegenden Teil von Lagern zahlen chinesische Anbieter zusätzlich 41%. Etliche Anbieter aus China sind daher dazu übergegangen, die Lager in die baltischen Staaten zu transportieren, um sie von dort als EU-Ware nach Russland zu liefern.
Deutsche Zulieferer erfolgreich
Auch für die Mayr GmbH & Co.KG, Spezialist für Sicherheitskupplungen und Sicherheitsbremsen, ist Russland ein Wachstumsmarkt. Die Allgäuer Firma verkauft Antriebstechnik an russische Unternehmen aus den Bereichen Maschinenbau, Metallurgie, Verpackungsmaschinen, Bahntechnik, Werkzeugmaschinen, Glasindustrie, Werbe- und Veranstaltungstechnik. „Wir sehen in Russland ein gewaltiges Potenzial“, sagt Gebietsverkaufsleiter Helmut Kleinheinz. Deshalb wolle Mayr seine Aktivitäten in der Region verstärken. Bislang haben die Geschäfte mit dem größten Land der Welt kontinuierlich zugelegt. Aber 2013 dürfte ein ganz besonderes Jahr werden. Einige Großprojekte stehen an. Kleinheinz erwartet ein überproportionales Wachstum.
Im Marktsegment, das Mayr bearbeitet, gibt es durch Russlands klassische Hersteller kaum Konkurrenz. Sie bedienen in erster Linie inländischen Bedarf, liefern in aller Regel einfache Technik. Einer der größeren russischen Produzenten elektromagnetischer Kupplungen ist Zlatmufta mit Fabriken in Ischewsk und Tscheljabinsk. Doch die eigentlichen Wettbewerber sind international aufgestellte Firmen, vor allem aus Deutschland und anderen europäischen Ländern.
Siemens zählt zu den wichtigsten und erfolgreichsten Lieferanten für Kupplungen und Getriebe im Premiumsegment. Das Erfolgsrezept: Der Konzern bedient den russischen Markt unter anderem mit Produkten aus dem eigenen Werk in Sankt Petersburg. OOO Siemens Elektropriwod fertig Antriebstechnik für Züge und Pumpstationen.
„Der Produktionsstandort Sankt Petersburg entwickelt sich sehr gut, bald brauchen wir mehr Platz für die Produktion“, sagt Abteilungsleiter Liss. Denn die Nachfrage nach Elektromotoren entwickelt sich prächtig. Vor allem Großprojekte wie die Ostsibirien-Pazifik-Pipeline haben in den vergangenen Jahren immer wieder für ordentliche Zusatzaufträge bei Siemens gesorgt. „Da sind nicht-standardisierte Produkte gefragt, das ist unsere Stärke“, so Jürgen Liss.
Besonders perspektivreich und wachstumsstark sind laut Antriebsspezialist Liss die Öl- und Gasindustrie, der Bergbau und die Chemieindustrie mit vielen Raffinerieprojekten. Auch die Modernisierung der russischen Stahlindustrie begleiten westliche Zulieferer mit großem Erfolg. Doch so interessant die Aufträge auch sein mögen, sie bergen gewaltige Herausforderungen. Wer eine Pipeline in Sibirien bauen will, muss sicher gehen, dass bis August sämtliche Kompressoren und Pumpstationen geliefert sind – sonst frieren die großen Flüsse zu und das Projekt steht.
Der Blick auf die Außenhandelsstatistik lässt erahnen, dass deutsche Hersteller auch schwierige Herausforderungen in Russland meistern. Die deutschen Exporte von Antriebstechnik beliefen sich 2012 auf über 565 Mio. US-$. Bei Wellen und Getrieben liegt der Anteil deutscher Produkte am Gesamtimport bei 20 bis 30 %. Jede zweite importierte Schaltkupplung kam im Jahr 2011 aus Deutschland.
Bernd Hones, Germany Trade & Invest (gtai), Moskau
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