Rundschalttisch steigert Leistung einer Montage- und Prüfeinrichtung signifikant Weltumrundung

Rundschalttisch steigert Leistung einer Montage- und Prüfeinrichtung signifikant

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Wenn ein US-Sondermaschinenbauer für einen israelischen Kunden einen deutschen Rundschalttisch als Basis wählt, dann muss das schon einen besonderen Grund haben. Die Technik von Weiss bietet mehr als nur den gewünschten Geschwindigkeitszuwachs bei dem Montage- und Prüfautomaten.
Taktzeit und Preis – das sind die einzigen Werte, die bei der Auswahl eines Rundschalttisches zählen, oder? Wenn das so einfach wäre, hätte Dale Beaver, Präsident von Innovative Products & Equipment in Tyngsboro/ Massachusetts, für die Sondermaschine seines Kunden Netafim Ltd. mit Headquarter in Tel Aviv nur einen passenden Rundschalttisch aus dem Katalog auswählen müssen. Hätte nicht den langen Weg nach Buchen im Odenwald zu Weiss, dem Spezialisten für Rundtische und Automation, auf sich genommen, um sich dort mit seinem Kunden aus Israel zu treffen.
Doch Netafim ist ein anspruchsvoller Kunde, der für den gewünschten Geschwindigkeitszuwachs bei einem Montage- und Prüfautomaten zu allem Übel auch noch einen Technologiewechsel von Linearsystem auf Rundschalttisch in Kauf nehmen muss. Und in so einem Fall zählen neben Takt- und Zykluszeit plötzlich noch ganz andere Werte: Zuverlässigkeit, Präzision, Service, kurz: Vertrauen. Beaver vertraut schon länger auf die Produkte der Buchener, jetzt ist er in den Odenwald gekommen, um den Ingenieuren von Netafim zu zeigen, warum.
Der Amerikaner ist ein alter Hase im Sondermaschinenbau. Zusammen mit drei Kompagnons leitet Beaver Innovative Products & Equipment, ein kleines Unternehmen mit 40 Mitarbeitern und einer großen Referenzliste namhafter Kunden. Offen gibt er zu, dass der erste Kontakt zu Weiss tatsächlich nur über einen reinen Zahlenwert zustande kam: Für eine Sondermaschine war er auf der Suche nach einem Ringrundschalttisch mit möglichst großem Innendurchmesser.
Bei seiner Recherche stieß er dann auf die TR-Baureihe von Weiss mit ihrem großzügigen Mittendurchgang. Nach den ersten Projekten mit den Ringen aus Buchen entdeckte Dale Beaver jedoch auch deren andere Werte: „Die Qualität der Rundschalttische, ihre Genauigkeit und der ebene Lauf waren überzeugend,“ erinnert er sich, „so überzeugend, dass wir heute fast ausschließlich Weiss-Tische einsetzen.“
Was aber, wenn der Kunde, wie Netafim, noch gar keine Erfahrung mit Rundschalttischen hat? Netafim ist ein weltweit operierender Hersteller von professionellen Bewässerungsanlagen und Tröpfchenbewässerung mit Sitz in Israel. Für die Produktion einer in diesen Anlagen tausendfach verbauten Komponente sollte die Leistung der Montage- und Prüfvorrichtung signifikant gesteigert werden. Dass für die Konstruktion dieser Sondermaschine ausgerechnet ein Hersteller von der anderen Seite des Atlantiks zum Zuge kam, ist so ungewöhnlich nicht. Innovative Products & Equipment ist über seine Komponentenlieferanten weltweit eng vernetzt, Mund-zu-Mund Reklame und Empfehlungen tun da ihr übriges.
Die Anlage bei Netafim, eine modifizierte, ursprünglich für den Automobilbau konzipierte Linear-Transferstraße, hatte mit 60 Zyklen pro Minute die Grenzen des technisch Machbaren erreicht. Schnell war für Beaver klar, dass weitere Geschwindigkeitssteigerungen nur mit einem Rundschalttisch möglich waren, der konstruktionsbedingt schnelles Verfahren und punktgenaues Indizieren in einem Bewegungsablauf vereint. Nach intensiven Gesprächen mit der Weiss-Niederlassung in den USA konnte er eine Kombination aus einem Torque-Rundschalttisch mit den passenden Pick&Place-Einheiten aus Buchen anbieten, die die Leistung um stattliche 25 % auf 75 Takte pro Minute steigern würde.
Als Basis wählte Beaver einen frei programmierbaren TO750 Torque-Rundschalttisch, ausschlaggebend waren dabei dessen extrem hohe Dynamik und Wiederholgenauigkeit. Auf einer zentral montierten Platte – die große Mittenbohrung macht’s möglich – sitzen 16 Bearbeitungsstationen, die zwei Kunststoffschalen und einen Dichtring greifen, identifizieren, verpressen, optisch prüfen und wieder ablegen. Teil dieses Balletts sind fünf HP140 Pick&Place-Einheiten, ebenfalls aus dem Weiss-Sortiment. Die HPs arbeiten mit einer Kombination aus einer horizontalen und einer vertikalen Linearachse, die traditionellen pneumatischen Systemen in Variabilität und Wirtschaftlichkeit überlegen ist. Vor allem aber entspricht die sehr hohe Dynamik der Pick&Place-Einheiten der des TO – und damit den Kundenwünschen nach mehr Geschwindigkeit.
„Netafim ist ein sehr anspruchsvoller Kunde“, weiß Beaver, „und wir sind froh, dass wir in Weiss einen Partner haben, der uns mit vollem Engagement unterstützt.“ Eine neue Technologie, eine Zusammenarbeit quer über den Atlantik, ein unbekannter Lieferant für prozesskritische Komponenten – kein Wunder, dass der Kunde aus Israel skeptisch war. Letztendlich jedoch waren die Ingenieure von Netafim von der gebotenen Qualität beeindruckt. Und für Weiss ist eine enge Kooperation mit den Kunden seit jeher Teil der Firmenphilosophie, schließlich verkauft das Unternehmen komplette Lösungen und nicht nur Bauteile. Es galt auch, ganz konkrete technische Probleme aus dem Weg zu räumen. Durch die Verarbeitung der Gummidichtungen kommt es zu einer starken Staubbelastung, der jedoch mit speziellen Dichtungen am Rundschalttisch und den Pick&Place-Einheiten begegnet werden konnte. Ein weiterer Konfliktpunkt war die Wahl der passenden Steuerung: Von Hause aus bietet Weiss seine Rundschalttische mit Antrieben und Steuerungen von B&R an, Dale Beaver bezeichnet sich als „Rockwell-Mann“ und Netafim schwört auf Siemens. Die Einzigen, die sich bei der anschließenden Diskussion entspannt zurücklehnen konnten, waren die Ingenieure von Weiss. Mit anderen Antrieben oder Steuerungen auf die Kundenwünsche einzugehen, gehört für sie zum Tagesgeschäft. Der TO und die HPs arbeiten selbstverständlich auch mit der Siemens-Steuerung zusammen, die letztendlich das Rennen machte.
In enger Zusammenarbeit zwischen Kunde, Lieferant und Innovative entstand so die erste Anlage für Netafim. Und weil Dale Beaver nicht nur auf reine Geschwindigkeitswerte gesetzt hatte, durfte er sich bald über Nachbestellungen freuen. Heute arbeiten vier baugleiche Prüf- und Montageautomaten in Israel.
Herbert Glauner Journalist in Karlsruhe
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