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„Der Inlandsmarkt hat um 35 Prozent zugelegt“

Mikel Artola vom spanischen Werkzeugmaschinenverband AFM über die aktuelle Branchenlage
„Der Inlandsmarkt hat um 35 Prozent zugelegt“

„Eine der Stärken unserer Betriebe ist es, Nischen zu entdecken und zu besetzen“, sagt Mikel Artola, International Director beim spanischen Werkzeugmaschinenverband AFM. Bild: AFM
Die Investitionsbereitschaft der spanischen Fertigungsindustrie ist in den letzten beiden Jahren deutlich gestiegen, sagt Mikel Artola, International Director beim Werkzeugmaschinenverband AFM. Die Exportquote der iberischen Maschinenbauer liegt trotzdem weiterhin bei 90 %. ❧ Mona Willrett

Herr Artola, wie geht es der spanischen Werkzeugmaschinen-Branche aktuell?

Nach den schwierigen Jahren in der Folge der Krise 2008/09 geht es mittlerweile immer besser. Allerdings läuft es nicht überall gleich gut. Indien und China beispielsweise bleiben hinter den Erwartungen zurück, und auch in Europa könnten die Geschäfte in einigen Ländern – etwa in Deutschland – besser laufen. Dafür sind aber andere Regionen wie die USA sehr stark. Wichtig ist vor allem auch, dass sich der Inlandsmarkt gut erholt.
Wie hat sich der Inlandsmarkt in den letzten Jahren entwickelt?
Der Auftragseingang aus dem Inland stieg 2014 um 25 und 2015 um 35 Prozent. Das stimmt zuversichtlich, auch wenn wir noch nicht auf dem Niveau von 2008 liegen.
Wie groß ist der Investitionsbedarf in der produzierenden Industrie Spaniens?
Der ist noch immer recht hoch. Viele Betriebe haben lange gezögert, ehe sie in moderne Produktionsmittel investierten. Trotz der schwierigen Zeiten habe ich mich oft gefragt, worauf sie warten. Dass sich die Einstellung gerade hier im Baskenland geändert hat, sieht man auch daran, wie schnell die Fördergelder der baskischen Regierung ausgeschöpft waren. In den letzten drei Jahren wurden jeweils rund neun Millionen Euro für die Erneuerung von Investitionsgütern bereit gestellt. 2014 waren die Mittel nach fünf Monaten vergriffen, 2015 nach einem Monat und diesem Jahr nach fünf Tagen.
Welche Entwicklungen erwarten Sie im weiteren Verlauf des Jahres und für 2017?
Das erste Quartal 2016 war ok. Nicht gut, aber auch nicht schlecht. Für das Gesamtjahr erwarten wir ein Ergebnis etwa in Höhe des Vorjahres. Für 2017 geben wir noch keine Prognose ab.
Wie hoch ist die Exportquote der spanischen Werkzeugmaschinenbauer derzeit?
Wenn wir die gesamte Branche betrachten, also auch die Hersteller von Werkzeugen und Komponenten, dann liegt sie bei 81 Prozent. Fokussieren wir uns auf die Werkzeugmaschinenhersteller, dann sind es 90 Prozent. Das Produktionsvolumen der Gesamtbranche ist im letzten Jahr um 3,4 Prozent auf gut 1,4 Milliarden Euro gestiegen.
Welches waren 2015 die wichtigsten Abnehmermärkte für Ihre Unternehmen?
Der wichtigste Markt waren – mit einem Anteil von 12,6 Prozent – die USA, gefolgt von Deutschland mit 10,4 Prozent und China mit 6,7 Prozent. Dahinter komplettierten Portugal, Italien, Großbritannien, Mexiko, Frankreich, Polen und Brasilien in dieser Reihenfolge die Top Ten.
Welche Bedeutung hat das Thema Industrie 4.0 in Spaniens Produktionstechnik?
Eine große. Das ist für alle wichtig – sowohl als Marketing Instrument als auch hinsichtlich der Möglichkeiten, die vernetzte Systeme konkret bieten. Viele denken aber noch, die Maschinen werden alles alleine können. Das stimmt jedoch nicht. Es sind die Menschen dahinter, auf die es ankommt.
Wie groß ist die Bereitschaft der Betriebe, sich zu öffnen und zu vernetzen?
Die größeren Betriebe sind offener und pushen das Thema, die kleineren folgen. Etwa 75 Prozent der spanischen Werkzeugmaschinen-Hersteller sitzt in einem Umkreis von rund 100 Kilometern um Bilbao. Darunter sind viele Familienbetriebe, die in der Vergangenheit oft abgeschottet und für sich agierten. Der Verband arbeitet daran, das zu ändern. Wir versuchen zu überzeugen und mitzunehmen. Wir haben Arbeitskreise gebildet, in denen alle ihre Ideen einbringen können. Unser großer Vorteil ist, dass die Standorte unserer Betriebe dicht beieinander liegen und wir alle ähnlich denken und ticken und die gleichen Interessen haben.
Wie sieht aus Ihrer Sicht die Produktion der Zukunft aus?
Das Schlüsselwort heißt Connecivity. Natürlich wird weiter daran gearbeitet, die Maschinen schneller, präziser, wirtschaftlicher und ressourcenschonender zu machen. Aber die Herausforderung besteht darin, die unterschiedlichen Systeme zu vernetzen und sie zusammen arbeiten zu lassen.
Welchen Herausforderungen müssen sich die Maschinenbauer Spaniens stellen?
Eine große Herausforderung wird künftig darin bestehen, die richtigen Mitarbeiter, die Talente in unserem Metier, zu finden, sie anzuziehen und vor allem zu binden. Ganz wichtig ist hier das Thema Aus- und Weiterbildung. Entscheidend ist auch, die Organisation und das Management an die neuen Gegebenheiten anzupassen.
Was zeichnet den spanischen Werkzeugmaschinenbau besonders aus?
Unsere Betriebe sind hochspezialisiert, sehr flexibel, und sie bieten qualitativ hochwertige Produkte zu einem guten Preis. Nischen zu entdecken und zu besetzen, gehört zu ihren Stärken. Sie hören ihren Kunden gut zu und liefern ihnen genau das, was sie benötigen. Ein weiterer Schlüssel für den Erfolg ist die enge Zusammenarbeit zwischen der Industrie und Forschungsinstituten und -gemeinschaften wie etwa IK4 Ideko oder Technalia.
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