VDW-Chef Dr. Wilfried Schäfer über die EMO 2017

„Die Entwicklung geht immer mehr in die Breite “

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„Als Teil der produktiven Wertschöpfungskette müssen sich additive Verfahren im Umfeld der klassischen Fertigungstechnik präsentieren“, sagt Dr. Wilfried Schäfer. Er führt die Geschäfte des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW), der die EMO Hannover im Auftrag des europäischen Verbands Cecimo organisiert. Bild: VDW
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Digitalisierung mit klarem Bezug zur Fertigungstechnik, das sei eine Besonderheit der EMO, sagt Dr. Wilfried Schäfer. Trotz der Komplexität des Themas erwartet der Geschäftsführer des Werkzeugmaschinenverbands VDW an vielen Ständen praxisgerechte Lösungen. Aber auch in den klassischen Bereichen werde es viele Neuheiten geben.

Das Interview führte Mona Willrett

Herr Dr. Schäfer, nach vier Jahren findet die EMO wieder in Hannover statt. Welche Neuheiten warten auf die Besucher?

Das Angebot bezüglich Digitalisierung oder Internet der Dinge war vor zwei Jahren in Mailand nur schwach ausgeprägt. In Hannover wird die Vernetzung jetzt das zentrale Thema sein. Im Unterschied zu anderen Messen – etwa der Cebit oder der Hannover Messe – hat die Digitalisierung auf der EMO einen klaren und direkten Bezug zur Produktionstechnik. Unter dem Motto ‚Connecting Systems for intelligent production‘ werden wir auf vielen Ständen und aus allen Bereichen konkrete Lösungen oder zumindest praxisgerechte Ansätze erleben. Auch das umfangreiche Rahmenprogramm spiegelt diesen Schwerpunkt wieder – unter anderem in der Sonderschau ‚industrie 4.0 area‘ oder im VDMA-Forum ‚Innovative Lösungen für Industrie 4.0‘. Deutlich umfangreicher vertreten sind zudem Anlagen für die generative Fertigung. Aber auch die klassischen Themen kommen nicht zu kurz.

Mit welchen Erwartungen blickt der VDW als Organisator auf die kommende EMO?

Die erste Erwartung ist bereits weitestgehend erfüllt, indem wir eine sehr gute Ausstellerbeteiligung haben. Auch mit der Abbildung der neuen Themen rund um die Vernetzung und die Digitalisierung sind wir sehr zufrieden. Wir freuen uns über das große Interesse der Unternehmen und viele neue Aussteller aus dieser Branche. Natürlich hoffen wir jetzt auch auf eine entsprechend gute Besucherresonanz und viele gute und konstruktive Gespräche in den Hallen.

Kommt die vierte industrielle Revolution nun richtig in Gang oder erleben wir weiterhin eine eher evolutionäre Entwicklung ?

Das Thema begleitet uns ja mittlerweile bereits seit einigen Jahren. Schon allein deshalb, weil die Umsetzung von Industrie 4.0 mit vielen Produktions-spezifischen Fragen verbunden ist – nicht nur technischen, auch rechtlichen. Diese Fragen zu beantworten ist viel komplexer als beim Internet der Dinge im Consumer-Bereich. Insofern werden wir keine Revolution von heute auf morgen erleben. Dennoch: Viele Ideen und Systeme sind mittlerweile so ausgereift, dass auf allen Ebenen Lösungen angeboten werden können. Eine wichtige Frage bleibt: Was mache ich mit den generierten Daten? Ich kann mir gut vorstellen, dass wir diesbezüglich auf der EMO Angebote sehen werden, die dem Anwender einen deutlichen Mehrwert bieten. Die Entwicklung geht sukzessive weiter und immer mehr in die Breite. Die Umsetzung in der Praxis steht und fällt aber auch mit dem Engagement der Kunden.

Viele der bisherigen Angebote waren Insellösungen. Wie durchgängig lassen sich Produktionsabläufe mittlerweile vernetzen?

Einzelne Unternehmen aus den verschiedenen Bereichen der Produktionstechnik werden auch künftig überwiegend nur Teillösungen bieten können. Um diese Angebote zu verbinden und zu vernetzen, sind Plattform- und Steuerungsanbieter gefragt, die einen Blick auf alle Unternehmensprozesse haben. Es gibt bereits Lösungen für die gesamte Prozesskette. Diese zu implementieren, ist eher eine Frage der Bereitschaft. Denn das setzt auch einiges an Engagement und Arbeit seitens des Anwenders voraus.

Inwieweit ist das Thema inzwischen im Markt angekommen?

Es gibt einige große Fertigungsbetriebe – unter anderem im Automobilbereich – die bereits recht weit sind in der Umsetzung. Wie das in den kleinen und mittleren Betrieben aussieht, ist für uns als Verband schwer zu beurteilen, weil uns belastbare Zahlen fehlen. Hier müsste man die Anbieter entsprechender Lösungen direkt fragen.

Erkennen Sie weitere Trends, die die EMO und die Zeit danach prägen werden?

Wir werden Neuheiten und Weiterentwicklungen in allen Bereichen erleben. Die Unternehmen arbeiten kontinuierlich daran, ihre Produkte zu verbessern, deren Leistung, Präzision, Zuverlässigkeit oder Ergonomie zu optimieren. Aber ich sehe derzeit nichts, was ich als neuen Trend bezeichnen würde.

Welche Rolle spielen inzwischen die additiven Verfahren auf der EMO?

Vor vier Jahren hatten wir auf der EMO keinen Hersteller klassischer Pulverbett-Maschinen. Seither ist viel passiert. Die generativen Verfahren haben sich vom reinen Rapid Manufacturing zu einer ergänzenden Fertigungstechnologie im industriellen Umfeld entwickelt. Die entsprechenden Anbieter erkennen immer klarer, dass sie sich und ihr Angebot als Teil der produktiven Wertschöpfungskette präsentieren müssen. Auf der EMO Hannover sind alle präsent: potenzielle Kunden wie auch die Anbieter vor und nachgelagerter Prozesse. Darüber hinaus bieten immer mehr unserer klassischen Aussteller aus dem Werkzeugmaschinenbereich Hybridmaschinen an, die spanende und generative Verfahren kombinieren.

Welche Rolle spielen additive Anlagen derzeit im Markt für Fertigungstechnik?

Derzeit wird diese Maschinengattung bei uns nicht einzeln statistisch erfasst. Deshalb fehlen uns auch hier die nötigen Zahlen, um eine konkrete Aussage treffen zu können. Man muss allerdings sagen, um das Potenzial dieser Verfahren ausschöpfen zu können, muss man die Bauteile verfahrensgerecht konstruieren. Das erfordert sicher im einen oder anderen Fertigungsbetrieb noch ein Umdenken und Neudenken der Produkte.

Welche Herausforderungen kommen auf die Werkzeugmaschinenbranche zu – unter anderem durch die Elektromobilität?

Herausforderungen gibt´s immer. Nur lassen sie sich nicht so ohne weiteres in die Zukunft projizieren. Was die Elektromobilität angeht, so ist der Blick in die Zukunft noch sehr unklar. Um die Situation einzuschätzen, kann man mehr oder weniger qualifizierte Studien betrachten, die politischen Intentionen und die erforderliche Infrastruktur – Tankstellen, Ladestationen… Vorsichtige Schätzungen gehen davon aus, dass wir bis 2025 einen Anteil von bis zu 15 Prozent reinen Elektrofahrzeugen haben werden. Dabei ist noch nicht einmal klar, ob die reine Elektromobilität der Weisheit letzter Schluss ist, oder ob es nicht ökologisch sinnvollere Konzepte gibt – etwa intelligente Hybridtechnik. Außerdem gehen wir davon aus, dass der Bedarf an Fahrzeugen in den Wachstumsmärkten zunächst noch steigen wird. Wir rechnen also in den kommenden zehn Jahren nicht mit einem dramatischen Einbruch der benötigten Zerspanleistung.

Wie ist das Jahr für die deutschen Hersteller von Werkzeugmaschinen bislang gelaufen?

Wir liegen auf Kurs, entsprechend unseren Erwartungen und unserer Prognose zu Jahresbeginn. Wir werden sicher noch einen EMO-Effekt erleben, der sich positiv auf die Auftragseingänge auswirkt. Was das für 2018 bedeutet, können wir frühestens im vierten Quartal abschätzen.

Wie haben sich die Märkte entwickelt?

So, wie wir das nach dem zweiten Halbjahr 2016 erwartet hatten. Europa läuft gut und auch aus Asien, insbesondere aus China, sind die Signale positiv. Insofern kann ich keine nennenswerte Verschiebung erkennen.

Spürt die Branche inzwischen die politischen Ereignisse der vergangenen Monate?

Auch hier sind die Veränderungen weitaus weniger dramatisch, als teilweise angenommen oder erwartet. Das Geschäft mit und in den USA läuft gut, die Türkei verharrt auf einem abgeschwächten Niveau und das Russlandgeschäft ist stabil schwach. Am deutlichsten sind die Auswirkungen aus unserer Sicht in Großbritannien, wo das mangelnde Vertrauen in die Zukunft zu einer merklichen Abschwächung geführt hat.

Was gibt es Neues hinsichtlich der Themen Energielabel und Blue Competence?

Ein Energielabel stand nie zur Debatte. Auch hinsichtlich konkreter Anforderungen ist seitens der EU noch keine finale Entscheidung gefallen. In naher Zukunft wird es in Brüssel eine Anhörung geben. Wir können aber noch nicht einschätzen, in welche Richtung das am Ende geht. Und Blue Competence ist nach wie vor Teil der VDMA-Aktivitäten zum Thema Nachhaltigkeit.



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