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Erste Ausgründungen aus Start-Up-Programm von Trumpf sind am Markt

Innovation
Erste Ausgründungen aus Start-up-Programm von Trumpf am Markt

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Um die eigene Innovationsfähigkeit zu fördern und zu sichern, hat Trumpf das Start-up Programm „Internehmertum“ ins Leben gerufen. Drei Jungunternehmen bieten ihre innovativen Lösungen mittlerweile am Markt an. ❧

Mona Willrett

Für deutsche Industrieunternehmen sei es tödlich, die Arbeit an innovativen Zukunftsprojekten aufgrund der aktuellen Krise einzustellen, sagt Dr. Peter Leibinger. „Wir werden uns niemals über den Preis am Markt durchsetzen können“, betont der CTO der Trumpf-Gruppe. Vielmehr sei die Innovationskraft der Unternehmen die Basis des deutschen Erfolgs und unseres Wohlstands. Leibinger gab zu, dass Trumpf – obwohl ebenfalls stark von der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung betroffen – im Vergleich zu vielen anderen produzierenden Unternehmen in einer komfortableren Lage sei und es sich leisten könne, in Zukunftsthemen zu investieren. Um die Investitionen zu fokussieren, treiben die Ditzinger manche Projekte mit dem vollem Tempo voran, andere nur mit reduzierter Kraft. „Aber auch jetzt stecken wir zweistellige Millionenbeträge in Projekte, die im Moment keinen Umsatz bringen – einfach weil wir überzeugt sind, dass sie uns in Zukunft einen Wettbewerbsvorteil bringen“, so der stellvertretende Vorsitzende der Geschäftsführung der Trumpf-Gruppe. „Ein Beispiel, bei dem diese Strategie voll aufging, sind die EUV-Anlagen für die Produktion von Mikrochips. In dieses Geschäftsfeld haben wir ein Jahrzehnt lang investiert, zunächst ohne einen konkreten wirtschaftlichen Nutzen zu erzielen. Heute sind wir froh, dieses zusätzliche Standbein zu haben.“

Leibinger unterstrich, in der deutschen Forschungsförderung sei in den vergangenen Jahrzehnten viel Gutes erreicht worden, insbesondere auch durch Forschungsgemeinschaften wie die Fraunhofer- oder die Max-Planck-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft oder die DLR. „Was mich jedoch mit großer Sorge erfüllt, ist die zunehmende Politisierung der Forschung, die zu krassen Fehlentscheidungen führt“, betonte der oberste Trumpf-Innovator.

Hälfte der Arbeitszeit fürs Start-up

Als einen Weg, das eigene Innovationspotenzial zu stärken, sieht Leibinger das Programm „Internehmertum“, das die Ditzinger vor drei Jahren starteten. Dabei können Betriebsangehörige während der Hälfte ihrer Arbeitszeit selbst entwickelte Geschäftsideen in die Tat umsetzen. „Wir haben uns hier Regeln vorgegeben, die durchaus auch weh tun können“, sagt Leibinger. Es seien meist die besonders guten Mitarbeiter, die diesen Weg gehen und damit dem Unternehmen an anderer Stelle fehlten. Dennoch hätten direkte Vorgesetzte kein Veto-Recht, wenn jemand für das Programm ausgewählt werde. „Und wir lassen es bewusst zu, dass hier Lösungen entstehen, die in den direkten Wettbewerb zu originären Trumpf-Aktivitäten treten können.“ Die ersten drei Ausgründungen sind nun am Markt, zwei folgen in den nächsten Wochen, weitere könnten in absehbarer Zeit dazu kommen.

Um einen Platz im Programm zu bekommen, reichen die Mitarbeiter ihre Ideen bei einem Fachgremium von Trumpf ein. Experten wählen dann die besten aus. Überzeugt der Ansatz, darf der Mitarbeiter für zunächst drei Monate lang sein Projekt weiterentwickeln. Ihn begleiten dabei auch externe Fachleute für Unternehmensgründungen und neue Geschäftsmodelle. Ziel ist, dass am Ende eine marktfähige Lösung steht. Auf dem Weg dorthin unterstützen Mitarbeiter von Trumpf mit Know-how und Coaching. Nach jeweils einem Vierteljahr entscheidet das Fachgremium, ob das Start-up fortgeführt werden kann oder der Mitarbeiter auf seine ursprüngliche Position zurückkehrt. 16 Ideen durften bislang in dem Programm weiterverfolgt werden.

Preisgünstige Metall-3D-Drucker

Zu den drei bereits am Markt befindlichen Start-ups gehört die im April 2019 gegründete One Click Metal GmbH in Tamm. Deren Köpfe haben einen einfachen Metall-3D-Drucker für die Industrie entwickelt. Während gängige Metall-Drucker vor allem die High-Tech-Interessen großer Industrieunternehmen bedienen, will One Click Metal eine einfache, kostengünstige und leicht zu bedienende Alternative bieten, die gerade auch für kleinere und mittelständische Unternehmen interessant ist. Mit rund 20 Mitarbeitern entwickelt das Unternehmen Anlagen, die über die Hälfte günstiger sind als der durchschnittliche Marktpreis.

Während Trumpf bei seinen High-end-Anlagen auf Faserlaser setzt, verwendet One Click Metal preisgünstigere Diodenlaser. Die Geräte sind laut Björn Ullmann, einem der beiden Initiatoren und Geschäftsführer des Start-ups, so konzipiert, dass sie günstig herzustellen sind. Statt klassischen Maschinenbaus betreibe man eher Gerätebau. „Wir überlegen uns schon in der Konzeptionsphase bei jeder Schraube, ob sie wirklich nötig ist, oder ob sich dieses Detail nicht einfacher lösen lässt“, sagt Ullmann. Zu den geringen Kosten dieser Anlagen trägt auch bei, dass die Laserleistung und die Aufbaugeschwindigkeit geringer sind und die Bauteilgröße begrenzt ist. „Aber für viele Anwendungen reicht das völlig aus und wer nur einzelne Teile braucht, der kann in der Regel auch damit leben, wenn der Aufbau etwas länger dauert“, so Ullmann.

Ab Juli 2020 liefert One Click Metal die ersten Systeme aus. Sie bestehen aus einem Drucker, einer Auspack- und Siebstation sowie einer Software zur Datenvorbereitung. Zu den Kunden gehören Unternehmen aus den Branchen Maschinen- und Werkzeugbau, Automotive oder auch Ausbildungsstätten. Dort werden die Systeme im Bereich Produktentwicklung und Prototyping, aber auch in der industriellen Fertigung von Einzelteilen und Kleinserien genutzt.

Mit KI zum Weiterbildungsangebot

Das Start-up „Peers“ hat eine digitale Plattform für Weiterbildungslösungen entwickelt. Es hat seinen Sitz in Berlin und beschäftigt neun Mitarbeiter. Das Unternehmen begleitet Firmen auf ihrem Weg in die digitalisierte Arbeitswelt und vermittelt den Mitarbeitern die dafür nötigen Kompetenzen. Ziel ist, die normalerweise beratungsintensive Auswahl, Organisation und Abwicklung von Weiterbildung automatisiert anzubieten. Passende Weiterbildungsangebote ermittelt das Start-Up mithilfe einer KI-basierten Software.

In den vergangenen Monaten gingen bei Peers noch mehr Aufträge ein, als vor der Corona-Krise. Zu den Kunden gehören Unternehmen aus der verarbeitenden Industrie, vor allem aus der Metall- und Elektro-Branche. Zu den Partnern zählen die größten Weiterbildungsanbieter Deutschlands, etwa Haufe, die WBS Akademie oder die Pink University. Die Trumpf Venture GmbH ist mit 10 % an Peers beteiligt. Nach der Ausgründung hat sich auch die Venture Capital Gesellschaft First Momentum Venture aus Karlsruhe beteiligt. Den Markt für Lernanbieter, Personalberatung und HR-Software schätzen Experten auf 7 Mrd. Euro.

Massentaugliche Quantentechnologie

Als drittes bereits am Markt befindliches Start-up aus dem Internehmer-Programm arbeitet Q.ANT an der Industrialisierung der Quantentechnologie. Ziel des Unternehmens ist, diese mithilfe neuer photonischer Technologien massentauglich zu machen. Die möglichen Anwendungsfelder liegen im Bereich der Sensorik, der bildgebenden Technologie, der Datensicherheit und des Computings. Die Technologie des Start-Ups könnte irgendwann die Mikroskopie lebender Zellen vereinfachen und das autonome Fahren beschleunigen, indem sie Autos hilft, ihre eigene Position millimetergenau zu bestimmen. Partner des Start-Ups sind Konzerne aus der Pharma-, Halbleiter- und Automobilindustrie. Das Unternehmen beschäftigt derzeit rund 15 Mitarbeiter und hat seinen Sitz in Stuttgart-Vaihingen.

Kontakt:

Trumpf GmbH + Co. KG
Johann-Maus-Straße 2
71254 Ditzingen
Tel.: 07156/ 303–0
www.Trumpf.com

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