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„Fünf Prozent Wachstum halte ich für realistisch“

Verbandsvorstand Lothar Horn über Lage und Trends in der Präzisionswerkzeug-Branche
„Fünf Prozent Wachstum halte ich für realistisch“

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Über die aktuelle wirtschaftliche Situation der Präzisionswerkzeug-Branche sowie über technische Entwicklungen sprachen wir mit Lothar Horn. Er ist Vorsitzender des Fachverbands Präzisionswerkzeuge im VDMA und Geschäftsführer der Paul Horn GmbH, Tübingen. §

Autor: Das Interview führte Haider Willrett

Herr Horn, wie laufen die Geschäfte der deutschen Präzisionswerkzeug-Hersteller? Bestätigt sich die Prognose von vier Prozent Produktionswachstum für 2014?

Unsere Prognose vom Jahresbeginn war eher konservativ angelegt. Mittlerweile zeichnet sich ab, dass das Produktionsvolumen der Gesamtbranche die Prognose vielleicht sogar übertreffen könnte.
Welche wirtschaftlichen Entwicklungen erwarten Sie in der zweiten Jahreshälfte und im kommenden Jahr?
Im zweiten Halbjahr erwarte ich keine dramatischen Veränderungen. Bereits in den ersten Monaten lag das Produktionsvolumen der Automobilindustrie, einer unserer wichtigsten Kundenbranchen, auf hohem Niveau. In den kommenden Monaten sehen wir hier weitere Potenziale. Und diese Dynamik sollte 2015 anhalten. Deshalb gehen wir davon aus, dass im nächsten Jahr weitere Zuwächse von vier bis fünf Prozent realistisch sind.
Ist die Entwicklung in den Teilbranchen homogen?
Nein. Die Hersteller von Zerspanwerkzeugen haben den Vorteil, dass ihre Produkte verschleißen und ersetzt werden müssen. Spannzeuge hingegen sind Investitionsgüter. Ebenso der Werkzeug- und Formenbau. In diesen Bereichen fällt das Wachstum kleiner aus.
Welche Zielbranchen laufen derzeit besonders gut?
Allen voran muss man hier den Gesamtbereich der Mobilität nennen. Nicht nur aufgrund des Produktionsvolumens – weltweit wurden im vergangenen Jahr allein 74 Millionen Pkw und leichte Nutzfahrzeuge produziert –, auch wegen den ständig steigenden Anforderungen. Die Stichworte Energieeffizienz oder Downsizing sind verbunden mit schwer zu bearbeitenden Werkstoffen. All das sichert uns Arbeit. Aber auch die Medizintechnik bietet immer mehr Einsatzfelder für unsere Produkte – sowohl in der Fertigung von Instrumenten als auch bei den so genannten menschlichen Ersatzteilen.
Und welche Regionen laufen besonders gut?
Im Export sind die USA und China – in dieser Reihenfolge – die größten Wachstumstreiber. Europa ist nach wie vor einer der wichtigsten Märkte. Ganz vorne liegt hier natürlich Deutschland, aber auch Frankreich befindet sich wieder auf dem Vorkrisenniveau. Italien und Spanien erholen sich ebenfalls. Russland ist gerade eher ein politisches Thema. Brasilien ist als Exportland schwierig, Indien erfüllt die hohen Erwartungen bislang nicht.
Wie können die deutschen Anbieter ihre führende Position auf dem Weltmarkt festigen oder gar ausbauen?
Das ist nur möglich, wenn wir es schaffen, im Dreieck Qualität, Leistung und Kosten attraktive Gesamtlösungen zu bieten. Hinsichtlich Qualität und Leistung dürfen wir für uns in Anspruch nehmen, die führende Nation zu sein. Mit Blick auf die Kosten müssen wir uns kontinuierlich verbessern. Wir haben zwar schon viel erreicht, dürfen uns aber nicht auf diesen Lorbeeren ausruhen. Die klassische Ordnung mit einer ersten, zweiten und dritten Welt ist Geschichte. Frühere Drittweltländer sind heute Wirtschaftsgiganten. Gerade für die deutschen Unternehmen ist die Explosion der Energiekosten ein Wirtschaftshemmnis. Zu unseren Stärken gehören nach wie vor unsere hochqualifizierten Mitarbeiter. Sie sind das Herz unserer Unternehmen, und das muss auch so bleiben.
Welche technischen Trends beschäftigen die Branche?
Bei den Zerspanwerkzeugen ist das vor allem die Zufuhr des Kühlmediums durchs Werkzeug und dessen Halter. Minimalmengenschmierung und Trockenbearbeitung sind Stand der Technik. Aber viele moderne Prozesse sind nur möglich, wenn eine ausreichende Menge Kühlschmierstoff direkt an der Schneide wirkt. Nur so lassen sich Spanbildung und -entsorgung, die Standzeiten der Werkzeuge und letztlich die Wirtschaftlichkeit der Prozesse optimieren. Deshalb brauchen wir – um die Kosten pro Schneide im Griff zu behalten – künftig auch mehrschneidige Schneidplatten mit innerer Kühlmittelzufuhr.
Welche Trends werden die AMB prägen?
Neben der inneren Kühlmittelzufuhr werden wir für das Bearbeiten von Faserverbundstoffen und hochwarmfesten Materialien interessante neue Lösungen sehen. Aber auch über die Energieeffizienz der Prozesse werden Aussteller und Besucher wieder diskutieren.
Wie können Werkzeuge zur Energieeffizienz beitragen?
Da gibt es eine Reihe von Ansätzen. Produktivere Werkzeuge und stabilere Spannsituationen ermöglichen es, in kürzerer Zeit zu fertigen. Dadurch sinkt der Energiebedarf für die einzelne Bearbeitung. Hier liegt das größte Effizienzpotenzial. Einsparungen lassen sich aber beispielsweise auch mit Werkzeugen erzielen, die weicher schneiden, so dass die Operation mit einer geringeren Leistungsaufnahme der Maschine möglich wird.
Welche Chancen bieten generative Verfahren?
Das ist sicherlich eine Technologie, in der große Bewegung und Dynamik steckt und die neue Möglichkeiten erwarten lässt. Im Moment ist sie jedoch – was die Fertigung von Schneidwerkzeugen angeht – noch nicht wirtschaftlich genug für eine Serienfertigung. Für Prototypen und Modelle ist sie aber durchaus interessant.
Welche Herausforderungen kommen auf die Hersteller und Nutzer von Präzisionswerkzeugen zu?
Der tägliche Kampf um die Wirtschaftlichkeit und der Zwang, sich – vor allem gegenüber Großkunden – immer wieder als Gesprächspartner auf Augenhöhe beweisen zu müssen. Technisch sind das in erster Linie die noch offenen Fragen im Zusammenhang mit den Themen Energieeffizienz und Elektromobilität.
Wie haben sich die Rohstoffpreise entwickelt?
Die liegen stabil auf einem hohen Niveau.
Wie kann die Werkzeugbranche auf steigende Rohstoff- und Energiepreise reagieren?
Was die Rohstoffsituation angeht, sehe ich vor allem zwei Wege. Zum einen müssen wir bereits beim Design unserer Produkte die Rohstofffrage berücksichtigen. Analog zu den Wechselkopf-Werkzeugen kann man sich vorstellen, dass beispielsweise auch Wendeschneidplatten nicht komplett aus Hartmetall bestehen müssen. Zum anderen müssen wir die Halbzeuge endkonturnäher herstellen. Was die Energiekosten betrifft, sollte jeder den Verbrauch in seinem ganzen Unternehmen optimieren – bis hin zum Einsatz der Leuchtmittel…
Was erwartet sich die Branche von der AMB?
Die AMB ist in den nächsten beiden Jahren unsere wichtigste Präsentationsplattform in einer Region, in der viele unserer Kunden sitzen. Entsprechend hoch sind die Erwartungen – auch hinsichtlich der Neuheiten. •
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