Unternehmensentwicklung

Neue strategische Produktionsausrichtung

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Die Constellium N.V. hat ihr Werk in Dahenfeld mit drei vollautomatisierten Montagezellen erweitert, um erstmals großformatige Strukturkomponenten aus Aluminium zu fertigen. Dahinter steckt eine Strategie.

Hartmut Hammer
Journalist in Leutenbach

Auch bisher schon hat Constellium in Dahenfeld Karosserie-Strukturteile intensiv bearbeitet. Etwa zerspant, zu kleineren Baugruppen genietet und geschweißt sowie das Oberflächenfinish durchgeführt. Auf diesen kleineren Anlagen, die erst im Herbst 2018 um einige halbautomatische Schweißzellen ergänzt wurden, fertigt das Unternehmen aktuell etwa 50 unterschiedliche Baugruppen für verschiedene Kunden in Serie.

Neu ist, dass in den drei neuen hochautomatisierten Montagezellen jetzt Bleche, Strangpressprofile und Gussteile aus Aluminium und teilweise sogar Stahlbleche zu komplexeren Baugruppen gefügt werden. Die aktuell größte Strukturkomponente – ein Seitenschweller – besteht aus 20 Einzelteilen. Diese werden mit etwa 20 Fließschrauben, 80 Nieten, Punktschweißen sowie Kleberaupen von bis zu 4 m Länge zusammengefügt. Auf jeder der drei Montagezellen wird ein spezielles Strukturbauteil für ein Kundenfahrzeug gefertigt. Allerdings sind die Vorrichtungen und Roboter so kompatibel, dass jedes Strukturbauteil auch ohne Probleme auf einer der anderen Montagezellen entstehen könnte. Eine vierte Anlage soll noch 2019 in Betrieb gehen. Produkte aus Dahenfeld liefert Constellium an Kunden wie etwa Audi, BMW, Ford, Jaguar, Mercedes-Benz, Porsche und Rolls-Royce.

Pilotfunktion im Unternehmen

Die erstmalige Fertigung von komplexeren Strukturbauteilen in dieser Prozesstiefe hat Modellcharakter. Mit den Erfahrungen in Dahenfeld will Constellium auch in anderen Werken eine hochautomatisierte Body-in-White-Fertigung aufbauen. Das wird schon in den nächsten Jahren an jeweils einem Standort in Nordamerika und China geschehen, abhängig von den lokalen Kunden und möglichen Aufträgen.

Dass ausgerechnet Dahenfeld diese Pionierrolle innerhalb Constellium einnimmt, liegt an früheren Pilotprojekten bei der Bearbeitung von Einzelteilen aus Strangpressprofilen und Blechen. Die Werker und Ingenieure am Standort Dahenfeld verfügen nach Angaben von Constellium über einen großen Erfahrungsschatz bei der Teilebearbeitung, sie sind sehr nahe an vielen potenziellen Kunden und verstehen deren Qualitätsanforderungen.

Als nächsten Prozessschritt will Constellium nicht unbedingt die automatisierte Wertschöpfung bei den Baugruppen erhöhen. Vielmehr will man das Know-how aus den bisherigen Projekten mit 50.000 bis 60.000 Einheiten pro Jahr in die Großserie überführen. Das soll dann an großflächigeren Standorten in der Nähe von Volumenherstellern geschehen, um den globalen Footprint zu stärken. In Dahenfeld selbst ist aus Platzgründen bei einer Fertigung von 100.000 Strukturbauteilen pro Auftrag eine Obergrenze erreicht.

Größe ist sekundär

Neuausrichtung am Markt

Eine Fertigung von größeren Strukturbauteilen ist aktuell nicht geplant. Denn für die Fertigung und Bearbeitung von größeren Baugruppen sieht Constellium noch ganz andere Kompetenzen als erforderlich an. Zudem würden die OEMs und Karosseriespezialisten den komplexen Karosseriebau oft als ihre Kernkompetenz definieren, weshalb Constellium einen Markteinstieg in diesem Wettbewerbs- und Technologieumfeld als nicht realistisch betrachtet.

Vielmehr will man Aufträge für weitere Baugruppen im jetzigen Größenformat gewinnen. Im Zuge dessen hat Constellium bereits mehrere Serienaufträge für Batteriegehäuse unterschrieben. Die entsprechenden Elektrofahrzeuge von europäischen, nordamerikanischen und chinesischen Kunden werden schon bald auf den Markt kommen. Aktuell sieht man sich mit Batteriegehäusen, den Strukturbauteilen aus Dahenfeld sowie mit Crashstrukturen für Stoßfänger gut aufgestellt.

Gute Marktchancen für Aluminiumstrukturen sieht Constellium noch in China, da die dortigen Hersteller Stand heute noch hauptsächlich auf Stahlkarosserien setzen und deshalb mit gewaltigen Substitutionseffekten zu rechnen sei. Bei europäischen Herstellern hingegen ist Aluminium schon weiter verbreitet, so dass hier hauptsächlich qualitatives statt quantitatives Wachstum zu erwarten ist. Insbesondere bei Elektrofahrzeugen ist Leichtbau ein Muss. Im Schnitt werden die vollelektrischen Neufahrzeuge der nächsten Jahre einen etwa dreimal so hohen Aluminiumanteil im Vergleich zu herkömmlichen Pkw mit Verbrennungsmotor aufweisen.

Für die Zukunft will Constellium die Produktion von kompletten Karosserien jedoch nicht ganz ausschließen. Aktuell sei dieses Szenario nicht in Sichtweite, da man nur in Teilbereichen der Karosseriefertigung das erforderliche Wissen habe, aber längst noch nicht überall. Eventuell in einem Jahrzehnt könnte man sich auf diesem Weg befinden, je nachdem, wie sich der Markt für die Elektromobilität entwickelt. Aktuell stehe aber das saubere Ausrollen der jetzigen Strategie im Vordergrund. Parallel dazu will sich Constellium sukzessive so aufstellen, dass man auf künftige Marktentwicklungen flexibel reagieren könne.

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