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Polierte Flächen erfordern höchste Sauberkeit

Teilereinigung: Neue Anlage erreicht 30 Prozent höheren Durchsatz
Polierte Flächen erfordern höchste Sauberkeit

Vor dem Verchromen oder Lackieren müssen polierte Oberflächen perfekt sauber sein. Um die geforderte Reinheit zu gewährleisten, hat sich Polierspezialist Wehrle mit der R2 von Pero neueste Anlagentechnik ins Haus geholt, die auch möglichen zukünftigen Anforderungen gerecht wird.

„Selbst kleinste Partikel sind Gift für eine polierte Oberfläche“, sagt Lore Kaltenbach-Kammerer, Geschäftsführerin der Joseph Wehrle GmbH & Co. KG. „Nach dem Lackieren oder Verchromen sind sie als Fehler in der Oberfläche deutlich zu sehen.“ Und: Je dünner die Chrom- oder Lack-Schicht, desto höher sind die Anforderungen an die Sauberkeit der Oberflächen.

Weil die Qualität stimmt – egal, ob die Aufträge 100 oder 200 000 Teile umfassen –, lassen namhafte Unternehmen aus den Bereichen Sanitär, Uhren, Medizintechnik, Maschinenbau und sogar Möbel Teile bei Wehrle polieren. Nachdem die alten Räumlichkeiten in Triberg zu klein geworden waren, zog das Unternehmen nach Villingen. In der neuen Werkhalle stehen 50 % mehr Produktionsfläche zur Verfügung. Jetzt sind alle Poliermaschinen optimal zur Reinigungsanlage platziert – Blickkontakt und kurze Wege bestimmen die Abläufe, und der Arbeitsfluss stimmt wieder.
Bei der Auswahl der ebenfalls erforderlichen neuen Reinigungsanlage brachte das Probereinigen im Technikum der Königsbrunner Pero AG mit den dortigen technischen Möglichkeiten und der Kompetenz der Berater den Ausschlag. Die kurze Lieferzeit und die maßgeschneiderte Finanzierung bestätigten die Entscheidung. Die Anlage des Typs R2 war bereits nach Lieferung und Befüllung voll betriebsfähig. Die Produktion wurde durch die Inbetriebnahme kaum unterbrochen.
„Unsere R2 ist eine neu konfigurierte Reinigungsanlage mit optimierter Verfahrenstechnik und zugleich eine Weiterentwicklung des R-Anlagen-Konzepts“, erklärt Pero-Fachberater Thomas Schwarz. Zu ihren Merkmalen gehören eine gesteigerte Reinigungsleistung, ein deutlich höherer Durchsatz und die sehr kompakte Bauweise.
Wehrle hat damit eine Reinigungs-Technologie geordert, die exakt auf die Anforderungen der Firma zugeschnitten ist und noch viele Ausstattungsmerkmale für künftige Aufgaben bereithält. Aufgrund der Material-Vielfalt – neben Messing sind auch Aluminium, Edelstahl, Zink-Druckguss und sogar Plexiglas zu bearbeiten – und dem entsprechenden Einsatz verschiedener Polierpasten war eine Reinigungsanlage für halogenierte Kohlenwasserstoffe die richtige Lösung. „Wir müssen sehr flexibel auf die Bestellungen unserer Kunden reagieren können und brauchen deshalb eine Reinigungsanlage für alle Materialien“, begründet Lore Kaltenbach-Kammerer.
Der Verfahrensschritt ‚Erstes Dampf-Entfetten‘ wirkt an den Werkstücken wie eine Vorreinigung und entfernt bereits den größten Teil der Kühlschmierstoffe (KSS). Vorteil dieser Methode ist, dass damit das Medium im ersten Reinigungstank nicht mit den KSS belastet wird. Das Reinigungsmedium steht also mit größerer Reinheit für den folgenden Verfahrensschritt Vollbad mit Ultraschall bereit. Das Medium aus Tank 2 dient dazu, feinste Verunreinigungen von den Bauteilen zu entfernen. Dieser Ablauf schafft hier ein sehr gutes Reinigungsergebnis.
Der integrierte Dampfentwickler bereitet das Reinigungsmedium besonders energieeffizient auf. Die Destillatleistung ist variabel einstellbar und kann dem momentanen Durchsatz angepasst werden. Somit wird gerade so viel Energie eingesetzt, wie für das Reinigen der jeweiligen Teile notwendig ist. Durch permanente Vollstrom-Filtration beim Befüllen und auch beim Entleeren der Arbeitskammer wird das Reinigungsmedium von Partikeln und Feststoffen befreit. Die zuschaltbare Bypass-Filtration reinigt das Medium in den Tanks zusätzlich und kontinuierlich immer dann, wenn es nicht zum Reinigen eingesetzt wird. Die konsequent optimierte Verfahrenstechnik der R2 spart gegenüber herkömmlicher Technik über 40 % Energie. Mit dem Energie-Manager wird die Anlage dem gewünschten Durchsatz angepasst. Trotz des standardmäßig hohen Warenträger-Gesamtgewichtes von 200 kg erreicht die neue Reinigungsanlage beim Standardverfahren Reinigen-Dampfentfetten-Trocknen über 30 % mehr Durchsatz.
Die R2-Reinigungsanlage steht bei Wehrle mittig in der Halle und ist so platziert, dass die gereinigten Teile in vorgestanztem Schaum gebettet direkt zum Kunden ausgeliefert werden können. Auf der anderen Seite – der Zuführung der ungereinigten Teile – sind die manuellen und die automatischen Polierstationen positioniert. Alle sind mit rotierenden Polier- oder Schwabbel-Scheiben ausgestattet, die mit Hilfe bestimmter Polierpasten für den gewünschten Glanzgrad der Teile sorgen. Während an den manuellen Plätzen der Mensch den zu polierenden Gegenstand in die Schwabbel-Scheibe hält und mit geübtem Blick den gewünschten Glanzgrad erzeugt, sind auch Vorrichtungen im Einsatz, die über Vorschubparameter gesteuert größere Flächenteile in den Lauf der Schwabbel-Scheibe schieben. Für kleinere Massenteile werden Rundtakt-Maschinen eingesetzt, die bis zu vier kleinere Schwabbel-Scheiben tragen. Hier hat der Mensch neben der Qualitätskontrolle vor allem die Aufgabe von Beschickung und Entnahme der Teile.
Auch die Automation soll bei Wehrle ein neues Gesicht bekommen und für eine Steigerung der Kapazitäten sorgen, für die die Pero R2 vom Durchsatz her schon ausgelegt ist. Dazu stehen im hinteren Teil der Halle zwei Kuka-Roboter, die noch in diesem Jahr mit ihrer Greifern Teile aus einer Kiste entnehmen und sie in einem programmierten Zyklus in eine Schwabbel-Scheibe halten und so polieren sollen. Damit soll nicht nur ein neues Kapitel ihres automatisierten Polierens aufgeschlagen werden, die Villinger wollen auch die manuellen Plätze entlasten und sich mehr Freiraum für Flexibilität schaffen.
Handarbeit gibt es noch genug. So müssen alle Teile präzise in Vorrichtungen eingelegt werden, die dann ihrerseits in Drahtkörben, so genannten Warenträgern, stehen. Bei Wehrle kommen Drahtkörbe der Größe 660 mm x 480 mm x 300 mm zum Einsatz. Aufgrund der Empfindlichkeit der Teile, die verchromt oder lackiert werden und nicht den kleinsten Kratzer haben dürfen, muss aufs Rotieren in der Arbeitskammer verzichtet werden. „Als Alternativen haben wir vielfältige Verfahren wie Schwenken, Schräglagen, Vollbad, Fluten und Schwallfluten im Angebot der Maschinensteuerung“, beschreibt Thomas Schwarz die Möglichkeiten, empfindliche Teile sicher zu reinigen. Dem Ultraschall-Modul, das auch gleich in die R2 integriert wurde, kommt hier besondere Bedeutung zu, denn es ist fürs sanfte Erreichen der Technischen Sauberkeit unerlässlich.
Die R2 ist nicht nur wegen ihrer Reinigungs-Qualität eine Investition in die Zukunft. Die Anlage ist heute auf das halogenierte Kohlenwasserstoff-Lösemittel Perchlorethylen eingestellt. Darüber hinaus kann sie künftig auch auf nicht-halogenierte Kohlenwasserstoffe und auf modifizierte Alkohole umgestellt werden. Darum ist zusätzlich eine Brand- und Ex-Schutzausrüstung verbaut. Das macht die Investition für die Betreiber besonders zukunftssicher.
Für Wehrle spielten bei der Kaufentscheidung natürlich auch Schnelligkeit, hoher Durchsatz und Energieeffizienz eine große Rolle, sollen doch schließlich so viele Teile zum Polieren ins Haus kommen, dass eine zweite Schicht notwendig wird. Dadurch will die Geschäftsleitung die Amortisationszeit halbieren. Das Ziel lautet: Das Leistungsangebot erweitern und die nachfolgenden Arbeitsgänge Verchromen, Lackieren und Laser-Beschriften mit ins Portfolio aufnehmen. Die Platzverhältnisse der neuen Werkhalle lassen solche Planungen zu.
Norbert Schmidt Fachjournalist in Großaitingen
Pero auf der Parts2clean Halle 4, Stand 4102/4201
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