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Bei VW arbeiten Presse und Roboter Hand in Hand

Automatisierte Abkantlinie in Deutschlands erster E-Autofabrik
Presse und Roboter arbeiten Hand in Hand

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Damit im VW-Werk Zwickau mit dem ID.3 die Blaupause für die neue E-Flotte entstehen kann, hat Bystronic eine automatisierte Biegelinie installiert.

» Stefan Jermann, Chefredateur Kunden- und Mitarbeitermagazin, Bystronic Group

Vieles in der Automobilindustrie läuft hinter verschlossenen Türen ab. So auch die Neuorientierung im Hinblick auf die Elektromobilität. Wenn aber Angela Merkel den Startschuss für die Produktion des neuen VW ID.3 gibt, dann ist längst alles offiziell. So geschehen im letzten November im sächsischen Zwickau. Dort startete die Produktion für eines der momentan ambitioniertesten Projekte in der Autoindustrie: Der ID.3 ist mehr als ein neues Modell. Er verkörpert die Zukunft von VW und soll eine neue Ära einläuten. Der Konzern hat sich zum Ziel gesetzt, der global führende Hersteller von E-Fahrzeugen zu werden. Mit Investitionen von 1,2 Mrd. Euro will VW das Werk in Zwickau zur größten E-Mobility-Factory Europas machen. 2021 sollen hier bereits über 300.000 Elektroautos vom Band laufen.

Bis jetzt kamen die Verkäufe von Elektrofahrzeugen nur schleppend voran. Der ID.3 soll das ändern – dank des attraktiven Preises von unter 30.000 Euro, einer rasanten Ladezeit und einer Reichweite von bis zu 550 km. Markenvorstand Jürgen Stackmann verspricht: „Außen so groß wie ein Golf, innen wie ein Passat und Beschleunigung wie ein GTI.“ Diese Zusage kommen bei den Kunden offenbar an: Über 30.000 Fahrzeuge sind bereits vorbestellt und werden dieses Jahr ausgeliefert. Dabei bildet der ID.3 die Basis für eine emissionsfreie Generation von Fahrzeugen, vom SUV T-Cross bis hin zum Bully. Der „Modulare E-Antriebs-Baukasten“ – kurz MEB – sorgt für die nötige Skalierbarkeit. Er wird bis 2022 in 27 Fahrzeugen von vier Konzernmarken verbaut.

76 s Taktzeit

In der Zwickauer Produktionshalle Nr. 12 steht Kati Langer. Sie begutachtet die Abkantpresse Xpert 40, die in der Produktionszelle mit zwei Kuka-Robotern verbunden ist. Die leidenschaftliche Bystronic-Verkäuferin, die das Projekt ID.3 mit VW schon von Anfang an begleitet, ist sichtlich stolz auf die Anlage. „Um die Biegeanlagen nahtlos in die Produktion von VW zu integrieren, mussten wir einige bauliche Herausforderungen meistern“, sagt sie, während sie den beiden Biegerobotern bei der Arbeit zusieht.

Der erste Roboter entnimmt das Teil aus dem Behälterbahnhof und legt es in die Zentrieranlage. Der zweite Roboter führt es blitzschnell an die Biegemaschine und erledigt die ersten beiden Biegeoperationen. Dann legt er das Teil wieder in die Zentrieranlage, und Roboter Nummer zwei führt die restlichen Biegedurchgänge aus. Anschließend werden an einer stationären Anlage zwei Kugelmuttern angeschweißt. Dann packt der Greifarm das Teil und legt es auf das Zuführband.

Genau 76 s dauert dieser Prozess. Den Robotern zuzuschauen, wie sie Biegeabläufe vollenden, ist ein Genuss. Kaum zu glauben, wie elegant und flink die Beiden einander in die Hände – oder besser in die Greifer arbeiten. Das gebogene Teil wird anschließend in der Trägerstruktur des Chassis verbaut und dient dazu, den Unterbau zu stabilisieren. Eine zweite vollautomatische Biegezelle formt ein Teil, das an der Vorderseite des Chassis eingebaut wird.

800 Fahrzeuge pro Tag

Das Chassis des ID.3 wandert durch die Luft von Station zu Station. Die Förderebene befindet sich hoch über den Robotern. Rund 6 m über dem Boden, werden nicht nur Fahrzeugkomponenten transportiert; eine Transportschiene ist für Roboter und Produktionsmaschinen reserviert. So können Systeme im Handumdrehen verschoben oder ausgetauscht werden, etwa wenn sie gewartet werden müssen.

Zurzeit werden in Zwickau 100 Fahrzeuge pro Tag produziert. Ab Sommer sollen es bereits drei- bis vierhundert sein, und ab Herbst beträgt die volle Auslastung dann 800 Fahrzeuge pro Tag. Zu einem späteren Zeitpunkt wird eine zweite, identische Produktionshalle aufgebaut, dann soll die Produktion auf 1600 Fahrzeuge verdoppelt werden.

Kati Langer unterhält sich mit den Operateuren der Biegezelle und erkundigt sich nach dem Stand der Dinge. Alles läuft nach Plan. „Die Autoindustrie hat hohe Anforderungen an Automatisierungslösungen. Dass wir bei diesem Projekt dabei sein dürfen, zeigt, dass Bystronic diesen Ansprüchen gerecht wird“, sagt Langer. „Zudem ist dieses Projekt wegweisend für die gesamte Branche. Das motiviert unheimlich.“

Mit der Fertigung in Zwickau eilt VW der Smart Factory in großen Schritten entgegen: Auskunft über den aktuellen Produktionsstand gibt eine Software – in Echtzeit, versteht sich. Alle Roboter und Maschinen sind schematisch auf einer Übersicht dargestellt. Auf einen Blick sieht man hier sämtliche Produktionsparameter und die aktuell produzierten Stückzahlen. Dasselbe Konzept soll 2022 weltweit auf acht Standorte übertragen werden. Die Produktion als solche ist also ebenso skalierbar wie der Modulare E-Antriebs-Baukasten.

Schulung auf Niveau Servicetechniker

Damit die Produktion reibungslos verläuft, ist jeder Produktionsschritt in eine eigene Zelle eingeteilt. Die einzelnen Schritte sind somit von einander abgekoppelt, und ein Aussetzer in einer Zelle beeinträchtigt die übrigen Produktionsschritte nicht. Stillstände sind deshalb nicht fatal, müssen aber trotzdem so schnell wie möglich behoben werden. Bystronic hat für den Fall der Fälle vorgesorgt, wie Kati Langer erklärt: „Wir haben 18 VW-Mitarbeiter intensiv bei uns geschult. Sie alle sind dank der Pilot-Qualifizierung und dem Zugang zum Key Access Generator nun auf dem Niveau eines Bystronic Servicetechnikers.“

Das ist außergewöhnlich und gibt der Produktion in Zwickau zusätzliche Flexibilität und Sicherheit. „Was mich persönlich sehr beeindruckt, ist der offene und partnerschaftliche Umgang mit den verschiedenen Teams, die dieses Projekt vorangetrieben haben“, sagt Kati Langer. So sind die Teams von Bystronic und VW im Laufe des Projekts mehr und mehr zusammengewachsen. „Teamarbeit wird hier wirklich gelebt, und das macht Freude.“

Kontakt:

Bystronic Laser AG
CH-3362 Niederönz
Schweiz
www.bystronic.com

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