Messe EMO 2019

VDW-Chef im Interview

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„Das Thema Start-up wollen wir künftig fest auf der EMO etablieren. Ich bin gespannt, wie sich der Dialog zwischen den klassischen Unternehmen und den innovativen Newcomern entwickelt“, sagt Dr. Wilfried Schäfer. Er ist Geschäftsführer des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) in Frankfurt/M. Die Weltleitmesse der Metallbearbeitung, die EMO Hannover, wird von dem Branchenverband organisiert. Bild: VDW
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Digitale Vernetzung ist das große Thema der diesjährigen EMO in Hannover. Auf welche Neuheiten die Besucher gespannt sein dürfen und wie es der deutschen Werkzeugmaschinen-Branche derzeit geht, sagt Dr. Wilfried Schäfer. Er ist Geschäftsführer des Branchenverbands VDW. ❧

Mona Willrett

Herr Dr. Schäfer, welche Erwartungen verbinden Sie mit der EMO 2019?

Die Messe ist auf einem guten Weg. Hinsichtlich der Ausstellerzahl und der gebuchten Fläche bewegen wir uns in der gleichen Größenordnung wie 2017. Die Nettofläche liegt bei rund 180.000 Quadratmetern, und es werden wieder mehr als 2150 Unternehmen dabei sein. Sie bringen ihre jüngsten Entwicklungen nach Hannover und zeigen den Besuchern, wie sie ihre Fertigung weiter optimieren und wettbewerbsfähig halten können. Wir erwarten, dass die Kunden die Gelegenheit nutzen, sich zu informieren und Investitionen vorzubereiten. Auch über die großen Themen Industrie 4.0 und Digitale Vernetzung hinaus, können sich die Gäste sehr genau anschauen, welche Lösungen aktuell und künftig für sie relevant und sinnvoll sind und welche Entwicklungen sie im Auge behalten sollten.

Auf welche neuen Angebote der Messe freuen Sie sich besonders?

Neben dem Umati-Show-Case, mit dem wir zeigen, was die universelle Maschinenschnittstelle bringt und kann, freue ich mich besonders auf das Thema Start-up, das wir im Rahmen eines größeren Forums abbilden. Ich bin gespannt, wie sich der Dialog zwischen klassischen Unternehmen und innovativen Newcomern entwickelt und wie beide Seiten voneinander profitieren. Auch der Erfolg des Gründerwettbewerbs, für den das Bundeswirtschaftsministerium viele Bewerbungen erhalten hat, freut mich. Ich bin neugierig, welches Konzept die Jury überzeugt hat. Das Thema Start-up wollen wir übrigens künftig auf der EMO fest etablieren. Ein anderer Fokus ist die Additive Fertigung. Sie ist zwar nicht neu auf der Messe, aber die Anbieter realisieren zunehmend, hier am richtigen Ort zu sein. Sie erkennen: Hier sind auch die erforderlichen vor- und nachgelagerten Prozesse abgebildet und neue Kundenkreise erreichbar.

Welche weiteren Themen – neben digitaler Vernetzung – werden die Messe prägen?

Das ist nicht so einfach zu beantworten. Neben den Megatrends Industrie 4.0 und Digitalisierung werden wir auch in allen klassischen Bereichen eine kontinuierliche Weiterentwicklung erleben. Das gilt sowohl für die Flexibilisierung der Prozesse als auch für die permanent steigenden Anforderungen hinsichtlich der Präzision oder der Kostenoptimierung. Das ist aber abhängig vom Bedarf der jeweiligen Anwendung, sodass ich hier kein durchgängig prägendes Thema erkenne. Außer vielleicht bei der Automation, die immer stärker auch in kleinen Betrieben und bei kleinen Losgrößen ankommt.

Was werden die Besucher rund um den Show Case zur standardisierten Maschinenschnittstelle Umati erleben?

Sie werden sehen, dass sich mit dieser Schnittstelle die unterschiedlichsten Maschinen verschiedener Hersteller und mit unterschiedlichen Steuerungskonzepten vernetzen und mit gängigen Plattformen sowie übergeordneten IT-Systemen koppeln lassen. Wir zeigen den Besuchern, dass sich mit Umati Daten einfach austauschen lassen und dass man diese Daten dann auch nutzen kann. Die Besucher werden sehen: Umati ist kein Papiertiger, sondern hat bereits eine hohe internationale Akzeptanz. Und die Teilnehmer am Show Case stellen sich der Herausforderung, bereits in naher Zukunft Umati-fähige Produkte anzubieten.

Wie viele Firmen sind am Show Case beteiligt und aus welchen Ländern kommen sie?

Aktuell beteiligen sich rund 60 Maschinenhersteller und 20 IT-Anbieter am Show Case. Mit einigen weiteren laufen noch Gespräche. Unter den 20 IT-Anbietern sind allerdings auch acht Maschinenbauer, etwa Grob oder DMG Mori, die eigene Software-Lösungen anbieten. Damit haben wir derzeit 72 Teilnehmer, die aus Deutschland, Italien, Österreich, der Schweiz, Spanien, Japan, China, Taiwan, Australien und den USA kommen. Über die Zahl der angebunden Maschinen kann ich derzeit noch nichts sagen, weil einige Teilnehmer eine ganze Reihe von Anlagen einbinden werden – am eigenen Messestand, in ihrem Werk sowie mit Partnerunternehmen auf der Messe.

Wie ist der aktuelle Stand hinsichtlich des Umati-Standardisierungsprozesses?

Von den 20 Use Cases, die die Projektgruppe definiert hat, wurden zehn für die erste Version von Umati konkretisiert und in die OPC UA-Joint Working Group eingebracht. Dieser Entwurf des Standards befindet sich noch in der Diskussion. Die Anregungen der Teilnehmer der Joint Working Group werden eingearbeitet. Unser Ziel ist ganz klar, im ersten Quartal 2020 eine erste Companion Specification zu haben, und damit einen Basisstandard. Änderungswünsche, die zu komplex sind, um kurzfristig einen Konsens zu finden, werden wir deshalb vielleicht erst in der zweiten Version von Umati berücksichtigen können. Einer der Schwerpunkte war bislang zudem – mit Blick auf die EMO – der Messe-Show-Case.

Wie waren die Reaktionen innerhalb der Joint Working Group auf die Vorarbeiten?

Die waren durchweg sehr positiv. Die Standardisierung erfolgt auf Basis von OPC UA. Das schafft Neutralität. Und damit ist auch klar, dass wir keine VDW-Spezifikation und kein VDMA-Einheitsblatt anstreben, sondern einen international anerkannten Standard. Hinzu kommt, dass auch andere Branchen – etwa die Robotik oder Holzbearbeitungsmaschinen – einen Standard auf OPC UA-Basis anstreben. Sie können von unserer Vorarbeit ebenso profitieren, wie wir alle von der Möglichkeit, unterschiedlichste Systeme einfach zu vernetzen.

Wie geht´s jetzt mit Umati weiter?

Unser Wunschtermin für die erste Companion Specification ist – wie gesagt – Anfang 2020. Aber wir müssen einen Konsens mit allen Teilnehmern erzielen, und es ist noch offen, ob das bis dahin gelingt oder ob sich die erste Version des Standards um ein paar Wochen verzögert. Nach der EMO werden wir den Umfang des Maßnahmenpakets für die zweite Version festlegen. Diese weiteren Use Cases werden dann wieder von der Kernarbeitsgruppe ausgearbeitet und zur Diskussion in die Joint Working Group eingebracht. Würden wir von vornherein in der großen Gruppe diskutieren, käme das Projekt viel zu langsam voran.

Was ändert Umati in der Fertigungswelt?

Wir schaffen keine grundlegend neuen Funktionalitäten. Es gibt schon heute Lösungen, die ähnliche Möglichkeiten bieten. Aber das sind Systeme einzelner Anbieter, kein Standard. Beispiele dafür sind Adamos, Mindsphere oder Grob-Net4Industry. Umati bietet dagegen die Möglichkeit unterschiedlichste Systeme schnell und mit minimalem Aufwand zu vernetzen. Und das ist die Voraussetzung für eine Smart Factory.

Wie geht es Ihrer Branche aktuell?

Im zweiten Quartal ist der Auftragseingang im Vergleich zum starken Vorjahreszeitraum um 22 Prozent zurückgegangen. Dabei nahmen die Orders aus dem Inland um 28 Prozent ab, jene aus dem Ausland um 18 Prozent. Wenn wir das erste Halbjahr betrachten, schrumpfte der AE insgesamt um 21 Prozent. Aus dem Inland kamen 19 und aus dem Ausland 23 Prozent weniger Aufträge. Selbst der starke Basiseffekt kann nicht darüber hinwegtäuschen: Der Maschinen- und Anlagenbau ist weltweit rückläufig.

Ist die Beruhigung ein normaler konjunktureller Abschwung oder großteils auf geopolitische Unsicherheiten zurückzuführen?

Nach einer so langen Hochphase muss man mit einer Beruhigung rechnen. Auf der anderen Seite erleben wir große Unsicherheiten infolge von Handelsbeschränkungen, Sanktionspolitik oder Brexit, die Investitionsentscheidungen massiv hemmen. Wir können uns von diesen Ursachen, die die gesamte Weltwirtschaft in Turbulenzen stürzen, nicht freimachen. Viele Länder müssen nun ausbaden, was die internationale Politik täglich vom Zaun bricht. Unsere Mitglieder haben sich darauf zwar vorbereitet und die zu erwartenden Effekte einkalkuliert, wie das am Ende aber ausgehen wird, können wir noch nicht abschätzen.

Welche Märkte sind derzeit noch stärker, welche laufen weniger gut?

Das kann ich noch nicht detailliert sagen. Wir wissen, dass unsere beiden großen Abnehmerbranchen Automobil und Maschinenbau rückläufig sind. Das spüren auch wir, wenn geplante Abschlüsse zurückgestellt werden. Und mit Blick auf die Regionen müssen wir sagen, dass alle rückläufig sind. Am stabilsten ist derzeit noch Europa mit einem Minus von fünf Prozent.



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