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Warum Mafac auf wässrige Lösungen setzt

Bauteilreinigung
Warum Mafac auf wässrige Lösungen setzt

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Das Prinzip der gegen- beziehungsweise gleichläufigen Rotation von Korb und Düsensystem hat sich Mafac patentieren lassen. Bild: Mafac
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Maschinenbauer Mafac feiert in diesem Sommer sein 50jähriges Firmenjubiläum – und blickt nicht nur auf die Vergangenheit, sondern auch auf Zukunftsthemen wie Industrie 4.0 oder additive Fertigung. ❧

Sabine Koll

„Die ganze Welt hat Anfang der 90er Jahre industrielle Reinigungsprozesse in Lösemitteln gedacht. Wir aber haben damals wässrige Lösungen favorisiert“, erinnert sich Joachim Schwarz, der bei Mafac als Geschäftsführer die Bereiche Forschung & Entwicklung und Produktion verantwortet. 1992 markiert für den Maschinenbauer aus Alpirsbach im Schwarzwald die Wende in der Unternehmenshistorie: Damals stellte es auf der Hannover Messe mit der SF 60.40 die erste kompakte Maschine für die industrielle Bauteilreinigung vor – natürlich auf der Basis wässriger Lösungen und verbunden mit der Idee, diese in Serie zu fertigen.

Schon zuvor hatte Mafac Equipment für das industrielle Reinigen gebaut – angefangen bei einfachen Handwaschbehältern bis hin zu teilautomatisierten Reinigungsmaschinen mit Kaltreinigern. 1974 war Firmengründer Ernst Schwarz in diesen Geschäftszweig eingestiegen.

Dabei liegen die Wurzeln des Unternehmens in einem ganz anderen Bereich: Begonnen hat Ernst Schwarz bereits 1963 mit Lohnarbeiten, die er im Keller seines Wohnhauses ausführte. Zum Beispiel überprüfte er Einspritzdüsen für Spritzgießmaschinen von der Firma Arburg im benachbarten Loßburg.

„Unser Vater war ein Vollblut-Ingenieur“, betont Rainer Schwarz, Geschäftsführer für Markt und Finanzen. „Und auch heute ist es immer unser Ziel, Technologieführer zu sein.“ Wenn der Firmengründer eine Idee für ein technisches Produkt oder eine Verbesserung hatte, tüftelte er so lange an der Lösung, bis er damit zufrieden war. So stellte er 1965 seine erste Bandschleifmaschine her. Die Idee dahinter: Bauteile, die von Bohr-, Dreh- oder Fräsmaschinen kommen, sollten damit so schnell wie möglich entgratet werden. Für die Herstellung von Bandschleifmaschinen gründete der Vater der beiden heutigen Geschäftsführer im Jahr 1968 Mafac und ließ das Fabrikgebäude bauen, in dem das Unternehmen noch heute zuhause ist. Doch damit nicht genug: Parallel dazu baute er das zweite Geschäftsfeld Gärtnereimaschinen auf. Und 1974 folgte der Bereich Reinigen.

Korb und Düsensystem rotieren
gegen- beziehungsweise gleichläufig

Mit dem Eintritt der beiden Söhne Joachim und Rainer werden in den 80er Jahren die Grundsteine gelegt für die wässrige Teilereinigung mit Bewegung; erst horizontal, dann rotativ. Die Technik der Spritz-Flut-Reinigungsanlage SF 60.40 mit der gegen- beziehungsweise gleichläufigen Rotation von Korb und Düsensystem hat sich Mafac patentieren lassen.

Seit Ende der 90er Jahre konzentriert sich Mafac ausschließlich auf das Geschäft mit Reinigungsmaschinen. Die beiden anderen Geschäftszweige wurden verkauft. Diese Entscheidung hat sich als richtig erwiesen: Mafac erwirtschaftete 2017 mit rund 90 Mitarbeitern einen Umsatz von 17 Mio. Euro. Die Exportquote liegt bei 65 %. Dafür verfügt Mafac über ein globales Vertriebsnetz mit den USA als wichtigstem Überseemarkt. Doch auch chinesische Kunden gibt es – beispielsweise ein großer Hydraulikhersteller. „Wir streben weiterhin ein organisches Wachstum an“, so Rainer Schwarz. Im laufenden Jahr peilt er zwischen 18 und 19 Mio. Euro Umsatz an. Fünf Maschinenbaureihen – alle benannt nach Inseln – stehen heute zur Auswahl.

„Patente, mit denen wir unsere Grundtechnologien schützen, sind noch heute ein Schlüssel unseres Erfolgs“, ist sich Joachim Schwarz sicher. „Dazu gehört nicht nur das Anmelden der Patente, sondern auch deren Durchsetzung gegen Wettbewerber, die unsere Technologie kopieren.“ So hat sich Mafac unter anderem die Ultraschall-Technologie für die partikelfreie Entfettung von Präzisionsteilen, wie sie in der Malta Maschine zum Einsatz kommt, patentieren lassen. Weitere Patente betreffen das kinematische Reinigen und Trocknen. „Dabei handelt es sich um eine neue Dimension der Bewegung, die für Energieeinsparungen von bis zu 30 % sorgt“, so Joachim Schwarz. Bereits in den Java-Maschinen hat Mafac auf die Kinematik zurückgegriffen. Auf der Messe Parts2clean Ende Oktober in Stuttgart folgt mit Pura eine weitere Maschine.

Rainer Schwarz: „Diese Maschinenbauserie ist unsere erste reine Serienmaschine, die wir fertig ab Lager verkaufen werden.“ „Wir denken aber im Grunde immer in Serien“, ergänzt sein Bruder Joachim. Den Standardisierungsgrad beziffert er auf 80 bis 90 %; der Rest entfällt auf kundenspezifische Anpassungen. Standardisierte Plattformen für alle Maschinenbaureihen hat Mafac beispielsweise für Filtrationssysteme, Ölabscheider, Kondensatoren oder Pumpensysteme geschaffen.

Steigende Fertigungstiefe sorgt
für eine hohe Flexibilität

Gefertigt wird in Alpirsbach in Kleinserien von 10 bis 20 Maschinen in selbstorganisierenden Teams nach dem Kanban-System. Die Fertigungstiefe ist hoch: Selbst die Software-Entwicklung oder die Schaltschrank-Montage erfolgt inhouse. „Tendenziell erledigen wir viele Aufgaben lieber selbst“, sagt Joachim Schwarz. Das betrifft nicht nur die Fertigung der Reinigungskammer, die Kernkompetenz von Mafac, sondern zum Beispiel auch das Drehen und Fräsen von Metallbauteilen: „Diesen Bereich holen wir gerade wieder zurück ins Haus, weil wir damit flexibler und schneller am Markt agieren können.“

Daneben befasst sich Mafac mit den Auswirkungen aktueller und künftiger Entwicklungen auf das eigene Geschäft. Dazu gehört zum Beispiel das Thema Industrie 4.0: „Wir wollen am Forschungsprojekt Qsrein 4.0 teilnehmen, um die Analyse und die Modellierung des Zusammenhangs zwischen der Prozessqualität und den verfahrensspezifischen Prozessgrößen zu erforschen“, verrät Joachim Schwarz. Auch Predictive Maintanance und Künstliche Intelligenz stehen auf seiner Agenda. „Außerdem beobachten wir sehr genau die Entwicklung der additiven Fertigung. Die Feinstaub-Partikel auf diesen Bauteilen müssen schließlich abgereinigt werden.“ Er ist sich sicher: „Die Aufgaben der industriellen Teilereinigung werden in den nächsten Jahren größer.“


Wechsel in der Chefetage

Zum 1. Januar 2019 wird Joachim Schwarz aus der Mafac-Geschäftsführung ausscheiden. Sein Aufgabengebiet Forschung & Entwicklung und Produktion übernimmt dann Stefan Schaal, der aktuell Leiter Entwicklung und Konstruktion ist. Er ist seit 2008 im Unternehmen, nachdem er dort seine Diplomarbeit über die Konstruktion von Reinigungsdüsen geschrieben hatte. „Ich will einen Fokus auf die Produktionsoptimierung legen. Wir entwickeln uns schließlich immer mehr vom einer Manufaktur zu einem Serienfertiger“, so Schaal. Als weitere Schwerpunkte nennt er die Bereiche Mechanik, Elektrik und Software sowie die intuitive Maschinenbedienung.

Joachim Schwarz bleibt gemeinsam mit seinem Bruder Rainer Mafac-Gesellschafter und wird sich in Zukunft neuen Themen abseits des Tagesgeschäfts widmen. Dazu gehören die Vorausentwicklung neuer Maschinentechnologien, -verfahren und -prozesse sowie die Unternehmensentwicklung einschließlich Baumaßnahmen. So ist hinter dem bestehenden Gebäude der Neubau des sogenannten Mafac-Campus geplant, also eines neuen Kundenzentrums. Zudem soll die Produktion erweitert werden.

Gruppenbild mit neuem Geschäftsführer (v.l.n.r.): Technik-Geschäftsführer Joachim Schwarz, sein Nachfolger Stefan Schaal und Finanz-Geschäftsführer Rainer Schwarz. Bild: Mafac
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