Wolfgang Faßnacht, Inhaber von W. Faßnacht Formenbau, zum Thema durchgängige Datenkette „Wichtig ist, aufs richtige System zu setzen“

Wolfgang Faßnacht, Inhaber von W. Faßnacht Formenbau, zum Thema durchgängige Datenkette

„Wichtig ist, aufs richtige System zu setzen“

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Werkzeugbau | Ist Datendurchgängigkeit auch im kleinen Formenbaubetrieb möglich? Wolfgang Faßnacht sagt: Ja! Der Gründer und Inhaber von W. Faßnacht Formenbau in Bobingen beschreibt, wie er das in seinem Unternehmen umgesetzt und welche Erfahrungen er dabei gewonnen hat. §

Autor: Mona Willrett

Herr Faßnacht, welche Bedeutung hat eine geschlossene Datenkette gerade auch für kleinere Werkzeugbaubetriebe?

Eine sehr große. Eine durchgängige Datenkette vereinfacht die Abläufe von der Angebotserstellung über die Konstruktion und die Arbeitsvorbereitung bis zur Produktion und Montage. Sie macht uns effizienter und hilft, die Wettbewerbsfähigkeit auszubauen.
Wie groß sehen Sie die Herausforderungen aufgrund nicht kompatibler Schnittstellen?
Je nach gewählter Lösung kann das durchaus Probleme bereiten. Wir arbeiten jedoch mit einer speziell für den Werkzeug- und Formenbau entwickelten CAD-CAM-Software. Die ist modular aufgebaut und bietet alles, was wir benötigen. Ein ERP- oder ein Produktionsplanungssystem ist bei unserer Unternehmensgröße noch nicht nötig. Wir kommen sehr gut ohne klar. Aus den genannten Gründen stellt sich die Schnittstellenfrage bei uns nicht.
Welches System setzen Sie ein?
Wir haben uns bewusst für ein durchgängiges CAD-CAM-System entschieden. Seit 2000 arbeiten wir mit Visi von Mecadat. Alle unsere Mitarbeiter kennen das System. Das vereinfacht die Kommunikation, weil jeder weiß, wovon der Andere spricht. Ursprünglich hatten wir ein anderes CAD-Programm. Als wir uns im Zuge der Jahrtausendwende mit der Funktionssicherheit unserer Software beschäftigten, stellten wir fest, dass ausgerechnet unsere jüngste und teuerste Software ein teures Update benötigt. Nachdem wir uns einige Zeit mit dem Thema beschäftigt hatten, stand der Entschluss fest, zu wechseln.
Warum haben Sie sich für Visi entschieden?
Die Software ist für die Bedürfnisse unserer Branche konzipiert. Es mag Systeme geben, die im CAD-Bereich besser sind, andere haben vielleicht im CAM-Modul Vorteile, aber in der Summe ist Visi für uns die beste Lösung. Als die Entscheidung anstand, profitierten wir auch von der Erfahrung eines externen Konstrukteurs, der bereits mit dem System arbeitete. Wir haben dann mit dem CAD-Modul begonnen und das System in der Folge sukzessive ausgebaut – etwa um die Fräsprogrammierung, Bereiche also, in denen wir bis dahin noch keine Software hatten. Das hat es uns erleichtert, ein durchgängiges System zu installieren.
Wofür nutzen Sie das System?
Wir verwenden die Software durchgängig von der Angebotserstellung über rheologische Berechnungen, die Konstruktion, die Elektrodenmodellierung und -programmierung, die Programmierung der Fräsmaschinen – bis hin zum 5-Achsen-Simultanfräsen – und zum Erstellen unserer Erodier-Programme. Außerdem nutzen wir das System als Viewer in der Werkstatt und auf Laptops, wenn wir bei Kunden Konstruktionen vorstellen und besprechen. Und wir setzen es für Ausbildungszwecke ein.
Sie erwähnten den einfachen Umgang mit der Software. Haben Sie dafür ein Beispiel?
Neben der grundsätzlich einfachen Bedienung könnte man hier die Farbtabellen nennen, die neuerdings auch Visi bietet. Wir lassen unsere Formaufbauten von externen Partnern bearbeiten. Bislang mussten wir in Konstruktionszeichnungen jede einzelne Toleranzangabe eintragen. Jetzt genügt es, im 3D-Modell die relevanten Bereiche farblich zu markieren, und damit sind Maß-, Form- und Lagetoleranzen sowie Oberflächengüten definiert. Oder: Wenn ich früher vom Kundenbesuch kam und eine kleine Änderung anstand, musste ich mehrere Mitarbeiter in Konstruktion, Arbeitsvorbereitung und Fertigung stören und sie bitten, die nötigen Anpassungen umzusetzen. Heute gehe ich zum Maschinenbediener, der auch das Fertigungsprogramm erstellt, und er setzt alles um.
Wie läuft der Datenaustausch mit Lieferanten, Partnern oder Kunden?
Visi sendet und empfängt Daten in allen gängigen Formaten. Da gibt´s keine Probleme.
Wie aufwändig war die Einführung und das Erweitern um zusätzliche Module?
Das war unkompliziert. Der Umgang mit der Software ist relativ einfach. Aufgrund des modularen Aufbaus gilt das auch für Erweiterungen. Mittlerweile schicken wir neue Kollegen nicht mal mehr zur Schulung. Das übernehmen unsere eigenen Mitarbeiter.
Worauf ist bei der Einführung zu achten?
Wichtig ist, die Mitarbeiter bei der Entscheidung mitzunehmen, sie zu überzeugen, dass die gewählte Lösung die passende fürs Unternehmen ist. Die Mitarbeiter müssen den Wunsch haben, damit zu arbeiten. Sonst nützt das beste System nichts.
Welche besonderen Fehler- oder Gefahrenquellen sehen Sie beim Einführen eines solchen Systems?
Das größte Risiko besteht darin, das falsche System zu wählen. An einem bestimmten Punkt muss man sich entscheiden, welchen Weg man gehen will. Wenn man sich da für den falschen Partner entscheidet, kann das nicht nur teuer, sondern auch sehr unangenehm werden. Wir haben für rund 20 Mitarbeiter 14 CAD-CAM-Arbeitsplätze. Auch für uns wäre ein Wechsel des Systems mit erheblichen Kosten verbunden. Andererseits wäre es nicht zielführend, mit einem System zu arbeiten, das einen eher einschränkt als einen zu unterstützen.
Ab welcher Betriebsgrößte macht es Sinn, ein solches System einzuführen?
Das sehe ich unabhängig von der Unternehmensgröße. Es kann schon für einen Ein-Mann-Betrieb sinnvoll sein, einzelne Module zu nutzen. Das Gute ist, dass das System durch seinen modularen Aufbau mit dem Bedarf wachsen kann.
Wie gehen Sie mit dem Thema Datensicherheit um?
Wir sichern unsere Daten jeden Tag mehrfach. Auch auf einem externen Server, so dass wir hinsichtlich eines Hardware-Ausfalls recht entspannt sind. Selbst wenn beispielsweise ein Brand unsere komplette EDV zerstören würde, wären unsere Daten sicher.
Wie sieht´s hinsichtlich des Diebstahls von Daten oder Spionage aus?
Auch da sehe ich kein großes Risiko. Wir haben keine kompletten Baugruppen-Daten. Außerdem gibt es aus meiner Sicht ohnehin keine Industriespionage. Viel zu oft wird wichtiges Know-how mit Werkzeugen, Maschinen, Anlagen oder anderen Produkten einfach mitgeliefert, und wenn der Käufer damit nicht klar kommt, reist ein Stab von Ingenieuren hinterher und erklärt alles im Detail. Solange das so ist, brauchen wir nicht über Industriespionage zu reden. •

W. Faßnacht Formenbau in Bobingen wurde 1990 gegründet. Mit 20 Mitarbeitern fertigt der Betrieb hochkomplexe Spritzgussformen für unterschiedlichste Branchen. 2007 war das Unternehmen „Werkzeugbau des Jahres“.
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