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„Wollen uns als Lösungsanbieter in neuen Marktsegmenten etablieren“

Heller-Chef Klaus Winkler über die Ambitionen seines Hauses in neuen Anwendungsfeldern
„Wollen uns als Lösungsanbieter in neuen Marktsegmenten etablieren“

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Der Nürtinger Produktionsspezialist Gebr. Heller Maschinenfabrik GmbH steigt mit seiner F-Baureihe in die flexible Fertigung von Kleinserien und Einzelteilen ein. Klaus Winkler, Vorsitzender der Geschäftsführung, erläutert die Ziele und Hintergründe.

Herr Winkler, was hat Heller als Produktionsspezialisten bewegt, nun auch Bearbeitungszentren für die Einzelteil- und Kleinserienfertigung anzubieten?

2010 steht bei uns unter dem Motto Branchenoffensive. Wir wollen uns – neben unseren angestammten Tätigkeitsfeldern in der Automobil- und Zulieferindustrie – in anderen Branchen gezielt unsere über Jahrzehnte aufgebaute Position weiter ausbauen, und dabei weitere Kundenkreise erschließen. Unser Ziel war es deshalb, unser Produktportfolio zu erweitern. Das haben wir mit unserer F-Baureihe getan. Sie richtet sich in der Variante FP mit Palettenwechsler eher an Kunden im Produktionsumfeld. Die FT-Modelle sind jedoch klassische fünfachsige Bearbeitungszentren für den Werkstattbereich oder den Werkzeug- und Formenbau.
Welche Ziele haben Sie sich hier gesteckt?
Wir wollen uns in der für uns neuen Branche Werkzeug- und Formenbau als Lösungsanbieter etablieren. Mit den beiden FT-Modellen können wir sehr interessante Lösungen anbieten, die den Kunden auch einen Mehrwert liefern. Was bei uns in den kommenden Monaten sicher einen Schwerpunkt bilden wird, ist das Optimieren von Prozessketten für einzelne Applikationen. Dazu arbeiten wir in verschiedenen Bereichen mit Partnern zusammen. Dazu gehören beispielsweise Hersteller von Zerspanwerkzeugen oder Anbieter von CAD-CAM-Lösungen. Wir werden zeigen, dass wir auch für die Einzelteil- und Kleinserienfertigung perfekte Systeme und Lösungen anbieten können.
Der Markt, in den Sie einsteigen, ist besetzt. Sie müssen also Wettbewerber verdrängen. Mit welchen Argumenten wollen Sie das schaffen?
Anders als mancher Wettbewerber bieten wir nicht nur eine gute Maschine, sondern darüber hinaus eine Fertigungslösung. Auch der Service ist bei uns ein ganz wichtiges Thema. Wir werben nicht mit Spitzenleistungen, die in der Praxis kaum erreicht werden, sondern mit realen Daten. Für uns hat die Zuverlässigkeit des Systems und der Prozesse Priorität. Am Ende zählen für den Kunden die Laufzeiten und Verfügbarkeit der Maschine und die Stückkosten der bearbeiteten Teile. Um das zu erreichen, haben wir zwei Strategien verbunden: Hohe Produktivität und Zerspanleistung – das klassische Heller-Thema –, und die Flexibilität, die in der Werkstatt- und Werkzeugfertigung gefragt sind. Wir wollen den Interessenten zeigen, dass wir das bessere Gesamtpaket bieten. Und in Bezug auf die Maschinen selbst, haben wir unter anderem bei der Schwerzerspanung einiges mehr zu bieten.
Inwiefern?
Die FT-Modelle sind konzipiert, um hervorragende Oberflächen bei höchster Zerspanleistung zu erreichen. Der Schwenkkopf Power Cutting Universal PCU 63 ist mit einer der stärksten Fünf-Achsen-HSK63-Spindeln ausgestattet, die derzeit am Markt sind. Sie leistet 44 Kilowatt, rotiert mit 10 000 Umdrehungen und liefert ein Drehmoment von 242 Newtonmeter. Statt das Material zeilenförmig abzutragen, stellen wir das komplette Maß zu und spanen von außen nach innen ab. Die Erfahrung zeigt, dass wir so um den Faktor zwei bis drei schneller sind. Einigen, zunächst skeptischen Interessenten konnten wir bereits nachweisen, dass hohe Abtragsleistungen wirtschaftlich sinnvoll möglich sind. Allerdings mussten hierfür unsere Werkzeugpartner nachlegen, weil ihre Fräser dieser Zerspanleistung anfangs nicht gewachsen waren.
Auch im Werkzeug- und Formenbau geht der Trend in Richtung automatisierter Prozesse. Wären nicht die FP-Modelle mit Palettenwechsler die interessantere Lösung?
Wir haben den Eindruck, dass zwar viel darüber geredet wird, die Umsetzung in der Praxis aber vielfach noch nicht gegeben ist. Natürlich kann auch eine FP für einen Werkzeugbauer interessant sein. Andererseits entwickeln wir derzeit mit einem Kooperationspartner eine Roboterzelle als flexible Automationslösung für die FT. Mit dieser Zelle lassen sich Werkstücke handhaben und so beispielsweise Formeinsätze ab Stückzahl eins automatisiert fertigen. Die Zelle ermöglicht Spindellaufzeiten über 6000 Stunden im Jahr.
Seit wann gibt´s die FT-Maschinen und wie viele sind bereits in Kundenhand?
Die Baureihe F mit den Modellen FP und FT haben wir auf unserer Hausausstellung im letzten Herbst erstmals vorgestellt. Die Variante FT war nochmals im Januar auf der Hamburger Messe Nortec und dann auf der Metav in Düsseldorf öffentlich zu sehen. Mit der FT 4000 steht derzeit eine Maschine bei unserem Werkzeugpartner Ingersoll, der diese für seine Kundenvorführungen regelmäßig nutzt. Mit einigen Kunden stehen wir kurz vor Abschlüssen. Interessant für uns ist, dass auch unsere langjährigen Kunden aus der Automobilindustrie an der Maschine Interesse zeigen – entweder für den hauseigenen Werkzeugbau oder für zusätzliche Arbeitsschritte in der Produktion, für die eine flexible fünfachsige und zugleich produktive Maschine gebraucht wird. Also auch in dieser Richtung trägt die Baureihe F dazu bei, neue Marktsegmente zu erschließen.
Sind weitere Modelle oder Ausstattungsvarianten der F-Baureihe geplant?
Aktuell wollen wir die beiden genannten Varianten in jeweils zwei Baugrößen am Markt platzieren und gemeinsam mit Partnern und Kunden applikationsspezifisch optimierte Prozesse erarbeiten. Auch steuerungsseitig bieten wir ja mit der iTNC 530 von Heidenhain eine für uns neue Lösung an, alternativ zur Sinumerik 840 Dsl von Siemens. Erweiterungen wird´s sicher im Bereich der Spindeln geben, und zu einem späteren Zeitpunkt sind auch weitere Baugrößen angedacht.
Sie sprachen bereits die Partnerunternehmen an, mit denen Sie zusammenarbeiten. Meinen Sie damit Ingersoll und Sescoi, mit denen Sie auf der Messe Metav gemeinsam auftraten?
Nicht nur. Wir arbeiten mit einer ganzen Reihe von Unternehmen und bringen immer jene zusammen, die für das jeweilige Projekt am besten geeignet sind.
Wie unterscheiden sich diese Partnerschaften von normalen Lieferantenbeziehungen?
In diese Partnerschaften bringt jeder sein Know-how ein. Wir optimieren die Prozesse gemeinsam, entwickeln gemeinsam. Daraus ergeben sich für alle Beteiligten Vorteile. Um beispielsweise optimale Bearbeitungsergebnisse auf unseren Maschinen zu erreichen, benötigen wir von unseren Partnern Werkzeuge, die gewissen Anforderungen an Leistung und Standzeit gerecht werden. Davon profitieren unsere Partner, weil sie dieses Wissen dann auch in anderen Bereichen nutzen können. Und davon profitiert selbstverständlich auch Heller.
Was hat der Kunde davon?
Durch diese gemeinsame Arbeit bauen wir einen Erfahrungsschatz auf, der es uns ermöglicht, dem Kunden sehr schnell die ideale Gesamtlösung für seine Anwendung anzubieten und ihm gleich die passenden Prozessparameter mitzuliefern. Und dann profitiert er natürlich von der optimierten Gesamtlösung, die durch die beschriebenen Kooperationen entstehen.
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