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Kometenhafter Aufstieg von Wittmann Battenfeld

Spritzgießmaschinen: Zehn Jahre Wittmann Battenfeld
Kometenhafter Wieder-Aufstieg

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Zehn Jahre nach der Integration von Battenfeld feierte die Wittmann-Gruppe ein riesiges Fest: Der Umsatz der Gruppe ist seither von 250 Mio. auf 403 Mio. Euro gestiegen (2017). Und Maschinenhersteller Wittmann Battenfeld präsentiert heute ein rundum neues Produktprogramm mit visionären Ansätzen. ❧

Olaf Stauß

Der Trend ist ungebrochen. Für das laufende Jahr hat der Komplettanbieter von Spritzgießtechnik ein Umsatzziel von 430 Mio. Euro definiert – das wäre erneut ein Plus von knapp 7 % für die Gruppe. Welche Anstrengungen hinter dieser Entwicklung stecken, zeigt der Vergleich zweier Schlagzeilen aus der Lokalpresse von 2008 und 2018. Georg Tinschert, Geschäftsführer des Maschinenherstellers Wittmann Battenfeld, präsentierte sie im Juni auf der Jubiläumsveranstaltung, zu der 1400 internationale Gäste nach Kottingbrunn kamen. 2008: „Battenfeld-Rettung ist ein schwerer Brocken.“ 2018: „Kottingbrunn ist die Battenfeld-City.“

CEO und Gründer Dr. Werner Wittmann hatte damals schon im Kopf, eines Tages das Peripherieprogramm um die Kernkomponente Spritzgießmaschine zu erweitern. Als der Traditionshersteller Battenfeld ins Wanken kam, griff er 2008 zu und begann umgehend mit dem Aufbau eines gemeinsamen Vertriebs. Es folgten die sukzessive Erneuerung des Spritzgießmaschinenprogrammes und Investitionen in die Kapazitäten der Gruppe im In- und Ausland, die bis heute anhalten. Mit Erfolg: 2017 machte der Umsatz mit Spritzgießmaschinen bereits 176 Mio. Euro am Gruppenumsatz aus.

Binnen zehn Jahren ein komplett neues Maschinenportfolio

Georg Tinschert: „Sie sehen heute nichts mehr, was es schon 2008 gab. Wir haben das gesamte Produktprogramm neu gestaltet.“ Mit Vorstellung der neuen Vertikalmaschinen-Baureihe VPower sowie aktuellen Erweiterungen der Reihen EcoPower, MacroPower und SmartPower ist dieser Prozess vorläufig zum Abschluss gekommen. Als nächstes werden sich die Entwickler, so kündigt Tinschert an, verstärkt um spezielle Anwendungen wie Medizintechnik, Verpackung oder den Metallpulver-Spritzguss kümmern.

Die VPower-Reihe knüpft an die Vertikalmaschinen früherer Tage an, präsentiert sich jedoch in völlig neuem Design – so wie auch die anderen neuen Reihen. Die Vertikalmaschine besitzt einen servoelektrisch angetriebenen Rundtisch mit bis zu 2000 mm Durchmesser. Das Spritzaggregat lässt sich leicht von vertikal auf horizontal umrüsten. In Kottingbrunn wurde die Reihe als Prototyp vorgestellt, zur Fakuma 2018 soll sie auf den Markt kommen.

In die Zukunft, die bereits angebrochen hat, weisen die Industrie-4.0-Konzepte der Österreicher. Mit „Wittmann 4.0“ packen sie die Chance am Schopf, die ihnen das komplettierte Programm nun bietet – also die Möglichkeit, alles von der Spritzgießmaschine über die Peripherie bis hin zur Automatisierung aus einer Hand zu liefern – und damit kommunikationsfähig zu gestalten.

Künftig „plug & produce“ spritzgießen

Michael Wittmann, Sohn des Firmengründers und Geschäftsführer von Wittmann Kunststoffgeräte, erklärte die avisierten Ziele: „Die Spritzgießmaschine fordert alle Komponenten an, die sie für einen Auftrag braucht. Der Bediener muss sie nur anschließen, dann werden sie automatisch an der Maschinensteuerung Unilog B8 registriert. Wir nennen das plug & produce.“

Das Herzstück dieses Konzepts ist der Wittmann-4.0-Router, eine Eigenentwicklung. Er fasst sämtliche Geräte in der Fertigungszelle zusammen und repräsentiert sie nach außen mit einer einzigen IP-Adresse. Mit dem MES-System kommuniziert er via OPC UA gemäß Euromap 77, eine integrierte Firewall sorgt für den nötigen Schutz. Nach innen übernimmt das Gerät die IT-technische Konfiguration und organisiert den Datenfluss.

Damit es zu keiner Verwechslung physischer Geräte kommt, die in der Fertigung öfters ausgetauscht werden, arbeitet Wittmann 4.0 mit virtuellen Geräten, also cyber-physischen Modellen, denen die angeschlossenen realen Geräte zugewiesen werden. Das System vermeidet manuelle Anpassungsarbeit sowie Fehler und sorgt für Flexibilität und Austauschbarkeit. Dies sei, so betont Michael Wittmann, auch deswegen von Vorteil, weil sonst die Gefahr besteht, dass untergeordnete Komponenten die Wartungszyklen vorgeben.

Um die Parametrierung zu vereinfachen, haben sich die Entwickler die Idee eines elektronischen Datenblattes einfallen lassen, auf dem die Einstellwerte der Geräte für den jeweiligen Spritzgießjob vermerkt sind – auch das soll zur Fakuma 2018 kommen. Fällt die Wahl auf einen Werkzeugdatensatz an der Maschinensteuerung, so werden die angeschlossenen Komponenten automatisch richtig parametriert.

Intelligentes Werkzeug als Vision

Weit in die Zukunft weist indes das Projekt InQCIM für einen autonomen Spritzguss, der die Bauteilqualität selbständig überwacht und reguliert. Den visionären Ansatz stellte das Forscher-Konsortium unter der Projektleitung von Dr. Gerald Berger vom Lehrstuhl für Spritzgießen von Kunststoffen, Montanuniversität Leoben, in einer der sieben „Expert Corner“ in Kottingbrunn vor.

InQCIM zielt auf das „intelligente Spritzgießwerkzeug“, das mit einer noch zu bestimmenden Sensorik die Bauteilqualität überwacht und inline ausregelt. Das auf drei Jahre angelegte Grundlagenprojekt beginnt damit, ein Prozess- und Qualitätsmodell zu erarbeiten. Dazu werden eine Fülle von Versuchsdaten erhoben, unter anderem durch ein sekundenschnelles Erfassen von Freiformflächen mit Robotern – eine neue Technik der PCCL GmbH, Leoben.

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