Intralogistik

Fahrzeugflotte von Still hält bei Fondium den Guss im Fluss

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Um im harten Automobilguss-Markt weiterhin bestehen zu können, hat der Hersteller Fondium im Produktionswerk Singen die Flurförderzeuge durch den Staplerexperten Still auf den neuesten Stand bringen lassen. Unterm Strich wurde die Einsatzbereitschaft der Flotte erhöht und zugleich die Zahl der Fahrzeuge von 136 auf 119 reduziert.

Gerd Knehr
Fachjournalist in Reutlingen

In Singen am Hohentwiel hat sich Georg-Fischer (GF) Automobilguss zu einem der führenden Unternehmen für stark belastbare Fahrzeugkomponenten aus Gusseisen entwickelt. Geliefert werden die Teile zum Beispiel als Bremssättel an Knorr-Bremse, einem Hersteller von Bremssystemen für Schienen- und Nutzfahrzeuge. Weitere Anwendungsbeispiele sind Radnaben und Achsschenkel für Lkw-Hersteller wie Daimler, MAN, Renault, DAF oder Volvo. Rund 2000 Mitarbeiter haben an den Standorten in Singen und Mettmann bei Düsseldorf zuletzt einen Umsatz von 550 Mio. Euro erwirtschaftet.

Im Werk Singen werden vor allem Fahrzeugteile für den Lkw-Bereich produziert, während in Mettmann in erster Linie Pkw-Komponenten hergestellt werden. Ende letzten Jahres sind im Zuge einer Anpassung des Produktportfolios beide Gießereien durch die Fondium Group übernommen worden. GF und Fondium arbeiten jedoch in einigen Bereichen weiterhin zusammen. Manuel Veser, Leiter des Logistikzentrums in Singen, zeigt sich zuversichtlich: „Mit unserer Produktionskapazität und einer Versandtonnage von rund 180.000 Tonnen im Jahr können wir große Serien mit über 12,5 Millionen Gussteilen einbaufertig liefern.“ Die Basis dafür ist eine rechnergestützte Konstruktion und Fertigung.

Potenzielle Gefahrenquellen eliminiert

Die Produktionsanlagen und Logistikprozesse werden im Werk Singen regelmäßig modernisiert. Eine auf die Fertigung zugeschnittene Staplerflotte ist dabei ein zentraler Faktor. Die Flurförderzeuge werden bereits in der fünften Leasing-Generation durch die Freiburger Niederlassung des Staplerherstellers Still alle vier Jahre optimiert und zum größten Teil durch neue Geräte ersetzt. Alle Fahrzeuge sind mit GPRS-Datenfunk und einem RFID-Chip zur Fahrberechtigung ausgestattet. Werden festgelegte Beschleunigungswerte bei einem Staplereinsatz überschritten, dann kann das Fahrzeug in eine Schleichfahrt versetzt werden. Das hängt ab von Einstellung des Beschleunigungssensors im Unfallrekorder. „Diese Technik lässt sich bei Anfahrschäden, aber auch bei zu schnellen Fahrten über unebene Böden nutzen“, so Mathis Märgner, zuständig für die Instandhaltung des Fuhrparks in Singen.

Seit einigen Jahren werden die Anfahrschäden mit dem Flottenmanagement-System FleetManager von Still aufgezeichnet. „Wir haben gemeinsam die Schadensbilder an den Fahrzeugen und den Betriebsgütern analysiert und konnten potenzielle Gefahrenquellen auf den Wegstrecken im Werk erkennen und eliminieren“, freut sich Manuel Veser. Zusammen mit den jährlichen Unterweisungen der Fahrer und den Betriebskontrollbüchern, die in Abstimmung mit dem Betriebsrat auszufüllen sind, hat sich das Fahrverhalten der Staplerfahrer verbessert. Zugleich ist die Schadensquote um beachtliche 80 % gesunken.

Die transparente Fahrzeug-Biografie zeigt auch, ob bestimmte Stapler ausgelastet sind oder ob welche bereits zu viele Betriebsstunden aufweisen. Diese Informationen minimieren nach Ansicht von Mathis Märgner das Risiko von zusätzlichen Kosten für Wartung und Service als Folge außervertraglicher Betriebsstunden. Mit den Standardisierungen und den flottenorientierten Optimierungen lassen sich außerdem die Stapler zwischen den Werksabteilungen leichter tauschen und die Flotte ist dadurch besser ausgelastet.

Li-Ion-Akkus bieten konstante Spannung

Zum ersten Mal sind in Singen auch 23 Lagertechnikgeräte mit Lithium-Ionen-Batterien stationiert worden. Mit den separaten Ladegeräten in den einzelnen Abteilungen sind die Gehhochhubwagen vom Typ EXV 20 jederzeit verfügbar. Früher ging viel Zeit verloren durch die langen Wege zu den zentralen Ladestationen und durch die langen Ladezeiten der Nass-Batterien. „Mit den eigenen Ladestationen in den Abteilungen können wir die Deichselgeräte in den Pausen jetzt kurzfristig aufladen“, umschreibt Märgner den technischen Fortschritt. „Bereits nach einer halben Stunde erreichen die Li-Ion-Batterien die Hälfte ihrer Ladekapazität“. Dabei wird die Lebensdauer durch das schnelle Zwischenladen nicht beeinträchtigt. Lange Ladezyklen und die aufwendige Wartung der Nassbatterien in staubiger Umgebung gehören der Vergangenheit an.

„Dieses Optimierungspotenzial hat sich uns in den intensiven Beratungsgesprächen erschlossen“, erzählt Alexander Heimburger, Verkaufsleiter der Still Niederlassung Freiburg und federführend bei dem Staplerflotten-Projekt. „Entscheiden war auch, dass die Lebensdauer der Blei-Säure-Batterien lediglich vier Jahre betrug, bedingt durch die Wartung in der staubigen Gießerei-Umgebung und den notwendigen Zwischenladungen.“ Hinzu kommt, dass die Nassbatterien der Deichselgeräte wegen der eher seltenen und unregelmäßigen Nutzung einen Teil ihrer Kapazität verlieren. Die wartungsfreien Li-Ion-Akkus hingegen bieten eine konstante Spannung und die volle Leistung während der kompletten Lebensdauer. Je nach Fahrzeugausstattung und Anforderung kann sich der Einsatz der Li-Ion-Technik schon nach ein bis zwei Jahren bezahlt machen.

In den letzten vier Jahren waren rund 50 Elektrostapler vom Typ RX 60 mit einer Tragkraft zwischen 2,5 und 5 t jeweils rund 15.000 Betriebsstunden im Einsatz – nach eigenen Angaben ohne nennenswerte Ausfälle. Die Gießerei ist mit den schweren Gussteilen ein klassischer Einsatzbereich für Gabelstapler. Mit einer Vielfalt von 50 verschiedenen Ladungsträgern bewältigt das Modell den größten Teil des innerbetrieblichen Materialflusses. Dabei steht das Thema Sicherheit bei Fondium immer an oberster Stelle. Beim letzten Fahrzeugwechsel wurde wegen der Anfahrschäden ein zusätzlicher Schutz für die Dachholme angebracht. Hinzu kamen ein Schutzgitter an den Kabinendächern und seitliche Scheuerleisten an den Fahrerkabinen. Ferner wurden alle Frontstapler zusätzlich mit dem Sicherheitssystem Safety-Light-4Plus ausgerüstet. Dabei handelt es sich um ein Lauflicht, das sich aus vier Lichtpunkten zusammensetzt und den Fußgängern im Werk die Fahrtrichtung des Staplers auf dem Hallenboden anzeigt. „Dadurch nehmen die Werker das Fahrzeug viel früher wahr und haben mehr Zeit zu reagieren“, so Sascha Heim, Gebietsverkäufer bei Still und für Fondium zuständig.

Im Vorfeld von solchen Optimierungen muss die Konfiguration der Fahrzeuge genau geplant werden. Zusammen mit den Verantwortlichen der jeweiligen Abteilungen wertet das Team Werkslogistik von Fondium die Ergebnisse der Analysen im Detail aus. Dabei zeigt sich immer wieder, dass eine optimale Zusammenstellung des Fuhrparks nur möglich ist, wenn die relevanten Bereiche in den Werksabteilungen auch zusammenarbeiten. In vielen Arbeitsschritten kann dann die Konfiguration der eingesetzten Fahrzeuge zusammen mit Still in der optimierten Ausführung festgelegt werden. Am Ende wird schließlich eine maßgeschneiderte Staplerflotte bestellt.

Für die schweren Transporte in der Schmelzerei sind fünf robuste Modelle vom Typ RX 70-50600 im Einsatz. Dank einer wendigen Dynamik und einer modernen Antriebsregelung hat der Dieselstapler einen besonders geringen Verbrauch. Im Lauf der Jahre wurden für den harten Einsatz in der Gießerei insgesamt 18 spezielle Umbauten an den kompakten Fahrzeugen durchgeführt. So wurde die Frontscheibe durch eine nicht gewölbte Hitzeschutzscheibe ersetzt, die in einem Stahlrahmen eingesetzt ist. Kotflügel aus Metall schützen die Frontbereifung vor Funkenflug. Zudem wurden die Scheinwerfer und Neigezylinder mit einem schützenden Metallkäfig versehen. Eine zusätzliche Hitzeschutzscheibe ist rechts an der Fahrerkabine über die Kabinenscheibe aufgesetzt. Auch die Hydraulik der Anbaugeräte mit der Kippvorrichtung ist vor Funkenflug und herabfallenden Gussresten geschützt. Der Fahrer kann den Kippmechanismus bequem in der Kabine bedienen und muss dafür nicht aussteigen.

Ein weiteres Mitglied der maßgeschneiderten Fahrzeugflotte ist der Drehsitzstapler RX 60-25. Drei Modelle von diesem Typ sind für die langen Transportstrecken bei Fondium im Einsatz. Der flexible Fahrersitzes lässt sich um 45 Grad drehen. Außerdem sind bei dem Modell die Gas- und Bremspedale doppelt ausgeführt. Durch diese beiden Maßnahmen lassen sich auch Rückwärtsfahrten in einer ergonomisch günstigen Position durchführen. Speziell für diese Situation wurde zudem das Sichtfeld vergrößert und dadurch die Sicherheit erhöht.

In der Kundenwerkstatt sind zwei Mechaniker von Still in zwei Schichten von 6 bis 18 Uhr im Einsatz. In der restlichen Zeit und am Wochenende ist ein Service-Techniker durch eine vereinbarte Rufbereitschaft innerhalb von zwei Stunden im Werk. Für besonders wichtige Stapler stehen zusätzlich Standby-Geräte zur Verfügung. „Zusammen mit dem Werkslogistik-Team von Fondium haben wir im Shopfloor-Management einen effizienten Vor-Ort-Service auf die Beine gestellt“, sagt Verkaufsleiter Alexander Heimburger. „Alle arbeitsspezifischen Informationen werden dabei übersichtlich auf einer Tafel dargestellt. Damit können wir uns schnell einen Überblick über die Abläufe der Bestellungen und Aufgaben in der Werkstatt verschaffen.“ Die effiziente Organisation wird durch eine wöchentliche Feedback-Runde ergänzt. Durch dieses Bündel an Maßnahmen ließ sich am Ende die Verfügbarkeit der Flurförderzeuge auf rund 90 % steigern.

Die Fahrzeuge von Still, die bei Fondium genutzt werden, sind schon rein äußerlich die Rocker unter den Staplern. Sie sehen nicht nur stark aus, sondern trotzen auch den extremen Belastungen. Die unebenen Böden in den Hallen und die staubige Umgebung der Gießerei stecken sie weg. Und trotzdem sind die Modelle unter der harten Schale ergonomisch, feinfühlig und komfortabel ausgestattet.

Die Basis für die gute Zusammenarbeit mit Still ist nach Ansicht von Logistikleiter Manuel Veser das Modell RX 60. „Mit diesem zuverlässigen Premium-Stapler haben wir in all den Jahren immer wieder gute Erfahrungen machen können“, fasst er zusammen. „Und mit dem FleetManager und den wartungsfreien Li-Ion-Lagertechnikgeräten konnten wir unsere interne Logistik weiter optimieren.“


Das Beste aus der Flotte herausholen

Wer darf welchen Stapler für welche Aufgaben nutzen? Wann hat sich mit dem Fahrzeug ein Schock ereignet? Wie ist der Stapler ausgelastet? Was sich bei wenigen Staplern noch relativ leicht überblicken lässt, wird mit wachsender Größe der Flotte komplexer und immer schwerer zu steuern. Mit dem Flottenmanagement-System „Fleetmanager“ von Still lässt sich der eigene Fuhrpark effizienter und besser regeln. Da es sich bei der Lösung um eine Web-Applikation handelt, entfällt die Installation. Nach einer kurzen Onlinefreischaltung stehen alle Funktionen zur Verfügung. Hierzu gehören die Steuerung der Zugangsberechtigungen, eine intelligente Erfassung außergewöhnlicher Fahrzeugerschütterungen und die automatische Generierung verschiedener Berichtstypen. (ub)


Intralogistik im Vorhof der Hölle

Staplerfahrer haben ohnehin einen stressigen und gefährlichen Job, auch in einem ganz normalen, wohltemperierten Lager. Im harten Umfeld einer Gießerei wie bei Fondium in Singen wird das Ganze auf die Spitze getrieben. Nicht weniger als 18 spezielle Umbauten schützen Fahrzeug und Fahrer vor Hitze und Funkenflug. Dazu gehören eine spezielle Hitzeschutzscheibe und robuste Metallkäfige um Scheinwerfer und Neigezylinder.

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