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Drei Spezialisten von Keller & Kalmbach bewerten im Interview die neue Plattform Logtopus

Drei Spezialisten von Keller & Kalmbach bewerten im Interview die neue Plattform Logtopus
Störungen in der Supply Chain müssen rechtzeitig erkannt werden

Logtopus Plattform Keller & Kalmbach
Drei Spezialisten von Keller&Kalmbach bewerten im Interview die neue Plattform Logtopus. Bild: Keller&Kalmbach
Mit der Logtopus hat Keller & Kalmbach eine Plattform geschaffen, die mit ihren Armen aus Software auch den letzten Winkel im Lager erreicht. Drei Mitarbeiter des Spezialisten für Verbindungstechnik und C-Teile-Management grenzen die Lösung zu anderen Systemen ab und geben Einblicke in die eigene Entwicklungsarbeit.

» Uwe Schoppen, Redakteur Industrieanzeiger

Die neue Software-Plattform von Keller & Kalmbach trägt den Namen Logtopus. Was steckt genau hinter der Namensgebung?

Andreas Kahnt: Der Name Logtopus setzt sich aus „Logistik“ und „Oktopus“ zusammen und lässt sofort das Bild eines Oktopus im Kopf entstehen, der mit seinen Armen auch die letzten Winkel erreicht. Die Eigenschaften des Oktopus finden sich in unserer Plattform wieder, denn sie ist intelligent, anpassungsfähig, weitsichtig und fit. Der Vorschlag stammt von unserem User-Interface-Designer und kam auf Anhieb gut an.

Logtopus ist eine All-In-One-Plattform zur Steuerung und Optimierung der Materialversorgung. Was sind die übergeordneten Bereiche, die diese Lösung abdeckt?

Thomas Blimmel: Das primäre Ziel einer All-in-One-Plattform ist die vollständige Visualisierung aller Material- und Informationsflüsse im Kontext der bewirtschafteten Materialen. Logtopus ist ein offenes, cloudbasiertes System für die umfassende Digitalisierung von Waren- und Informationsflüssen zur Optimierung der Supply Chain für Kunden und Lieferanten in allen Branchen. Unsere Lösung enthält alle C-Teile-Management-Funktionalitäten von der Bedarfsauslöung über die Integration von Partnerlieferanten und die Warensteuerung bis zum Verbrauchsort, sprich die Informationsplattform für angeschlossene Kunden und Lieferanten. Die an die Plattform angeschlossenen Unternehmen können über dieselben Prozesse und Systeme Kunden beliefern oder von Lieferanten beliefert werden.

Was war der Anlass für die Entwicklung von „Logtopus“?

Thomas Blimmel: Wir haben erkannt, dass unsere Kunden ein cloudbasiertes, ERP-unabhängiges System benötigen, um flexibel logistische Entscheidungen zu treffen und um Transparenz sowie Kontrolle über alle Prozesse zu haben. Das ist genauso wichtig wie ein einheitlicher Beschaffungsprozess für alle Produkte. Die Vorgängerversion von Logtopus – eLogistics – ist nicht für die eigene Steuerung durch unsere Kunden konzipiert worden. Das ist bei Logtopus anders. Hier steht die Benutzerfreundlichkeit im Fokus und wird auch aus Kundensicht entwickelt. Die Anwender können ihr Dashboard individuell einstellen und weltweit verwalten. Logtopus benötigt keine größeren Erweiterungen im eigenen ERP System. Es ist eine unabhängige Plattform, die durch einfache Schnittstellen eingebunden werden kann – sozusagen das Upgrade der eLogistics-Plattform, die stufenweise durch Logtopus abgelöst wird.

Mit welchen Problemen haben ihre Kunden im Bereich Materialversorgung derzeit zu kämpfen?

Hans van der Velden: Unsere Kunden bewegen sich im Industrieumfeld, also in den Bereichen Automotive, Verkehrstechnik oder Maschinenbau. Und sie eint die oberste Prämisse, dass Ware geliefert wird, um etwas fertigen zu können. Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit und Transparenz in der Supply Chain spielen eine entscheidende Rolle. Corona und der Krieg in der Ukraine haben hier einiges ins Wanken gebracht. Die globalen Lieferketten sind angespannt und im Transportwesen ist es eine große Herausforderungen, Liefertermine einzuhalten. Daneben ist der Fachkräftemangel überall spürbar und wir alle sehen steigenden Preisen ins Auge und müssen Wege finden, mit der eingeschränkten Materialverfügbarkeit umzugehen. Für mich kündigt sich ein Paradigmenwechsel an, denn alle Wirtschaftsakteure müssen Standards auf einmal neu denken, die jahrelang etabliert waren. Und plötzlich ist Agilität mehr gefragt als je zuvor. In jeder Hinsicht.

Mit welchen Anforderungen und Erwartungen treten die Industrieunternehmen folglich an einen Partner wie Keller & Kalmbach heran, der nicht nur C-Teile liefert, sondern auch C-Teile-Management-Lösungen anbietet?

Hans van der Velden: Unsere Kunden suchen in erster Linie einen zuverlässigen Partner, der die Warenverfügbarkeit sicherstellt. Dabei ist ihnen Transparenz wichtig, um die aktuelle Versorgungssituation jederzeit einschätzen und damit Störungen in der Supply Chain frühzeitig erkennen zu können. Zwar sind die Teile, mit denen wir uns beschäftigen, von geringen Stückkosten geprägt, sie haben aber einen großen Impact und können ganze Produktionen lahmlegen, wenn eine rechtzeitige Lieferung ausbleibt. Nach der Finanzkrise 2008/2009 ging es in der deutschen Wirtschaft ziemlich rasant aufwärts. Dabei wurden Unternehmensstrukturen und Prozesse oft nicht der neuen Realität angepasst. Durch die Pandemie stieg nun der Druck, in Richtung Automatisierung zu denken. Auch der Fachkräftemangel führt dazu, dass Effizienz mehr denn je zählt. Und hier kommen unsere C-Teile-Management-Lösungen ins Spiel, die wir individuell auf unsere Kunden abstimmen und mit intelligenten Tools verbinden. So können wir früh agieren, wenn sich ein Konflikt abzeichnet und Plan B oder C einleiten, bevor eine Veränderung überhaupt spürbar ist.

Welche Unternehmen will Keller & Kalmbach ansprechen? Ist die Plattform auf den Mittelstand zugeschnitten oder ist sie auch für Konzerne eine Option?

Andreas Kahnt: Logtopus kann unabhängig von der Unternehmensgröße eingesetzt werden, weil die Plattform an die Bedürfnisse des Unternehmens angepasst werden kann. Konkret zeigt sich diese Skalierbarkeit beispielsweise bei der freien Lieferantenauswahl, der Integration von kundeneigenen Logistiksystemen und Sensoren sowie der Anbindung von Warenwirtschaftssystemen. Zudem kann der Anwender zwischen verschiedenen Leistungspaketen wählen.

Wurde die Lösung für spezielle Branchen entwickelt oder ist sie in dieser Hinsicht universell einsetzbar?

Andreas Kahnt: Logtopus ist branchenunabhängig einsetzbar. Die Plattform wurde auf Basis von bestehenden Anforderungen und gesammelten Erfahrungen aus den Fokusbranchen entwickelt wie Bahntechnik, Landmaschinenbau, Sondermaschinenbau oder Automotiv. Neben dem verarbeitenden Gewerbe kann Logtopus auch in anderen Branchen eingesetzt werden wie etwa zur Steuerung des Materialbedarfs in Krankenhäusern.

Gibt es ein vergleichbares Produkt auf dem Markt?

Hans van der Velden: Wir glauben das nicht. Zur Steuerung und Optimierung der Materialversorgung kann man entweder auf reine Softwarelösungen zurückgreifen oder auf Hardware wie Kanbansysteme, die mit einem Anbieter verheiratet sind. Bei Logtopus verbinden wir beide Welten miteinander und geben unseren Kunden die Möglichkeit, auf eine grenzenlose Flexibilität zu setzen und offen bei den Entscheidungen zu sein. Logtopus lässt sich auch mit der Hardware des Kunden einsetzen. Somit sind die Anwender in ihren Entscheidungen frei, welche Produkte sie nutzen oder mit welchen Sensoren sie arbeiten. Auch firmeneigene Lösungen können weiterhin betrieben werden. Unterm Strich kombinieren wir also Dienstleistungen und Hardware mit einer ausgefeilten Softwarelösung.

Wie schätzen Sie den zeitlichen Entwicklungsvorsprung vor dem Wettbewerb ein?

Thomas Blimmel: Das ist schwer zu sagen, weil es letztlich davon abhängt, wie sehr sich ein Unternehmen darauf einlassen will, eine Plattform ins Leben zu rufen, die dem Kunden viele Möglichkeiten bietet und gleichzeitig keine Abhängigkeiten, sondern Flexibilität schafft. Unserer Lösung ist offen für jegliche Auslösesysteme, Serviceapps oder Lieferanten. Den Entwicklungsvorsprung sehen wir in der technischen Umsetzung dieser Offenheit und zwar auf allen Ebenen und in alle Richtungen.

Welche Rolle spielt heute die Ergonomie bei komplexen Softwarelösungen? Wie hat Keller & Kalmbach diesen Aspekt bei der Entwicklung mit einfließen lassen?

Thomas Blimmel: Software-Ergonomie spielt für uns eine wichtige Rolle. Wir gehen nutzerzentriert vor und prüfen schon vor der eigentlichen Code-Entwicklung mit unseren Endnutzern, ob unsere Ideen verstanden und leicht bedient werden können. Uns ist es wichtig, dass wir Zielgruppen- und Kontextgerechte Interfaces gestalten, die speziell auf unsere Nutzergruppen ausgerichtet sind. So können wir Komplexität verringern und die Bedienbarkeit intuitiver gestalten. Wir haben den Anspruch, dass unsere Nutzer ohne Schulungen sofort verstehen, wie die Lösung funktioniert. Auch in der visuellen Gestaltung nehmen wir Bezug auf den Kontext. Klar lesbare Schriften, ein aufgeräumtes Layout und gute Kontraste helfen dabei, den Überblick zu behalten. Auch bei komplexen Darstellungen. Dabei darf es keine Rolle spielen, ob der Anwender gerade vor dem Rechner im Büro sitzt oder mit dem Tablet im Lager unterwegs ist. In unseren Dashboards beispielsweise kondensieren wir das Wesentliche aus einem Pool von komplexen Daten. Wir zeigen dem Nutzer an, was für ihn gerade wichtig ist, ohne den Zugang zu komplexeren Datenstrukturen dabei zu vernachlässigen.

Warum hat Keller & Kalmbach bei der Entwicklung des Produkts die Schweizer SFS Group AG mit an Bord geholt, einen Spezialisten für mechanische Befestigungssysteme, Präzisionskomponenten und Logistiklösungen. Welche Synergien lassen sich dabei nutzen?

Andreas Kahnt: SFS und Keller & Kalmbach haben viele Gemeinsamkeiten, nicht nur mit Blick auf den Markt und die Kundenstruktur. Beide Unternehmen sind zukunftsorientiert und innovativ. Wie SFS stellen wir die logistischen Anforderungen unserer Kunden ins Zentrum unserer Aktivitäten.

Zum Schluss ein Blick in die Zukunft. Wie verändert sich derzeit der Markt? Welche Entwicklung sind im C-Teile-Management und in der Materialversorgung zu erkennen? Was sind die künftigen Anforderungen?

Thomas Blimmel: Bedingt durch die Corona-Pandemie und die geopolitischen Entwicklungen in der Ukraine und in Taiwan fokussieren sich Kunden und Lieferanten im C-Teile-Markt weiterhin auf die nachhaltige Absicherung ihrer Versorgungsketten. Die genannten Einflussfaktoren haben den Unternehmen aufgezeigt, dass die Wettbewerbsfähigkeit zukünftig verstärkt auf der Robustheit und Effizienz der Versorgungsketten beruht und weniger auf der Preisgestaltung einzelner Lieferanten. Deswegen werden insbesondere die Unternehmensbereiche Beschaffung und Logistik in der kommenden Zeit einen eminenten Beitrag zur Wertschöpfung beitragen müssen. Ein weiteres Thema ist das in Deutschland verabschiedete Lieferkettengesetz, das die ökologische und soziale Nachhaltigkeit von Lieferketten thematisiert und einfordert.

Wie könnte demnach Logtopus in fünf Jahren aussehen?

Thomas Blimmel: In der Softwareentwicklung sind fünf Jahre ein nicht greifbarer Zeitraum. Unser Ziel ist es, Logtopus so zu entwickeln, dass wir zufriedene Nutzer haben. Wenn wir es schaffen, dass unsere Kunden sich in Zukunft ausschließlich auf Logtopus bewegen, sobald es um die Materialversorgung für die Produktion geht, haben wir alles richtig gemacht. Als progressives Unternehmen wollen wir das erreichen, indem wir die Kundenbedürfnisse ins Zentrum unseres Handelns stellen. Konkret bedeutet das, dass wir unsere User aktiv bei der Entwicklung neuer Features involvieren, also in einen aktiven Dialog treten und Feedbacks, Ideen und Wünsche überall einfließen lassen.

Hans van der Velden: Der Kundendialog spielt eine ganz wesentliche Rolle, wenn wir den Blick in die Zukunft richten. Gemeinsam mit dem Fraunhofer IML in Dortmund haben wir vor einiger Zeit auch ein Zukunftsbild 2025 entwickelt, das die Anforderungen unserer Kunden auf verschiedenen Ebenen abbildet. Wir werden unser Ohr am Markt haben, um Zukunftsthemen weiterhin aktiv aufzugreifen.

Ein Video zu Logtopus finden Sie hier: www.fakktory.de

Kontakt:
Keller & Kalmbach GmbH
Siemensstraße 19
85716 Unterschleißheim
Tel. +49 (0)89–8395159
www.keller-kalmbach.de



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