Das Zentrallager von Turck in Mülheim wird regelmäßig gewartet Vorbeugen ist besser als Bohren

Das Zentrallager von Turck in Mülheim wird regelmäßig gewartet

Vorbeugen ist besser als Bohren

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Instandhaltung | Mit regelmäßiger Modernisierung und präventiver Wartung durch den Systemintegrator Unitechnik konnte der Automatisierungsspezialist Turck die Kommissionierleistung in seinem Logistikzentrum um 60 % steigern.

Der Automatisierungsmarkt wächst weltweit. Von dieser Entwicklung profitiert auch Turck. Das Unternehmen aus dem Bereich der Industrieautomation knackte im Geschäftsjahr 2015 erstmals die Umsatzmarke von 500 Mio. Euro und erzielte ein Wachstum von 6 %. „Auch in den letzten fünf Jahren sind wir prozentual etwa in dieser Größenordnung gewachsen“, präzisiert Ulrich vom Bovert, Leiter Einkauf und Logistik bei Turck. Das kontinuierliche Wachstum spiegelt sich im europäischen Zentrallager in Mülheim an der Ruhr wider. Immer wieder wurde die Logistikanlage erweitert, modernisiert und umgebaut. Was 1996 mit einem eingassigen automatischen Kleinteilelager (AKL) begann, ist heute zu einem Distributionszentrum mit Platz für 12 000 Behälter im AKL und weiteren 2200 im manuellen Bereich geworden.

Rund 100 000 Pakete werden pro Jahr vom Ruhrgebiet aus zu Kunden rund um den Globus verschickt. Um das wachsende Versandaufkommen zu bewältigen, implementierte Turck bereits 2001 in eine zweite Lagergasse. Die dritte kam 2013 dazu. Dass die Anlage in den letzten 20 Jahren kontinuierlich verändert wurde, macht sich an der Intralogistik bemerkbar. „Neben neuen Komponenten sind in unserem Lager auch noch einige ältere Fördertechnikteile zu finden“, erklärt Ulrich vom Bovert. „Außerdem kommen die Komponenten teilweise von unterschiedlichen Herstellern. Das macht eine professionelle Wartung und Instandhaltung der Anlage so wichtig – und auch so komplex.“
Im besten Fall bilden alle Einzelkomponenten aus den verschiedenen Ausbaustufen der Anlage eine Einheit und interagieren störungsfrei. Nicht immer entsprachen die Abläufe bei Turck diesem Ideal. „Wir hatten auch früher schon einen externen Dienstleister für Wartung und Instandhaltung“, erinnert sich Ingo Frank, der für die Anlagentechnik am Standort Mülheim verantwortlich ist. „Mit der wachsenden Komplexität der Anlage wurde dieser Service unseren Anforderungen aber nicht mehr gerecht.“ Ein großer Nachteil war zum Beispiel, dass eine Fernwartung nicht möglich war. „Wegen jeder Kleinigkeit musste ein Techniker kommen“, so Frank. „Bei einer Anfahrt bis zu vier Stunden führte das immer wieder zu längeren Ausfällen der Anlage.“
Im Zuge einer umfassenden Modernisierung der Steuerungs- und Antriebstechnik sowie des Lagerverwaltungssystems im Jahr 2010 entschied sich Turck daher, auch beim Service neue Wege zu gehen. „Unitechnik hat bereits in der Ausschreibung für das Retrofit das beste logistische Konzept geliefert und auch in Sachen Service ein überzeugendes Angebot abgegeben“, sagt vom Bovert. „Für uns war das eine optimale Situation, denn Unitechnik bietet alle Leistungen aus einer Hand und verfügt zudem über eine herstellerübergreifende Kompetenz bei Wartung und Instandhaltung.“
Der Serviceauftrag zielt darauf ab, dauerhaft eine hohe Verfügbarkeit der Anlage sicherzustellen und Instandhaltungsmaßnahmen präventiv durchzuführen, anstatt mit Reparaturen auf bereits vorhandene Schäden zu reagieren. Dafür sorgen elf Automatisierungsexperten in der Serviceabteilung von Unitechnik. Der Systemintegrator und Instandhaltungsdienstleister führt einmal im Jahr vorbeugende Wartungsmaßnahmen an der Steuerungstechnik durch. Dabei werden unter anderem Schaltschränke, Antriebe, Sensorik und Sicherheitstechnik auf Herz und Nieren geprüft. Die Mechanik – also Fördertechnik, Regalbediengeräte und Regalanlagen – begutachtet Unitechnik zusammen mit einem Kooperationspartner zweimal im Jahr, denn mechanische Verschleißteile wie Riemen oder Rollen müssen häufiger ausgewechselt werden als Elektronikkomponenten.
Zusätzlich finden einmal im Jahr die Anlagenprüfung gemäß der Unfallverhütungsvorschrift sowie die Prüfung der persönlichen Schutzausrüstung statt. Um die Betriebsabläufe nicht zu stören, werden alle Arbeiten außerhalb der Betriebszeiten durchgeführt. Zu den präventiven Maßnahmen gehört auch die Ersatzteilbeschaffung durch Unitechnik. Das ist eine Herausforderung, da einige Komponenten noch aus der Anfangszeit des Lagers stammen und daher relativ alt sind. „Trotzdem darf es nicht passieren, dass Reparaturen unmöglich werden, weil die passenden Ersatzteile nicht mehr verfügbar sind“, stellt der Einkaufsleiter klar. Werden Komponenten abgekündigt, macht Unitechnik deswegen Vorschläge für Alternativen und prüft den Austausch oder einen Umbau der Intralogistik.
Eine weitere Unterstützung bei der Fehlersuche bietet das Lagerverwaltungssystem Uni Ware. Die Software des Systemintegrators bildet den gesamten Materialfluss im Mülheimer Logistikzentrum ab. Die Anlagenvisualisierung bietet eine Zoomfunktion, mit der sich jedes Detail bis auf die Sensorebene anzeigen lässt. Bei Problemen sind die betroffenen Komponenten in der Visualisierung rot gekennzeichnet. So lässt sich die Fehlerquelle präzise lokalisieren. Zusätzlich wurden die Lagermitarbeiter durch Unitechnik geschult, sodass sie kleinere Störungen eigenständig beheben können. Ist trotzdem ein Support vor Ort erforderlich, entsendet Unitechnik innerhalb von zwei Stunden einen Servicetechniker nach Mülheim.
Für Turck haben sich die kontinuierlichen Investitionen in Ausbau und Instandhaltung der Logistikkapazitäten in Mülheim gelohnt. Während vor der Modernisierung und der Vergabe des Service an Unitechnik etwa 700 Positionen am Tag gepickt wurden, sind es heute bei gleicher Personalstärke rund 1100. Das entspricht einem Zuwachs von knapp 64 %. Neben der erneuerten Anlagentechnik trägt auch die höhere Verfügbarkeit der Intralogistik zu dieser Leistungssteigerung bei. „Aufgrund von Störungen stand die Anlage früher ein- bis zweimal im Monat für mehrere Stunden komplett still“, erinnert sich Frank. Der letzte größere Ausfall ist mittlerweile aber so lange her, dass er sich kaum noch daran erinnern kann. „Wenn die Anlage heute einmal steht, dann sind das geplante Teilstillstände, um zum Beispiel kleinere elektronische Komponenten auszutauschen. Außerhalb der planmäßigen Wartungsarbeiten kommt aber auch das nur selten vor.“ Turck hat damit die Voraussetzungen geschaffen, um seine ambitionierten Pläne für den Standort Mülheim weiter voranzutreiben. Das Ziel ist, im Zuge der europäischen Konsolidierungsstrategie künftig alle Kunden in Westeuropa direkt aus Mülheim zu beliefern. (ub)


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