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Warum jede Kiste neu erfinden?

Behälter-Pooling: Eine Sorge weniger für Autobauer und deren Zulieferer
Warum jede Kiste neu erfinden?

In der Automobilindustrie werden entlang der Lieferkette jeden Tag zahllose Komponenten rund um die Welt direkt an die Fertigungslinie der Hersteller transportiert. Dabei kommen Behälter oder Paletten zum Einsatz, die die Waren möglichst sicher und schnell ans Ziel bringen sollen. Dass dabei die richtige Wahl der Transportverpackung die Logistik-Kosten um ein Viertel drücken kann, wird von der Branche oft verkannt.

Derzeit ist der Bedarf an Einwegverpackungen eher rückläufig. Hingegen rücken Mehrwegverpackungen zunehmend in den Fokus. So verfügen einige Fahrzeughersteller und Zulieferer über ihren eigenen Bestand an wiederverwendbaren Behältern, um ihre Komponenten entlang der Lieferkette zu transportieren. Im Rahmen von externen Pooling-Modellen können Hersteller und Zulieferer aber auch standardisierte Mehrwegbehälter und Paletten als Ladungsträger von einem externen Anbieter mieten. Diese offenen Systeme stellen eine umweltschonende und kostengünstige Alternative zu Einwegverpackungen und unternehmenseigenen Pools dar.

Einen Pool von standardisierten Mehrwegtransportbehältern bietet das australische Unternehmen Chep. Der führende Anbieter im Pooling von Behältern und Paletten verwaltet derzeit mehr als 300 Mio. Ladungsträger und steuert rund 3 Mio. Bewegungen am Tag. Dafür sind rund 500 Service-Center in über 50 Ländern aktiv. Das Prinzip: Chep liefert seinen Kunden nicht nur aus dem nächstgelegenen Service-Center in kurzer Zeit die gewünschte Menge an Mehrwegbehältern für den weltweiten Transport, sondern sammelt sie am Ende der Lieferkette auch wieder ein. Dann bringt der Dienstleister die Behälter zur Kontrolle, Reinigung und eventuellen Instandhaltung. Schließlich landen diese wieder in einem Service-Center in der Nähe, um anschließend erneut in den Kreislauf aufgenommen zu werden. Leerfahrten lassen sich auf diese Weise vermeiden und Transportkosten reduzieren.
Das Pooling-Modell ist aber auch eine umweltfreundliche Lösung. Die recyclebaren Mehrwegbehälter reduzieren den Verpackungsabfall. Die Unternehmen müssen keine eigenen Behälter beschaffen, lagern, in Schuss halten, transportieren oder managen. Berücksichtigt man nicht nur die anfallenden Beschaffungskosten, sondern auch die Ausgaben für Transport, Handling oder Verlust, dann lassen sich auf diese Weise bis zu 25 % der Logistikkosten entlang der Wertschöpfungskette einsparen. Zudem profitiert der Kunde beim Pooling von weltweiter Verfügbarkeit und Flexibilität. Denn als global aufgestelltes Unternehmen kann Chep seinen Pool kontinuierlich ausbalancieren und Synergien schaffen. Ein weiterer Vorteil ist die Qualitätssicherung durch den Anbieter. Die Autobauer und deren Zulieferer können sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren und die komplette Prozesssteuerung abgeben. Auf diese Weise steigt die Effizienz entlang der Lieferkette, was am Ende ein klarer Wettbewerbsvorteil ist.
Die Automotive- und Industriesparte von Chep hat auf den Trend zu globalen Plattformen in der Automobilindustrie reagiert und als erster Anbieter ein interkontinentales Pooling-Konzept entwickelt. Für den neuen Service hat der Spezialist für Transportverpackungen seine bereits bestehenden Netzwerke auf den verschiedenen Kontinenten miteinander verknüpft und einen neuen standardisierten Mehrwegbehälter entwickelt, der speziell auf die extremen Bedingungen in Seefrachtcontainern ausgelegt ist. Es handelt sich dabei um das Modell IcoQube. Der neue Mehrwegbehälter ist eine umweltfreundliche Alternative zu den Einwegverpackungen, die bisher üblicherweise bei solchen Transporten zum Einsatz kommen. Ein konkretes Beispiel macht die Vorteile deutlich: Ein Zulieferer, der in Australien produziert und seine Komponenten anschließend an einen Hersteller mit Standorten in den USA, Japan und Großbritannien liefert, spart im Vergleich zu Kartonagen pro Jahr rund 20 % seiner Kosten, 100 t Verpackungsabfall und 5700 Holzpaletten.
„Mit dem Trend zur Globalisierung und dem Boom in den neuen Märkten steigt vor allem in der Automobilindustrie die weltweite Nachfrage nach effizienten, kostenoptimierten und umweltschonenden Lösungen für weltweite Warenströme“, erklärt Alexander Maak, Commercial Director Automotive and Industrial Solutions EMEA bei Chep. „Derzeit setzen Unternehmen für den Transport in Seecontainern in erster Linie Kartonagen ein, da die Rückführung leerer Mehrwegbehälter zu teuer ist. Wir als global aufgestellter und spezialisierter Pooling-Dienstleister mit einem weltweiten Service-Center-Netzwerk arbeiten mit zahlreichen Unternehmen über verschiedene Industrien hinweg zusammen.“ Chep sei in der Lage, den
Rücktransport leerer Behälter zu umgehen. Die IcoQubes werden vor Ort einfach dem nächsten Kunden zur Verfügung gestellt, sodass sie wieder in den weltweiten Kreislauf integriert werden und irgendwann an ihrem Ausgangspunkt ankommen. „Wir sorgen dafür, dass die IcoQubes nur in beladenem Zustand transportiert und permanent in Bewegung gehalten werden“, versichert Maak.
Vor rund zwei Jahren haben die Australier damit begonnen, an einer Pooling-Lösung für interkontinentale Transporte zu arbeiten. Zusammen mit der Automobilbranche wurde im eigenen Innovationszentrum in Orlando, Florida, ein Mehrwegbehälter entwickelt, der speziell für die schwierigen Anforderungen auf See ausgelegt ist. Die Herausforderung dabei war, dass die Ladungsträger in Seefrachtcontainern extremen klimatischen Bedingungen und hoher Luftfeuchtigkeit ausgesetzt sind. Bei der Überquerung des Äquators beispielsweise steigen die Temperaturen schnell auf über 60 °C an. Hinzu kommen mechanische Belastungen. Während Behälter bei Landtransporten maximal Kräfte bis zu 1,2 g standhalten müssen, sind es auf hoher See bis zu 2 g. Die in der Automobilindustrie in erster Linie eingesetzten Kartonagen brechen unter diesen extremen Bedingungen häufig zusammen und beschädigen dabei die transportierten Komponenten. Der stabile und stapelbare IcoQube hingegen minimiert das Risiko für Produktschäden und sorgt für eine größere Auslastung der Seefrachtcontainer.
Mit den stapelbaren Behältern lässt sich der Innenraum von Seecontainern bis zu 98 % ausnutzen. Im Vergleich zu herkömmlichen Einwegverpackungen entspricht das einer Verbesserung zwischen 8 und 10 %. Das Produkt trägt somit auch zum Schutz der Umwelt bei, denn die Zahl der Transporte wird reduziert und damit auch die CO2-Emission. Zudem ist der Behälter recyclebar. Der Hersteller bietet das Modell als standardisierten Großladungsträger (GLT) in vier Größen an. In den leichten, aber enorm robusten Behältern lassen sich Komponenten für den Transport sicher verpacken. Die faltbaren, RFID-fähigen Modelle verfügen über ein Vier-Wege-Zugangssystem für Gabelstapler. Zwei Klapptüren erleichtern das Beladen und Entladen.
„Für uns standen bei der Entwicklung die Bedürfnisse der Autobauer im Vordergrund“, ergänzt Maak. „Wir wollten eine standardisierte Lösung auf den Markt bringen, die trotzdem möglichst vielen individuellen Anforderungen gerecht wird und eine breite Akzeptanz im Markt findet. Deshalb haben wir während des gesamten Entwicklungsprozesses eng mit unseren Kunden zusammengearbeitet.“ Mit dem interkontinentalen Pooling-Konzept schaffen die Australier einen weltweiten Standard für Übersee-Transportbehälter in der Automobilindustrie. Aktuell sind bereits die ersten IcoQubes im Einsatz. Aufgrund der wachsenden Globalisierung rechnet Chep mit einem baldigen Anstieg auf rund 100 000 Stück.
Janina Limbach Fachjournalistin in Köln

Kurze Lieferzeiten, konstante Qualität

Behr setzt auf Mehrwegbehälter

Der Automobilzulieferer Behr mit Sitz in Stuttgart setzt für den Transport seiner Komponenten auf das Pooling-System von Chep und hat einen Kooperationsvertrag mit dem spezialisierten Dienstleister abgeschlossen. In der Lieferkette von sieben Behr-Werken in Deutschland, Tschechien, Frankreich, Spanien und der Slowakei kommen standardisierten Großladungsträger (GLT) des australischen Herstellers zum Einsatz. Die Grundmaße betragen 1200 x 800 mm. Das Auftragsvolumen beläuft sich auf rund 100 000 Bewegungen pro Jahr. Die Bereitstellung der Mehrwegbehälter und das Management des Pools steuert Chep über insgesamt 20 Automotive-Service-Centern. Von dort aus werden die Behälter in der gewünschten Menge just in time an den Kunden geliefert. Der Empfänger fordert anschließend über Internet die Abholung der IcoQubes an. Das enge Service-Netz und das globale Pooling-System garantieren Behr hohe Flexibilität und Verfügbarkeit, kurze Lieferzeiten und Transportwege sowie konstante Qualität. Zudem ist das Pooling-Modell eine umweltschonende Lösung, da die eingesetzten Mehrwegverpackungen vollständig aus recycelbarem Kunststoff bestehen. So lassen sich nicht nur Transportwege und Leerfahrten minimieren, sondern auch Verpackungsabfälle reduzieren.
„In unserer Lieferkette und bei der Entwicklung unserer Produkte setzen wir auf Qualität“, so Jochen Rothfuß, Project Coordinator Container Concepts bei Behr. „Dank der langjährigen Erfahrung von Chep in der Automobilindustrie können wir diese sicherstellen.“ Beim Transport von Automobilkomponenten kommt es vor allem auf Effizienz und optimalen Schutz der Waren an. Zudem schreiben die Schwaben bei allen betrieblichen Aktivitäten das Thema Umweltschutz groß und setzen deshalb auf umweltfreundliche Mehrwegbehälter. Mit seinem großen Pool und seinem dichten Service-Netzwerk bietet Chep uns die Flexibilität, die wir als Automobilzulieferer brauchen“, benötigen.“ Betreut wird Behr von einem Team, das für einen reibungslosen Ablauf sorgt. Über die Internetplattform „Portfolio Plus“ können die Stuttgarter jederzeit die gewünschte Menge an Behältern ordern, die Bestände überblicken und Inventuren durchführen. Ebenso kundenfreundlich wie das Bestellen ist auch die Rechnungsstellung. Der Kunde erhält am Ende des Monats eine tagesgenaue Abrechnung, die digital übermittelt wird und im Internet einsehbar ist.

Leerfahrten, nein danke

Packaging-Experte aus Down-Under

Der Packaging-Experte Chep arbeitet mit vier der zehn weltweit größten Autobauer und mit 9 der 15 führenden Tier-1-Zulieferer zusammen. Zu den Kunden zählen aber auch Hersteller von Landwirtschaftsfahrzeugen und Baumaschinen sowie Anbieter von weißer Ware. Zum Automotive-Produktportfolio von Chep zählen Kleinladungsträger (KLT) in fünf verschiedenen Größen, faltbare Großladungsträger (GLT) in zwei verschiedenen Größen, die neuen IcoQube GLT in vier verschiedenen Größen sowie Staubschutzdeckel und Holzpaletten. Alle Mehrwegbehälter bieten eine hohe Transportsicherheit. Der verfügbare Raum in Lkw-Containern lässt sich optimal ausnutzen. Die KLT können zudem in automatisierten Produktions- und Lagereinrichtungen eingesetzt werden. Neben den standardisierten Ladungsträgern für die Automobilindustrie bietet Chep zusätzlich einen so genannten Managed-Service für nicht-standardisierte Behälter an, die sich nicht für das Pooling eignen. Über diesen Weg können Unternehmen ihren eigenen Pool betreiben, aber dennoch vom Know-how des Verpackungsspezialisten profitieren. Leerfahrten lassen sich auf diese Weise vermeiden und Transportkosten reduzieren.
Industrieanzeiger
Titelbild Industrieanzeiger 17
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17.2021
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