Synthetisches Erdöl: Massenproduktion von Blue Crude soll 2020 starten

Synthetisches Erdöl

Massenproduktion von Blue Crude soll 2020 starten

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Ersatz-Erdöl für unter zwei Euro/Liter ist ihr Ziel: Sunfire-CEO Carl Berninghausen (rechts) und Rolf Bruknapp von Nordic Blue Crude. Bild: Sunfire
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Die Massenproduktion von umweltfreundlichem Erdöl „Blue Crude“ wird Realität: 2020 soll in Norwegen die erste Großvolumen-Anlage in Betrieb gehen, die 13 000 Pkw mit synthetischem Kraftstoff versorgen könnte.

8000 Tonnen jährlich wird die Anlage im norwegischen Industriepark Heroya produzieren und dafür rund 20 MW elektrische Leistung aufwenden, wenn sie 2020 in Betrieb geht. So planen die Projektpartner die erste Großvolumen-Fabrikanlage, der weitere und größere folgen sollen, sobald genügend Erfahrung gesammelt ist. Zu dem Kreis gehören die Firmen Sunfire, Nordic Blue Crude AS, Climeworks, EDL Anlagenbau und noch weitere Partner.

Das synthetische Blue Crude ist – vergleichbar mit Rohöl – ein Gemisch unterschiedlicher Kohlenwasserstoffe. Hieraus können in bestehenden Raffinerien Wachse, aber auch Benzin, Diesel, Kerosin und sogar Raketentreibstoffe gewonnen werden, teilt das Konsortium mit. Auf Basis von Blue Crude ließen sich etwa 3000 Produkte synthetisch herstellen, die bislang auf fossilem Erdöl basieren – von Kaugummis und Kreditkarten, über Turnschuhe und Smartphones bis hin zu klimaneutralen Kraftstoffen. Es entstünde ein Erdöl-Ersatz, der in den bestehenden Verteilnetzen und Produktionsprozessen direkt verwendet werden könne, ohne dass diese erneuert oder angepasst werden müssten.

Das an der norwegischen Südküste in der Hafen- und Industriestadt Porsgrunn ansässige Cleantech-Unternehmen Nordic Blue Crude AS wird die Anlage betreiben. Es vermarktet den synthetischen Erdölersatz bereits an Autobauer, LKW-, Zug- und Flugzeugbauer, an Flug- und Schifffahrtslinien, an Raffinerien für Spezial-Chemikalien und andere Abnehmer. Mit der jährlichen Produktionsmenge könnten beispielsweise 13 000 PKW mit synthetischem Kraftstoff versorgt und 21 000 t fossiler CO2-Emissionen vermieden werden, so heißt es. Der anvisierte Ziel-Preis pro Liter liegt bei unter zwei Euro.

Kapazität soll verzehnfacht werden

Nordic Blue Crude verfügt seit 2016 über die Exklusivrechte in Norwegen und Schweden. „Unser Ziel ist es, die Anlagen-Kapazität zu verzehnfachen, sobald wir genügend Erfahrung mit der ersten Ausbaustufe von 10 Millionen Litern gesammelt haben“, sagt Gunnar Holen, CEO von Nordic Blue Crude AS. Langfristig könnten so zehn identische Produktionsstätten in Skandinavien entstehen. Um diese Pläne zu realisieren, treibt das Unternehmen neben dem Engineering auch die Finanzierung voran. Holden: „Mit Unterstützung von Balfour & Associates haben wir es geschafft, Mitglied der Londoner Social Stock Exchange zu werden.“

Blue Crude entsteht in einem dreistufigen und von Sunfire entwickelten „Power-to-Liquid“-Verfahren (PtL) ausschließlich aus Wasser, CO2 und Ökostrom – in Norwegen kommt der günstig verfügbare Ökostrom aus Wasserkraft zum Einsatz. Herzstück ist die Dampf-Elektrolyse (SOEC), die Wasserdampf effizient in Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt. Anschließend folgen die Umwandlung von CO2 in Kohlenstoffmonoxid (CO) sowie die Blue-Crude-Synthese.

Das als Kohlenstoffquelle benötigte CO2 wird unter anderem mit der Direct Air Capture (DAC)-Technologie des Schweizer Unternehmens Climeworks aus der Umgebungsluft gewonnen. Die Nutzung der Abwärme aus dem Sunfire-Prozess mache das DAC-Verfahren besonders effizient, heißt es. Erst kürzlich hatte Sunfire 3 t Blue Crude im Dauerbetrieb auf der PtL-Demonstrationsanlage in Dresden-Reick erzeugt und die für die Industrie entscheidende Laufzeit von 1500 Stunden problemlos nachgewiesen. (os)

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