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Automation: Open Industry 4.0 Alliance wächst stetig

Open Industry 4.0 Alliance wächst stetig
Offenes Ökosystem für die Smart Factory

Die Open Industry 4.0 Alliance will eine offene Plattform für die Industrie vorantreiben. Das Konzept ist nicht neu, aber das Interesse an dem stetig wachsenden Verein dafür groß. ❧

Nora Nuissl

Vor über einem Jahr, auf der Hannover Messe 2019, haben 13 Unternehmen die „Open Industry 4.0 Alliance“ gegründet. Ziel dieser Allianz ist es, ein offenes Ökosystem zu schaffen, in dem bis zu 80 % aller Maschinen in einer Smart Factory miteinander kompatibel sind. Die Gründer betonen jedoch, keine eigenen Standards definieren zu wollen, sondern sehen sich eher als „Umsetzungsgemeinschaft“: Sie wollen mit den Mitgliedsfirmen vorhandene Standards, wie etwa den Kommunikationsstandard OPC UA, nutzen und in der Praxis miteinander verbinden.

63 Mitglieder der Open Industry 4.0 Alliance wollen digitale Transformation fördern

Inzwischen ist aus der Open Industry 4.0 Alliance ein Verein geworden, der aktuell 63 Mitglieder aus verschiedenen Industriezweigen zählt: Von Technologieriesen wie Voith, Schunk, Kuka, Beckhoff über IT-Konzerne wie SAP oder Software AG bis hin zu vielen mittelständischen Spezialisten wie MPDV, Endress + Hauser oder Datagroup. Zwischenzeitlich haben sich jeweils vier Arbeitsgruppen in Bezug auf Industriesegmente und Technologien zusammengefunden, die konkrete Anwendungsszenarien entwickeln.

„Bei der Open Industry 4.0 Alliance geht es darum, eine durchgehende Interoperabilitätsplattform mit existierenden Standards zu schaffen. Die Alliance wird auch nicht an der Entwicklung oder dem direkten Verkauf von Lösungen beteiligt sein. Sie dient der praktischen Förderung der digitalen Transformation“, erklärt Nils Herzberg, Sprecher des Vorstands der Open Industry 4.0 Alliance und Global Head Strategic Partnerships for Digital Supply Chain and Industry 4.0 bei SAP. Automatisierungssilos sollen aufgebrochen werden und der Fokus liegt auf der Digitalisierung von Brownfield-Anlagen, also bestehenden Anlagen mit Komponenten, die aus der Zeit vor dem Industrial Internet of Things (IIoT) stammen.

Zielsetzung gemäß Industrie 4.0: Alle sprechen eine Sprache

„Die Open Edge Computing Platform verbindet Hersteller-spezifische Container-Apps mit ihren Assets und aggregiert deren Prozessdaten. Weitere Apps dienen zur Datenvorverarbeitung oder stellen die Verbindung zur Operator-Cloud und zur Asset Administration Shell her. Dabei setzen wir auf vorhandene Standards und erarbeiten mit unseren Mitgliedern Guidelines, wie man diese im Sinne der Interoperabilität verwendet“, präzisiert Hans-Jürgen Hilscher, Vorstand Technik der Open Industry 4.0 Alliance sowie Präsident der Hilscher Gesellschaft für Systemautomation.

Technologische Grundlage der Open Industry 4.0 Alliance ist eine offene, auf RAMI 4.0 basierte Architektur, die auf den vier Bausteinen Device Connectivity, Edge, Operator Cloud und Cloud Central sowie einem zugehörigen Dienstleistungsangebot beruht. Eine der wichtigsten Eigenschaften ist laut eigenen Angaben das Asset Automatic Onboarding durch alle vier Architekturschichten unter Verwendung offener Standardschnittstellen auf Basis der RAMI-Verwaltungsschale.

Offene und lösungsorientierte Plattform als Unterscheidungskriterium zu anderen Initiativen

Im Vergleich zu bestehenden Initiativen am Markt ist die offene Organisationsform der Open Industry 4.0 Alliance laut der Gründungsmitglieder ein Unterscheidungskriterium. Jedes Mitglied, das dem Netzwerk beitritt, ist gleichberechtigt („open“). Außerdem verpflichtet sich jeder Partner, seine technischen Kernkompetenzen so einzubringen, dass dem Betreiber oder Endkunden stets eine verlässliche und skalierbare Gesamtlösung bereitgestellt werden kann („one“). Diese basiert auf dem ganzheitlichen unter den Mitgliedern abgestimmten Interoperability-Framework der Open Industry 4.0 Alliance.

Diesen Framework stellte die Allianz auf der letztjährigen Branchenmesse SPS der Fachwelt vor. Die Resonanz in der Industrie ist positiv, wie auch die stetig steigende Mitgliederzahl zeigt. In dem halben Jahr zwischen Gründung und dem Messeauftritt auf der SPS wuchs die Teilnehmerzahl von 13 auf 43. Die Mitglieder der Allianz listen derzeit mehr als 155 Produkte und Dienstleistungen auf, die von ihnen in den kommenden Jahren gemäß den Interoperabilitäts-Richtlinien der Open Industry 4.0 Alliance umgestaltet werden sollen. Die ersten, die kompatibel sind, sollten auf der SPS 2020 im November präsentiert werden.

Open Industry 4.0 Alliance und Gaia-X stimmen in vielem überein

Ebenfalls ein wichtiger Treiber für die Digitalisierung ist die Datensouveränität, die vielen Unternehmen besonders wichtig ist. Hier kommt die von Deutschland und Frankreich gestartete Initiative Gaia-X für eine sichere und vertrauenswürdige Cloud- und Dateninfrastruktur ins Spiel. Die Arbeitsprinzipien und Ziele der beiden Organisationen, Open Indudstry 4.0 Alliance und Gaia-X, sind sich ähnlich. Der Zusammenhang hierbei ist informeller Art. Viele Mitglieder der Alliance arbeiten gleichzeitig in der Foundation in den entsprechenden, thematisch oder technisch orientierten sowie branchenspezifischen Workgroups mit.

Bei der Open Industry 4.0 Alliance kam schon früh der Gedanke auf, dass die Cloud-Angebote der verschiedenen Maschinenbauer und Automatisierungsanbieter für sich allein die tatsächlichen Bedürfnisse eines Kunden nie ganz abdecken können. Zudem fehlen dabei einige Funktionen, die Anlagen-Betreiber benötigen. All das ist von besonderer Bedeutung für die Open Industry 4.0 Alliance als eine Organisation, welche die Umsetzung einer offenen Lösung aus Sicht des Anwenders vorantreibt. Dementsprechend werden die Verbindung zu allen bestehenden Cloud-Angeboten sowie die Einbindung in einen Workflow für die Asset-Verwaltung beim Betreiber als Schlüssel zu einem herstellerübergreifenden, offenen, Anbieter-neutralen Angebot von aufeinander abgestimmten Produkten angesehen.

Cloud-Angebote können die Bedürfnisse eines Kunden nie ganz abdecken

„Der Grundsatz der Alliance lautet: Datensouveränität für alle Beteiligten mit privaten, geteilten und öffentlichen Daten für jeden Anwender und Anbieter in der Supply Chain bis zum finalen Produkt“, sagt Herzberg, Vorstandssprecher der Open Industry 4.0 Alliance. „Dieser Grundsatz lässt sich deutlich einfacher umsetzen, wenn ein offenes, Daten-souveränes, föderales Datenökosystem zur Verfügung steht, über das zahlreiche Allianz-spezifische Aufgaben abgewickelt werden können. Insofern begrüßt und unterstützt die Open Industry 4.0 Alliance die Gaia-X-Initiative und beabsichtigt, ihre Angebote darauf abzustimmen und nach Möglichkeit zu portieren. Wir verstehen uns als die ‚Ärmel-hoch-Allianz‘ und deshalb arbeiten viele von uns unvoreingenommen und neutral daran, dass die Dinge auch wirklich passieren.“

Organisationen denken vom Anwender aus

Schon das Konzept zu Gaia-X entstand im Sinn der Alliance, und zwar mit der Idee, ein Datenökosystem vom Standpunkt eines Datenproduzenten oder Dateneigentümers und -anwenders als Souverän über diese Daten zu denken und einen offenen, einheitlichen Zugang zu einem Data Space zu schaffen. Daraus entwickelte sich der Plan, ein europäisches Datenökosystem mit einer Schicht zu implementieren, die von und zwischen all diesen Infrastrukturanbietern und -nutzern in einer Domäne und über Domänengrenzen hinweg Verwendung finden und den Datenaustausch beflügeln soll. Das übergreifende, zwingende Ziel besteht darin, europäische Werte im Sinne eines ehrbaren Kaufmanns zu vermitteln und nicht den Kunden als Produkt zu verstehen – das Zauberwort heißt „Trust“– ergänzt durch eine föderale Verwaltung von Identität und Zugang sowie klar geregelte Prinzipien für die Speicherung, das Teilen und Verwerten von Daten unter der Kontrolle des Dateneigners (Data Sovereignty).

Im Rahmen der Initiative Gaia-X haben bislang mehr als 170 Teilnehmer und über 150 Organisationen aus Frankreich und Deutschland, aber auch aus Finnland, Italien, den Niederlanden, Schweden, der Schweiz und Spanien in zwei umfassenden Themen-Workstreams zusammengearbeitet. Vertreten sind dabei die User-Domänen Energie, Gesundheitswesen, Industrie 4.0/KMU, Mobilität, öffentliche Infrastruktur und Verwaltung sowie Smart Living, Finanzwirtschaft und Landwirtschaft.

Kontakt:

Open Industry 4.0 Alliance
c/o Endress+Hauser Process Solutions AG
Christoph Merian-Ring 12
4153 Reinach, Schweiz
www.openindustry4.com


@

Weitere Informationen zur Open Industry 4.0 Alliance finden Sie online unter: www.openindustry4.com

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