Recycling-Kreislauf

Pöppelmann unternimmt Schritte contra Plastikmüll

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Die alarmierenden Nachrichten über das Vermüllen der Meere mit Abfällen aus Plastik sind nicht mehr zu überhören. Nicht zuletzt die Industrie ist hier gefordert. Kunststoffverarbeiter Pöppelmann präsentiert erste Schritte, um die Kreisläufe komplett zu schließen.

Gerhard Brock
Projektierung und Verkauf im Bereich Famac der Pöppelmann GmbH & Co. KG

Die Europäer erzeugen nach Angabe der Europäischen Kommission jedes Jahr 25 Mio. t Kunststoffabfälle. Angesichts von Klimawandel, Umweltverschmutzung, Bevölkerungswachstum und Ressourcenabhängigkeit sind Umwelt- und Klimaschutz zur globalen Herausforderung geworden. Laut der gemeinsam vorgelegten Studie von Weltwirtschaftsforum (WEF) und der Ellen MacArthur Stiftung* werden aktuell nur 14 % der Gesamttonnage aller Kunststoffverpackungen wiederverwendet oder recycelt. Die Experten sind jedoch der Ansicht, dass sich durch konzentriertes Handeln der Wirtschaft mit aktueller Technologie die Quote auf 70 % anheben ließe.

Die EU-Kommission hat soeben eine europäische Kunststoffstrategie vorgelegt, die als einzige langfristige Lösung die Reduzierung von Kunststoffabfällen durch ein verstärktes Recycling und gesteigerte Wiederverwendbarkeit vorsieht. Der Weg zu mehr Nachhaltigkeit ist daher gerade in der Verpackungsindustrie ein viel diskutiertes, wichtiges Thema. Auch für Verbraucher wird die Recycelbarkeit zunehmend zum kaufentscheidenden Aspekt.

Eine große Herausforderung für die gesamte Kunststoffbranche

Die Pöppelmann GmbH & Co. KG verstärkt ihren Fokus jetzt noch auf das Thema mit der neuen Initiative Pöppelmann blue. Das Unternehmen aus Lohne gehört zu den Großen in der kunststoffverarbeitenden Industrie. Mit mehr als 2000 Mitarbeitern, fünf Standorten und vier Geschäftsfeldern beliefert Pöppelmann ganz unterschiedliche Branchen in über 90 Ländern – von der Lebensmittelindustrie über den kommerziellen Gartenbau, Maschinen- und Apparatebau, die Fahrzeug-, Pharma- und Kosmetikindustrie bis hin zur Medizintechnik.

„Als eines der führenden Unternehmen der Kunststoffverarbeitung sehen wir uns in einer großen Verantwortung, unsere Prozesse und Produkte so umweltverträglich wie möglich zu gestalten – über den gesamten Lebenszyklus hinweg, von der Entwicklung über die Nutzung bis zur Wiederverwertung“, erklärt Matthias Lesch, Geschäftsführer bei Pöppelmann. „Dieser Verantwortung gerecht zu werde, ist die große Herausforderung für uns und unsere Branche.“

Pöppelmann nutzt Rezyklate schon seit 20 Jahren

Die Verwendung von Recyclingmaterialien zählt die Unternehmensgruppe zu ihren Kernkompetenzen: Seit rund 20 Jahren kommen Rezyklate in den verschiedenen Geschäftsbereichen zum Einsatz. Das sind überwiegend Produktionsabfälle aus anderen Produktionsprozessen. In der Division Pöppelmann Teku, der Gartenbau-Sparte des Unternehmens, liegt der Anteil von Rezyclaten für die verschiedenen Pflanzentöpfe bereits bei mehr als 80 %. Auch bei Pöppelmann K-Tech, dem Geschäftsbereich Automotive, werden bereits Recyclingmaterialien eingesetzt. Das Nutzen von Recyclingmaterialien ist also ein wichtiger Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie.

Mit Pöppelmann blue geht die Gruppe jetzt noch einen Schritt weiter: Die Initiative bündelt unternehmensweit Aktivitäten, die eine durchgängige Kreislaufwirtschaft vorantreiben sollen. Sie zielt auf einen geschlossenen Materialkreislauf, bei dem der verwendete Kunststoff möglichst aus ein und derselben Wertschöpfungsstufe stammt. „In der Praxis heißt das beispielsweise, eine Verpackung landet im gelben Sack und wird nach dem Wiederaufbereitungsprozess auch wieder zu einer Verpackung“, erklärt Matthias Lesch.

Verpackungen recyclinggerecht gestalten

Um einen geschlossenen Materialkreislauf zu ermöglichen, müssen die darin genutzten Produkte kreislauffähig sein. Das bedeutet, es wird zu 100 % Recyclingmaterial eingesetzt, welches hinterher zu 100 % wiederverwertbar sein muss. Die Bedingung dafür ist, dass sich das Material technisch recyceln lässt. Außerdem muss es so beschaffen sein, dass es in den Anlagen der Entsorger sortiert werden kann. „Dafür ist es unerlässlich, schon bei der Gestaltung eines Produkts die Kreislauffähigkeit mitzuberücksichtigen“, sagt Engelbert Rechtien, Vertriebsleiter der Pöppelmann-Division Famac.

Die Der Grüne Punkt – Duales System Deutschland GmbH (DSD) stellt unter dem Stichwort Design4Recycling einen Online-Guide bereit, der bei der Packungsentwicklung unterstützt. Pöppelmann arbeitet eng mit der DSD zusammen. Der Online-Guide gibt Hinweise, welche Verpackungseigenschaften sich positiv auf die Recyclingfähigkeit auswirken. Dazu gehören unter anderem

  • eine helle Farbgebung bei Kunststoffverpackungen,
  • Monomaterialien statt Materialmix,
  • optimierte Etiketten- und Verschlusslösungen und
  • die Trennbarkeit der Komponenten im Recyclingprozess.

Im Rahmen der Initiative Pöppelmann blue haben eben diese Aspekte Berücksichtigung in der Produktentwicklung gefunden. Und so ist die Unternehmensgruppe stolz auf erste Erfolge im Nonfood-Bereich: Die Division Pöppelmann Teku stellte kürzlich Pflanzentöpfe aus Pöppelmann PCR vor – einem Post-Consumer-Recyclingkunststoff, der zu 100 % aus Recyclingmaterial aus Sammlungen des DSD stammt. Hier wurde Design4Recycling umgesetzt: Die Pflanzentöpfe entstehen aus Mono-Recyclingmaterial, dem lediglich Additive und Farbe hinzugefügt werden. Anstatt in Schwarz oder Ton sind sie in der Signalfarbe „Recycling-Blue“ gehalten, damit der Werkstoff in der Abfallentsorgung einfach und sicher identifiziert und für die Wiederverarbeitung vorgesehen werden kann – gemäß den Guidelines. Ein Etikett haben diese Töpfe nicht. Außerdem sind sie rußfrei und lassen sich so durch NIR (Nahinfrarot) in den Sortieranlagen erkennen.

Dr. Markus Helftewes, DSD-Geschäftsführer, zeigt sich begeistert: „Die Produktdesigner haben innovative Arbeit geleistet und schon beim Design die Recyclingfähigkeit berücksichtigt. Das ist unbedingt erforderlich für einen möglichst effizienten geschlossenen Wertstoffkreislauf und schafft die Voraussetzung, mit jedem Rundlauf die CO2–Emissionen einzusparen, die ansonsten für Neuware entstanden wären. Das ist absolut Spitze!“

Zusätzliche Herausforderungen im Segment Lebensmittel

Doch lässt sich der geschlossene Materialkreislauf auch für Lebensmittelverpackungen realisieren? Also so, dass sich das Material erneut für Lebensmittelverpackungen verwenden lässt? Daran arbeitet aktuell die Division Pöppelmann Famac, die auf Kunststoffverpackungen unter anderem für die Lebensmittel- und Pharmaindustrie spezialisiert ist. Die Famac-Experten sind überzeugt: Aus technischer Sicht ist das Erreichen eines geschlossenen Materialkreislaufs keine Utopie, denn Lebensmittelverpackungen sind heute schon hochgradig recyclingfähig. Materialien wie reines PP lassen sich bereits sortenrein aufbereiten und reinigen. „Unsere große Herausforderung ist es, zusätzlich die regulatorischen Vorgaben zu erfüllen“, meint Engelbert Rechtien.

Der Grund: Die aktuelle Gesetzgebung untersagt einen Einsatz des PCR-Materials, wenn dieses einen direkten Kontakt zum Lebensmittel hat und/oder Bestandteile ans Füllgut migrieren können. Dies rührt daher, dass sich die Zusammensetzung der PCR-Materialien nicht zu 100 % bestimmen lassen – anders als bei den bisher verwendeten Virgin-Materialtypen. Wegen des damit verbundenen Restrisikos ist der Einsatz nicht zulässig.

Rechtien ergänzt: „Bei Kunststoffverpackungen für Nahrungsmittel spielen Themen wie die erforderlichen Barrieren für einen optimalen Produktschutz sowie die notwendige Stabilität der Verpackung eine wichtige Rolle. Und natürlich müssen auch Marketingaspekte berücksichtigt werden.“ Um Pöppelmann blue voranzutreiben, steht das Unternehmen deshalb in engem Austausch mit Lebensmittelherstellern, Handel und Forschungseinrichtungen wie dem Cyclos-HTP Institut für Recyclingfähigkeit und Produktverantwortung sowie weiteren Recycling-Experten wie dem DSD.

Ohne Produktschutz von Kunststoffverpackungen geht es nicht

Als Verpackungsspezialist erinnert Pöppelmann jedoch auch daran, dass in der Diskussion ein ganzheitlicher Blick bewahrt bleiben sollte. Kunststoffverpackungen für Lebensmittel landen zwar nach Verbrauch des Produktes im Abfall, leisten durch ihre vielfältigen Schutzfunktionen aber einen wesentlichen Beitrag zu Ressourceneffizienz und Klimaschutz.

Engelbert Rechtien: „Die Initiative Save Food hat vorgerechnet: Etwa ein Drittel aller Nahrung wird verschwendet oder geht verloren.“ Die Initiative will Innovationen und Debatten anstoßen, um Lösungen auf breiter Ebene zu finden. Ein kleiner Teil besteht in nachhaltigen Verpackungslösungen, die gegen die allgemeine „Wegwerfmentalität“ angehen und Respekt vor Nahrungsmitteln erhöhen. Und dazu können Kunststoffverpackungen mit ihrem vielfältigen Produktschutz erheblich beitragen. Für viele Nahrungsmittel ist Kunststoff einfach nicht durch andere Materialien zu ersetzen.

Die Arbeit an zukunftsfähigen, nachhaltigen Kunststoffverpackungen muss aus Sicht von Pöppelmann noch stärker ausgebaut werden. „Wir sind überzeugt davon, dass es nur im Team gelingt, Lösungen zu entwickeln. Darum sind wir jederzeit offen für einen engen Austausch und neue Partnerschaften“, sagt Rechtien.

Er sieht in der intensiven Beschäftigung mit diesem Thema auch eine große Chance für die europäische Industrie und insbesondere die Kunststoffbranche, eine weltweite Führungsrolle zu übernehmen. Mit der unternehmenseigenen Initiative sei Pöppelmann mit dabei. „Aktuell haben wir unter anderem mit Fokus auf die Lebensmittelindustrie bei Pöppelmann Famac einige vielversprechende Projekte am Start. Die Branche darf also gespannt sein.“

*World Economic Forum and Ellen MacArthur Foundation: „The new Plastics Economy: Catalysing Action“ (2017, https://www.ellenmacarthurfoundation.org/publications).


Design4Recycling

Der als „Grüner Punkt“ bekannte Entsorger hat Guidelines für recyclinggerechte Kunststoffverpackungen formuliert. Sie vereinfachen die Sammlung und Wiederaufbereitung, ermöglichen die Wiederverwertung als Sekundärrohstoffe und schonen so Ressourcen. Infos: www.design4recycling.de

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