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Wer hat an der Schraube gedreht?

Manipulationsschutz: Die Einwegsiegelschraube protokolliert alles mit
Wer hat an der Schraube gedreht?

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Wurde das Gerät – unbefugt – geöffnet und dann wieder zugeschraubt? Dies ist aus Sicherheits- oder Haftungsgründen oft von hoher Bedeutung. Eine neue Schraube von Berrang liefert die unbestechliche Antwort – sie wird selbst zum Protokoll. ❧ Olaf Stauß

Wer bei Berrang von der Geschäftsleitung empfangen wird und mit anderen Besuchern den Aufzug betritt, der kann erleben, wie der Chef persönlich auf die maximale Fahrgastzahl achtet: Die Fügetechnik-Spezialisten haben Qualität und technische Vorschriften im Blut. Beides gehört denn auch zu den wichtigsten Vertriebsargumenten, um Aufträge aus Bereichen wie dem Flugzeug- und Fahrzeugbau oder der Medizintechnik zu erhalten. Berrang arbeitet grundsätzlich „chargenrein“. Das heißt, jede Charge wird separat geprüft und gelagert, um nichts dem Zufall zu überlassen und die Qualität zu dokumentieren. Bei Porsche etwa erzielt der Zulieferer „seit Jahren eine Null-ppm-Fehlerrate“, sagt Joachim Hermes, Marketingleiter und Mitglied der Geschäftsleitung.

Vielleicht waren die Mannheimer deswegen besonders sensibel für ein Problem, das am Markt schon länger existert und immer mehr an Relevanz gewinnt: Viele Produzenten haben ein hohes Interesse, dass ihr ausgeliefertes Produkt im Originalzustand bleibt – sei es bei hochwertigen Steuereinheiten, weißer Ware, in der Consumer-Elektronik oder anderen technischen Feldern. Ebenso wichtig ist es, dass jede Veränderung oder Manipulation an Bauteilen nachgewiesen werden kann, nicht zuletzt wegen der Haftungsrisiken. Was zum Beispiel, wenn ein Endkunde sein Handy zurückgibt, das er selbst kaputt gemacht hat beim Versuch, das Displayglas auszutauschen? Er hätte es gar nicht öffnen dürfen. Doch ohne Nachweis der Manipulation kann der Hersteller unter Haftungsdruck geraten.
Berrang hat dafür jetzt eine elegante Lösung: Die Einwegsiegelschraube (EWS): Beim Öffnen wird eine Kuppe im Antrieb irreversibel abgedreht, so dass die Schraube selbst das Lösen protokolliert. Der Clou: Die Schraube kann dennoch weiter verwendet werden. Das Lösen allein macht die Verbindung nicht zunichte – wird aber protokolliert. „Wir wollen die Manipulation nicht verhindern, nur nachweisen“, erklärt Roland Salomon, Manager of Engineering and Design.
Inbesondere entfällt mit der EWS ein Arbeitsschritt, der sich bisher nicht umgehen ließ, um Manipulationen nachzuweisen, der die Kosten aber in die Höhe trieb und zuweilen auch problematisch war: zum Beispiel das Versiegeln der Schraube mit einer Lackschicht. „Vereinfacht gesagt wollten wir Arbeitsschritte einsparen und gleichzeitig zusätzliche Sicherheit gewinnen“, erklärt Benjamin Berrang, einer der geschäftsführenden Gesellschafter des Familienunternehmens.
Die EWS ist bereits in den Durchmessern M5 und M6 erhältlich, weitere sollen folgen. Auch nachträglich lassen sich Produkte durch Einsetzen der EWS absichern. Für ihre Montage ist kein Spezialwerkzeug erforderlich. Als erster Anwender hat ein Hersteller von Hochleistungselektronik die EWS bereits geordert.
Dass Berrang eine Lösung für das Problem fand, ist auch einem glücklichen Umstand zu verdanken. Zeitgleich zur Suche hatten sich die beiden Jungingenieure Robert Rathmann und Steven Keiner – während ihrer Masterarbeit – das Grundprinzip dieser Lösung patentieren lassen. Den Anstoß gab ein Besuch im Baumarkt. „Was fummelt der da jetzt an dem Wandschrank rum?“, fragte einer der beiden den anderen. „Man müsste Kanten in die Schraube einbauen, die er dabei abdreht. Dann kommt er nicht so leicht davon“, meinte der andere. Die Idee war ausgesprochen – und zündete bei den beiden. Sie führte über das Patent hinaus zur Gründung der eigenen Firma „EWS“. Berrang stieß auf das Patent, erwarb die Alleinlizenz an der Technologie und brachte die Einwegsiegelschraube gemeinsam mit den Erfindern zur industriellen Serienreife inklusive Marketingkonzept.
Neues Online-Tool unterstützt die Konstrukteure
Traditionell produziert die 540 Mitarbeiter starke Karl Berrang GmbH nicht selbst, sondern lässt fertigen und übernimmt stattdessen die Montage mit intensiver Qualitätskontrolle. Zulieferer werden bei innovativen, patentwürdigen Entwicklungen unterstützt, ebenso wie die Kunden bei ihren technischen Wünschen und Problemstellungen. Anwendungstechnische Beratung und Entwicklung sind an der Tagesordnung, auch ohne eigene Produktion – dafür stehen 52 Mitarbeiter in einer eigens gegründeten Gesellschaft bereit. Sie ist auch Urheber einer weiteren Innovation, die der Zulieferer zusammen mit der EWS publik machte: eine Produktdatenbank als Online-Tool für Konstrukteure. Das neue Tool ist auf der Website zugänglich.
Das Online-Tool löst nicht nur die früheren Normteil-Kataloge ab, sondern gibt auch Tipps und Hinweise, die über Normteile hinausgehen und zur Diskussionsgrundlage für Zeichnungsteile werden: Der Konstrukteur gibt beispielsweise den verfügbaren Bauraum und die gewünschten Maße sowie Oberflächen einer Verbindung ein und erhält dann diverse Vorschläge zum Vergleichen. Das System gibt auch Warnhinweise, wo sich Wünsche so nicht realisieren lassen. Bei Bedarf generiert das System eine direkte Anfrage zu Berrang. „Die Norm ist ja immer nur der kleinste gemeinsame Nenner“, erläutert Joachim Hermes. Der große Vorteil für die Kunden bestehe darin, dass er einen Überblick bekomme und unnötige Sonderlösungen vermeiden könne. Die ersten Erfahrungen mit der Produktdatenbank mit integriertem Bauraumrechner seien sehr positiv. „Es zeigt sich schon nach kurzer Zeit, dass die Anforderungen nach speziell entwickelten Zeichnungsteilen zurückgehen.“
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