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Deutsche Unternehmen sind kein Motor der Energiewende

Studie zu Ökostrom zeigt Potenzial für die deutsche Wirtschaft
Deutsche Unternehmen sind kein Motor der Energiewende

Immer mehr Konzerne beziehen ihre Energie aus erneuerbaren Quellen. So sparen sie nicht nur Geld, sondern punkten auch bei Kunden und Mitarbeitern. Allerdings ist in deutschen Unternehmen diese positive Entwicklung ins Stocken geraten. Damit vergeben sie substanzielle Chancen. Dies ist das Ergebnis des aktuellen „Corporate Renewable Energy Index Report“ (CREX).

Deutschland gilt als Vorreiter in Sachen Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit. Wird die deutsche Industrie diesem Ruf aber gerecht, gerade wenn es um das Thema Energie geht? Weltweit arbeiten die Unternehmen seit Jahren daran, ihre Umweltbilanz entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu verbessern. Das gilt nicht nur für den Bau neuer Fabriken oder Umweltschutzmaßnahmen am Standort. Zunehmend rückt auch die zur Produktion nötige Energie in den Fokus der Bemühungen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Anspruchsgruppen wie etwa Umweltschutzorganisationen immer stärker die Herkunft des verwendeten Stromes hinterfragen und offenlegen.

Die Tendenz der Entwicklung ist eindeutig: Weltweit beziehen immer mehr Unternehmen ihre Energie aus erneuerbaren Quellen. Dies zeigt sich etwa an den Investitionen. So wendeten die Konzerne 2011 weltweit 237 Mrd. US-Dollar für den Ausbau der erneuerbaren Energien auf. Das ist deutlich mehr, als im gleichen Zeitraum in konventionell erzeugte Energie floss, wie der „Corporate Renewable Energy Index Report 2012“ (CREX – siehe Infokasten) von Vestas und Bloomberg New Energy Finance ergeben hat. Dabei setzen international die meisten Unternehmen auf Wasserkraft (47 % bei bekannter Quelle), gefolgt von Windenergie (29 %) und Elektrizität aus Biomasse und Abfall (zusammen 23 %).
Bislang decken viele der betrachteten Firmen einen noch verhältnismäßig kleinen Anteil ihres Elektrizitätsbedarfs über „grüne“ Energien ab – tatsächlich haben 30 % der Firmen eine Quote von unter 5 %. Allerdings finden sich unter den rund 300 untersuchten Firmen immerhin bereits 35, die ihren Strom komplett aus erneuerbaren Energien beziehen oder Erneuerbare-Energien-Zertifikate kaufen. Eine Entwicklung, die sicher zu begrüßen ist, kann die Wirtschaft doch einen wichtigen Beitrag zu einer erfolgreichen Energiewende und einer nachhaltigen Sicherung der Energieversorgung leisten. Allerdings geht es nicht darum, abgekoppelt von den Unternehmenszielen Ansprüche der Gesellschaft zu erfüllen. Auch aus geschäftlicher Sicht ist grüne Energie sinnvoll.
Die im CREX gelisteten Unternehmen nennen besonders zwei erfolgsrelevante Gründe für ihr verstärktes Engagement. Zum einen werde dies zunehmend von den Kunden gefordert. Tatsächlich zeigt eine andere Studie, die Global Consumer Wind Study 2012, dass sich neun von zehn Verbrauchern einen stärkeren Einsatz von grünem Strom wünschen. Sie sind demnach sogar bereit, für entsprechend hergestellte Produkte mehr zu bezahlen, belohnen also Unternehmen, die auf nachhaltig erzeugte Energie setzen. Orientierung bieten ihnen Labels wie „WindMade“, die nach außen sichtbar zeigen, dass Ökostrom verwendet wird. Zweitens wollen auch zunehmend die eigenen Mitarbeiter, dass erneuerbare Energien genutzt werden. Der Softwarekonzern SAP etwa sagt explizit, dass solche „grünen Argumente“ auch für die Rekrutierung von Nachwuchskräften eine Rolle spielen.
Diese Erkenntnis ist auch in deutschen Führungsetagen angekommen. So nutzen immerhin 20 % der im CREX 2012 gelisteten deutschen Firmen nachhaltig erzeugten Strom, weil dies fest in der Geschäftsstrategie verankert ist. Zu diesen zählen etwa Allianz, Deutsche Bank und Puma. Die Forderung von Kunden und Mitarbeitern nach einem verstärkten Einsatz grüner Energie ist auch hierzulande ein zentraler Grund, und wurde etwa von Deutsche Telekom, Deutsche Post oder SAP genannt.
Einige deutsche Firmen können dabei auch global mithalten und nehmen weltweit sogar eine Vorreiterrolle ein. Die Deutsche Telekom landet auf Platz acht unter den weltweit untersuchten Unternehmen. Im Jahr 2011 bezog das Unternehmen 3,1 TWh aus erneuerbaren Energien. Dies entspricht 48 % des gesamten Elektrizitätsverbrauchs, und einem Anstieg um 6 % gegenüber 2008. Dabei setzt der Konzern vor allem auf Erneuerbare-Energien-Zertifikate. Die Hauptgründe sind niedrige Kosten und die vergleichsweise sehr einfache Umsetzung. Im Finanzsektor erreichte die Deutsche Bank den dritten Platz innerhalb der weltweiten Branche. Sie deckte 2011 mehr als 70 % des gesamten Stromverbrauchs über erneuerbare Energien ab. Dabei bezieht die Bank nicht nur genau auf Herkunft geprüften Strom, sondern verfügt selbst auch über Solar- und Windkraftanlagen.
Solche Beispiele sind jedoch eher die Ausnahme. Insgesamt ist die weltweit beobachtete Entwicklung hin zu einer stärkeren Nutzung von grüner Energie in Deutschland ins Stocken geraten. So ist der Anteil erneuerbarer Energien in den vergangenen Jahren relativ konstant geblieben und betrug 2011 lediglich 16 %, gegenüber 17 % im Jahr zuvor. Dieser Anteil entspricht gerade einmal dem weltweiten Durchschnitt und platziert Deutschland im Mittelfeld des CREX, hinter Ländern wie Australien und Brasilien. Auch innerhalb Deutschlands sind die Firmen kein Motor der Energiewende. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung lag im Jahr 2011 bundesweit höher als bei den Unternehmen, nämlich bei 20 %. Mehr als 60 % der erneuerbaren Energie wird in Deutschland derzeit von Individuen oder Gemeinden erzeugt.
Betrachtet man die Art des Bezuges, zeigt sich, dass auch hier deutsche Firmen oftmals weitere Möglichkeiten hätten. Unter den 23 im CREX gelisteten deutschen Firmen überwiegt der Kauf von Zertifikaten, um die Öko-Bilanz aufzubessern. Mehr als 80 % des grünen Stromes werden auf diese Weise eingekauft. Auf globaler Ebene sind dagegen bereits stärkere Investitionen direkt in die Produktion von Ökostrom zu verzeichnen, entweder auf dem Firmengelände oder in nahegelegenen Kraftwerken.
Hier verschenkt die deutsche Wirtschaft ganz klar wertvolles Potenzial. Gerade die oftmals besonders energieintensive verarbeitende Industrie könnte hier künftig noch mehr von einer aktiveren Rolle profitieren – und sich durch ein als verantwortungsvoll empfundenes Engagement positiv und zugleich nutzenbringend hervortun.
Morten Albaek Global Senior Vice President Vestas Wind Systems A/S, DK-Aarhus

Der CREX-Index

Der Corporate Renewable Energy Index (CREX) listet weltweit Unternehmen entsprechend ihres freiwilligen Einsatzes erneuerbarer Energien. Der von Bloomberg New Energy Finance in Zusammenarbeit mit Vestas Wind Systems erstellte CREX erfasst, in welchem Maße Unternehmen weltweit erneuerbare Energien nutzen und schafft gegenüber anderen Unternehmen, Investoren, Politikern, NGOs und Verbrauchern eine dringend benötigte Transparenz. Im Jahr 2012 umfasste der CREX über 300 Unternehmen aus 26 Ländern.
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