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Energiekosten mit Solarstrom im Griff

Energieeffizienz
Energiekosten mit Solarstrom im Griff

Ulrich Schmid (links, im Gespräch mit Mitarbeiter) nutzt an seinem neuen Standort Solarstrom. Mit Photovoltaik und Energiemanagement will das Unternehmen 50 % seiner Energiekosten sparen. Bilder: Autor
Photovoltaik | Energiekosten machen bis zu zehn Prozent am Umsatz aus. Mit Solarstrom können Unternehmen diese Kosten deutlich senken. Vor allem, wenn sie Photovoltaik-Anlagen (PV) optimal auf den Eigenverbrauch ausgerichtet sind.

Achim Ühlin Freier Journalist in Heilbronn

Zehn Jahre lang arbeitete Ulrich Schmid mit seiner Ku-Tec GmbH in einem angemieteten Gebäude. Seit August ist damit Schluss. Denn der gelernte Elektriker ist mit den 14 Mitarbeitern an einem neuen, eigenen Standort in Laichingen gezogen. Dort produziert er Kunstoffspritzteile für Haushaltsgeräte, Landmaschinen oder den Agrarbereich. Rund eine Millionen Euro hat der 45-Jährige in seine neue 850 m2 große Produktionshalle mit angeschlossenem Büro investiert. „Hier haben wir unsere Arbeitsprozesse optimiert und Platz für weiteres Wachstum“, berichtet Schmid, der vorwiegend für regionale Kunden tätig ist.
Veränderungen gibt es bei Ku-Tec auch in Sachen Stromversorgung. Denn der Unternehmer hat eine Solaranlage aufs Dach seiner neuen Halle gepackt. Diese verfügt über knapp 100 kWp-Modulleistung und versorgt seine acht Maschinen mit Strom. „Meine Anlage ist so ausgelegt, dass rund 80 Prozent des erzeugten Stroms direkt in den Maschinenbetrieb fließen. Den Überschuss speisen wir ins Netz“, sagt Schmid. Unterstützung bei der Planung hat er sich bei einem Energieberater der Steinbeis-Stiftung geholt. „Obwohl komplett fremdfinanziert, wird sich die Photovoltaik-Anlage innerhalb von neun Jahren amortisieren“, berichtet Schmid.
„Für Gewerbebetriebe bleibt Solarstrom trotz EEG-Umlage weiterhin sehr lukrativ“, bekräftig auch Energieexperte Michael Aigner. Der Geschäftsführer der Laichinger Aton-Solar hat sich auf Planung und Vertrieb von PV-Anlagen und Speicher namhafter Hersteller spezialisiert. Er war ebenfalls an der Umsetzung von Schmids Anlage beteiligt. Seit 2006 seien die Preise für Solaranlagen um fast 70 % gesunken, berichtet Aigner. „Zudem wird in Unternehmen der erzeugte Strom genau dann verbraucht, wenn er erzeugt wird. Tagsüber, wenn die Maschinen auf Hochtouren laufen.“
Deshalb könnten Firmen auf zusätzliche Speichertechnologien oft verzichten. Wer beim Einsatz von Solaranlagen auf Eigenverbrauch anstatt die sinkende Einspeisevergütung setze, erhalte dank reduzierter Stromkosten deutliche Renditen. „Jährlich können PV-Anlagen so zehn und mehr Prozent ihrer Kosten wieder einspielen. Und dies dank der immer längeren Haltbarkeit der Solarmodule 30 Jahren und mehr“, bilanziert Aigner.
Dafür muss die PV-Anlage auf einen möglichst hohen Eigenstromverbrauch ausgelegt sein. Solar-Spezialist Aigner hat dafür ein eigenes Verfahren entwickelt. Energieversorger führen normalerweise erst ab einem Jahresstromverbrauch von 100 000 kWh eine Lastganganalyse durch. Aigners Verfahren hingegen ist so flexibel, dass es bei Anlagen aller Größenordnung zum Einsatz kommt und aktuelle Verbrauchswerte präzise im Minutentakt misst. Anschließend visualisieren seine Planer die Messungen in einer Lastkurve. Über diese legen sie den potentiellen Ertrag der geplanten PV-Anlage und, falls gewünscht, die dazugehörige Speichertechnologie. „Dank dieser Daten können wir genaue Wirtschaftlichkeitsberechnungen durchführen und die Anlagen perfekt auf den Eigenverbrauch auslegen“, erklärt Aigner.
Die minutengenaue Erfassung des Verbrauchs ist eine wesentliche Komponente für den Erfolg einer PV-Anlage. „Denn der Strom wird bei Gewerbekunden sowohl nach dem tatsächlichen Verbrauch als auch nach der Leistung (Lastspitzen) abgerechnet“, so Aigner. Deshalb müssten die Arbeitsprozesse im Betrieb bei der Planung genau berücksichtigt werden. Und nennt ein Beispiel: „Es kann sinnvoller sein, mehr Solarmodule auf dem Ost- als auf dem Westdach zu installieren, wenn gerade morgens der Stromverbrauch höher ist.“
Oft laufen energieintensive Maschinen nur stundenweise, um Metallteile zu fräßen oder Bretter zu zersägen. Dann sollten die PV-Module ihre Effizienz vollständig ausschöpfen. So sinken die Kosten für fremd eingekauften Strom zu einem Zeitpunkt, zu dem dieser besonders teuer ist. Nicht zuletzt lassen sich über eine Software dialogfähige Maschinen und Geräte so ansteuern, dass Lastkurven abgemildert werden. „Das bringt ebenfalls eine Ersparnis“, so Experte Aigner.
Solarstromspeicher seien für Unternehmen ebenfalls eine Überlegung wert. Denn die Solaranlage erzeuge auch am Wochenende oder in den Betriebsferien Strom. Dann also, wenn er im Unternehmen zunächst nicht gebraucht werde. „Durch einen solchen Speicher können sich Betriebe unabhängiger vom täglichen Sonnenschein machen. Und sollte der Netzstrom einmal ausfallen, springt er als Backup-System ein“, erklärt Aigner. Nicht selten nutzten Unternehmer ihren Sonnenstrom zudem nicht nur für den Betrieb. „Sie setzen ihn ebenfalls im benachbarten Eigenheim ein.“
Auch für Goldbeck Solar- Geschäftsführer Björn Lamprecht ist der Stromeigenverbrauch derzeit in Deutschland ein starkes Verkaufsargument bei seinen gewerblichen und industriellen Kunden. Das Hirschberger Unternehmen ist international unterwegs und hat sich auf gewerbliche PV-Anlagen für Flachdach, Freiland und Fassaden ab einer Größe von 200 kWp spezialisiert. „Die Gestellungskosten liegen bei der PV-Eigenstromversorgung zwischen fünf und neun Cent je Kilowatt“, so Lamprecht. „Bei einem Fremdstrombezug von bis zu 18 Cent liegen die Vorteile des Eigenstromverbrauchs auf der Hand. Zusätzliche Effekte durch die Einspeisevergütung fallen da nur noch wenig ins Gewicht.“ Im vergangen Geschäftsjahr hat Goldbeck-Solar 120 Mio. Euro umgesetzt. „In diesem Jahr erwarten wir ein deutliches Plus“, so der Geschäftsführer. Auch dank weiterer Beratungs- und Umsetzungsleistungen von energetischen Komponenten bis hin zur Geothermie.
Auch Ku-Tec-Geschäftsführer Ulrich Schmid hat nicht nur Solarstrom im Einsatz. Dank eines ausgeklügelten Energiemanagementsystems hat er sich komplett von fossilen Brennstoffen verabschiedet. So nutzt er beispielsweise die Abwärme seiner Maschinen zur Beheizung der Sozialräume. Eine hochmoderne Kühlanlage ist ebenfalls fest in die Produktionsabläufe eingebunden. Gepaart mit der Photovoltaik will sich Schmid so künftig rund 50 % seiner Energiekosten jährlich einsparen. •
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