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Gangway zum Windrad

Energieeffizienz
Gangway zum Windrad

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Wartung | Mit der „Esvagt Froude“ und der „Esvagt Faraday“ hat die Windenergie-Sparte von Siemens zwei Service-Schiffe für Offshore-Windparks in Betrieb genommen. Die schwimmenden Werkstätten können mit Service-Team und einem großen Ersatzteillager mehrere Wochen in einem Windpark ankern.

Künftig soll ein Großteil des Stroms aus erneuerbaren Energien stammen. Offshore-Windparks, also Windanlagen vor der Küste, sind dabei besonders zukunftsträchtig, denn sie sind, anders als an Land, noch im großen Stil ausbaufähig. Außerdem weht der Wind auf See stetiger und stärker. Doch die Wartung von Offshore-Windturbinen kann eine Herausforderung sein. Das gilt besonders für Windparks der neuesten Generation, die im Vergleich zu ihren Vorgängern größer sind und weiter vor der Küste liegen. Bei rauem Wetter sind die Anlagen nur schwer zu erreichen.

Die beiden neuen Service-Schiffe Esvagt Froude und Esvagt Faraday von Siemens sollen nun die Wartung und Instandhaltung von Offshore-Windparks revolutionieren. Mit moderner Technik werden witterungsbedingte Risiken minimiert. Zudem können die schwimmenden Werkstätten erstmals über längere Zeit in der Nähe der Windparks ankern. Damit ist die neue Generation von Service-Schiffen für Windparks auf dem Meer sicherer, schneller und zuverlässiger als alle ihre Vorgänger.
Bereits das auffällige Design verrät, dass es sich bei den neuen Modellen um keine gewöhnliche Technik handelt. „Die 84 Meter langen Schiffe ermöglichen neue Wege für den Service und die Planung der Wartungsarbeiten“, erklärt René Wigmans, Leiter von Maritime and Aviation Solutions bei Siemens Service Wind Power. „Da sie für mehrere Wochen am Stück im Windpark stationiert sind, können die Techniker sozusagen zur Arbeit laufen.“ Auf diese Weise sollen die Schlechtwetter-Ausfallzeiten verringert und die Effizienz gesteigert werden. Der Einsatz der Techniker an den Turbinen wird zudem sicherer und komfortabler. Und schließlich lassen sich die Schiffe als Lagerraum mitten im Windpark nutzen.
Der Vertrag für den Bau der beiden Schiffe wurde 2013 mit der dänischen Reederei Esvagt unterzeichnet. Der Rumpf wurde in der Türkei produziert. Fertig gestellt wurden die Schiffe in der Werft Havyard Ship Technology in Norwegen, die sich auf den Bau von Spezialschiffen für die Öl- und Gasindustrie spezialisiert hat. Doch selbst für die Norweger waren die beiden Schiffe außergewöhnlich, nicht zuletzt wegen ihrer bisher einmaligen Funktionalität. „Je weiter das Einsatzgebiet von der Küste entfernt liegt, desto mehr werden individuelle Lösungen gebraucht“, erklärt Esvagt-Chef Søren Thomsen.
So haben die beiden Schiffe einen hohen und gekrümmten Bug. Der sichert eine hohe Geschwindigkeit bei gleichzeitig ruhiger Lage, auch bei rauer See. Charakteristisch sind auch die großen Kabinenfenster sowie die mächtige, asymmetrische und verglaste Brücke. Das große Achterdeck bietet Platz für mehrere Kräne und ein Transportschiff. Unterhalb des Decks befindet sich zudem eine 430 m² große Lagerhalle mit Platz für sechs Standardcontainer mit tausenden von Ersatzteilen für die Windkraftanlagen. Bisher wurde jedes fehlende Ersatzteil mit kleineren Schiffen herbei transportiert. Die waren dafür oft mehrere Stunden unterwegs. Mit den neuen Schiffen befindet sich das Ersatzteillager nun direkt vor Ort.
„Service-Schiffe wie die Esvagt Froude und Esvagt Faraday sind ein lang ersehntes Puzzle-Teil für die Offshore-Wartung“, sagt Ingo Bischof, Siemens Project Manager Offshore Service für den Windpark Butendiek in der Nordsee. „Ein Windpark braucht einen gut abgestimmten Monitoring-Plan und den können wir mit unseren SOVs liefern.“ Der englische Begriff für Service-Schiff ist Service Operation Vessel, kurz SOV. In den Windparks sind bis zu 80 Turbinen im Einsatz. Für jede Anlage mussten die Techniker bisher mit einer Anreisezeit von rund einer halben Stunde rechnen. Mit den SOVs werden die Reisezeiten reduziert und die Techniker sicherer transportiert. „Außerdem können wir im Vergleich zu früher auch bei schlechteren Wetterbedingungen noch arbeiten“, versichert Bischof.
Eine weitere Besonderheit der Schiffe ist eine Gangway, die auch unter schwierigen Bedingungen mit starkem Wellengang den Zugang zu den Windrädern sicherstellt. Bei der Technik der holländischen Firma Ampelmann handelt es sich nicht um eine statische Bühne, sondern um eine 25 m lange, hydraulische Gangway, die sich automatisch dem Wellengang anpasst. Während sich das Schiff hebt und senkt bleibt das System stets in einer stabilen Lage. Das Ganze funktioniert auch noch bei einer Wellenhöhe von 2,5 m. Zum Manövrieren in küstenfernen Gewässern braucht es neben einer stabilen Gangway auch einen besonderen Antrieb. Die Dieselmotoren sind mit dem Blue-Drive-System von Siemens ausgestattet und laufen mit niedriger Drehzahl, was Treibstoff spart. Das ist ein wichtiger Aspekt, wenn die Schiffe in den Windparks lange Zeit in einer Position verharren müssen.
Die Esvagt Froude soll von ihrem Heimathafen Rostock aus für den Service und die Wartung des Baltic2-Windparks sorgen. Das Schwesternschiff Esvagt Faraday wird sein Einsatzgebiet im Windpark Butendiek vom Hafen Esbjerg aus erreichen. Schon einmal hat Siemens ein Schiff auf den Namen Faraday getauft. Das war im Jahr 1874. Die Faraday hat damals erfolgreich rund 93 000 km Seekabel verlegt. Auch die neue Schiffsgeneration soll wieder Geschichte schreiben. (ub) •
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