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Hannover Messe öffnet Forschung die Tür zur Anwendung

Hannover Messe 2022: Future Hub
Forscher-Halle 2 – ein Wahrzeichen der Hannover Messe

Sie ist wieder da, die unnachahmliche Spezialität der Hannover Messe: die Forscher-Halle 2. Mit tragfähigen F+E-Ergebnissen laden Institute und Start-ups ein, anzuknüpfen und innovativ zu werden. Für Unternehmer mit Aufbruchstimmung ist der Besuch ein Muss.

Es gibt kaum eine Industriemesse, die Forschung in dieser Breite publik macht wie die Hannover Messe und für Technologietransfer in einer so großen Vielfalt sorgt. Aufgrund ihres Themenquerschnitts kann dies auch nur die große Industrieleitmesse leisten. Der „Future Hub“ wird zur Chance für alle Unternehmer, die neue Ideen suchen und auf neue Impulse aus sind.

Dazu gehört, dass kein Forschungsthema außen vor bleibt, das relevant ist für die Industrie – und oft genug bis in Politik und Gesellschaft hinein Belang hat, wie jetzt die Klimakrise mit ihren Folgen. So liefert das KIT in Halle 2, Stand B40, auch Ergebnisse aus der Klima- und Risikoforschung, die nach der Flut-Katastrophe im Ahrtal von hoher Aktualität sind. „Klimaforschung nutzbar machen für die Gesellschaft, Risiken verstehen und reduzieren“ überschreiben die Karlsruher ihr Engagement. Die weiteren Schwerpunkte des KIT richten sich primär an die Industrie mit Themen wie „Sicherheit für Energiesysteme“, „Herstellung von grünem Wasserstoff“ oder „intelligentes Datenmanagement für Unternehmen“.

Forschungsinstitute als Impulsgeber

Die Messe-Website listet 141 Aussteller zum Thema „Startups“ auf und 58 zu „Future of Work“ – Stand Anfang Mai. Den Löwenanteil der Aussteller im Future Hub machen jedoch Institute aus, die anwendungsnahe Forschungsergebnisse präsentieren. Sie liefern Anstöße für Unternehmen, innovativ zu werden. 255 F+E-Projekte sind der Website zufolge in Hannover ein Thema, davon 180 im Messebereich Future Hub.

Angesichts der Vielfalt ist es kein Wunder, dass längst nicht alle in der Forscher-Halle 2 zu finden sind – sie verteilen sich auf die ganze Messe. Allein die Fraunhofer-Gesellschaft hat sich auf ihrem großen Gemeinschaftsstand in Halle 5 (A06) mit 22 Ausstellern angemeldet – die Zahl der beteiligten Institute und Institutsteile ist aber höher und verteilt sich ebenfalls auf die Hallen.

Projekt „Papierspritzguss“

Einige Institute haben früh Einblicke in ihr Messeprogramm gewährt. Aus ihren Infos liefern wir hier einen weiteren Vorgeschmack (nach unserem ersten Bericht) was die Besucher im Future Hub erwartet – natürlich nur auszugsweise:

Das Kunststoff-Institut Lüdenscheid (KIMW) in Halle 2, Stand A30, geht mit seinem erfolgreichen Verbundprojekt „Papierspritzguss“ in die zweite Phase und lädt Unternehmen ein, sich an dem Vorhaben für innovative Werkstoffalternativen zu beteiligen. Für Besucher werben die Kunststoff-Experten auch selbst mit der „geballten Konzentration von Forschungs- und Entwicklungsthemen in Halle 2“ und möchten Interessierte für Verbundprojekte gewinnen, dieses Jahr mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit.

Das Innovationsnetz „Poly4Nature“ des KIMW will Rohstoffe für natürliche Polymere identifizieren, um sich von petrochemischen Quellen zu lösen. Ziel sei es, neue Wertschöpfungsquellen zu platzieren und „Deutschland als OEM-Zulieferer für Naturwerkstoffe zu platzieren“.

Qualitätslevel für Rezyklate

In weiteren KIMW-Projekten geht es um Kunststoffrecycling und den Einsatz von Rezyklaten. Unternehmen wird angeboten, sich diesen Themen verstärkt zu widmen. Die Wissenschaftler schlagen vor, gemeinsam Handlungsempfehlungen zu Rezyklat-, Prozess- und Produktqualitäten zu erarbeiten. In einem weiteren Projekt stuft das Institut diverse Kunststoffrezyklate in Qualitätslevel ein gemäß der neuen Norm DIN SPEC 91446, um auf diese Weise eine gemeinschaftliche Geschäftsbasis für Anwender und Anbieter von Rezyklaten zu schaffen.

Das KIMW wäre nicht das KIMW, würde es nicht auch tief in die Kunststoffverarbeitung blicken. Ein Thema ist beispielsweise ein „Smart Monitoring“, bei dem Körperschallwellen über den Zustand von Spritzgießwerkzeugen informieren.

Virtuell trainieren – bis jeder Handgriff sitzt

Das Fraunhofer IGD aus Rostock stellt mit „Machine@Hand 2.0“ bereits die zweite Version seiner virtuellen Trainingsumgebung vor (Halle 5, Stand 06). Die Wissenschaftler wollen das große Potenzial von Virtual Reality (VR) zur Mitarbeiterqualifizierung heben, das seit Jahren im Blick auf griffige ökonomische Vorteile diskutiert wird.

Spätestens seit Audi eine virtuelle Montageplanung für neue Fahrzeugmodelle mit einem VR-System umsetzt, habe sich VR als kostensparendes, digitales Verfahren etabliert, argumentieren die Rostocker. Sie verstehen sich als technologischer Partner der Automobilindustrie: Jeder Arbeitsschritt in der Produktion könne durch virtuelle Realität getestet und trainiert werden, sagen sie. So sitzt jeder Handgriff, noch bevor das erste echte Fahrzeug vom Band rollt.

Herausfordernd sei noch das Erstellen der Trainingsinhalte, die auf Bauteil, Ablauf in der Produktion oder Wartungsszenario angepasst sein müssten. Hier bringt „Machine&Hand“ starke Erleichterung: Ausbilder können Bauteile und ihre Komponenten ohne Umwege als 3D- oder CAD-Modell direkt in das System laden und für die VR-Trainingselemente nutzen.

Noch ein weiteres Plus erarbeitet das Instituts derzeit: Machine&Hand soll künftig auch Teamabläufe ermöglichen, so dass Kollegen aus unterschiedlichen Standorten gemeinsam virtuell trainieren können.

Die Brücke zur künstlichen Intelligenz schlägt die Software „Marquis“ des IGD. Sie dient der automatischen Bauteilkontrolle – ein weiteres Thema in Hannover. Marquis nutzt Bilder, die synthetisch aus dem CAD-Modell generiert werden, und gleicht sie mit den vorliegenden Bauteilen ab. Reale Fotos braucht sie dafür nicht. Die Vorlaufzeit reduziere sich dadurch von Wochen auf Tage.

Roboter, die anspannen und locker lassen

Die menschnahe Robotik voranzutreiben, hat sich ein Team des Fraunhofer IWU (Halle 5, Stand A06) vorgenommen: Soll der Roboter den Menschen unterstützen, muss er selbst menschlicher werden – also rechtzeitig locker lassen, ausweichen und dies auch erkennen. „Wir arbeiten an Strukturen, die eine schaltbare Steifigkeit haben – die also zwischen steif und weich wechseln können“, erklärt Linda Weisheit vom IWU. Wie bei einer Kaffeepackung: Vakuumverpackt ist sie hart, dringt dagegen Luft ein, ist sie weich.

Ein erster Schritt ist getan: Die Forscher haben entsprechende Strukturkomponenten entwickelt, mit Sensorik und Aktorik verbunden sowie mit einer Gestensteuerung kombiniert. Dieser Roboterarm führt planare Bewegungen aus und wird in Hannover zu sehen sein. (os)



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