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Erwartungen bereits im Vorfeld übertroffen

Automatica: Nagelprobe für das neue Roboter-Mekka
Erwartungen bereits im Vorfeld übertroffen

Am 15. Juni 2004 ist es soweit. Die erste Automatica, Fachmesse für Robotik und Automation, öffnet ihre Tore. Über 500 Firmen haben sich angemeldet – weit mehr, als dieVeranstalter erwartet hatten.

Andreas Beuthner ist Fachjournalist in Stockdorf

Die Roboterbranche wechselt ihren Messestandort und fährt erstmals nach München. Im Reisegepäck führen die Hersteller nicht nur ihr aktuelles Produktportfolio mit. Den Ausstellern geht es auch um eine Technikpräsentation, die die gesamte industrielle Wertschöpfungskette abdeckt. Das liegt nahe, denn im Zusammenspiel der produktionstechnischen Systeme übernehmen automatisierte Anlagen und Roboter eine Schlüsselrolle.
Die Automatica ist die erste internationale Fachmesse, die alle Bereiche der Robotik und Automation unter einem Dach vereint. Sie findet vom 15. bis 18. Juni 2004 auf dem Gelände der Neuen Messe München statt und zeigt im zweijährigen Rhythmus die Techniktrends aus den Bereichen Robotik, Montage- und Handhabungstechnik sowie der industriellen Bildverarbeitung.
Den größten Fortschritt bei den Systemen sieht der Fachverband Robotik + Automation im VDMA in einem Paradigmenwechsel der Mensch-Maschine-Schnittstelle. Laut Joachim Rohwedder, Vorstand des Fachverbandes, ermöglichen moderne Programmierwerkzeuge nicht nur mehr Bedienkomfort. Bessere Mensch-Maschine-Schnittstellen werden in Kürze Roboter ermöglichen, „die den Werker mobil begleiten und unterschiedliche Tätigkeiten übernehmen können“, sagt Rohwedder.
Bernd Liepert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Kuka Roboter GmbH (Halle A3, Stand 103), bezeichnet die Premiere in München bereits heute als Erfolg: „Mit weit über 500 Ausstellern hat die Automatica schon jetzt unsere Erwartungen übertroffen“, freut sich Liepert. Der renommierte Hersteller aus Augsburg ist mit dem neuen Messestandort und dem fachlich orientierten Angebot vollauf zufrieden. „Wir freuen uns auf die Veranstaltung. Sie wird den Anforderungen unserer Branche am besten gerecht“, betont Liepert. Der Hannover Messe weint bei Kuka niemand nach. Die Gründe für den Umzug von Hannover nach München seien absolut nachvollziehbar gewesen. Laut Liepert hätte das Konzept einer prozesskettenorientierten Fachmesse innerhalb der breit aufgestellten Hannover Messe nicht entsprechend transportiert werden können.
Auf dem Messestand, das verspricht Liepert mit einem Augenzwinkern, wird die neueste Generation an Robotern auftreten. Der Hersteller hat sich etwas Besonderes einfallen lassen, verrät aber keine Details. In München werden sicherlich die fünfachsigen Long-Range-Roboter ihr Können präsentieren. Dieser Typ erreicht mit einem Radius von 3,5 m bis zu sechs Europalettenplätze. Oder die neuen Schwerlastroboter, die 500 kg aus dem Stand hochheben und mit elegantem Schwung zielsicher wieder absetzen. „Wir werden die Zukunftsthemen der Robotertechnik und Lösungen für eine wirtschaftliche Automatisierung auf außergewöhnliche Weise zeigen.“ Mehr war dem Kuka-Chef nicht zu entlocken.
Stillstand in der Entwicklung neuer Kinematiken und schnellerer Steuerungen kennt die Branche nicht. Die ABB Robotics GmbH (Halle A3, Stand 121) feiert gerade den Einzug der fünften Generation ihrer Robotersteuerung IRC5. Die Controllerhardware basiert auf einem Standard-Industrie-PC und bewegt gleichzeitig bis zu vier Manipulatoren mit insgesamt 36 Achsen. Der Clou der Steuerungseinheit liegt nach Firmenangaben in der so genannten Multimove-Funktion: Das Programm liefert für die angeschlossenen Manipulatoren nicht nur die benötigten Anweisungen, sondern kann die Roboterarme samt Greifer auch synchron oder vollständig koordiniert bewegen.
Gleiches gilt für das Programmiergeräte Flexpendant. Dabei handelt es sich um ein autarkes Computersystem, das die Programmbefehle für mehrere Robotersteuerungen liefert. Mit Hilfe eines Touch Screen dirigiert der Anwender die Robotereinheiten mit applikationsspezifischen Bedienkonzepten. Der Zugriff erfolgt über Robotstudio, einer Schnittstelle, über die sich der Programmcode prüfen und erweitern lässt.
Gründlich vorbereitet auf die Präsentation in München hat sich die Fanuc Robotics Deutschland GmbH (Halle A3, Stand 321) aus Neuhausen. Die Tochtergesellschaft der japanischen Fanuc Ltd. stellt zusammen mit dem Mutterunternehmen auf 416 m² den aktuellen technischen Stand seiner Produkt- und Systempalette vor. Der Hersteller hat sich nicht nur ein überarbeitetes Design für den Messestand zugelegt. Michael Knaf, Geschäftsführer von Fanuc Robotics Deutschland, knüpft auch hohe Erwartungen an den Messeauftritt: „Die Automatica hat für uns einen hohen Stellenwert. Denn mit dieser Messe hat unsere Branche ein neues Gesicht.“
Das gilt zum einen natürlich für die Präsentation neuer Produkte und Systeme. Dadurch, so Knaf, könne das Unternehmen seine Leistungsfähigkeit und führende Marktposition unterstreichen. Zum anderen biete die Automatica dem Besucher einen Überblick über aktuelle Entwicklungen in ganz konzentrierter Form. Fanuc Robotics will vor allem seinen neuen Schwerlast-Roboter M-900iA mit einer Traglast von 600 kg in den Mittelpunkt stellen. Dabei denkt der Hersteller an Handlingaufgaben in der Automobil- und grobkeramischen Industrie und an das Palettieren großer Massen in der Getränkeindustrie. Daneben sind neue Lasersysteme zu sehen, beispielsweise ein diodengepumpter YAG-Laser mit 4,4 kW. Aus der engen Zusammenarbeit mit dem Systempartner Paal aus Remshalden ist eine Picker-Roboterzelle mit zwei schnellen M-6iB/6S-Robotern und dem Visionsystem V-500i entstanden. Die so genannte Elematic-Zelle erreicht eine Leistung von je 120 Picks/min und Roboter. Das Visionsystem V-500i/V-510i stammt aus der eigenen Entwicklungsabteilung. „Die Struktur der Messe gibt uns die Chance, alle Zielmärkte offensiv anzugehen“, sagt der Vertriebsleiter von Fanuc Robotics Deutschland, Gerald Mies.
Die Entwicklung und Fertigung von Robotern und Peripheriekomponenten für anspruchsvolle Aufgaben mit höchster Bahngenauigkeit hat sich die Obernburger Reis GmbH & Co. Maschinenfabrik (Halle A3, Stand 111) auf die Fahnen geschrieben. „Wir sind insbesondere hinsichtlich der Kriterien Fachpublikum und Internationalität sehr gespannt“, sagt Reis-Geschäftsführer Michael Wenzel. Der Umzug von der Industriemesse in Hannover in die bayerische Landeshauptstadt ist Reis nicht schwergefallen. Laut Wenzel liegt der Fokus der Automatica viel stärker auf dem interessierten Fachpublikum: „Dieser Idee der Fokussierung würde ein Mehr-Messen-Konzept konträr gegenüberstehen“, so Wenzel.
Roboter können auch für spezielle Anforderungen gebaut werden. Die größten Märkte mit Sonderanforderungen sind der Lebensmittel- und Arzneimittelbereich. Hier dürfen nur Roboter mit einer Qualifikation für Reinraum-Anwendungen zum Einsatz kommen. Reis hat mehrere Handlinggeräte für den Einsatz im Vakuum und in Ex-Schutz-Ausführung. In diesem Fall dürfen während der Arbeit keine Funken auftreten, damit die Automaten auch mit explosionsgefährdeten Stoffen umgehen können.
Mit von der Partie ist auch Mitsubishi Electric Europe BV (Halle A3, Stand 238) aus Ratingen. Das Unternehmen konzentriert sich auf Knickarmroboter im unteren Traglastbereich und spricht mittelständische Automobilzulieferer an. Das Highlight ist ein 6-Achsen-Knickarm-Roboter, der bis zu 12 kg schwere Teile handhaben kann. Mit einer Wiederholgenauigkeit von 0,05 mm und einer Geschwindigkeit von 9500 mm/s gehört der RV-12SL zu den schnellen Robotern.
Die Bildverarbeitung ist in Automatisierungsszenarien mit Robotern nicht mehr wegzudenken. Die Isra Vision Systems AG (Halle A3, Stand 100) geht mit viel Optimismus nach München. Gabriele Jansen, Divison Manager bei Isra, sieht im Messekonzept den richtigen Ansatz: „Es basiert auf fundierten Marktkenntnissen, ist industriegetrieben und damit marktrelevant“, bringt es Jansen auf den Punkt. Die Darmstädter treten mit mehreren Neuigkeiten an, darunter ein Visual-Servo-System auf der Basis einer 3D-Positionserfassung von Bauteilen im Raum. Der Clou: Mit nur einer Kamera lassen sich alle sechs Freiheitsgrade eines dreidimensionalen Objekts bestimmen.
Schwerlastroboter wuchten 500 kg aus dem Stand
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