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„Auch in China genießen gebrauchte deutsche Maschinen hohes Ansehen“

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„Auch in China genießen gebrauchte deutsche Maschinen hohes Ansehen“

Hans-Jürgen Geiger, Präsident des EAMTM, Brüssel: (Bild: Geiger) „Die wichtigsten Märkte für gebrauchte Werkzeugmaschinen sind zurzeit in Asien.“
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Seit einem Jahr ist Hans-Jürgen Geiger aus Metzingen Präsident der European Association of Machine Tool Merchants in Brüssel. Im Exklusiv-Interview gibt er Einblick in die Aktivitäten des Händlerverbandes und beantwortet Fragen zur Entwicklung der internationalen Märkte.

Das Gespräch führte Dr. Rolf Lanbein Chefredakteur Industrieanzeiger

Herr Geiger, zum Verständnis für unsere Leser: Ist der EAMTM ein europäischer Dachverband von Verbänden oder sind die Händler direkt Mitglieder des Verbandes?
Firmen, nicht Verbände, sind Mitglieder des EAMTM. Aktuell hat der Verband 277 Mitglieder aus 23 Ländern. Das sind ausschließlich Händler von gebrauchten Werkzeugmaschinen. Eine Ausnahme bilden Versteigerer.
Was macht den Verband attraktiv für eine Mitgliedschaft, welche Vorteile genießen seine Mitglieder?
Zunächst einmal bietet der Verband seinen Mitgliedern ein kostenloses Portal im Internet. Es ist das größte internationale Portal mit über 15 000 eigenen Maschinen und das in zehn Sprachen. Derzeit fallen weder für Anbieter noch für Anfragende Kosten an.
Und wie finanziert der Verband das Portal?
Zurzeit über den Mitgliedsbeitrag. Das wird sich aber ändern. In naher Zukunft werden wohl die neuen Mitglieder für den Eintrag bezahlen müssen. Das wäre gerechter, denn jetzt finanzieren über den Mitgliedsbeitrag auch diejenigen das Portal, die keine Maschinen ins Netz stellen.
Welche Vorteile bietet der Verband über das Portal hinaus?
Da ist die Verbandszeitung Machinery World zu nennen, die seit einem halben Jahr in Deutsch/Englisch erscheint. Ein weiterer Schwerpunkt sind Messen. So nimmt der Verband mit Gemeinschaftsständen an Messen teil und unterstützt insbesondere die Resale in Karlsruhe. Die einzelnen Länderverbände, die autark sind, veranstalten auch eigene Messen, etwa in Deutschland, in Italien oder in den Niederlanden. Natürlich ist die Resale die wichtigste Messse. Der EAMTM hat dort etwas mehr als 80 Aussteller gestellt.
Sie veranstalten alljährlich ein großes Meeting. Was steht da mehr im Vordergrund, das Geschäftliche oder das Gesellschaftliche?
Wir verbinden das eine mit dem anderen. Das zeigen schon die Plätze, an denen wir uns jeweils für drei Tage treffen. In diesem Jahr waren wir in Rhodos und das nächste Treffen wird in Valencia sein.
Zur geschäftlichen Seite zählen die Generalversammlung, der Merchants Day und die Brunches der Länderverbände.
Was müssen wir uns unter dem Merchants Day vorstellen?
An dem Tag machen die Mitglieder untereinander Geschäfte. Da bieten die Händler ihren Kollegen Maschinen an. Es ist praktisch ein Handelstausch- und Informationstag.
Herr Geiger, wie beurteilen Sie zurzeit die Geschäfte im Bereich gebrauchter Werkzeugmaschinen?
Im Ausland laufen die Geschäfte gut, im Inland nicht. So machen wir rund 60 Prozent unseres Umsatzes im Export und 40 Prozent im Inland. Ich gehe aber davon aus, dass von den 40 Prozent nochmals etwa 20 Prozent ins Ausland gehen. Denn viele Unternehmen kaufen in Deutschland auch für ihre ausländischen Niederlassungen ein.
Stammen die von Ihnen angebotenen Maschinen in erster Linie aus Deutschland oder kaufen Sie in aller Welt ein?
Es kommt vor, dass wir Maschinen im Ausland einkaufen. Aber in der Hauptsache stammen unsere Maschinen aus Deutschland. Die Vorlaufkosten, die oft auf den Maschinen im Ausland liegen, machen diese Maschinen in vielen Fällen zu teuer.
Wie informieren Sie potenzielle Kunden weltweit über Ihr Maschinenangebot?
Wir werben in Fachzeitschriften, stellen auf Messen aus und haben ein vielfältiges Angebot im Internet. Auf der Homepage unseres Unternehmens www.geiger-germany.com stehen etwa 500 Maschinen in Deutsch und Englisch. Dazu finden Sie zum Teil mehrere Fotos aus verschiedenen Ansichten. Solche Verkaufsinstrumente möchten wir auf keinen Fall mehr missen.
Welche Märkte sind für Sie im Augenblick vordergründig von Interesse?
Eindeutig die Märkte in Asien.
Spielt der US-Markt für Sie eine unbedeutende Rolle?
Die Dollarabwertung und die Konjunktur in unserem Sektor, die weniger gut ist als in der Presse dargestellt, haben eine deutliche Zurückhaltung ausgelöst. Die Amerikaner lieben zwar deutsche Maschinen – erst recht deutschstämmige Amerikaner – aber ich glaube, es fehlt das positive Investitionsklima.
Wie würde Ihr Ranking hinsichtlich der Märkte in Asien ausfallen?
China, Korea, Indien.
Bisher war stets zu hören, dass die Chinesen in erster Linie High-Tech-Maschinen einkaufen. Da ist es schon erstaunlich, dass Sie im Ranking der Märkte für Gebrauchtmaschinen China an die Spitze stellen.
In vielen Ländern führt der Weg zu einer neuen Maschine über eine gebrauchte. Das könnte in China durchaus auch der Fall sein.
Liegt das nicht auch daran, dass heutige Gebrauchtmaschinen viel jünger als früher sind und daher technologisch hochwertiger?
Ganz sicher sind Gebrauchtmaschinen heute viel jünger. Und auch technologisch können sie kaum als veraltet bezeichnet werden.
Wie können Sie auf fernen Märkten die Gewährleistung garantieren?
Indem Sie zum einen den Partner ganz genau anschauen und natürlich auch die zu liefernde Maschine. Wenn da eine Unsicherheit sein sollte, müssen Sie das vor Ort richtig stellen und nicht ausliefern oder Sie müssen dann in China einen Service leisten.
Die Gewährleistung gilt ja nur für die Garantiezeit. Wie lange laufen die Garantien üblicherweise?
Drei, sechs oder zwölf Monate, je nach Vertrag. Dabei gilt die Gewährleistung auf Funktion und Ersatzteillieferung, nicht immer nur auf Genauigkeit.
Sehen Sie in China noch ein großes Potenzial für gebrauchte Maschinen und wenn ja, wo liegen die Gründe?
Ganz sicher ist da ein großes Potenzial. Preis und Qualität spielen eine wesentliche Rolle. Der große Vorteil deutscher Gebrauchtmaschinen ist, dass sie funktionieren. Andere machen zwar jede Schraube nach, aber das funktioniert nicht.
Die Chinesen bauen zunehmend selber Maschinen. Machen die Ihnen das Geschäft kaputt?
Das wissen wir noch nicht. Da ist natürlich ein riesiges Potenzial vorhanden. Und wenn die Entwicklung so fortschreitet, können die Chinesen den eigenen Verbrauch nicht decken. Das könnten selbst wir nicht.
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