Der Markt für Cloud-Computing ist groß und unübersichtlich

Die Wolke ist Vertrauenssache

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Wer Services aus der Cloud nutzen möchte, dem steht ein breiter Markt zur Verfügung. Aber nicht immer verbirgt sich hinter dem Etikett das gleiche. Anwender müssen die Angebote sorgfältig prüfen. Orientierung können Zertifikate geben.

Cloud-Computing ist nach wie vor eines der großen Trendthemen in der IT. Das Technologiekonzept hat sich mittlerweile bei den Anwendern etabliert – zumindest für bestimmte Einsatzbereiche wie zum Beispiel Collaboration oder Kundenbeziehungsmanagement (CRM). Die Zahl von Cloud-Services wächst rapide an. Es gibt kaum einen IT-Anbieter, der nicht versucht, seine Produkte oder zumindest Teile davon in der Cloud bereit zu stellen.

Das Angebot ist groß, aber auch unübersichtlich. Dies erschwert die Auswahl für die Anwender. Das Problem: Nicht alles, was als Cloud bezeichnet wird, trägt dieses Etikett zu Recht.
„Unter den Cloud-Anbietern gibt es eine ganze Reihe schwarzer Schafe“, meint etwa Heiko Henkes, Senior Analyst beim Marktforschungshaus Techconsult. Wenn Services nicht skalierbar sind oder ihnen kein flexibles Preismodell zugrunde liegt, könne man sie nicht als wirkliche Cloud-Dienste bezeichnen. „Bei solchen Angeboten handelt es sich tatsächlich eher um Outsourcing im klassischen Sinn und nicht um Cloud-Computing“, so Henkes.
Auch die Analysten der Experton Group stellen fest, dass sich nicht jeder Anbieter zu Recht mit dem Label „Cloud“ schmückt. Für ihren Cloud Vendor Benchmark untersuchten sie über 350 Anbieter, die den Begriff für sich in Anspruch nehmen. Am Ende waren es laut Experton Group nur 109 Provider, die über ein ernstzunehmendes Portfolio im Bereich Cloud-Computing verfügen.
Deutlich wird die Diskrepanz zwischen Schein und Sein am Beispiel von SaaS (Software as a Service). Der Markt echter SaaS-Lösungen – also mit multimandantenfähiger Architektur auf einer Shared Infrastructure sowie einem zentralen Release- und Patchmanagement – sei deutlich kleiner sei als angenommen, berichtet Steve Janata, Senior Advisor der Experton Group. „Bei den meisten Angeboten im Markt handelt es sich lediglich um gehostete Instanzen von bestehenden On-Premise Versionen. Hier kann der Anwender mit Ausnahme der preislichen Flexibilisierung nicht von den zentralen Vorteilen eines Cloud-Modells profitieren“, so Janata.
Wer als Anwender darüber nachdenkt, Services aus der Wolke zu nutzen, sollte die Angebote also sorgfältig prüfen. Dazu zählt auch, die Herkunft des Anbieters und den Standort des Cloud-Servers in die Überlegungen einzubeziehen. Befinden sich zum Beispiel der Hauptsitz des Anbieters sowie das Rechenzentrum auf deutschem Boden, unterliegt die Cloud dem hiesigen Recht – auch beim Thema Datenschutz. Für Unternehmen, die große Bedenken haben, ihre Daten auf fremde Server zu legen, ist dies sicherlich ein wichtiges Kriterium.
Grundsätzlich ist Cloud-Computing aber Vertrauenssache. Ob die Daten im Cloud-Rechenzentrum tatsächlich sicher sind, kann ein Unternehmen nicht vollkommen verlässlich prüfen. Besonders Mittelständler bevorzugten daher Cloud-Dienste von etablierten Systemhäusern, berichtet Henkes. „Solche Provider genießen in der Regel einen Vertrauensvorschuss“, so der Analyst.
Etwas Orientierung bieten Zertifikate, die der Provider etwa für sein Sicherheits- oder sein Qualitätsmanagement vorweist. Sie belegen, dass der Cloud-Dienstleister zum Beispiel bestimmte Datenschutzrichtlinien einhält.
Die Cloud-Lösung PIA von CRM-Anbieter CAS (Halle 3, Stand C71) etwa wurde kürzlich mit dem Zertifikat „Trust in Cloud“ ausgezeichnet, das von Cloud-Ecosystem vergeben wird. Geprüft wurde in acht Kategorien: Referenzen, Datensicherheit, Qualität der Bereitstellung, Entscheidungssicherheit, Vertragsbedingungen, Service-Orientierung und Cloud-Architektur.
Das Cloud-Ecosystem wurde im April 2010 unter dem Namen SaaS-Ecosystem gegründet und bietet interessierten Unternehmen und Organisationen ein übergreifendes Netzwerk von Kompetenzträgern aus dem SaaS- und Cloud-Computing-Markt. Es richtet sich vor allem an mittelständische Unternehmen, die IT-Services kostengünstig, flexibel und sicher in der Cloud nutzen möchten.
Das Thema Zertifizierung zeigt aber, dass sich Cloud-Computing generell noch in einem recht frühen Stadium befindet. „Die Etablierung von entsprechenden Zertifikaten als Qualitätssiegel der Cloud-Leistung steht noch am Anfang“, sagt Techconsult-Mann Henkes.
Wer zusätzliche Sicherheit haben möchte, kann externe Unterstützung hinzuziehen. Beratungsunternehmen prüfen im Auftrag einer potenziellen Anwenderfirma, ob ein Cloud-Dienstleister ein verlässlicher Partner ist. Die Punkte Datenschutz und -sicherheit zählen dabei zu den entscheidenden Kriterien.
Die Vertrauensfrage stellt sich aber schon bei der Auswahl des Cloud-Modells. Aufgrund der Unwägbarkeiten der Public Cloud entscheiden sich viele Unternehmen zur Zeit für die Nutzung einer anderen Variante: der Private Cloud.
Vor allem Branchen, die mit einer großen Menge sensibler Daten umgehen müssen, greifen eher auf dieses Modell zurück. In der privaten Wolke hat der Anwender die entsprechende IT-Umgebung für sich allein. Die Private Cloud wird entweder im eigenen Rechenzentrum aufgebaut oder sie befindet sich beim Dienstleister – aber getrennt von denen der anderen Kunden.
Nutzen bietet die Datenwolke auch in ihrer privaten Variante. Abläufe im Rechenzentrum lassen sich automatisieren. Anwendungen können zentral gemanagt werden. Das spart Zeit, Arbeitskraft und Geld.
Anbieter wie zum Beispiel IBM (Halle 5, Stand C21) stellen Unternehmen Dienstleistungen und Technologie zur Verfügung, um die eigene private IT-Wolke aufzubauen. Dabei unterstützen sie auch die verschiedenen Unterarten wie Managed Private Cloud oder Hosted Private Cloud.
Markus Strehlitz Journalist in Mannheim

ERP aus der Cloud

Mehr als 70 Prozent der deutschen Firmen erwarten, dass sich ERP aus der Public Cloud langfristig etablieren wird – und das sowohl in kleinen als auch in großen Unternehmen. Dies ist ein Ergebnis einer Studie des Marktanalyse- und Beratungsunternehmens PAC. Derzeit führt die Public Cloud für ERP laut Untersuchung jedoch noch ein Nischendasein. In fast jedem dritten Unternehmen wird dagegen die Private Cloud für ERP-Anwendungen bereits genutzt – oder ihr Einsatz ist geplant. Als hauptsächliches Hindernis für die Public Cloud erweisen sich unklare Rahmenbedingungen wie die unsichere Rechtslage und die Angst sich von einem Anbieter abhängig zu machen.
Für die Studie wurden 100 CIOs, CTOs und IT-Leiter sowie Geschäftsführer aus deutschen Unternehmen befragt.

Expertenvortrag

Was Business-Integration im Cloud-Zeitalter bedeutet und welche Vorteile sich durch Cloud Computing ergeben, erläutert Jürgen Falkner, Leiter Softwaretechnik am Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO).
Der Vortrag findet am 26. September von 13:30 bis 14 Uhr auf dem Fachforum 3.2 statt.
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