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„Innovation bedeutet Integration bekannter Verfahren“

Neue Techniken für neuartige Produkte müssen effizient eingeführt werden
„Innovation bedeutet Integration bekannter Verfahren“

Prof. Dr. Walter Michaeli, Leiter des Instituts für Kunststoffverarbeitung an der RWTH Aachen: „Die Kombination und Integration bekannter Techniken spielen beim Spritzgießen eine entschiedende Rolle.“
Die kunststoffverarbeitende Industrie erschließt sich immer mehr Anwendungsgebiete. Prof. Dr. Walter Michaeli, Leiter des Instituts für Kunststoffverarbeitung an der RWTH Aachen, beschreibt Trends der Spritzgießtechnik.

Das Interview führte unser Redaktionsmitglied Walter Schulz

? Herr Professor Michaeli, in welche Richtung entwickelt sich nach Ihrer Einschätzung die Technologie des Spritzgießens?
!Das Spritzgießen ist und bleibt eine der wichtigsten Techniken der kunststoffverarbeitenden Industrie. Innovationen in der Spritzgießverarbeitung betreffen heute aber weniger die Entwicklung neuer Verfahren. Vielmehr steht die Kombination und Integration bekannter Techniken in einem komplexeren Prozessablauf im Mittelpunkt.
?In welchen konkreten Fällen ist das bereits realisiert?
!Als interessantes Beispiel für eine zielführende Prozessintegration kann die „Inmould Decoration“ oder auch die Direktcompoundierung gelten. Auch das Verknüpfen komplexer Einzelverfahren, wie etwa das Mehrkomponentenspritzgießen mit der Gasinjektionstechnik, ermöglicht eine Steigerung der Prozesseffizienz und ist damit von großem Interesse.
?Welche Rolle spielen alte Ideen und Techniken?
!Bekannte Ideen werden auch in Zukunft immer wieder neu aufgegriffen und mit erweitertem Wissen über Material und Verfahren sowie verbesserten Maschinenkomponenten erfolgreich umgesetzt. Ein gutes Beispiel dafür ist die Wasserinjektionstechnik. Mit anderen Worten: Die Spritzgießtechnologie, die Idee, die hinter der Technik steht, wird auch in Zukunft nicht einfacher, sondern immer vielfältiger werden.
?Was muss der einzelne Betrieb tun, um wettbewerbsfähig zu bleiben?
!Es geht nicht nur darum, neue Techniken für neuartige Produkte zu entwickeln. Wichtig ist, dass diese sinnvoll und effizient in die industrielle Praxis eingeführt werden.
?Was heißt sinnvoll und effizient?
!Nehmen wir das Beispiel der Wasserinjektionstechnik (WIT). Die WIT erlaubt, kurzgefasst, die Reduzierung der Kühlzeit beim Herstellen von Formteilen mit Hohlräumen. Sinnvoll ist die Einführung dieser neuen Technik im Vergleich zur Gasinjektionstechnik (GIT) allerdings nur dann, wenn ein bestimmter Hohlraumdurchmesser übertroffen werden soll. Ein Verfahren kann also nicht alle Anforderungen erfüllen.
?Wie sieht es mit der Effizienz von Sonderverfahren aus?
!Tatsächlich werden mehr und mehr Sonderverfahren auf den Markt drängen, deren Einführung wirtschaftlich erscheint. Effizient kann das Einführen der Technik aber nur dann sein, wenn auch qualifiziertes Personal in ausreichender Anzahl verfügbar ist. Gerade der letztgenannte Punkt wird uns, ob Forschungseinrichtung oder Industrieunternehmen, weiter vor Probleme stellen.
?Wo liegen stark wachsende Anwendungsbereiche oder Marktsegmente?
!Ich betrachte die Medizintechnik als stark wachsendes Anwendungsgebiet. Hier ist weiter die Mikrotechnik und damit das Mikrospritzgießen von Bedeutung. Der Erfolg dieser Technik wird ebenso Einfluss nehmen in der Mikroelektronik. In diesem Bereich wird die Entwicklung unter anderem von der erfolgreichen Miniaturisierung der Verbindungstechnik abhängen. Die Elektronik oder Kommunikationstechnik stellt auch für das Thixomolding ein interessantes und stark wachsendes Anwendungsgebiet dar. Die MID-Technik (Molded Interconnect Devices) ein sehr spannendes Thema. Ein derzeit boomender Bereich ist neben der WIT und GIT das Schaumspritzgießen und das Folienhinterspritzen. Diese Spritzgießverfahren sollten bei sinnvollem Einsatz in unterschiedlichsten Anwendungsbereichen eine Effizienzsteigerung der Produktion ermöglichen.
Die Aussteller auf der Fakuma werden hier sicher interessante Exponate zeigen.
Industrieanzeiger
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7.2022
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