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Inselstaat setzt auf Innovationen

Forschung & Entwicklung
Inselstaat setzt auf Innovationen

Mit Steuervorteilen lockt die Regierung Singapurs auch ausländische F&E-Vorhaben. Bild: Agency For Science Technology & Research
Bei Singapurs Politik, in der Produktivitäts- und Wertschöpfungsleiter weiter zu steigen, sind Forschung und Entwicklung von zentraler Bedeutung. Entsprechend fördert die Regierung diese durch öffentliche Projekte sowie Anreize für Unternehmen. Auch zahlreiche deutsche Unternehmen sind diesem Ruf bereits gefolgt.

Von der Zielmarge für den F&E-Sektor – 3,5 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) – wie in den forschungsintensivsten Ländern der Welt ist Singapur mit 2,1 % noch ein gutes Stück entfernt. Einen erneuten Anlauf kann die Regierung im Sommer 2015 starten, wenn sie den F&E-Plan für den Zeitraum 2016 bis 2020 veröffentlicht. Am Ende der jetzigen Planperiode scheint es keine großen neuen Initiativen zu geben, schätzen Beobachter. Einzelne Prioritäten sind hinzugekommen, wie die Luft- und Raumfahrt. Ansonsten bewegt sich alles im Rahmen des bisherigen Plans.

BIP-Zielmarge für Aufwendungen noch nicht erreicht
Dabei war Singapur bis 2008 auf gutem Weg, die gesetzte Zielmarge zu erreichen. Die F&E-Ausgaben sind stetig und kräftig gestiegen und erreichten in dem Jahr einen Höhepunkt mit 2,7 % vom BIP. In den folgenden Jahren ging es wieder abwärts bis auf ein Plateau von gut 2 %. So lagen die Gesamtausgaben 2012 bei 7,2 Mrd. Singapur Dollar (rund 4,5 Mrd. Euro) und damit um 0,2 Mrd. S$ niedriger als im Vorjahr. Der Anteil am BIP schrumpfte von 2,2 auf 2,1 %. Hierfür waren die privaten Unternehmen verantwortlich, die ihre F&E-Ausgaben von 4,6 Mrd. auf 4,4 Mrd. S$ reduzierten. Die öffentliche Hand erhöhte dagegen ihre Ausgaben sogar leicht – von 2,82 Mrd. auf 2,83 Mrd. S$.
In der Tat ist sei der Staat stärkste treibende Kraft hinter den F&E-Aktivitäten in Singapur, erläuterte Manuel Furtwängler, Wissenschaftsreferent an der deutschen Botschaft, im Gespräch mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Germany Trade & Invest (GTAI). Hierbei arbeiten verschiedene Regierungsagenturen mit den Universitäten und den Forschungsinstituten zusammen und finanzieren großzügig strategisch wichtige Forschungsbereiche. Bei den singapurischen Unternehmen sind es im Wesentlichen die großen lokalen Technologiekonzerne, die F&E betreiben.
Standort von Multis für Produktanpassung genutzt
Hinzu kommen multinationale Unternehmen, die den Standort Singapur für ihre Aktivitäten entdeckt haben. Durch F&E wollen sie ihre Produkte den asiatischen Wachstumsmärkten anpassen. So unterhält eine Reihe namhafter deutscher Unternehmen neben Produktion und Vertrieb auch F&E-Einrichtungen in Singapur. Dr. Tim Philippi, Geschäftsführer der Deutsch-Singapurischen Industrie- und Handelskammer, nennt als Beispiele die Konzerne BASF, Bayer, Continental, Evonik und Infineon. Bei der Kammer besteht ein Komitee für F&E, in dem sich Firmen mit dieser Ausrichtung engagieren.
Nicht untypisch ist das Beispiel eines deutschen Herstellers von orthopädischen Implantaten, der diese in Singapur entwickelt. Gefertigt werden sie jedoch in Deutschland, aber dann auf den asiatischen Wachstumsmärkten vertrieben, erläuterte der Firmenvertreter gegenüber Germany Trade & Invest. Eine wichtige Voraussetzung für F&E in Singapur ist der Schutz des geistigen Eigentums, konstatieren ausländische Investoren. Einen zugkräftigen Anreiz sehen sie auch in den fiskalischen Vorteilen, mit denen die Regierung forschungsrelevante Investoren belohnt.
Die Privatwirtschaft forscht und entwickelt vor allem im Bereich elektronischer und elektrischer Produkte sowie der IKT. Hierfür gab sie 2012 mit 2,3 Mrd. S$ zwar eine halbe Milliarde weniger aus als im Vorjahr, aber immer noch 52 % ihrer gesamten F&E-Ausgaben. Die drei weiteren wichtigen Forschungsfelder Biomedizin, Chemie sowie Präzisionsmaschinen und Transportausrüstungen kamen jeweils auf Anteile zwischen 12 und 15 %. Wenn die Unternehmen forschen und entwickeln, dann überwiegend zum Zweck der experimentellen Entwicklung (59 % der Gesamtausgaben) und der angewandten Forschung (32 %). Für Grundlagenforschung geben sie nur knapp ein Zehntel aus.
Internationalität wird staatlich gefördert
Bei den öffentlichen Ausgaben wurde dieser Bereich 2012 mit 35 % aller F&E-Ausgaben wesentlich stärker bedacht. Jeweils rund ein Drittel entfiel auf angewandte Forschung sowie experimentelle Entwicklung. Etwas anders verteilt als in der Privatwirtschaft sind hier auch die Forschungsfelder: Die Biomedizin lag mit 3 5% aller F&E-Ausgaben vorne. Es folgten Elektronik, Elektrotechnik und IKT mit 23 %, dann Präzisionsmaschinen und Transportausrüstungen mit 13 % sowie die Chemie mit knapp 10 %.
Ein Bereich, der dank staatlicher Förderung jetzt im Aufwind liegt, ist die Luft- und Raumfahrttechnik. Sie zählt neben Schiff- und Offshore-Bau zu den Transportausrüstungen. Nachdem Singapur nun seinen ersten Forschungssatelliten ins All gebracht hat, sollen 2015 weitere folgen. Einer davon dürfte in Deutschland gebaut werden. Bei diesen Aktivitäten arbeitet die Regierung mit den beiden Universitäten zusammen und pflegt enge Kontakte zum Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt.
Die Kooperation mit internationalen Forschungseinrichtungen wird groß geschrieben. Auch ist der Anteil ausländischer Wissenschaftler und Ingenieure im Stadtstaat in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. 2012 erreichte er 29 % der Gesamtzahl von 30109. (bö) •
Industrieanzeiger
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