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Mit Speck fängt man Mäuse, per Mausklick neue Mitarbeiter

E-Recruiting: Internet-Jobbörsen bieten heute Full-Service für Personalabteilungen
Mit Speck fängt man Mäuse, per Mausklick neue Mitarbeiter

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Die Zeiten, in denen Internetjobbörsen nur elektronische Ausgaben von gedruckten Zeitungsinseraten waren, sind längst vorbei. Die Betreiber kämpfen darum, immer neuen Nutzwert zu bieten – für Bewerber und für Firmen.

Gabriele Müller ist freie Journalistin in Wuppertal

Noch nie war es so einfach wie heute. Wer sich beruflich verändern möchte, hat nicht nur die freie Wahl, sondern manchmal auch die Qual der Entscheidung. Mehrere hundert elektronische Stellenbörsen schlagen sich um ihn. Da gibt es Allrounder und Spezialisten, diejenigen, die sich auf internationalem Parkett bewegen und die regional ausgerichteten Anbieter. Und alle wollen sie nur eines: Möglichst viele, möglichst gut qualifizierte Bewerber an sich binden. Denn nur mit einem guten Bewerberpool lassen sich Unternehmen als zahlende Kunden gewinnen.
Doch das Spiel: „Gesucht-Gefunden“ funktioniert so schon längst nicht mehr. Die Nutzer auf beiden Seiten verlangen und erwarten deutlichen Mehrwert. Kreativ gehen daher die Macher dieser Stellenmärkte wieder daran, immer neue Werkzeuge zu entwickeln. Denn der Markt ist nicht nur lukrativ, er wächst auch sprunghaft. Laut den Marktforschern von Forrester Research werden die Umsätze in Europa von 859 Mio. Euro im Jahr 2001 auf 4,7 Mrd. Euro im Jahr 2005 ansteigen. Wer sich hier als Dienstleister gut positionieren will, muss überzeugende Konzepte vorlegen können.
Ob für Studenten, Absolventen, Azubis oder Führungskräfte: für alle Karriereschritte gibt es bei den Web-Jobbörsen die passenden Angebote. Auf der anderen Seite sollen Firmen komfortabel, schnell und sicher genau den richtigen Kandidaten für ihr Anforderungsprofil finden. Deshalb gibt es bei den meisten Anbietern Filter, Auswahltools und Präsentationsmöglichkeiten, um qualifizierte Kandidaten auf sich aufmerksam zu machen.
Trotz aller optimistischer Prognosen über das blühende Geschäft mit der Online-Personalsuche – auf Dauer überleben werden nur einige. Das erwarten nicht nur die Betreiber solcher Internetmarktplätze selbst, das schätzen auch Experten wie Dr. Martina Jäger, Geschäftsführerin der Dr. Jäger Medien-Service & Consulting GmbH in Königstein, die sich mit dem Thema E-Recruiting beschäftigt. Sie geht von einer baldigen Konsolidierung des Marktes aus. „In Zukunft wird es sicher nur einige wenige große Anbieter geben und mehrere kleine, die dann Nischen besetzen und Angebote für Spezialisten machen.“
Denn kaum eine Firma, so Jäger, „arbeitet auf Dauer mit mehreren solcher Dienstleister zusammen. Das ist einfach zu aufwendig.“ Arbeitgeber, so die Erfahrung der Beraterin, „testen, wie viele Bewerber mit welcher Qualifikation auf ihre Anzeigen in solche Bösen kommen. Danach entscheiden sie sich für eine weitere Zusammenarbeit.“
Trotz solcher eher düsterer Prognosen ist mit Versum.de jetzt neu auch noch ein Projekt an den Start gegangen, hinter dem zehn große deutsche Zeitungsgruppen mit insgesamt 88 Blättern stehen. Allein in Deutschland will Jobversum 60 000 Jobangebote ins Netz stellen.
Komfortabel und schnell den passenden Mitarbeiter finden
Die Konkurrenz bleibt angesichts solcher schwergewichtiger Ankündigungen eher kühl gelassen. Dr. Roland Metzger, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Jobpilot AG in Oberursel, schätzt, dass das Ganze „nur eine Chance hat, wenn es sich nicht nur um das Thema Stellenanzeige dreht“. Die bereits bestehenden Karriereportale, die Information rund um Beruf, Aus- und Weiterbildung und Arbeitsmarkt bieten, beweisen, glaubt Metzger, dass das Internet mehr zu bieten hat. „Aber diese Kompetenz muss erst aufgebaut werden, und die dem alten Mediamodell nachhängende Denke hilft da nicht.“
Für Jobpilot selbst hat Metzger feste Ziele im Visier. „Wir werden weiterhin und immer wieder mit innovativen Produkten den Markt mitentwickeln. Zum Beispiel mit der virtuellen Recruitingmesse Career World, bei der sich Personalentscheider und Bewerber im Netz wie auf einem Karriereforum treffen und mit agierenden Platzhaltern als Stellvertreter ein Bewerbungsgespräch führen.“ Mehr Information, mehr Bedienerfreundlichkeit, mehr Service für die Bewerber, das ist nur die ein Seite. „Personaler wollen Unterstützung für den gesamten Rekrutierungsprozess“, ist sich der Jobpilot-Chef sicher. Sein Unternehmen bietet deshalb Jobpilot Workflow an, eine Software, die vom Ausschreiben der Stellenanzeige über ein Bewerber-Ranking, die Durchführung des Bewerbungsverfahrens und den Austausch aller am Prozess Beteiligten Unterstützung verspricht.
Das Programm steht für Unternehmen als Standardfunktion bereit, auf Wunsch erstellen die Recruiting-Spezialisten individuelle Lösungen als Application-Service-Providing-Modell (ASP), also ohne hohe Investitionskosten. Adressaten: nicht nur Großunternehmen, sondern ausdrücklich auch Mittelständler, die auf dem Wege über Lizenzgebühren oder Miete die Vorteile einer webgestützten Personalarbeit testen wollen und sich keine eigens maßgeschneiderte Lösung leisten können. Für die „kommt Jobpilot Workflow genau zur richtigen Zeit“, ist Roland Metzger überzeugt.
Für Randolph Vollmer steht die Profilierung als Personalberatung im Netz im Vordergrund. Auch er will mit Job ware.de weg vom „Stellenanzeigen-Image“. Und setzt dabei auf „Jobware Consult“ als Karriereberatung, die mit der Hilfe des Web den passenden Bewerber für die richtige Stelle finden will. Vor der internationalen Konkurrenz mit den großen Namen wie Futurestep.com und Leadersonline.com hat Vollmer keine Angst. Vor allem, weil deren Spielwiese zumeist das Topmanagement ist mit entsprechenden Provisionen. Rund ein Drittel des Jahresgehalts etwa verlangt Futurestep vom Auftraggeber. Mit „20 Prozent eines Jahresgehalts als Honorar“ will sich Jobware dagegen zufrieden geben „und das nur, wenn es wirklich zu einer Einstellung kommt“.
Da aber ist Vollmer optimistisch: „Wir schöpfen aus dem Vollen, nutzen alle unsere Kontakte zu namhaften Unternehmen.“ Als Bewerber hat er dabei durchaus nicht nur die Spitzenverdiener ins Visier genommen, sondern auch Young Professionals, Fach- und Führungskräfte.
Job-Börsen bieten mehr Nutzwert als bloßes Personalfinden
Mit www.jobware.de können die Westfalen auf eine breite Plattform und Kontakte zu mehr als 500 Firmen zurückgreifen. Dass diese das Angebot annehmen, davor ist dem Jobware-Geschäftsführer und früheren Personalberater mit Schwerpunkt Personalmarketing deshalb auch nicht bange. „In der Beraterbranche klassischer Prägung mögen wir zwar als Außenseiter gelten, aber wir bringen Know-how aus unserer Firmengeschichte mit, das sich jetzt auszahlt.“ So viel Enthusiasmus stößt allerdings bei so manchem Unternehmen noch auf eher verschlossene Ohren. Claudia Pahl-Wagner ist Personalreferentin bei der LuK Automobiltechnik GmbH & Co. KG in Hückeswagen, die Kupplungen für Pkw, Lkw und Traktoren produziert, und zuständig für rund 450 Mitarbeiter. Sie schaltet seit rund einem Jahr Stellenanzeigen im Web, wenn sie Personal sucht.
Bei Jobware.de fahndet sie vor allem deshalb nach Ingenieuren, weil die Erfahrungen mit Printmedien nicht gut waren. „Zu teuer, zu wenig Rücklauf“, lautet ihre Kritik. Billiger und besser dagegen findet sie die Suchmöglichkeit über Jobware.de, weil sie hier schon interessante Kandidaten gefunden hat. Aber das Thema Stellenzeigen ist auch schon fast alles, was die Personalfachfrau dort interessiert. Einen Blick in die Bewerberdatenbank werfen – ja. Aber Information über den Arbeitsmarkt oder gar zum Thema Krankenversicherung abzurufen – für diesen Service kann sie sich nicht erwärmen. „Das ist eher für Bewerber interessant“, lautet ihr Urteil.
Und dass die Personalarbeit einmal ganz und gar webgesteuert und -gestützt ablaufen könnte, mag sie sich nicht vorstellen. „Das will ich selbst in der Hand behalten.“ So oder ähnlich denkt mancher Human Resources Manager, vor allem in traditionell geprägten Unternehmen – zum Leidwesen der zahlreichen Anbieter von Dienstleistungen auf diesem Gebiet. Denn die haben gerade den Mittelstand als Objekt ihrer Begierde ausgemacht. Martina Jäger, die mit ihrem Beratungsunternehmen für ihre Kunden Strategien beim Thema E-Recruiting erarbeitet, kann Bedenken und Vorbehalte verstehen.
„Ich höre oft Klagen gerade von kleinen und mittleren Firmen, dass sie sich und ihre Bedürfnisse nicht ernst genommen fühlen und sich über andere Konditionen ärgern, als sie den Großunternehmen gewährt werden.“ Dennoch rät die Geschäftsführerin der Dr. Jäger Medien-Service & Consulting GmbH zur Nutzung von HR-Services im Netz, da die Services immer ausgefeilter werden. „Der Mittelstand sollte sich an dieses Thema heranwagen“, fordert sie.
Holger Widenmeyer jedenfalls tut es schon. Der Geschäftsfeldleiter für den Bereich Order Fulfillment der Harald Balzer Projekt AG (HBP) in Stuttgart schaltet seit einigern Monaten Stellenanzeigen bei jobscout24.de und nutzt die Bewerberdatenbank, die derzeit rund 30 000 Profile von Hochschulabsolventen, Fach- und Führungskräften enthält. Jetzt will die Managementberatung, die sich auf die Optimierung von Projekt- und Prozessmanagementsystemen für mittelständische Industrieunternehmen aus dem Bereich Automobilzulieferung und Maschinenbau fokussiert hat, noch einen Schritt weiter gehen.
Mit HRgate.de hat die Jobscout 24 GmbH in Hamburg ein „Arbeitgeberportal“ ins Netz gestellt, das weit über die reine Jobbörse hinaus geht. Hier gibt es für den Personaler die unterschiedlichsten Online-Bausteine aus der täglichen Praxis. Dazu erwirbt der Kunde eine Lizenz und kann dann aus dem reichhaltigen Angebot auswählen. Auch Holger Widenmeyer will über die reine Stellenanzeige hinaus andere Tools testen.
„Vor allem die Zeugniserstellung interessiert uns sehr, da wir uns gerade aktuell mit einem solchen Fall beschäftigen“, berichtet er. So wie HBP stehen auch andere Firmen immer wieder vor dem Problem, das schwierige und komplexe Thema Arbeitszeugnis in den Griff zu bekommen. „Das ist ein Grund, warum wir als eines unserer Werkzeuge im Web den HRgate Zeugnisprofi anbieten“, bestätigt Markus Lüdi, wissenschaftlicher Berater und Mitgründer von HRgate. Mit diesem Tool kann auf rund 4000 aktuelle Zeugnisbausteine zugegriffen werden, die nach deutschem Recht juristisch und formal einwandfrei formuliert sind. Darüber hinaus gibt noch eine Reihe von anderen Möglichkeiten, auf die der User zugreifen kann. Das reicht von Themen wie Führung, Arbeitsrecht, Gewinnung, Beurteilung, Entwicklung und Erhaltung sowie Trennung von Mitarbeitern bis hin zu elektronischen HR-Systemen und Technologien. Für alles gibt es Werkzeuge oder Literatur, nicht alles ist allerdings im Grundpreis mit Einbegriffen. Eine Lizenz kann sich ein Betrieb mit weniger als 20 Mitarbeitern schon für 1750 DM pro Halbjahr leisten – Zusatznutzen ist allerdings meist kostenpflichtig.
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