Beschichten: MPC-Pulverlacke machen Schmiermittel überflüssig Schluss mit öligen Fingern

Beschichten: MPC-Pulverlacke machen Schmiermittel überflüssig

Schluss mit öligen Fingern

Beschläge wie dieser Schließmechanismus für Kraftfahrzeuge werden durch die MPC-Technologie widerstandsfähig gegen Verschleiß. Die korrosionsbeständige Schicht ersetzt Schmierfunktionen und lässtdas Material auch bei hoher Reibbeanspruchung widerstandsarm gleiten (Bild: Hillebrand)
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Das Pulverlackverfahren MPC verleiht Oberflächen zusätzliche Schmierfunktionen. Damit beschichtete Türbeschläge und Sitzschienen im Auto müssen nicht mehr gefettet werden. Auch andere Eigenschaften lassen sich in eine einzige Lackschicht einbringen.

Wenn wir Oberflächen mit dem neuen Verfahren pulverbeschichten, werden Schmiermittel überflüssig“, freut sich Uwe Horstmann von der Rudolf Hillebrand GmbH & Co. KG aus Wickede. Der Entwicklungsleiter setzt seit rund einem Jahr Modular Powder Coating (MPC) ein. MPC eignet sich dort, wo wegen aufeinander reibender Materialien bisher auf Schmiermittel nicht verzichtet werden konnte – beispielsweise an Türbeschlägen und Sitzschienen im Auto. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um gegossenes,gewalztes, gezogenes oder geschmiedetes Metall oder um Kunststoff handelt.

Beschichtete Oberflächen von Metallen und Kunststoffen werden durch übliche Pulverlackmischungen glänzend, lichtstabil, kratz- und schlagfest gemacht. Der Clou des MPC-Verfahrens: In speziellen Polymeren sind, individuell an die geforderten Eigenschaften angepasst, zusätzlich organische und anorganische Stoffe eingebettet. Eine einzige MPC-Schicht ersetzt mehrere Einzelschichten. Der Anwender kann die Zusammensetzung beispielsweise so optimieren, dass die beschichtete Oberfläche mit Gleiteigenschaften versehen oder beständig ist gegen Abrieb. Typische Einlagerungs-Werkstoffe sind mineralische oder oxidische Hartstoffe, aber auch Metalle, wie Eisen, Kupfer, Nickel und Zink und deren Legierungen. Bestimmte Inhibitoren verhindern eine Korrosion, und in wässrigem Milieu machen zugesetzte Fungizide Algen den Garaus. MPC-beschichtete Oberflächen vertragen sich mit Hydraulikmedien, Schmierstoffen und Farben.
„Wir setzen der MPC-Schicht feste Schmierstoffe wie Graphit, Molybdänbisulfit oder Teflon zu, damit der Pulverlack die Anforderungen einer Trockenschmierung erfüllt“, nennt Horstmann einen der Hauptvorzüge. Schluss also mit öligen Fingern im Kontakt mit Autobeschlägen und Schiebedachleisten. Ein weiterer Vorteil zeigt sich in der Fertigung: Einzelne Schritte in der Montagelinie entfallen, beispielsweise das Auftragen von Fetten.
Die funktionelle MPC-Schicht kann eine kostengünstige Alternative zu galvanischen Behandlungen oder Schichten aus Hartchrom oder Harteloxal sein. „Ein großer Vorzug unserer Pulverlacke besteht darin, dass sie sich bei Temperaturen von 150 °C bis 200 °C auftragen lassen“, ergänzt Horstmann. MPC ersetze jedoch nicht konventionelle Pulverlacke.
„Das Verfahren wurde von uns, in Zusammenarbeit mit verschiedenen Hochschulen, speziell für Anwendungen im Kohle-Bergbau entwickelt“, gibt Klaus Wilbuer, Geschäftsführender Gesellschafter von der Solinger Metallveredlung GmbH & Co. KG, Auskunft. MPC eignet sich deshalb besonders für mechanisch und korrosiv hoch beanspruchte Bauteile. „Unsere variable Beschichtung hat sich beim Einsatz unter Tage bestens bewährt“, fügt Wilbuer stolz hinzu. Weil sich die Solinger in erster Linie auf das Entwickeln konzentrieren, überlassen sie das Vermarkten weiterer Anwendungsfelder anderen: General-Lizenzgeber für die Beschichtung mit MPC ist Enthone, Langenfeld.
Hillebrand besitzt als erstes deutsches Unternehmen eine MPC-Lizenz und verfügt über ein nationales Schutzrecht für alle Automobil- und Industrieanwendungen. Mit dem vorhandenen Equipment für das Pulverbeschichten und dem neuen Verfahren will der Beschichtungsspezialist neue Märkte erschließen. Bisher wird MPC bei Hillebrand von Kunden aus der Automobilbranche in Anspruch genommen. Auf die Anforderungen nach gutem Gleiten und hoher Reibbeanspruchung angepasst, hat der Lohnveredler beispielsweise die Führungsschiene für das Schiebedach am BMW X5 beschichtet. Ebenso lassen sich Metallbeschläge von Schließsystemen dauerhaft gegen tägliche Beanspruchungen schützen. Leichtgewichtige Druckgussteile aus Magnesium undAluminium, wie Spiegelfüße, Sitzschalen oder Hebel, werden auf diese Weise kratzfest, gleitend und korrosionsfest gemacht.
Weitere Anwendungen im Maschinenbau liegen auf der Hand: Hydraulische Systeme. MPC-beschichtete Hydraulikkolben von Gabelstaplern etwa können anstatt Öl klares Wasser als Hydraulikflüssigkeit verarbeiten. Auch für Ventilgehäuse oder Laufschienen in Fahrstuhlschächten eignet sich die Technologie. bk
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