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Zum richtigen Zeitpunkt

Energieeinkauf: Risiken strategisch minimieren
Zum richtigen Zeitpunkt

Steigende Notierungen und kurzfristig sehr starke Preisschwankungen prägen die Energiemärkte Bild: EEX
Die extreme Volatilität bei Strom und Gas bedeutet für die mittelständische Wirtschaft ein enormes Risiko hinsichtlich der Auswahl des Bezugszeitpunkts und des Energielieferanten. Moderne Beschaffungsstrategien helfen, dieses Risiko zu minimieren.

Die Energiemärkte sind im Umbruch. Seit dem Beginn der Liberalisierung im Jahr 1998 geht die Marktöffnung Schritt für Schritt voran. Allerdings diktieren die großen Konzerne der Versorgungswirtschaft immer noch weitgehend die Verbraucherpreise. Die Rallye bei den Energiepreisen kennt nur eine Richtung – steil nach oben. Die Mehrheit der Analysten erwartet in den nächsten Monaten in Folge weiter steigender Ölpreise eine zusätzliche Verteuerung. Nur eine Minderheit geht davon aus, dass die Spekulationsblase in Kürze platzt und die Energiepreise deutlich nachgeben.

Aus der Perspektive des Mittelstands steht eine sichere, effektive und aufgrund des überhöhten Preisniveaus vor allem kostengünstige Versorgung im Vordergrund. Er sieht sich speziell mit folgenden Fragen konfrontiert: Wie lässt sich der Energieeinkauf optimieren? Wann ist der passende Beschaffungszeitpunkt gekommen? Wer ist der günstigste Energielieferant? Wie kann das eigene Unternehmen der zunehmenden Komplexität der Rahmenbedingungen bei der Energiebeschaffung begegnen?
Prinzipiell verfolgen Industriekunden zwei strategische Ziele: Erstens die Maximierung der Effizienz beim Energieeinsatz, zweitens die Minimierung der Kosten beim Energieeinkauf. Bei der Realisierung des zweiten Aspekts wird zum Beispiel die MBE Mitteldeutsche BioEnergie GmbH & Co. KG aus Sachsen-Anhalt professionell vom Bundesverband der Energie-Abnehmer e. V. (VEA) unterstützt. Die Energiekosten beim Bioethanol-Hersteller MBE belaufen sich auf rund 15 % der gesamten Betriebskosten. Am Anfang einer Einkaufsstrategie steht eine fundierte Markt- und Risikoanalyse. Darauf folgen die Formulierung einer individuellen Strategie für den Energieeinkauf und die Ausschreibung des Bedarfs. Die Einsparungen durch bessere Bezugskonditionen belaufen sich für das mittelständische Unternehmen auf mehr als eine Millionen Euro jährlich.
Ein weiteres Beispiel: Bei der Emsland Group, dem größten Produzenten von Kartoffelstärke in Deutschland, übertreffen die Energiekosten mittlerweile die Personalaufwendungen. Sie sind zum größten Kostenblock nach den Rohstoffen geworden. Umso wichtiger ist daher der strategische Energieeinkauf. Vor der Liberalisierung hat das Unternehmen aus dem niedersächsischen Emlichheim direkt mit den Versorgern verhandelt. Inzwischen holt der VEA als neutraler Dritter Angebote ein, vergleicht sie und moderiert die Verhandlungen zwischen der Emsland Group und den verschiedenen Energieanbietern. So konnte der verarbeitende Betrieb Einsparpotenziale nutzen und die Beschaffungskosten deutlich senken.
Das sind nur zwei Fallbeispiele unter vielen. Die Preisschwankungen der Energiemärkte sind so stark, dass der Zeitpunkt der Beschaffung von Strom und Gas maßgeblich die Bezugskonditionen bestimmt. Die Volatilität ist in den letzten Monaten dramatisch gestiegen. Preisänderungen von mehr als 1 Euro pro MWh pro Tag, die in den Vorjahren die absolute Ausnahme waren, sind in den letzten Wochen schon fast die Regel. Die Volatilität macht den richtigen Zeitpunkt zum wichtigen Kriterium des Energieeinkaufs. Das bedeutet: Flexibilität führt zu günstigen Preisen – eine gelungene Beschaffungsstrategie ist das A und O.
In einer aktuellen Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers gaben die befragten mittelständischen Unternehmen an, die Beschaffungskosten für Energie und Rohstoffe seien in ihrem Betrieb in den vergangenen zwölf Monaten um knapp 30 % gewachsen. Die Ausführungen zeigen: Moderne Strategien beim Energieeinkauf sind eine wirkungsvolle Antwort auf diese aktuelle Herausforderung. Mit der zunehmenden Liberalisierung der Energiemärkte sowie der Dezentralisierung der Energieerzeugung wird die kosteneffiziente Beschaffung von Energie bei minimalem unternehmensinternen Aufwand für den Mittelstand in Deutschland immer wichtiger.
Simon Barber Journalist in München
Flexibilität führt zu günstigen Preisen

Marktplatz VEA-Online
Der Internet-Marktplatz VEA-Online ist eine Handelsplattform für Sondervertragskunden in Deutschland. Unternehmen können dort ihren Energiebedarf bundesweit ausschreiben und marktgerechte Bezugskonditionen vertraglich vereinbaren.
Die Verbraucher haben die Wahl zwischen einer Auktion und einer klassischen Ausschreibung. Zudem besteht mit Hilfe des Direktabschlusses die Option, den Energiebedarf über einen längeren Zeitraum auszuschreiben und so automatisch einen günstigen Zeitpunkt zum Abschluss eines Energieliefervertrags zu finden.
Der Grund: Die Volatilität der Energiemärkte ist so hoch, dass der Zeitpunkt der Beschaffung von Strom und Gas maßgeblich die Bezugskonditionen bestimmt. Das bedeutet, dass Flexibilität zu günstigen Preisen führt.

„Vor dem Wechsel nicht zurückschrecken!“

Nachgefragt

Zehn Jahre Liberalisierung des Strommarkts in Deutschland. Ist Ihnen nach Feiern zumute?
Nein, überhaupt nicht. Erste wichtige Schritte sind zwar getan, aber zu oft sind angekündigte Regulierungsmaßnahmen nur Schall und Rauch gewesen. Die Stromkunden in Deutschland können mit dem bisher erreichten Status quo nicht zufrieden sein, da sie von den offenkundigen Vorteilen einer Liberalisierung bisher nicht wirklich profitieren. Die Preise für Energie sind bereits überhöht – und eine Stabilisierung des Niveaus ist in der nahen Zukunft nicht absehbar.
Wie sieht die Lage beim Gaseinkauf aus?
Durch die Reduzierung der Marktgebiete und die Transparenz bei den Netzzugangsentgelten haben wir verbesserte Rahmenbedingungen. In diesem Jahr ist eine deutliche Belebung der Wettbewerbsaktivitäten zu beobachten. Neben den bereits als etabliert geltenden Anbietern tauchen neue auf. Sie wollen die verbesserte Situation nutzen, um mit günstigen Gaspreisen Kunden zu gewinnen.
Welche Maßnahmen könnten eine weitergehende Öffnung der Energiemärkte vorantreiben?
Auf jeden Fall die komplette Entflechtung der großen Energieversorger. Auch ein schärferes Kartell- und Wettbewerbsrecht würde die Lage verbessern. Aber auch die Verbraucher sind gefordert: Schon jetzt können sie ihren Energieeinkauf optimieren und Alternativangebote einholen. Die Kunden sollten auch nicht davor zurückschrecken, ihren Energielieferanten zu wechseln – günstigere Konditionen sind meistens möglich. Wenn nicht beim momentanen Anbieter, dann bei einem Konkurrenten.
Industrieanzeiger
Titelbild Industrieanzeiger 1
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1.2022
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