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Klimamanagement: Effektiv genutzte Energie senkt Treibhausgas-Emissionen

Klimamanagement
Effektiv genutzte Energie senkt Treibhausgas-Emissionen

Für Unternehmen reicht es heute nicht mehr, einfach nur erfolgreich zu sein; es kommt auch auf die Art und Weise an, wie dieser Erfolg eingefahren wird. Neben der Einhaltung sozialer Standards spielt vor allem die Verantwortung für die Umwelt eine zentrale Rolle – Stichwort „Klimaneutralität“. Der Spezialist für Schmierstoffe, Druckfarben und Chemie, Zeller + Gmelin, hat es am Standort Eislingen erreicht

» Altan Dayankac ist Produktmanager und Auditor der DQS GmbH in Frankfurt/M.

Treibhausgas-Emissionen sind der größte Klimakiller – Kohlendioxid, Methan, Lachgas und diverse Fluorkohlenwasserstoffe sorgen in der Atmosphäre für eine nachhaltige Erwärmung des Klimas mit allen bekannten Folgen. Unternehmen haben einen erheblichen Anteil am Klimawandel, können dem aber entgegenwirken, indem sie ihren Ausstoß von Treibhausgas (THG) deutlich reduzieren.

THG-Bilanz als Voraussetzung für Klimaneutralität

Die Voraussetzung dafür ist eine THG-Bilanz, die nach dem sogenannten Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol) erstellt werden kann, alternativ nach der Norm ISO 14064-1, die auf dem GHG Protocol basiert. Nach der Festlegung des Geltungsbereichs wird zunächst der CO2-Footprint des Unternehmens in Bezug auf ein sogenanntes „historisches Basisjahr“ ermittelt. Hieraus lassen sich jene Prozesse, Tätigkeiten und Anlagen identifizieren, die das größte Einsparpotenzial versprechen. An diesen THG-Quellen können geeignete Maßnahmen zur Emissionsreduzierung auf den Weg gebracht werden.

Von Belang sind dabei nicht nur direkte, sondern wesentlich auch indirekte THG-Emissionen, die etwa durch die Beschaffung von Rohstoffen oder den Verbrauch zugekaufter Energie entstehen – allein der Bezug von „grünem“ Strom kann ein wesentlicher Faktor in Richtung Klimaneutralität sein. In die THG-Bilanz einbezogen wird auch der THG-Entzug durch THG-Senken. Die trotz Umsetzung wirksamer Maßnahmen verbleibenden THG-Emissionen können durch Erwerb von CO2-Zertifikaten oder Unterstützung geeigneter Projekte ausgeglichen werden.

Herangehensweise in der Praxis

Dass – und wie – THG-Emissionen in der Praxis signifikant reduziert werden können, zeigt das Unternehmen Zeller + Gmelin, Hersteller von Schmierstoffen, Druckfarben und Chemieprodukten. Dessen deutscher Hauptstandort in Eislingen ist seit Januar 2020 als klimaneutral eingestuft. Die Herstellung der Produkte des Unternehmens ist vergleichsweise energieintensiv, weshalb das von der DQS zertifizierte integrierte Managementsystem neben den Disziplinen Qualitätsmanagement (ISO 9001), Umweltmanagement (ISO 14001) auch Energiemanagement (ISO 50001) umfasst.

Besonders die für das Energiemanagementsystem ermittelten, aufbereiteten und quasi auf Knopfdruck verfügbaren Daten, aber auch solche aus dem Bereich des Umweltmanagements bieten eine perfekte Grundlage, um viele Energieeinsparpotenziale zu ermitteln, was gleichzeitig den THG-Ausstoß reduziert. Gülen Ak, Leiterin des integrierten Managementsystems und verantwortlich für die Erstellung der THG-Bilanz (nach dem GHG Protocol): „Wir haben in einer speziellen Datenbank alle energierelevanten Parameter in eine Tabelle eingetragen. Auf diese Weise haben wir den Verbrauch von Wärme, Kraftstoff und Strom erfasst, dazu vorgelagerte Emissionen, Geschäftsreisen, Arbeitswege, Abfallaufkommen und Abwassermengen, aber auch vieles mehr, bis hin zu Verbrauchsmaterialien in Produktion und Büros.“

Energie effektiver nutzen

Zeller + Gmelin hat beispielsweise seine gesamte Kühlwasseranlage modernisiert, um Schwankungen der Vorlauftemperatur zu reduzieren. Damit wurde eine Erhöhung der Rückkühlleistung für das Kühlwasser erreicht, also eine bessere Nutzung der Energie aus dem rückfließenden Kondensat und Kühlwasser – der Wirkungsgrad wurde deutlich erhöht, was viel Energie einspart und THG-Emissionen entsprechend reduziert. Für die Nutzung von Restwärme wurden Wärmepumpen eingesetzt, die die notwendige Erwärmung von Brauchwasser ermöglichen. Auf der anderen Seite wird die Abwärme zum Kühlen von Rohstoffen oder zur Klimatisierung der Fertigungshallen genutzt. Weitere bedeutende Projekte sind die bereits 2017 installierte computergesteuerte Dosieranlage für UV-Bindemittel, die als Exzellenzbeispiel im Rahmen der Initiative „100 Betriebe für Ressourceneffizienz“ geführt wird.

Sehr erfolgreich war auch die Wegeoptimierung in der Logistik: „2017 haben wir ermittelt,“ so Gülen Ak, „welche Wege der innerbetriebliche Transport täglich zurücklegt. Für die 135 größtenteils elektrischen Stapler, die über 80 Prozent unserer Fahrzeugflotte ausmachen, konnten 50 Prozent der Wege reduziert werden. Dies schlägt sich natürlich unmittelbar in der CO2-Bilanz nieder.“

Rest-Emissionen kompensieren

Im Jahr 2020 hat Zeller + Gmelin, trotz aller Bemühungen, für Eislingen noch einen THG-Ausstoß von etwa 4.760 Tonnen zu verzeichnen, was angesichts der Größe des Standortes innerhalb der Branche durchaus ein guter Wert ist. Um komplett klimaneutral zu werden, unterstützt das Unternehmen zur Kompensation dieses Restausstoßes Non-Profit-Organisationen, die sich in Biomasse- und Windkraftprojekten engagieren. „Wir haben bewusst Projekte in der Türkei, in Indien und in China ausgewählt, weil wir dort mit Tochtergesellschaften vertreten sind, und genau diese Projekte bereits vor unserer Ausrichtung auf Klimaneutralität unterstützt haben“, fügt Gülen Ak nicht ohne Stolz an.

Kontakt:

DQS GmbH

August-Schanz-Straße 21

60433 Frankfurt am Main

Tel. +49 69 95427-0

www.dqs.de

Zeller+Gmelin GmbH & Co. KG

Schlossstr. 20

73054 Eislingen

Tel. +49 7161 802–0

www.zeller-gmelin.de


Im Überblick

Unternehmen, die schonend mit Material und Energie umgehen, schützen die Umwelt und senken dauerhaft hohe Kosten.


INFO

Video: Am Beispiel der Zeller + Gmelin GmbH wird aufgezeigt, wie ein mittelständisches Unternehmen ein Energieaudit durchgeführt, ein Energiemanagementsystem implementiert und erfolgreich Maßnahmen zur Verbesserung der Energieeffizienz umgesetzt hat.

Webinaraufzeichnung: Klimamanagement: Synergien von ISO-Normen nutzen

Expertenbeitrag: Treibhausgasbilanz gemäß der Norm ISO 14064-1.

Energy Talk 2021: Am 12. Oktober 2021 lädt die IHK Region Stuttgart zum Energy Talk unter dem Motto „Energiewende – Chance für die Wirtschaft“ ein. Gülen Ak von Zeller + Gmelin nimmt an der Diskussionsrunde teil.



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