Corporate Social Responsibility

Einhaltung wird zum Erfolgsfaktor in der Lieferkette

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Geschäftspartner müssen verstärkt ökologische, ökonomische und soziale Aspekte berücksichtigen. Das CSR-Profil eines Unternehmens ist seit jeher eng mit der Aktivität seiner Lieferkette verknüpft – CSR-Lieferantenaudits sind deshalb ein Muss.

Altan Dayankac
Produktmanager „Nachhaltigkeit und Arbeitsschutz“ sowie Auditor für zahlreiche Nachhaltigkeitsstandards, Deutsche Gesellschaft zur Zertifizierung von Managementsystemen (DQS GmbH), Frankfurt/M.

Wir leben in einer Zeit, in der mit wenigen Klicks umfangreiche Informationen über die Sozial- und Umweltverträglichkeit beliebiger Produkte oder Dienstleistungen eingeholt werden können. Ein Unternehmen, das dabei nicht sonderlich gut abschneidet, steht schnell am Pranger. Der Ruf leidet, ebenso der Absatz oder die Auftragslage – nachhaltiger Unternehmenserfolg geht anders.

Unternehmerisches Wirken muss sich aber auch lohnen – das ist der Grund, warum Nachhaltigkeit auf drei und nicht nur auf zwei Säulen steht: Ökologie sichert die Lebensgrundlage unserer Nachfahren, Soziales erträgliche Arbeitsbedingungen, Ökonomie, dass wir das alles auch bezahlen können. Nimmt man noch zentrale Aspekte wie Compliance oder Risikomanagement hinzu, wird klar, warum ein CSR-Lieferantenaudit eine strategische Entscheidung für dauerhaften Unternehmenserfolg ist.

CSR mit vielen Facetten

Allerdings: Corporate Social Responsibility hat viele Facetten, und jede einzelne davon kann auf unterschiedliche Weise ausgelegt werden. Damit das CSR-Lieferantenaudit zielführend ist, sollte sich ein Unternehmen unbedingt mit den Marktstrukturen und -mechanismen rund um das Thema vertraut machen. Dazu braucht es Antworten auf folgende Fragen:

  • Worauf basieren die gängigen CSR-Anforderungen?
  • Warum werden CSR-Anforderungen an Lieferanten gestellt?
  • Wer stellt CSR-Anforderungen?
  • Welche Möglichkeiten der Prüfung bestehen?
  • Wie lässt sich die Erfüllung der Anforderungen nachweisen?
  • Welche Lösungen eignen sich für die Lieferkette?
  • Wie kann ein individuelles CSR-Profil ermittelt werden?

Basis-Referenzen für CSR-Anforderungen

Es gibt weniger als eine Handvoll Basisreferenzen für CSR-Anforderungen, auf die sich weltweit alle rund 4000 Nachhaltigkeitsinitiativen und etwa 350 Nachhaltigkeitsstandards mehr oder weniger direkt beziehen:

  • die 30 Artikel der „Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ (UN Human Rights),
  • die 20 Grundsätze der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zum Thema „Grundsätze der Unternehmensführung“,
  • die „Dreigliedrige Grundsatzerklärung über multinationale Unternehmen und Sozialpolitik“ der International Labour Organization (ILO).

Was aber fehlt, ist eine global anerkannte Basisreferenz, die umsetzbare Anforderungen mit Blick auf ökologische Belange liefert. Die bestehenden Umweltanforderungen sind eher technischer Natur und stark auf die Einhaltung nationaler Gesetze und internationaler Vereinbarungen zum Klimaschutz ausgerichtet, wie die Rio-Erklärung oder das Pariser Abkommen.

CSR-Anforderungen der interessierten
Parteien

Für ein Unternehmen stehen drei mögliche Gründe im Raum, die Nachhaltigkeits-Performance seiner Lieferanten zu überprüfen: Weil es aus eigenem Antrieb nur mit CSR-kompatiblen Lieferanten arbeiten möchte, weil es von den eigenen interessierten Parteien dazu angehalten wird, für die Erfüllung der wesentlichen CSR-Anforderungen in der Lieferkette zu sorgen oder weil es politisch (rechtlich) erforderlich ist. Was auch immer die Motivation dafür ist: Mit Blick auf die CSR-Anforderungen der relevanten interessierten Parteien (einschließlich des Gesetzgebers) befindet sich ein Unternehmen immer in einem Spannungsfeld zwischen Politik, Kunden und Lieferanten.

Politik als treibende Kraft

Die Politik spielt eine wesentliche Rolle, wenn es um CSR-Anforderungen geht, jedenfalls für große Unternehmen. So ist im April 2017 die EU-Richtlinie 2014/95/EU in Kraft getreten, die Unternehmen unter bestimmten Voraussetzungen die Berichterstattung über so genannte nichtfinanzielle Informationen abverlangt; das Themenspektrum ist breit:

  • Umwelt (Treibhausemissionen, Wasserverbrauch, Luftverschmutzung, Biodiversität, fossile Energien und anderes)
  • Arbeitnehmer (etwa Geschlechtergleichstellung, Arbeitsbedingungen, ILO-Übereinkünfte, Arbeitnehmerrechte, sozialer Dialog, Rechte von Gewerkschaften, Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit)
  • Soziales (beispielsweise Dialog auf kommunaler und/oder regionaler Ebene oder Sicherstellung des Schutzes und der Entwicklung lokaler Gemeinschaften)
  • Achtung der Menschenrechte (Vermeidung von Menschenrechtsverletzungen)
  • Korruption und Bestechung (bestehende Instrumente zu deren Bekämpfung)

In der EU sind rund 2500 kapitalmarktorientierte Unternehmen betroffen (in Deutschland rund 650), die ein Bilanzvolumen von 40 Mio. Euro pro Jahr überschreiten und mehr als 500 Arbeitnehmer beschäftigen (Durchschnitt über das Jahr). Das hierfür in Frage kommende Nachweisformat, das Reporting, spielt für das Thema „CSR-Lieferantenaudits“ allerdings kaum eine Rolle.

Weitere Gesetze befinden sich im Entwicklungsstadium, etwa das „Nachhaltige-Wertschöpfungsketten-Gesetz“ (NaWKG), das die Einhaltung von Menschenrechten fordert. Und auch „Konfliktmineralien“ sind inzwischen ein rechtlich relevantes Thema; sowohl in der EU (Conflict Mineral Regulation) als auch in den USA (Dodd-Frank Act, Sektion 1502) liegen dazu bereits Verordnungen vor.

Kundenanforderungen als Treiber

Die CSR-Anforderungen eines Kunden an seine(n) Lieferanten basieren – falls vorhanden – in der Regel auf einem Code of Conduct. Solche Verhaltenskodizes spiegeln zwar die individuellen Werte eines Unternehmens wider; wegen der gemeinsamen Basisreferenzen unterscheiden sich diese Werte allerdings kaum.

Gängige Prüf- oder Nachweisverfahren

Je nachdem, wie intensiv ein Lieferant auf Einhaltung der CSR-Anforderungen geprüft werden soll, stehen unterschiedliche Methoden und Werkzeuge zur Verfügung. Sie reichen von der einfachen Selbstauskunft eines Lieferanten auf Dokumentenbasis (etwa gemäß Code of Conduct) inklusive einer Einschätzung der Abteilung Einkauf, über eine Selbstauskunft bei einer Online-Plattform (mit Nachweisen), bei der vom Anbieter meist eine Art Scoring vorgenommen wird, bis zu einem regulären Lieferantenaudit vor Ort.

Audits vor Ort

Das Auditieren vor Ort kann auf drei verschiedene Arten erfolgen, und zwar auf der Basis von

  • Standards mit Managementansatz,
  • Branchenlösungen und
  • unternehmensspezifischen Kriterien.

Als Standards mit Managementansatz stehen IQNet SR 10 und SA8000 zur Verfügung. Beide sind zertifizierbar, unterscheiden sich aber deutlich in der Struktur. SR 10 ist der CSR-Standard von IQNet, einer internationalen Organisation, in der weltweit führende Zertifizierungsgesellschaften zusammengeschlossen sind. Der Inhalt orientiert sich an dem Nachhaltigkeits-Leitfaden ISO 26000, die Struktur an ISO 9001:2015 (High Level Structure), entsprechend gut ist die Integration in bestehende ISO-Managementsysteme.

SA8000 wird von Social Accountability International (SAI) herausgegeben. Der Standard fokussiert auf Arbeitssicherheit, Arbeitnehmer- oder Menschenrechte und orientiert sich an den ILO-Richtlinien. Die Struktur des Standards unterscheidet sich von der üblicher ISO-Managementsystemnormen beträchtlich, was die Integration, trotz leichter Annäherung aus der Überarbeitung von 2015, erschwert.

Dieser Ansatz ist mit Blick auf ein CSR-Lieferantenaudit vergleichsweise aufwändig, weil ein Lieferant zunächst ein komplettes Managementsystem implementieren oder bereits implementiert haben muss. Branchenlösungen fokussieren hingegen stärker auf die in einer Branche relevanten CSR-Aspekte.

Vielfältige Branchenlösungen

Diese Lösungen gehen in der Regel auf Zusammenschlüsse von Branchen zurück. Sie werden für Kunden-Lieferanten-Beziehungen mit der Absicht entwickelt, (CSR-)Risiken in der Lieferkette gezielt zu reduzieren. Die bekanntesten Initiativen sind Together for Sustainability (Chemie), Sedex (branchenunabhängig), PSCI (Pharma), BSCI (Handel), EICC (Elektronik).

Branchenlösungen orientieren sich zwar an den oben genannten Basisreferenzen, setzen aber bei den wesentlichen Themen wie Management, Führung, Menschenrechte, Arbeit, Gesundheit und Sicherheit, Umwelt, Verbraucher eigene Schwerpunkte. Diese Gewichtung verhindert aber gleichzeitig eine gegenseitige Anerkennung – in der Folge kann es in manchen Fällen zu einem erhöhten Aufwand durch Mehrfach-Auditierung kommen.

Kundenspezifische
CSR-Lieferantenaudits

Kundenspezifische Lieferantenaudits sind inzwischen weit verbreitet. Die Grundlage dafür sind Prüfkataloge und Checklisten, die der Kunde nach seinen Bedürfnissen und Anforderungen gestaltet. Facetten der Nachhaltigkeit werden also individuell betrachtet, meist entlang eines Verhaltenskodexes. Zum Verfahren gehört ein angekündigtes Vor-Ort-Audit. Sind jedoch die Auditoren gleichzeitig Mitarbeiter des Kunden, können Konflikte nicht ausgeschlossen werden. Auch könnte es bisweilen an den nötigen Kenntnissen und Erfahrungen für die angestrebte Reduzierung von Nachhaltigkeitsrisiken mangeln. Der Einsatz von Auditoren eines anerkannten, vor allem neutralen Zertifizierers könnte sich in solchen Fällen lohnen.


Das eigene CSR-Profil ermitteln

Was einem (kundenspezifischen) CSR-Lieferantenaudit unbedingt vorausgehen sollte, ist eine so genannte Wesentlichkeitsanalyse. Ein Unternehmen kann damit sein CSR-Profil ermitteln und nicht relevante CSR-Anforderungen unberücksichtigt lassen. Man bedient sich dabei einer Matrix: An einer Achse wird die Relevanz eines Themas für die relevanten interessierten Parteien abgetragen, an der anderen Achse mögliche Auswirkung auf (oder durch) das Geschäft. Die Stelle, an der das Thema innerhalb der Matrix platziert ist, sagt etwas über seine Wesentlichkeit aus.


Wer ist gemeint?

Um Missverständnissen vorzubeugen: Mit Blick auf CSR-Lieferantenaudits meint der Ausdruck „der Kunde“ (wahlweise „das Unternehmen“) denjenigen, der von einem Lieferanten beliefert wird. Dieser Kunde fordert vom Lieferanten, gegebenenfalls. von allen weiteren in der Lieferkette folgenden Lieferanten (tier 1, 2, 3, …), seine CSR-Anforderungen zu erfüllen. Der Kunde selbst ist zwar seinerseits genau dazu aufgefordert, dies jedoch von seinen eigenen (End-)Kunden und interessierten Parteien.



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