Energiemanagementnorm

ISO 50001:2018 – jetzt den Umstieg planen

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Ein zertifiziertes Energiemanagementsystem unterstützt ein Unternehmen darin, die Energieeffizienz zu steigern, den CO2-Ausstoß zu senken und leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Bild: AP/stock.adobe.com
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Für die ISO 50001 dürfen nach dem 20. Februar 2020 keine Zertifizierungsaudits mehr nach der 2011er-Version durchgeführt werden. Um Überraschungen zu vermeiden, sollten sich betroffene Unternehmen jetzt mit den Neuerungen der Revision 2018 beschäftigen.

Julian König
Experte für ISO 50001 bei der Deutschen Gesellschaft zur Zertifizierung von Managementsystemen (DQS GmbH)

Die ISO 50001 ist erstmals im Jahr 2011 in der Nachfolge des europäischen Regelwerks EN 16001 erschienen. Bereits damals bot die Energiemanagementnorm Unternehmen einen geeigneten Rahmen für die Implementierung eines wirksamen Energiemanagementsystems (EnMS). Die Vorteile für Unternehmen: Durch eine deutliche Verbesserung der Energieeffizienz Kosten und gegebenenfalls Steuern sparen, mit dem „Nebeneffekt“, auch einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Gemeinsame Grundstruktur

Die Revision von 2018 hat die Energiemanagementnorm an vielen Stellen noch einmal verbessert – mit Blick auf energiespezifische Aspekte und was ihren grundsätzlichen Aufbau anbelangt. So wurde die bei anderen großen ISO-Managementsystemnormen wie ISO 9001:2015 oder ISO 14001:2015 bereits hinlänglich bekannte gemeinsame Grundstruktur (High Level Structure – HLS) nun auch für ISO 50001 neu eingeführt – ein oft noch unterschätzter Nutzen für Unternehmen, wenn es um die Integration in bestehende ISO-Managementsysteme geht. Als grundlegend gelten die Prozessorientierung, die Betrachtung von Risiken und Chancen und die vollumfängliche Einbindung des EnMS in die Strategie und die Geschäftsprozesse eines Unternehmens. Die Kernausrichtung der Norm ist dabei erhalten geblieben. Die wesentlichen Anforderungen der HLS auf einen Blick:

Kontext der Organisation (Kap. 4.1): Bestimmung interner und externer Themen mit Auswirkung auf die energiebezogene Leistung beziehungsweise das EnMS. Beispiele für externe Themen sind die Zuverlässigkeit der Energieversorgung, Energiekosten, Klimapolitik oder Umweltauswirkungen. Interne Themen sind etwa Unternehmensziele, Reife des EnMS, technische Voraussetzungen, Nachhaltigkeitsziele und finanzielle Einschränkungen.

Interessierte Parteien (Kap. 4.2): Interessengruppen oder Stakeholder, die relevant für das EnMS sind, also Einfluss auf die energiebezogene Leistung haben, müssen mit ihren Bedürfnissen und Anforderungen bestimmt werden, zum Beispiel Behörden oder Energielieferanten.

Führung und Verpflichtung (Kap. 5.1): Die oberste Leitung hat Verantwortung für die Verbesserung der energiebezogenen Leistung und das EnMS und fördert dessen Akzeptanz. Dazu leistet sie umfassende Unterstützung bei der Einführung von Verbesserungsprojekten mit Blick auf die Effektivität des EnMS, stellt Ressourcen bereit und weist etwa Rollen und Befugnissen zu.

Risikobasierter Ansatz (Kap. 6.1): Risiken und Chancen müssen bestimmt und betrachtet, Maßnahmen zu deren Behandlung geplant werden. Im Zentrum stehen die beabsichtigten Ergebnisse des EnMS unter Berücksichtigung interner und externer Themen sowie der interessierten Parteien. Die Ergebnisse der energetischen Bewertung sind die Grundlage zur Bestimmung von Risiken und Chancen und dienen als Eingabe in den Energieplanungsprozess. Ein Risikomanagementprozess wird – anders als bei ISO 14001:2015 – nicht gefordert.

Dokumentierte Information (Kap. 7.5): Sie dient unter anderem als Nachweis für die Verbesserung der energiebezogenen Leistung. Die Anforderungen sind an die anderen Regelwerke angepasst und konkretisiert worden, etwa mit Blick auf Gültigkeit, Versionsstand und Erstellungsdatum von Dokumenten.

Wesentliche energiespezifische Änderungen

Mit der Revision wurden einige energiespezifische Aspekte klargestellt, die in der Version von 2011 teils für Missverständnisse gesorgt hatten; einige Konzepte und Anforderungen sowie neue Begriffe sind hinzugekommen (Übersicht):

  • Klarstellung zur „energetischen Bewertung“
  • Konzept der Normalisierung von Energieleistungskennzahlen (EnPIs) und zugehöriger energetischer Ausgangsbasen
  • Klarstellung zum „Ausschluss von Energiearten“
  • Ergänzungen zum „Plan für die Energiedatensammlung“ und verbundenen Anforderungen
  • Klarstellung des Textes zu Energieleistungskennzahlen EnPIs und zu den energetischen Ausgangsbasen EnBs
  • Wegfall des Energiemanagementbeauftragten

Auf zwei wesentliche Änderungen soll hier (stellvertretend) etwas ausführlicher eingegangen werden:

Klarstellung zur „energetischen Bewertung“: Die energetische Bewertung – gewissermaßen das Herzstück der Norm – ist nun definiert als Analyse des Energieeinsatzes, Energieverbrauchs und der Energieeffizienz (die messbaren Ergebnisse der energiebezogenen Leistung), auf der Basis von Daten und anderer Information, die zur Identifizierung von SEUs und von Möglichkeiten zur Verbesserung der energiebezogenen Leistung führt, so die Norm sinngemäß. Jeder dieser SEUs muss nun genauer betrachtet werden, d. h. Bestimmung von Personen mit Energierelevanz und dessen Energieeffizienz (als Kennzahl) und relevante Variablen. Die englische Abkürzung SEU bedeutet „Significant Energy Use“ und meint Bereiche mit wesentlichem Energieeinsatz, etwa Anlagen, Systeme, Prozesse etc.

Normalisierung von Energieleistungskennzahlen (EnPIs): ISO 50001:2018 unterscheidet zwei Arten von Einflussfaktoren, relevante Variablen und statische Faktoren: Relevante Variablen sind quantifizierbare (messbare) Faktoren mit wesentlichem Einfluss auf die energiebezogene Leistung. Diese Faktoren können sich ändern, Beispiele sind Produktionsmengen, Wetter, Innentemperaturen etc. Statische Faktoren beeinflussen die energiebezogene Leistung ebenfalls wesentlich, sind dabei aber relativ unveränderlich und in der Regel bekannt. Beispiele sind Größe von Einrichtungen, Portfolio, Ausrüstung, Gebäude etc. Bei der Bildung von EnPIs müssen relevante Variablen und statische Einflussfaktoren berücksichtig und die EnPIs möglicherweise modifiziert werden; dieser Vorgang wird als „Normalisierung“ von EnPIs bezeichnet.

Umfassender Nutzen eines EnMS

Der Nutzen eines (zertifizierten) Energiemanagementsystems nach ISO 50001:2018 liegt auf der Hand: Unternehmen können durch die konsequente Erfüllung der Anforderungen ihre Energieeffizienz deutlich steigern, was grundsätzlich mit teils enormen Kosteneinsparungen einhergeht. Unter bestimmten Voraussetzungen können auch erhebliche Steuerersparnisse eingefahren werden (Stichwort Spitzenausgleich). Wichtig ist zudem der Nachhaltigkeitsaspekt: Die Steigerung der Energieeffizienz bedeutet eine Senkung des CO2-Ausstoßes und stellt damit einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz dar. Dieser Umstand sorgt für eine verbesserte Außendarstellung von Unternehmen (Imagegewinn) und erhält auch mit Blick auf mögliche CSR-Berichterstattungspflichten eine größere Bedeutung.



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